Der Fleck muß weg

Oder: Zwei Ärzte, drei Meinungen.

Ui, 10 Tage Stille auf diesem Blog, wie ungewöhnlich. Dabei läufts läuferisch eigentlich. Nein, mehr als das, ich bin recht zufrieden, ziehe meine Runden und fühle mich fit. Allerdings führte dieser läuferische Alltag und etwas Streß außerhalb dieses Alltags wohl zu dieser kurzen Pause.

Bei einem Besuch in Nimwegen am Wochenende entdeckte dann ein lieber Freund beim Blick auf mein knackiges Geläuf 😛 einen ungefähr handtellergroßen roten Fleck auf der Rückseite meines linken Oberschenkels. Einwenig Internetrecherche ließ in mir den Verdacht auf Borreliose aufkeimen, zumal ich nach einem Besuch eines Badesees bzw. der dazugehörigen Liegewiese vor ca. vier Wochen schon drei kleine Zecken von mir abgepflügt hatte.

So führte mich die Rückreise aus den Niederlanden am Montagmorgen statt direkt ins Büro erst einmal direkt zum Hausarzt, der den naheliegenden Verdacht teilte, aber noch durch eine Blutuntersuchung bestätigt haben wollte. Sollte sich der Verdacht auf diesem Wege bestätigen, würde eine dreiwöchige Antibiotika-Therapie folgen und während dieser möge ich doch bitte keinen Sport treiben.

Nun wollte es der Zufall, dass ich heute mein halbjährlichen Check-Up in der Dermatologie des Klinikums Oldenburg hatte. Die (Chef-)Ärztin dort meinte angesichts des Flecks, dass auf jeden Fall alleine aufgrund des klinischen Befunds eine Antibiotika-Behandlung angezeigt wäre, auch bei negativem Befund der Blutuntersuchung. Warum ich aber auf Sport verzichten sollte, wollte ihr nicht einleuchten. Vielleicht in den ersten vier Tagen, aber generell sieht sie kein Notwendigkeit des Verzichts.

Jetzt, unmittelbar nach dem Termin im Klinikum, habe ich gerade telefonisch erfahren, dass die Blutuntersuchung keinen Hinweis auf Antikörper ergeben hat. Deshalb bastel ich mir jetzt meine eigene Meinung. Ich werde die Antibiotika-Therapie machen, sicher ist sicher, und ich werde weiter laufen gehen. Ich komme ja dahinter, ob mir die Kombination Antibiotika und Laufen bekommt. Ich muß es in der Zeit ja nicht übertreiben und kann ggf. dann immer noch damit aufhören.

Halbzeit

… meiner Laufpause ist durch. Die kleine OP liegt nun schon gute zwei Wochen zurück und somit hat sich die Zeit des Sportverbots schon halbiert. Dieses Wochenende weiß ich mich auch wieder gut beschäftigt. Zuhause findet unsere Frühlingsausstellung statt, zu der wie immer Freunde, Nachbarn, Familie, Kollegen und deren Freunde eingeladen sind.

Und auf den vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame gibt es diesmal auch wieder eine Fotoauswahl unserer Ausstellung 🙂

Erstmalig beteiligt sich auch eine Kollegin von Jens mit ihren in Handarbeit gefertigten Gruß- und Einladungskarten. Traditionell hingegen bieten wir schon selbstgestrickte Schals und Socken von meiner weltbesten Schwiegermutter an.

Das gruseliggraue, ekelig kalte Wetter war einer Frühlingsausstellung leider überhaupt nicht würdig. Morgen soll es leider auch nicht besser werden. Egal, die Laufpausenzeit läuf und läuft … bald ab 🙂

Regen

Wie unterschiedlich doch die Sicht der Dinge ist. In den Zeiten, als ich noch zu den Läufern gehörte, mochte ich den Regen. Es gab Regentage, da war ich ganz hibbelig vor Vorfreude, endlich in die Laufschuhe springen zu dürfen und durch den Regen zu wetzen.

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Aber nun, wo meine sportliche Aktivität so ein jähes Ende gefunden hat und ich nur noch zu der Grundform der Fortbewegung, dem Gehen, fähig bin, da sehe ich den Regen mit ganz anderen Augen. Der Regen ist plötzlich viel nasser. Und nicht nur das, er ist vorallem nasskälter. Dazu noch dieser Wind: kalt, feucht, fürchterlich. Wie konnte ich dem allen nur etwas abgewinnen, in meiner Zeit als Läufer?

