Komatös

… war mein Schlafverhalten über das Himmelfahrtswochenende. Mit Ausnahme des Freitags, an dem ich Stallwache im Job gehalten hatte, hatte ich an allen anderen drei Tagen zwischen 10 und 13,5 Stunden geschlafen. Das hatte ich wirklich schon lange nicht mehr. Bis auf die Kopfschmerzen nach den 13,5 Stunden war es aber ein feine Sache und hat einfach nur gut getan 😎

Läuferisch verpaßt habe ich dadurch nichts. Der Lauf nach Neuwerk und zurück ging mir doch ganz schön in den Gräten. Meine Rechnung, dass Wattboden keine Dämpfung benötigt und ich deshalb in Barfußschuhen laufen könnte, enthielt einen kleinen Fehler. Barfußschuhe bedeuten eben auch null Sprengung und die bin ich über diese Distanz einfach noch nicht gewöhnt. Zusammen mit dem schweren, teils doch recht holprigen Boden und dem teilweise Laufen im Wasser füllten sich deshalb meine Beine, insbesondere meine Achillessehnen an, wie nach einem Marathon.

Deshalb habe ich nach Neuwerk auch eine aftermarathonmäßige Pause hingelegt und bin erst am Freitag wieder eine Runde gelaufen. Bei Sommerwetter der schönsten Kategorie, sprich warm mit etwas Wind, trabte ich so locker wie geht vor mich hin. Die Natur prahlte mit sattem Grün und es duftete nach Heu. Am Kleinen Bornhorster See war Badebetrieb und auf der A 29 herrschte trügerische Ruhe zwischen Nordseean- und abreiseverkehr. Ich lief entspannte 12 km, auf denen ich sogar im 6:20iger Tempo noch einen Läufer einsammeln konnte 😛

Etwas wärmer war es denn schon am Sonntag. Zwar waren wir noch weit entfernt von der Bullenhitze im Süden, aber klamottentechnisch geht trotzdem nicht mehr viel abzurüsten 😯 Dafür signalisierten die 15,5 km schon wieder Normalbetrieb.

Und so langsam gewöhne ich mich auch an die sommerlichen Temperaturen …  🙂

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Team Höhenrausch beim Hermannslauf

„Team Höhenrausch“, das war der Titel unter dem Ralf im Januar die Sammelanmeldung für den Hermannslauf  vorgenommen hat und somit war es Team Höhenrausch, das  am Samstag nach Bielefeld gereist ist um dort Tags drauf auf die 31,1 km lange Strecke vom Hermannsdenkmal zur Sparrenburg in Bielefeld zu laufen.

Ralf hat nicht nur dankenswerter Weise die Sammelanmeldung vorgenommen, sondern saß ebenso dankenswerter Weise am Steuer des Sammeltransporters und chauffierte uns nach Bielefeld.

Wir, das waren Freya, Ralf in Begleitung seiner Frau, Uli und meinereiner. Später sollten noch, auf anderem Transportwege, Stephan und Tomma zu uns stoßen.  Freya konnte aufgrund einer Verletzung leider nicht mitlaufen und hat ihren Startplatz an Stephan abgetreten.

Nach Quartierbezug und einer ersten Stärkung machten wir uns auf, die Startunterlagen abzuholen. Schon auf dem Weg dorthin grüßte uns das Ziel vom Folgetag, die über der Stadt thronende Sparrenburg. Bei der Abholung der Startunterlagen merkte man, dass der Hermannslauf ein Megaevent ist. Die Stadt war voll von mit Startbeuteln behangenen Läufern und auch die Schule, in der die Startunterlagen ausgegeben wurden, quoll über vor Menschen. Lediglich auf der kleinen Läufermesse ging es recht beschaulich zu.

