Noch geht`s

… in kurzen Hosen. Findet auch Torben. Allerdings sind ca. – 2 ° nun auch wirklich nicht sooo kalt, zumal es zum heutigen Lauf keinen nennenswerten Wind gab. Allerdings war meine Schuhwahl wieder daneben. Ich hatte nach einer Ewigkeit mal wieder die V-Trails plus Zehenzocken rausgekramt. Dabei dienten die Zehensocken nicht als Kälte- sonders als Scheuerschutz gegen Blasen, da ich die FiveFingers einfach nicht mehr gewohnt bin. Schon nach 100 m, beim Überqueren der Straße mit ihrem Schneematsch, waren die Füße naß. Da hätte ich auch wieder die Sandalen anziehen können, zumal auch meine Fersen von der befremdlichen Umhüllung nicht sonderlich begeistert waren. Immerhin blieben die Füße diesmal warm 😎

Etwas anstrengender ist das Laufen auf und im Schnee ja schon, aber zum Glück nicht durchgehend so tricky wie die Treppe von der Huntebrücke hinunter zum Deich. Aber das Winterwonderland entschädigt doch für alles 🙂

Gegenseitigkeit

Ich erwähnte es ja bereits in meiner Jahresbilanz 2020: Gute 63 % meiner Jahreskilometer bin ich barfuß gelaufen. Es hätten sogar noch etwas mehr sein können, aber der Dezember zeigte sich mit seiner feucht nassen Kälte arg garstig und so kamen in dem Monat gerade mal maue 40 Barfußkilometer zusammen. Auch der Januar verhagelt mir entsprechend weiter meine Barfußbilanz und die Sandalen sind im Dauereinsatz. So what würde der Franzose sagen, es gibt schlimmeres. Meine Motivation zum Beispiel. Feuchtkaltes, dauergraues Winterwetter gepaart mit depressiver Watte im Kopf sorgte und sorgt im Augenblick nicht gerade für die allergrößte Lauflust und es hätte und würde mir nicht nur die Barfuß- sondern die Gesamtbilanz verhageln, wenn ich da nicht zur Zeit Torben als meinen Laufpartner hätte. Das Laufen harmoniniert mit ihm sehr gut. Das Tempo stimmt und wir können uns etwas erzählen, ohne ununterbrochen reden zu müssen.

Für Torben als verhinderter Schwimmer ist Laufen ja nur ein Ersatz und er würde nicht laufen, wenn ich es nicht mit ihm täte. Somit ist die gegenseitige Motivation für uns quasi eine Win win-Situation und auch starker, nasser Schneefall hält uns dann nicht ab. Die Dauer unserer Runde am Donnerstag hatte aber weder der Schneefall noch der klägliche liegengebliebene Schnee überlebt.

Immerhin sorgte leichter Nachfrost zwei Tage später auch noch einmal für einwenig Winterfeeling 🙂

So läppern sich die Kilometer halt doch zusammen und ich liege für den Januar im Soll und ich weiß nicht recht, ob ich Torben noch länger geschlossene Schwimmbäder wünschen soll. Nein, das tue ich natürlich nicht! So einer bin ich nicht 🙂

Fardig!

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Fardig ist Plattdeutsch und heißt fertig. Ja, wir haben fertig! Gestern endete in Emden unsere vier Winter dauernde Rundreise vom Dollart zum Jadebusen, vom Jadebusen nach Oldenburg, von Oldenburg nach Bourtange und von Bourtange zurück zum Dollart nach Emden.

Von unserem letzten Etappenziel im Dezember, dem niederländischen Bad Nieuweschans strebten wir, großteils der Dollartroute folgend, gen Norden. Wir, das waren diesmal Freya, Kerstin, Sylke, Axel, Ralf, Stephan und ich. Kaum hatten wir den idyllischen Ort verlassen …

… zeugte ein Schild an einem Haus „Imkerhonig aus eigener Herstellung“ davon, dass wir auch schon wieder die Seite gewechselt hatten. Ist es nicht fantastisch, dass wir in unserer Europäischen Union die Möglichkeit haben Grenzen zu überschreiten und dieses nur noch an irgendwelchen Kleinigkeiten zu merken? Dieses Vorteil grenzenlosen Genußes vergessen wir leider nur zu gerne, wenn wir mal wieder über Europa meckern.