Wie konnte ich nur Freude empfinden, restlos naß zu werden. Wie kindisch bin ich einfach durch die Pfützen gerannt und habe schelmisch gegrinst, wenn andere verständnislos den Kopf schüttelten.  Schlamm und Dreck an den Beinen, an den Schuhen, sie waren wie Trophäen und ich fühlte mich wie im siebten Läuferhimmel.

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Und jetzt? Missmutig schlurfe ich gerade mal zum Aldi, umkurve jede Pfütze, schlage den Jackenkragen hoch, trage lange Jeanshosen, damit man mich nicht für restlos durchgeknallt hält, und flüchte schnell mit den zusammengerafften Lebensnotwendigkeiten wieder ins Haus. Zurück in die sportliche Isolation, aus die mich, wenn überhaupt, nur dieser Blog retten kann. Aber es sind ja nur noch maximal 3 1/2 Wochen und dann kehre ich zurück, wie Phönix aus der Asche! Dann wird wieder alles so sein wie früher!

Und bis dahin mußt Ihr solchen Schrunz von mir ertragen.

😀        😀        😀

Von Säuen und Dörfern

Heute vor einer Woche bin ich das letzte mal gelaufen. Und was macht der Läufer, wenn er mal nicht läuft? Er denkt über das Laufen nach. Bei mir kommt dann schon mal soetwas dabei heraus:

Laufen ist eine schöne Sache. Es macht fit, hält Zivilisationskrankheiten von uns fern, erfüllt uns mit Spaß und Freude, bringt Genuss und fordert, läßt uns Grenzen erreichen und überschreiten und noch vieles mehr.

Und eigentlich ist Laufen ja auch ganz einfach. Du kaufst Dir ein vernünftiges Paar Laufschuhe und dann kann es im Prinzip schon losgehen.

Nix da, es gibt ja noch so viel zu beachten! Du hast das Anfängerstadium hinter Dir gelassen und Blut geleckt? Jetzt willst Du schneller, weiter, höher laufen? Dann rücken Trainingspläne in Deinen Fokus. Von der Runde um den Dorfteich bis hin zum 100 km-Lauf in fünf Stunden ist für alle Läuferlebenslagen mindestens einer dabei. In ihrer schieren Vielfalt können sie Dich schlimmstenfalls mehr verwirren als erleuchten 🙄

Aber auch wenn Du einfach nur aus Spaß an der Freude vor Dich hin läufst, sagt Dir plötzlich irgendjemand, dass es sich doch viel eleganter auf dem Vor- oder Mittelfuß, über die Ferse oder auf Händen läuft 😯

Du hast Dich zu einem Laufstil durchgerungen? Gut! Aber was trägst Du denn da für Klamotten? Aldi oder Marke? Atmungsaktiv müssen die Prüllen sein, am besten mit Silbermolekülen (Gold- und Platin für die Yuppieläufer) Kleide Dich nach dem Zwiebelprinzip! Wind-, wasser-, winterfest. Trägst Du normale Laufsocken, Kompressionsstrümpfe oder Stützstrümpfe?

Du hast auch dieses Kapitel erfolgreich für Dich abschlossen? Dein Kleiderschrank bietet das Richtige sowohl für den Lauf in der Sahara als auch für den zum Nordpol? Schön! Und was isst und trinkst Du denn so auf Deinen Läufen? Wasser oder Energiedrinks, ein Gläschen Likör (Stößchen) oder gar nichts? Trägst Du einen Patronengürtel oder Rucksack mit Trinkblase? Nimmst Du Müsliriegel, Gels, Rosinen, Kartoffeln, ein Kotelett oder ein Stück Torte zu Dir? Du bist was Du isst, auch beim Laufen, also entscheide Dich ❗

Dir tut etwas weh? Ohje! Jetzt geht richtig die Post ab. Hausärzte, Orthopäden, Physiotherapeuten, Osteophaten, Homöopathen, der übergewichtige Kollege und die Oma mit ihren Wadenwickeln stürmen mit all ihrer Weisheit auf Dich ein. Ist eine komplette Laufpause angesagt oder nur eine Verringerung der Laufumfänge oder rennst Du Deinen Schmerzen beim nächsten Marathon davon?  Ist das Geläuf endlich wieder geheilt, bist Du selber ganz krank im Kopf 👿

Aber Du kannst Dich ablenken. Schließlich gilt es noch die Frage zu klären, ob und wenn ja mit welcher Laufuhr Du unterwegs sein willst, ob mit Pulsgurt oder ohne, ob mit GPS oder ohne. Vergiss nicht das ganze auszuwerten und Dich über das WWW mit anderen zu vergleichen oder Dich noch während des Laufes über eine App auf Deinem Telefon von Deinen Freunden oder der NSA beklatschen zu lassen 😀

Läufst Du übrigens mit Musik auf den Ohren oder gibst Du Dich dem Naturgenuss hin?  Fast schon eine Glaubensfrage.