Die Sparrenburg haben wir dann anchließend auch noch inspiziert, bevor es nach einer zweiten Stärkung beim Italiener und einer dritten Stärkung im Irish Pub einigermaßen zeitig in die Federn ging. Freya und Stephan nächtigen dazu in einer Sporthalle, der Rest der Truppe bevorzugte hingegen Hotelkomfort, was speziell ich nicht bereut habe 🙂

Zum Lauftag:

Um Laufen zu können hieß es ersteinmal Busfahren, das gesamte Läufervolk, irgendwas in den Siebentausendern, wurde mit Bussen von Bielefeld zum Hermannsdenkmal gekarrt. Das war eine logistische Meisterleistung und man sah in Bielefeld (einer Stadt, dies angeblich gar nicht geben soll 🙂 ) nur Läufer und Busse.

Im Bus war es irgendwie das Team Höhenrausch, das sein Umfeld mit viel Gelabber und Gelächter in den Ohren lag, aber wir hatten einfach jede Menge Spaß und der muß halt raus 😀

Am Hermannsdenkmal angekommen hatten wir noch eineinhalb Stunden bis zum Start. Genug Zeit um sich umzuschauen und im Wuhling irgendwo ein Plätzchen zu finden um nicht unterzugehen und sich nicht zu verlieren. In dem Gewimmwl verirrte sich dann noch ein Oldenburger zu uns, Michael, den die anderen von ihrem Laufverein her kannten.

Da Tomma etwas fröstelte habe ich ihr ein hübsches Kleidchen geschenkt …

30.04.17 13

… Das hat sie später einfach weggeworfen. Da war ich sehr traurig, weshalb ich sie nun wohl doch nicht heiraten werde 😦

In der Startaufstellung, es wurde in drei Startaufstellungen gestartet, ging es dann sehr kuschelig zu.

Kann man mögen, muß man aber nicht

Und dann durfte endlich die Schlacht, äähhh, der Lauf beginnen. Uli war im schnelleren Startblog vor uns. Stephan lief sein eigenes Tempo und Tomma, Ralf und ich wollten so ziemlich das gleiche Tempo laufen. Der Startschuß fiel und im Gedrängel hatte ich nicht direkten Anschluß an Tomma und Ralf. Da es anfänglich erstmal stramm bergab ging waren die beiden doch etwas flotter und noch nicht einmal zwei Kilometer beschloß ich sie ziehen zu lassen. Ich bin das Alleinelaufen ja eh gewohnt.

Ich weiß nicht, ob es diese plötzliche Einsamkeit, die überraschend große Wärme, die steinigen Wege, allgemeiner Weltschmerz oder die drei Karamellvodka vom Vorabend waren, auf den ersten 10 km kam ich nicht so richtig in Fluß und ahnte schon Fürchterliches. Zum Glück sollte sich die Ahnung nicht bewahrheiten und ich kam auf den beiden letzten Dritteln immer besser in den Lauf. Witzigerweise bin ich einige Steigungen stoisch und ohne allzu große Anstrengung hochgedieselt und andere Steigungen gleicher Couleur bin ich gegangen. Welchem Schema Körper und Kondition da gefolgt sind, konnte ich dabei irgendwie nicht erkennen 🙄

Von der Strecke gibt es leider nicht so viele Bilder, sie verlangte einfach zu viel Konzentration. Die steinigen, oder auch mal wurzeligen, Wege brauchten Aufmerksamkeit, genauso wie die Tatsache, dass sich das riesige Läuferfeld nie wirklich auseinanderzog und man immer aufpassen mußte, niemanden in die Hacken zu treten.

