Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor

Drei schmerzfreie Tage verführten mich heute zu einem Versuch mal eine kleine Laufrunde zu probieren. Um es gleich zu sagen: Es hat nicht geklappt, ab dem ersten Laufschritt war der Schmerz wieder da, nach vierhundert Metern bin ich stehengeblieben, für weitere 200 m noch einmal angelaufen, aus. Zurück im Auto griff ich frustiert zum Smartphone und wählte die Nummer meines eigentlichen Orthopäden und Sportmedizieners, der vor drei Wochen leider nicht verfügbar war, und hatte -was für ein Wunder- am Nachmittag einen Termin.

Alleine schon als Sportler wahrgenommen zu werden, der unter seinem Sportentzug leidet, ist ein Wohltat für die gequälte Läuferseele. Der Orthopäde findet die Symptome typisch für eine Fraktur und widerspricht seinem Kollegen, dass eine Fraktur noch vierzehn Tagen via Röntgendiagnose auszuschließen ist. Ein MRT hält er aber augenblicklich für nicht zielführend, da er davon ausgeht, dass ein Ödem den Blick auf die Knochen verdeckt. Vier Wochen soll ich noch einmal warten, aber zwischenzeitlich immer mal wieder versuchen zu laufen, ob sich der Schmerz weiterhin einstellt.

Um meinen generellen Laufentzug zu lindern und um für die Umwelt erträglich zu bleiben, soll ich radfahren (haben Sie eine Rennrad?) oder schwimmen. Als ich seine Frage, ob ich schwimmen würde, verneinte, schlug er sich auf die Schenkel und sagte „Wußt ich es doch, Läufer schwimmen nicht“ Der Mann kennt sich aus! 😆 Auf eine Bemerkung von mir, dass ich nicht gerne mit Schmerzen laufe, erwiderte er, dass ich dann wohl keinen Marathon laufen würde. Als ich dem widersprach und anmerkte, dass ich dieses Jahr schon einen Marathon für mich alleine gelaufen bin, äußerte er schmunzeln Unverständnis und findet 50 Wochenkilometer schon an der Suchtgrenze 🙂 So humorig das Gespräch auch gelaufen ist, so frustrierend erst einmal das Ergebnis. Vier Wochen ziehen noch einmal ins Land, sofern in dieser Zeit keine grundlegende Besserung eintritt dann ein CT. Wie dann nach bis dahin sieben verstrichenen Wochen eine Behandlung, bzw. Ruhigstellung des Fußes aussehen wird, keine Ahnung.

Nun steh ich also da, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor und kann nur warten und mich ärgern, dass es alles so lange dauert. Dauer und Ende des Ganzen offen.

Da kommt mir stimmungsmäßig so ein Hinweis auf meiner meistgemühten Wetterseite gerade recht 👿 :

Na toll

Nun denn, aufstehen, Krone richten. Jetzt schlägt sie also doch noch, die Stunde meines Rennrades. Entstaubt, die Reifen aufgepumpt, ging es auf eine kleine Testrunde, ob Bremsen und Schaltung noch richtig ihren Dienst tun.

Tun sie! Also wird es in den kommenden Wochen öfters mal dieses silberne Gefährt zu sehen geben. Und Schuhe werde ich auch anhaben, wenn ich auf dem Teil in die Pedale trete 🙂

Schisser

Ach, was wäre ich doch gerne cool. So eine richtig coole Sau 😎 Allerdings werde ich das in meinem Leben wohl nicht mehr werden, dieses schwere Schicksal habe ich zu schultern *seufz*

Aber ich nehme dieses Schicksal an, jawohl, und es wird danach gehandelt. Und somit habe ich es getan, bzw. tun lassen, weil ich die Schrauben nicht aufbekommen habe (wie uncool ist das denn 😦 ): Ich habe an meinem Rennrad die Klickpedale wieder ab- und normale Sportpedale wieder dran bauen lassen.

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Das ist so entsetzlich uncool ❗ Aber ich kann mich mit diesen Klickpedalen einfach nicht anfreunden. Als diese Dinger seinerzeit anmontiert worden sind, hatte ich mich ja gleich beim Ein- bzw. Ausklicken üben auf die Fr… gelegt (soooo uncool, sage ich Euch) und dabei den linken Arm dermaßen geprellt, dass ich vier Wochen überhaupt nicht fahrradfahren konnte (laufen ging zum Glück). Seitdem verweigerte mir mein Kopf einen lockern Umgang und ich war quasi bei jedem einzelnen Stopp angespannt.

Bei einem Ausritt im letzten Jahr wäre ich um Haaresbreite wieder nicht aus den Dingern gekommen. Im letzten Bruchteil einer Sekunde ist es mir dann doch noch geglückt und ein Kippen mit dem Schädel gen Bordsteinkante blieb mir erspart.

Seitdem bin ich echt der Schisser und habe keinen Bock darauf aus diesem Grunde das Rennrad im Schuppen versauern zu lassen. Und da ich weder die Tour de France gewinnen noch die Hochalpen erklimmen will, sondern einfach nur ab und zu entspannt ne Runde biken will (biken klingt jetzt widerum cool, finde ich), wird jetzt wieder „normal“ getreten. Ständiges auf der Seite liegen ist ja auch irgendwie uncool 😎

So konnte ich meine heutige Achillessehnenschonrunde, meine erste Rennradausfahrt in diesem Jahr, auch genießen. Als Alternativ-Traingsgerät für geschundene Läufergräten tut es das Rennrad schließlich auch so 😉

Viel Zeit blieb heute nach Feierabend leider nicht, aber in gut eineinhalb Stunden kam ein knapper Marathon zusammen. 40,5  völlig uncoole aber dafür sehr entspannte Kilometer 😀

Katastrophal

… ist in diesem Jahr bislang meine Rennrad-Bilanz. Dabei ist es doch meine erste volle Saison. Aber eben diese Saison dämpfte meine Euphorie. Ein kaltes Frühjahr erwärmte nicht gerade mein Biker-Herz. Dann auch Mai und Juni überwiegend kalt, teils regnersich und vor allem windig. Der Wind ist bis in den hiesigen Hochsommer meistens kräftig dabei und läßt sogar ein windgewohntes Nordlicht wie mich etwas erstaunt die Augenbraue hochziehen. Ok, ich gebe auch zu, dass ich ein Schönwetterbiker bin. Im Gegensatz zum Laufen brauche ich hier nicht wirklich Regen, Kälte und kräftigen Wind.