Läufst Du etwa über Asphalt? Gibts doch nicht, Trailrunning ist angesagt. Es soll aber auch Leute geben, die übers Wasser laufen. Moonrunning ist in Vorbereitung.

Läufst Du eigentlich regelmäßig? Was ist denn regelmäßig? Mehrmals die Woche? Einmal die Woche, im Monat oder im Jahr? Schon mal was vom Streak gehört ❓

Und ab welchen Tempo ist man eigentlich Läufer, schließlich willst Du doch nicht für einen schnöden Dschogger gehalten werden, oder? Ein 6er-Schnitt sollte es schon sein! Oder doch besser 5:30? 5:00? Wer bietet weniger?

Wie weit willst Du überhaupt laufen? 3 km? 5 km?, 10? Halbmarathon? Marathon? Ultra? Transeuropa? Überleg Dir das endlich mal!

Ach ja, anfangs schrieb ich, Du brauchst nur ein Paar vernünftige Laufschuhe. Aber was sind ein Paar vernünftige Laufschuhe? Mit viel Sprengung? Mit wenig Sprengung? Mit Stütze oder ohne? Barfußschuhe oder supergedämpft?  Gar kein Schuh geht übrigens auch.

Aber beachte: Was heute richtig ist, hat morgen keine Gültigkeit mehr. Jeden Tag wird ein neue Sau durchs Dorf getrieben. Die moderne, hektische Welt macht auch vor dem Laufen nicht halt. So wird bei der Tempohatz entschleunigt. Alles dreht sich, alles bewegt.

Aber vergesse dabei eine oder einen nie: Dich! Du bist der Mittelpunkt Deiner Welt! Sei nicht die Sau die durchs Dorf getrieben wird. Filter die Informationen die für Dich wichtig sind, treffe Deine Entscheidungen. Sei offen für vieles, aber hefte Dir nicht alles an die Brust. Bedenke, wer nach allen Seiten offen ist, der kann nicht ganz dicht sein. Freue Dich über gute Vor- und Ratschläge, übernehme was Dir logisch und vernünftig erscheint. Mache Deine Erfahrungen, sei Vorreiter für Dein eigenes (Lauf-)leben.

Und zu guter Letzt: Nimm alles und diesen Artikel nicht so ernst :mrgreen:

Es ist so schön

… wenn der Schmerz nachläßt. Ganz weg ist er zwar noch nicht und das rechte Ohr fühlt sich noch so an als habe es die Größe und die Form einer Apfelsine, aber es wird so langsam.  Nach zwei Tagen leiden wie nur Männer leiden können, kehren die Lebensgeister allmählich wieder zurück.

Wenn man so kränkelt verliert darüberhinaus irgendwie den Sinn für Zeit und Raum. Die normalen Tagestrukturen sind hinfällig und im Haus klüngelt man auch nur so einwenig herum. Wann war ich überhaupt das letzte Mal laufen? Irgendwie kommt es mir schon so weit weg vor. Und weit weg wird es auch noch ein paar Tage bleiben. Die letzten beiden Tage habe ich mich des kalten Nordostwindes wegen trotz strahlenden Sonnenscheins gar nicht vor die Haustür getraut und heute bietet Oldenburg eine wahrlich traurige ugly weather destination.

07.02.15 01

Schmuddeliges, nieselregnerisches, kaltwindiges Ekelwetter macht die Laufabstinenz fast schon zu einem Genuss. In der Tat vermisse ich das Laufen im Moment noch nicht. Ich hoffe, dass ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen muß 🙄 Aber mit steigendem Wohlbefinden wird die Lust zum Laufen schon wiederkommen. Und wo im Moment keine Lust zum Laufen ist, ist auch kein dummer Gedanke da, damit zu früh wieder anzufangen. So paart sich Unlust mit Vernunft. Was das alles gibt 😎 Hoffentlich hält das noch so lange an wie nötig.