Was für einen Landschaftslauf nach meinen bisherigen Erfahrungen einzigartig war, war die gewaltige Stimmung an der Strecke. Überall, auch mitten in der Pampa waren Leute und es wurde Stimmung gemacht, musiziert und angefeuert. Im Örtchen Orlinghausen war offensichtlich die gesamte Bevölkerung auf den Beinen und auf der Strecke kam man sich vor wie bei den Bergetappen der Tour de France, einfach Hammer. Auch auf der Zielgeraden war unglaublich viel los. Freya rief mir zu und überall wurden Kinder in die Strecke gereicht. Ich habe leider keines abbekommen, aber das war vielleicht auch gut so, wer weiß ob ich es hätte irgendwo wieder abgeben können :mrgreen:

Im Ziel hat sich das Team Höhenrausch dann bald wiedergefunden, wobei sich herausstellte, dass ich Tomma und Ralf irgendwann und irgendwie überholt hatte, ohne dass wir drei das bemerkt hatten.

30.04.17 26

Freya wollte, da sie nicht gelaufen ist, nicht mit aufs Bild. Zum Glück ist es ihr nicht gelungen 😀

Nach Verlassen des Laufs und vor der Heimfahrt gönnten wir uns in der Stadt noch, was bei den Höhenrauschlern immer dazugehört:

Fazit: Ein toller Lauf mit absolut perfektionistischer Organisation, durch einen wunderschöne Landschaft auf einer recht anspruchsvollen Strecke. Ein Slogan des Laufs ist „Hermannslauf, der gefühlte Marathon“. Ja, doch, meine Beine fühlen heute auch so 😀   Man muß allerdings, wie bei einem großen Stadtmarathon, dazu bereit sein, die wahren Menschenmassen zu akzeptieren.

Es war sehr lustig und hat riesen Spaß gemacht mit dem Team Höhenrausch und es war mir eine Freude ein Teil davon zu sein. Für die 31,1 km habe ich 3:25.38 gebraucht. Für nur aufs Ankommen angelegt, bin ich sehr zufrieden. Herz was willst du mehr rund um den Hermann.

Ein hartes Stück Arbeit

Das war mir heute vom Start weg klar: Dieser lange Lauf wird ein hartes Stück Arbeit. Aber erst einmal vorweg, auch bei uns im Norden war heute Frühling.

Nicht nur jede Menge Frühjahrsblüher, im heimischen Garten …

… und unterwegs …

.. waren ein Indiz dafür, sondern auch die plötzliche Wärme von sagenhaften 14° mit zaghaften Anklängen von Sonnenschein.

Aber zurück zum Lauf. Vom ersten Meter fühlten sich die Waden an als wären sie schon auf den letzten Metern. Geplant war aber ein letzter längerer Brocken, bevor ich in zwei Wochen auf Sylt die 33 km laufen darf. Um mir diese Nummer etwas zu versüßen, mußte es zumindestens in Teilen eine neue Strecke sein. Der Schloßgarten in Rastede, angesteuert über Wahnbek und Loy war mein Ziel auf dessen Weg dorthin mir allerdings massenhaft Hunde und Kohlfahrten begegneten. Dabei war der Weg für meine Gewohnheiten nicht mal topfeben. Loy liegt am Geestrand, was so eine Art Abbruchkante zur Wesermarsch darstellt und da gibt es tatsächlich ein paar seichte Steigungen. Der gemeine Süddeutsche würde diese zwar nicht erkennen, aber meine muffeligen Waden nahmen jeden Höhenmeter wahr wie die Prinzessin die Erbse unterm Matratzenberg.

Die längste Steigung ging immerhin über sage und schreibe 550 m und überwand dabei laut gpsies satte 20 HM, Hammer oder? 😆 An der fast parallel laufenden Bundesstraße kann man es sogar auf dem Foto etwas erkennen 🙂

Immerhin habe ich diese laufend überwunden und das, wo mir vorher schon fast die Puste auszugehen schien. Aber immerhin hatte ich da auch schon fast 20 km in den morschen Beinen. Zu guter Letzt waren es 27,5 km als ich mich mit kochendem Kühler und qualmenden Füßen den Heimathafen erreichte. Nach Abdrücken des Laufweckers gönnte ich mir deshalb etwas Abkühlung.

