links Bethlehem rechts

Nanu? Ist die etappenlaufende Truppe auf ihrem Weg in die Niederlande etwa vom selbigen abgekommen? Dazu mehr im weiteren Verlauf.

Etappe 4 am gestrigen Sonntag auf unserem Winterlauf ins niederländische Bourtange. Ich muß zugeben, angesichts der Wettervorhersage hatte ich schwer mit meinem Schicksal gehadert 🙂 Täglich änderten sich die Vorhersagen für diesen Sonntag. Mal 11°, mal 6°, mal Sturm bis Stärke 10, dann nur wieder ein laues Lüftchen. Die einzige Konstante in der Vorhersage war Regen, viel Regen. Schon wieder Regen und das nachdem wir doch schon auf der dritten Etappe regelrecht abgesoffen waren.

Aber wie das so ist mit der Gruppendynamik, ich wollte da nicht das Mädchen sein, das kneift. Außerdem hätte es mir in der Seele wehgetan, wenn ich nur wegen son bisschen Wetter eine Etappe verpaßt hätte. Und so stand ich mit fünf weiteren wackeren Gesellinnen und Gesellen, die da waren Antje, Antje, Sylke, Ralf und Stephan, am Start im emsländischen Nirgendwo. Tja, und was soll ich sagen? Dieser Wagemut, sich den Elementen zu stellen, wurde belohnt. Wirklich absolut pünktlich zum Start hörte es auf zu regnen und es blieb immerhin bis Kilometer 11 trocken. Sensationell!

Somit bildeten die zahlreichen Pfützen auf den Wegen vorerst das einzige Naß, garniert mit allerlei Gezweig, das der Sturm vom Vortag von den Bäumen geschüttelt hatte. Um die Sehne auf dem linken Spann zu schonen, lief ich ausnahmsweise nicht in den FiveFingers sondern in meinen Merrell Vapor Glove, dazu das erste Mal nach geschätzt 10 Monaten mit Laufsocken. Beides sollte noch reichlich Gelegenheit bekommen sich restlos vollzusaugen.

Eine ganze Zeit lang liefen wir am Auto-Testgelände entlang, wo die noch so arg geheimen automobilen Offenbarungen der Zukunft ihre Runden drehen. Selbst am Sonntag hört man sie fahren. Zu sehen ist hinter Wällen und Wäldern aber nichts. Auch zwei Brücken, die über das Testgelände führen sind blickdicht abgeschottet. Zuvor versperrte uns ein völlig sinnfrei auf einem Weg rumstehendes Tor den Durchmarsch und wir mußten uns durchs Unterholz schlagen um es zu umgehen.

Nach einer kurzen Teatime wurde es dann aber doch wieder so richtig naß und kurz darauf bogen wir zuerst in ein kleines Wäldchen ab und dann ins Moor. Hier jubilierten nur noch unsere Gore-Tex-Schuhträger über trockene Füße, während mein minimales Schuhwerk sich mit ungefähr soviel Wasser füllte wie die Titanic bei ihrem Untergang und auch die Kamera war einfach nicht mehr trocken zu halten. Richtig krass war ein über drei Kilometer langes Wegstück am Rande des Moores, das eigentlich komplett nur aus Torf bestand. Mit jedem Schritt sank man mächtig in den Untergrund ein und Füße und Waden wurden ordentlich sprapaziert.

Aber nachdem uns das Moor wohlbehalten wieder ausgespuckt hatte, war es auch schon nicht mehr weit zum Zielort Neulehe. Der Regen hatte wieder aufgehört und wir konnten auf den letzten der gut 23 km vor dem Klamottenwechsel noch etwas abtrocknen.

10.02.19 36

Als wir dann in die Autos gesprungen waren um ins nahe Papenburg zum obligatorischen Torteessen zu fahren, fing es dann erneut an zu schütten. Kurz vor Erreichen des symphatischen Cafés mit dem schönen Namen Stövchen zeigte das Navi an: links Bethlehem rechts. Zu unserer Beruhigung durften wir aber feststellen, dass wir immer noch in Papenburg waren und das Navi auch keine Links-Rechts-Schwäche hatte. Lediglich die Straße hieß Bethlehem und da einige Straßen in Papenburg mittig von einem Kanal geteilt werden, gibt es zum Straßennamen die Zusatzbezeichnung links oder rechts. So galt es nach links auf die rechte Seite der Straße Bethlehem abzubiegen. Ist doch ganz einfach oder? 😆

Auf jeden Fall waren Torten und Kuchen extrem lecker und ich mußte erkennen, dass ich mit meinen zwei Stücken inzwischen nicht mehr alleine bin. Meinen Vorsprung mit drei Stücken wieder herzustellen ist mir allerdings nicht gelungen 😯 😀

Im Café wurde über den Termin für die Schlußetappe beratschlagt. Am avisierten ersten Sonntag im März können leider viele von uns nicht und somit wird der letzte Teil unseres Winteretappenlauf erst mitten im Frühling am Karfreitag stattfinden. Ob dann vielleicht mal die Sonne scheint?

 

 

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