Der letzte Kilometer

Einmal wollte ich es mir noch geben, ein letztes Mal wollte ich in „normalen“ oder „klassischen“ oder „wie auch immer ich sie nennen soll“ -Laufschuhen laufen. Das letzte Mal, dass ich solche getragen habe, ist gute eineinhalb Jahre her. Exakt war es am 24.09.2017 zum Berlin-Marathon. Damals waren es die schon etwas weniger gedämpften Mizuno Wave Sayonara.

Für die heutige Abschiedstour habe ich aus meinem noch vollständig vorhandenen Fundus aber den extremsten Schuh dieser für mich vergangenen Ära ausgewählt, den absoluten Dämpfungsoverkill names Hoka One One oder wie auch immer das Ding noch genau heißt.

So zog ich als erstes Socken an um danach die Hokas über die entwöhnten Füße zu stülpen und loszutraben. Die Hokas waren damals schon krass, aber wie krass sie wirklich sind, erlebe ich heute ab dem ersten Laufschritt in diesen Dampfern. Wie auf schwabbeligen Gelkissen laufend, versuchen die Füße hilflos irgendwie den Untergrund zu erspüren und auf selbigen Halt zu finden, vergebenlich. Wer auch immer das Wort Dämpfung erfunden hat, hier erfährt es seine tiefste Wahrheit. Sie merken, sie merken nichts. Die kurze Vorstellung meine Füße könnten sich über den plötzlichen, unerwarteten Komfort freuen, verpufft auf den ersten 100 Metern. Nicht nur das völlig vom Untergrund entkoppelte Laufgefühl ist befremdlich, sondern auch der Platz in den Schuhen bzw. der nicht vorhandene Platz. Meine Zehen fühlen sich eingeengt und die Fußaußenkanten drücken gegen die Schuhflanken. Da ich mich an so ein Engegefühl zur „damaligen'“ Zeit nicht erinnern kann, steht wohl zu vermuten, dass meine Füße ihre inzwischen gar nicht mehr so neue Freiheit dazu genutzt haben, um sich breit zu machen 🙂

Immerhin rolle ich auf diesem finalen Lauf auch in den Hokas nicht mehr über die Ferse ab. Das ich das früher nicht getan habe, zeigt das Verschleißbild der Sohle nach ca. 500 km auf dem Hoka-Tacho deutlich.

Auf nur gut einem letzten Kilometer habe ich mir diesen „Abschiedsspaß“ gegönnt. Danach kam nur noch das folgende Fotoposing im Vergleich zu barfuß und den Pies Sucios.

Den einen Kilometer zurück zum Auto bin ich dann schon wieder barfuß gelaufen. Die Sandalen befanden sich da im Laufruck und die gefühlt tonnenschweren Hokas in der Hand. Die Klötze passen nicht mal so eben ins Heckabteil. Der Barfußkilometer fühlte sich dann wieder gut und richtig an und mein „normal-/klassisches“ Laufschuharsenal wird nun nur noch einen finalen Weg antreten: Den in den Altkleidercontainer.

Ich denke, ich habe im Grundsatz meinen Weg gefunden. Bei der Gelegenheit betone ich noch einmal ausdrücklich, dass ICH MEINEN Weg gefunden habe. Ich möchte mit diesem Post definitiv nicht den Eindruck vermitteln, dass ich jetzt die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und dieser Weg der alleinseelig machende Königsweg ist. Für mich hat es sich aber gelohnt mich auf diesen Weg zu machen, der bei weitem noch nicht zu Ende ist und auf dessen weiteren Verlauf ich mich sehr freue und sehr gespannt bin.