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Geschafft, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber wie fast immer, wenn man es geschafft hat, war es rückblickend doch irgendwie ganz geil. Und eine Salzkruste hatte ich auch endlich mal wieder im Gesicht, kein Wunder bei der Hitze 😀

Stille

Die Sonne war da! Kräftig strahlte sich vom stahlblauen Himmel. Zwar fegte der eisige Ostwind noch jeden Gedanken an den Frühling beiseite, aber dem Gemüt tats gut. Hinter Glas wurde es aber schon richtig schön warm. So stellte ich mein Auto in meiner heutigen Mittagspause an den Küstenkanal in die Sonne, rutschte auf den Beifahrersitz rüber, schnappte mir mein Buch und las.

Wohltuend war diese Wärme, die das Wageninnere erfüllte, mild, angenehm und tiefenentspannend. Der Tacho und der Drehzahlmesser vom Auto standen auf Null und auch mein Tacho stand auf Null, pure Entschleunigung für den Moment. Nach einem Kapitel legte ich das Buch wieder weg und blinzelte in das gleißende, glitzernde Sonnenlicht, das auf den kleinen Wellen tanzte. Es war unglaublich ruhig.

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Ich horchte in die vollkommene Stille. Der Wind bewegte das Wasser, Äste und Zweige an den Bäumen, zuhören war davon im Auto nichts, eine beinahe surreale Stille. Ich wünschte mir Unendlichkeit, hätte dieses Hier und Jetzt gerne festgehalten und bewahrt. Wohlwissend, dass das alles mit dem Dreh des Zündschlüssels wieder vorbei sein würde. Dass machte diese kurze Zeit nur um so kostbarer. Ein kleines Auto war für eine kurze Zeit wie ein Haus am Meer, wie eine Hütte in den Bergen.

Von dieser wunderbaren Mittagspause konnte ich dann auch noch während meines Laufs zehren. Da war nämlich nicht viel mit Stille. Überall war viel Verkehr und auch auf meiner Huntestrecke war Betrieb wie an einem Hochsommertag. Wer will es den Leuten verdenken, alles sehnt sich halt noch Sonnenlicht. Aber sie müssen sich wohl auch erst wieder dran gewöhnen, freundlich geguckt hat nämlich kaum jemand und von drei entgegenkommenden Läufern hat auch nur einer gegrüßt. Sei es drum, der klare Himmel und die Tatsache, dass ich schon fünf Minuten nach Sonnenuntergang wieder zuhause war, bescherte mir diesmal einen richtig hellen Feierabendlauf.

 Da verschmerzte ich auch das erneut leckere Aroma in der Luft 😆

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Jam Jam Jam

Vom Dollart zum Jadebusen III

Etappe 3: Von Wiesede nach Cäciliengroden

Gestern liefen wir die Schlußetappe unseres Dreiteilers vom Dollart zum Jadebusen. Wir, das waren Freya, Marion, Ralf, Stephan und meinereiner, der ich nach rechtzeitig abgeklungener Erkältung doch mitlaufen konnte.

Beinahe hätte uns diesmal das Wetterglück verlassen. Nach den beiden ersten Etappen mit jeweils sonnigem Bilderbuchwinterwetter, regnete es auf der Anfahrt zu unserem Zielort Cäciliengroden zeitweise im Strömen. Es regnete auch noch auf der Transferfahrt zum Start. Dann allerdings verkündete Ralf am Steuer, dass er gerade den Scheibenwischer abgeschaltet habe. Und es blieb dann tatsächlich während des gesamten Laufs trocken. Diesiges Wetter stört die norddeutsche Läuferseele ja nicht, zumal es wenig windig und um die 4° „warm“ war.

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Von Wiesede, dem Zielort der zweiten Etappe, starteten wir also frohen Mutes gen Jadebusen und durchquerten dabei …

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… und streiften knapp an …

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… vorbei.

Gesäumt wurde unsere Strecke dabei von historischer Wallheckenkulturlandschaft mit wunderschönem, altem Baumbestand.