Aber zurück zum Thema: Das wir nur großteils der Dollartroute folgten, erlebten wir kurze Zeit später als Sylke uns beschied auf einen Acker abzubiegen, um auf der, wie immer dankenswerter Weise von Ralf ausbaldowerten, Strecke zu bleiben. Ob es hier wirklich jemals einen Weg gegeben hat, wird wohl das Geheimnis des Landwirts bleiben, der diesen ggf. untergepflügt hat. Aber in einiger Entfernung war eine alte Deichlinie zu erkennen, wo sich der Weg fortsetzen sollte und so stapften wir tapfer durch den tiefen Acker und die Laufschuhe wurden immer größer, da der lehmige Boden massiv an ihnen kleben blieb, und auch meine belaufsandalten Füße verwandelten sich in, gefühlt kiloschwere, Klumpen 😀 Aber als der Weg dann wieder erkennbar ein grasbewachsener Weg war, konnten wir die ungewollte Fracht nach und nach wieder abstreifen und ein wenig später zufällig an der Strecke liegendes Sportlerheim bot sogar Schuhbürsten, von denen ich in meinen Sandalen allerdings nicht profitieren konnte 🙂

Allerdings blieb diese letzte Etappe bis zum Erreichen des wunderschönen Örtchens Ditzum eine insgesamt recht matschige Angelegenheit 😀 Aber wie heißt es so schön: Ist die Sauberkeit erst ruiniert, läuft es sich gänzlich ungeniert 😆  Ganz nebenbei haben wir auf unserem Weg einen der tiefsten Orte Deutschlands passiert und befanden uns dort satte 2,60 m unterhalb des Meeresspiegels!

In Ditzum angekommen hatten wir schon ca. 20 km in den Beinen, als wir die Fähre bestiegen, um über die Ems und den Dollart nach Petkum überzusetzen.

Ab Petkum wurde es aber elendig. Nach der Überfahrt noch einmal wieder anzutraben, fiel uns allen etwas schwer. Zudem hatten wir auf diesen Schlußkilometern den naßkalten Wind von vorne und die langen Geraden ließen uns deutlich voraussehen wie weit die Reise noch ging. Ein psychologischer Dolchstoß wurde uns versetzt als wir merkten, dass sich die vermuteten vier letzten Kilometer auf sechs Kilometer ausdehnten. Was poppelige zwei Kilometer da ausmachen können, Hammer! So trabten wir alle nur noch wortkarg vor uns hin und als Sylke zu mir sagte, da ist der Radarturm, wir sind da, war sicherlich nicht nur bei mir die Freude groß. Auf jeden Fall hat es mir zum Schluß gereicht und mein anschließendes Gangbild war…. nun sagen wir mal … etwas unrund 😛

Apropos große Freude: Wen interessieren ein paar zähe letzte Kilometer? Wir sind da angekommen, wo wir am 04.12.2016 gestartet waren, genial. Fardig ❗ :

Und beim anschließenden Kuchengenuß war die Welt sowieso ruckzuck wieder in Ordnung 😆

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Schlußbetrachtung: 4 Winter, 14 Etappen, insgeamt ca. 330 km. Schnee, Regen, Sonne, Frost und Wind. Kein Leistungsdruck. Nette Gesellschaft. Aus reinem Spaß an der Lauffreude. Abenteuer Heimat. Das war eine absolute geniale Geschichte!

Das es schwer sein wird, dass noch zu toppen, merkten wir gestern beim Kuchenessen. Es hat sich noch keine Idee so richtig durchgesetzt, wie wir das fortsetzen können. Fest steht nur, dass es weitergehen MUSS um den langen Wintern laufend ein paar Highlight-Sonntage abzutrotzen und um weiterhin zum Abschluß irgendwelche Cafés stürmen zu können 😀