Da blieben also nicht viele Tage und die hatte ich auch nicht unbedingt Zeit. Reichlich Ausreden also. Aber heute war es endlich mal wieder so weit. Wenigstens eine Feierabendrunde habe ich zustande gebracht und ich kann 43 km aufs Rennradkonto schreiben.

Dabei blieb es auch heute nicht trocken und ich durfte auf den letzten 10 Kilometern die erste Regenfahrt meiner „Rennradkarriere“ verbuchen. Klar, der Wind ließ sich mit dem aufkeimenen Regen auch nicht lumpen. Aber schön war es schon. Zumal ich das erste Mal den Eindruck hatte, dass die Klickpedale und ich doch noch Freunde werden könnten. Nicht nur zu treten sondern auch zu ziehen hat schon was und so konnte mein Garmin in der Ebene (was sonst) „mit ohne Wind“ ohne große Anstrengung auch mal 32 km/h verbuchen.

Mal sehen was also noch geht in den kommenden Wochen. Aber erstmal muß ich nun wirklich in eine vernünftige Radbrille investieren. Das Werbeteil eines Bremer Bierbrauers hat heute auf seiner zweiten Ausfahrt schon gleich ein Schräubchen verloren und sich somit halbwegs in seine Bestandteile aufgelöst.

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Wie schön, fürs Laufen habe ich ja auch fast schon alles. Da müssen die Euros auch dringend woanders investiert werden :mrgreen:

Pünktlich!

Und die nächste Biketour … Am Freitagnachmittag lockte ein erneuter Traumspätsommertag ins Freie. Bei diesem Wetter bin ich froh, das Rennrad zu haben. Soviel wie ich dieser Tage draußen sein mag, könnte ich gar nicht laufen.

Unter sportlichem Motto stand die Tour nicht unbedingt, unterbrach ich die Fahrt doch schon noch 1,5 km um mir erstmal ein leckeres Schoko-Vanille-Softeis zu gönnen, natürlich die größte Größe auf der Preisskala 😎 Danach konnte ich entsprechend gestärkt in die norddeutsche Unendlichkeit aufbrechen.

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Aber ungefähr 30 km später konnte ich der nächsten Verlockung nicht widerstehen. An einem Melkhus erlag ich der Versuchung nach regionalen Milchprodukten. Ich habe mich für einen Erdbeermilchshake besonderer Güte entschieden. Jam Jam Jam.

 

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Nach diesem neuerlichen Genuss steuerte ich unter Erkundung neuer Wege auf Heimatkurs. Ein kurzer Stopp noch an meinem Lieblingsplatz, wo ich eine Zeit lang den Blick über das weite Land schweifen ließ und in die immer tiefer stehende Sonne blinzelte  …

19.09.14 04Lieblingsplatz mit Rennrad

… und 10 km später war ich nach insgesamt 45 km wieder zuhause. Etwas Bewegung, etwas Genuss, will sagen, den Nachmittag und frühen Abend perfekt ausgenutzt.

Der Samstag gehörte unserem Garten. Verrückt, was es auf so ein paar Quadratmetern zu beschnibbeln und zu werkeln gibt. Aber letztendlich blieb doch noch ein kleines Zeitfenster um bei nahezu Windstille noch einmal eben knapp 20 km auszufahren.

Nicht knapp sondern exakt 20 km bin ich am heutigen Sonntag gelaufen. Nächtlicher Regen hat den Sommertraum hinweggefegt und läuferfreundliche Frische hinterlassen. Da durften es auch mal wieder ein paar Meter mehr sein. Da kam es nicht so gut, dass schon nach zwei Kilometern ein heftiger Schauer mit kräftigen Böen niederging, so dass selbst ich mich als bekennender Regenläufer für einige Minuten unter einen Dachvorsprung gerettet und den schlimmsten Guss abgewartet habe.

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Das hat zum Glück nicht lange gedauert und danach blieb es bis auf wenige Tropfen trocken. Ein Regenbogen grüßte dem abziehenden Schauer noch hinterher.

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Auf der Strecke begegnete mir nordicwalkend die Dezernentin meines alten Arbeitsbereiches. Der frische Wind lud aber nicht mehr zu einem langen Stopp ein und nach einem kurzem Gespräch verabschiedete ich mich von dieser tollen Frau um meinen Törn fortzusetzen. Das Tempo richtete sich nach dem Wind, war aber insgesamt recht flott und es lief durchweg entspannt.

21.09.14 03  Lieblingsplatz ohne Rennrad

21.09.14 04Herbstlicht

Kurzerhand verlängerte ich die ursprünglich geplanten 17 km auf besagte 20 km. Der letzte Kilometer verflog in 5:26 Minuten. Pünktlich hat der Herbst Einzug gehalten und so schön wie die letzten Spätsommerage waren, war es heute der nahezu ideale Lauftag.