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Auf diese Warnung komme ich im weiteren Verlauf noch zu sprechen

Kurzzeitig begleitete uns ein zufällig auf uns treffender Läufer. Ein netter Typ, von dem sich noch ganz nebenbei herausstellte, dass er der Bürgermeister der Gemeinde Friedeburg ist. Wir traffen aber nicht nur Bürgermeister sondern auch andere freundliche und gar nicht scheue Gesellen. Idyllisch ist es in Friesland.

Das ändert sich auch nicht mit der Überquerung des Ems-Jade-Kanals…

… den wir wenig später nach Passieren einer etwas angeknacksten Kirche nocheinmal überquerten. Wer da jetzt irgendwie eine Schlaufe gemacht hat, der Kanal oder wir, ist immer noch ungeklärt 🙄 Von nun an folgten wir dem Kanal für ca. 3 km. Erst auf befestigtem Weg und dann direkt auf der regenweichen Deichkrone. Letztere sorgte binnen kürzester Zeit bei unserer kleinen Läufertruppe für klitschnaße Füße .

Aber laufende Füße sind immer warme Füße und so ging es weiter durch die friesische Landschaft mit Nationlfahne und vorbei am Schloß Gödens …

… in das wunderschöne Dorf Neustadtgödens, wo Schilder viele Häuser zieren, die Auskunft über das Handwerk und den Handel geben, die in ihnen betrieben wurden oder noch betrieben werden (Bild 1 ist damit allerdings nicht gemeint 🙂 ).

Nun komme ich noch einmal auf die anfangs schon erwähnte Warnung zurück:

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Am Ortsausgang von Neustadtgödens begegnete uns nämlich eine Truppe, die den Boßelsport ausübte. Wer sich über das Boßeln näher informieren möchte, folge bitte diesem Link. Das Boßeln wird auf öffentlichen Straßen betrieben, deshalb auch die Warnschilder und als Nichtboßeler heißt es dann sich vor den heranrauschenden B0ßelkugeln durch einen Sprung an den Straßenrand in Sicherheit zu bringen 🙂

Aber auch diese Gefahr haben wir schadlos überstanden und brauchten nur noch die A 29 zu überqueren um uns unserem Ziel Cäciliengroden am Jadebusen zu nähern. Dort angekommen, hüllte sich der Jadebusen aber fast genauso in Nebel wie der Dollart beim Start Anfang Dezember.

Das tat unserer Feierlaune nach 26,3 km Etappen- und fast auf den Meter genau 80 Gesamtkilometern allerdings keinen Abbruch. Und auch das Schnäpschen zum Anstoßen auf diese Glanzleistung schmeckte, nach dem wir denn irgendwann die Flasche aufbekommen haben. Vielleicht hätte ich die anschließend im Café verzehrten, dicken Tortenstücke vorher essen sollen 😀

Fazit: Es waren drei tolle Läufe in immer wieder bester Gesellschaft durch wunderbare und abwechselungsreiche Landschaften. In Gedanken feilen wir sogar schon an einer Fortsetzung auf weiteren Etappen. Aber bis das soweit ist, geht mein besonderer Dank an Ralf für die Organisation und die perfekte Führung und an seine Frau Heike wie auch an Stephan für die Chauffeurs- und Bringedienste.

Wer sich noch über die ersten beiden Etappen informieren möchte klicke bitte hier und hier 🙂

05-02-17-57

😀

Schwiegermutters Bademantel

Tja, was soll ich sagen. Ich hatte heute wieder einen prima Lauf. Es trieb mich über 21,2 von leichtem Rückenwind geschobene Kilometer mal wieder zu Schwiegermuttern nach Berne. So locker, so easy wünschte ich mir immer unterwegs zu sein. Das Wetter war für einen dritten Advent perfekt. Um die 8° und trocken. Allerdings hatte ich den Rückenwindeffekt etwas falsch eingeschätzt und war etwas zu warm angezogen. Das war aber auch das einzige, kleine Manko des Laufs.

Durch die Bornhorster Wiesen ging es auf recht direktem Weg über Butteldorf und durch die Wesermarsch nach Berne.

Bei Schwiegermuttern angekommen, war mein Bester mit dem Auto samt meinem Rucksack mit den Wechselklamotten noch gar nicht da. Um nicht in den verschwitzten Laufklamotten ausharren zu müssen, bot mir meine Schwiegerma ihren Bademantel an, den mir meine Schwägerin rauskramte.

Während ich allerdings unter der Dusche stand, tauchte Jens auf und reichte mir den Rucksack ins Badezimmer. Das ersparte mir einen ganz heißen Auftritt. Da meine Schwiegermama sehr klein ist, wäre der Bademantel für mich doch sehr, sehr kurz gewesen.  Das hätte dem Ganzen, naja, wie soll ich sagen *hüstel* eine gewisse erotische Komponente gegeben :mrgreen:

So aber blieb mir dieser Auftritt erspart und der Sonntag so adventlich wie es sich gehört 🙂

Alles über Deichhöhe ist überflüssig

Das ist ja eigentlich das Motto meines Blogs 🙂 Aber momentan reicht die Höhe der Deiche sogar um die Sonne dermaßen wegzufangen, dass die daneben liegenden Wege in deren Schatten tief winterlich bleiben.

06-12-16-08

Aber auch der Schatten von Bäumen, Gebäuden und sonstigen Gedöns reicht zur Zeit für etwas schlüpfrige Wegeverhältnisse. Auch der Blick aus dem Fenster beim Umziehen zum Lauf zeigte eindeutig: Winter. Da friert sogar der Weihnachtsmann 🙂 Eisiger Nebel und Eis auf dem Kanal zeigten ebenfalls: Winter! Sinnigerweise hatte ich mir mit den Nike Pegasus die Schuhe mit dem mäßigsten Profil ausgesucht :-/

Auf den ersten 7 Kilometern beißt ein leichter Ostwind in die betuchten Oberschenkel. Witzigerweise störte das die Waden weniger. Der Rückweg mit Rückenwind war da etwas molliger.

Das Zettelchen mit der Frage wie wir Weihnachten feiern, steckte auch immer noch im Zaunpfahl. Weitere Zettel konnte ich aber nicht entdecken.

06-12-16-10

Auf der Rampe runter von der Huntebrücke ist mir dann das passiert, was ich schon seit Jahren fürchte. Mitten auf dem Weg guckt das Ende eines Rohres aus dem Boden, rostbraun wie der Boden selber. Immer habe ich darauf aufgepaßt, aber heute bin ich bei der Suche nach dem Rohr draufgetreten. Zum Glück ist bis auf leichtes Umknicken ohne Folgen nichts passiert.

Irgendwann werde ich das Ding mal mit Neonfarbe ansprühen :-/

Einen knappen Kilometer vor Zuhause traf ich einen Kollegin mit ihrem Vater und Hund. Ich stoppte mich und den Garmin für einen kurzen Schnack. Diese Pause nutzte der Garmin trotz ausreichend Strom um sich einfach komplett abzuschalten. Er ließ sich erst nach dem Lauf durch Anstöpseln an den PC wieder zum Leben erwecken und zeigte dabei noch 21% Akkukapazität an. Macht das Ding jetzt nach nur einem Dreivierteljahr schon die Grätsche? Ich hoffe nicht, ich bin doch so hilflos ohne das Teil 😦

Der Lauf hatte heute also ein paar Widrigkeiten. So what, die klare Luft und die Abendstimmung waren wieder mal genial.

Das erste Türchen

… meines gar nicht existierenden Laufadventskalenders offenbarte mir eine schöne Überraschung. Sitze ich doch heute morgen schlaftrunken vor meinem Becher Tee und versuche mich mit den Gedanken an den heutigen (Arbeits-)Tag anzufreunden als mir siedendheiß einfällt, dass da doch gestern eine E-Mail aus Berlin gekommen sein müßte. Also flugs den Rechner angeschmissen und schon wurde der Schlaf in meinen Augen durch Freude ersetzt. Erneut hatte ich Losglück und habe einen Startplatz für den Hauptstadtmarathon im September nächsten Jahres erhalten. Hurra, ich darf mich ins Großstadtgetümmel meiner Lieblingsstadt stürzen und Berlin erstmalig ausgiebig laufend erkunden 😀

Bis dahin fließt aber ja noch viel Wasser die Spree und die Hunte runter und die Alltagsläufe bestimmen mein Läuferleben.

Dass die nicht minderschön sein müssen als solche Highlights bewiesen meine letzten beiden Läufe. Am Montag gen0ß ich einen flotten Lauf bei kristallklarer Luft mit Temperaturen an der Forstgrenze und mit bezaubernder Abendstimmung. Im Schatten hatte sich den ganzen Tag Raufreif gehalten und die ersten kleineren Überschwemmungen in den Bornhorster Wiesen waren zum Teil gefroren.

Als ich zum Fotografieren einmal kurz die Handschuhe ablegte, sah ich in einem Zaunpfahl ein Zettelchen stecken. Ich konnte meine Neugierde nicht bezähmen und wurde mit dieser Frage (siehe Bild) konfrontiert. Wer auch immer diese Frage in den Weiten der Bornhorster Wiesen hinterlassen hat, ich konnte leider nicht anworten, da ich zum Laufen keinen Kugelschreiber mit mir rumtrage. Sorgsam steckte ich das Zettelchen wieder in den Spalt zurück und mußte schmunzeln, da ich noch am Morgen des selben Tages hier im Prinzip zu dieser Frage Stellung gezogen habe. Kuriositäten und Zufälle gibt es.

Gestern flitzte ich dann erneut sofort nach Feierabend los um noch etwas Tageslicht zu erhaschen. Dabei habe ich beide Bornhorster Seen umkurvt. Der angekündigte Regen mit  entsprechender Milderung hatte mich leider versetzt, so dass vereinzelte Pfützen immer noch gefroren waren.

Es war trotzdem ein schöner Lauf, auch wenn die Beine um einiges müder waren als am Montag.

So stehen sie einträchtig nebeneinander. Die Alltagsläufe und die Highlights. Ich möchte beides nicht missen 😎

Kurze Hosen

Wer heimst nicht schon mal gerne Bewunderung und Lob ein? Auch ich bin dafür durchaus empfänglich und wenn mir das schon nicht durch sportliche Leistungen gelingt, freue ich mich über das ein oder andere Ahhh und Ohhh und Sprüche wie „Harter Hund“ nur aufgrund der Tatsache, dass ich bis kurz vor der Frostgrenze in kurzen Hosen unterwegs bin.

Weniger freundliche Zeitgenossen mögen auch einfach nur denken, dass ich sie nicht mehr alle habe. Mir doch egal. Aber es ist nunmal so, dass mir die kurzen Buxen nichts ausmachen. Im Gegenteil, mir macht es Spaß die Frische an den Beinen zu spüren und ich friere an ihnen einfach nicht so schnell. Auch dann nicht, wenn der Kopf schon Mütze, die Hand Handschuh und der ganze Deichläufer schon dickes Laufshirt plus Jacke trägt.

Aber natürlich reagiere ich auch an den Beinen auf die Witterungsverhältnisse. In der Regel halt kurz, unter ca. 5° Dreiviertel und bei Frost eben Lang, schließlich will ich ja auch keinen Gefrierbrand bekommen 🙂

Am gestrigen Mittwoch verstand sich Kurz von selbst. 13° bedeuteten einen Temperatursprung im Vergleich zu Dienstag um gute 10°. Da tats obenrum sogar nochmal der dünne Windbreaker. Wind war auch endlich mal wieder ein Thema und an der Hunte wehte mir ein schon lange nicht mehr gekanntes kräftigeres Lüftchen entgegen.

Der Wind hatte zum heutigen Utkiek-Lauf sogar noch etwas zugelegt, so dass es auf den Höhen schon ganz schön zugig war. Dazu wurde das Ganze noch mit etwas Regen gewürzt. Zum Lauf hatte ich Uli im Auto mitgenommen, der auch gleich wieder über meine kurzen Hosen staunte. Mein Argument, dass sich nasse Haut alleine nicht so kalt anfühlt wie nasser Stoff auf nasser Haut, ließ er aber gelten 😀

Für etwas Sommerfeeling sorgten auf die Windharfe aufgemalte Pusteblumen. Bis es die wieder real zu sehen gibt, wird ja noch einige Zeit vergehen. So lange werde ich so oft es geht in kurzen Hosen unterwegs sein. Bewunderung wird dafür weiterhin gerne angenommen, ist für mich auch nicht so anstrengend wie durch sportliche Höchstleistungen :mrgreen:

Goldener Oktober

… in Perfektion bot der heutige Sonntag. Ich war hin- und hergerissen, ob ich nach dem Abklingen des ätzenden Schnupfens wie geplant heute meinen letzen langen Lauf vor dem Marathon machen sollte.

Ich habe mich dagegen entschieden. Zum einem war es mir einfach schon zu warm, zum anderen lockte das Traumwetter alles aus dem Haus, so dass es mir auf meinen Laufwegen auch zu voll gewesen wäre und zum dritten war es mir dann doch lieber erst auf einer kürzeren Strecke zu testen, ob es mir wirklich so gut ging wie es sich anfühlte.

Ein weiterer Vorteil war, dass ich diesen wunderschönen Tag zusammen mit Jens genießen konnte. Ein Ausflug ins Gellener Moor war dafür ideal. Dort konnten wir die herrliche Natur ohne Menschenmengen genießen.

Den würzigen Duft der Vegetation nutzen auch noch ein paar Bienenvölker, die im Moor aufgestellt worden sind.

Da war noch ganz schön Betrieb. Wir zogen weiter und genossen die Herbsteindrücke im Moor:

  Am Randes des Moores ländliche Bilderbuchidylle…

… bevor sich die Landschaft wieder bis scheinbar in die Unendlichkeit öffnet.

16-10-16-23

Nach Beendigung dieses tollen Ausflugs und Stärkung an Mutters Kuchentafel, machte ich mich dann auf zur Laufrunde. 10 oder 14 km, dass wollte ich je nach Befinden nach 4 Kilometern an der Weggabelung entscheiden. Und es lief wunderbar. Ich konnte gut durch die Nase atmen, keine Schlappheit und keine Anstrengung. Wenn ich an meine verquollenen Augen vom Donnerstag denke, hätte ich nicht damit gerechnet.

Der Lauf in den Sonnenuntergang bescherte mir immer weniger Leute auf der Strecke. Das Tempo war nicht langsam und nicht schnell und es lief wie ich es mir besser nicht wünschen konnte.

Zum ersten Mal in diesem Herbst kam auf den letzten 2,5 km die Lampe zum Einsatz, gerade im Halbdunkel war etwas Licht ganz gut zu gebrauchen.

  16-10-16-31

Wenn jetzt nicht noch irgendwelche Nachwehen des Schnupfens zuschlagen, werde ich Dienstag Nachmittag mal ein paar Überstunden vernichten und nochmal ein langes Läufchen wagen und dann soll es das für die Marathonvorbereitung gewesen sein.

Übrigens: Das Gellener Moor hätte ich ohne meine Lauferei nie entdeckt und es war schön dieses mal in aller Ruhe zuerkunden.