Fünffache Premiere

Soviel Besonderheiten auf einmal hatte mir noch nie ein Lauf geboten. So eine Premierendichte gibt es sonst wohl nur in Hollywood 😉 Auf der Premierenliste standen heute:

  1. Ich bin erstmalig mit der Bahn zum Laufen gefahren
  2. Ich bin erstmalig mit meinem neuen Laufrucksack gelaufen
  3. Ich bin erstmalig mit Kompressionsstrümpfen gelaufen
  4. Ich bin erstmalig eine mit Gpsies.com geplante Strecke gelaufen
  5. Ich bin erstmalig nur für mich einen Marathon gelaufen 😀

Ich arbeite das jetzt mal Punkt für Punkt ab.

Die neu für mich entdeckten Planungsmöglichkeiten via Gpsies.com eröffnen ganz neue Möglichkeiten. So konnte ich aus meinem Hauslaufrundeneinerlei  ausbrechen und hatte mich heute morgen mit dem Bus zum Bahnhof aufgemacht und war von dort mit dem Zug nach Großenkneten gefahren um mich dort aussetzen zu lassen um nach Oldenburg zurückzulaufen.

03.05.14 2 me

03.05.14 3 Großenkneten

Die in den 60igern unter uns geborenen mögen sich vielleicht erinnern. Großenkneten war der Heimatort der sagenhaften Band „Trio“. Da da da bin ich also losgelaufen. Und da da da die Strecke etwas länger werden sollte, mußte endlich der schon lange auf meiner Agenda stehende Laufrucksack her. Eine Salomon Agile 12 ist es geworden, mit Trinkblase und preislich noch akzeptabel. Von der etwas fummelig einzusetzenden Trinkblase abgesehen, ist das Teil für meine Zwecke gut geeignet und trug sich über die vielen Stunden recht angenehm.

Lange habe ich mich gegen sie gesträubt, die Stützstrümpfe, ääähhh, ich meine natürlich Kompressionsstrümpfe. Hässlich und überflüssig waren sie in meinen Augen. Da ich allerdings bei den längeren Kanten immer wieder mit sich zu Beton verhärteten Waden zu tun habe, rückten sie dann doch in meinen Fokus. Gekauft habe ich mir diese fußlosen Stulpen von der Firma CEP. Ich muß zugeben, die Dinger tragen sich ganz angenehm.

03.05.14 12 me

Ob sie wirklich dafür verantwortlich waren, dass meine Waden zum Schluß nicht ganz so fester Beton wie sonst waren, wird die Zukunft zeigen. Zum Schluß waren meine Beine insgesamt etwas nölig, so dass ich das Konzert der Zimperlein gar nicht auseinander halten konnte.

Punkt 4: Die Strecke, wunderschön übrigens, hatte ich auf Gpsies.com ausgetüftelt und dann auf meinen Garmin geladen um mich dann, wie bei der Fahrradtour an die Nordsee, von ihm navigieren zu lassen. Und damit begann das Disaster. Da wo bei der Radtour immer schön die Pfeile zu sehen waren, die mir zeigten in welche Richtung ich wann abzubiegen habe, stand diesmal nur eine Zielflagge, die mir anzeigte, dass ich in 42 km da sein werde, wo ich hin wollte. Diese Zielflagge ließ sich auch durch keine Aktionen, durch kein Betteln und Bitten dazu bewegen, den Navigationspfeilen zu weichen. Meine Rettung war mein Smartphone, über dieses konnte ich den richtigen Weg finden. Das war zeitraubend und fummelig, aber ich konnte so die richtige Strecke laufen, ansonsten hätte ich die A-Karte gezogen 😦 Gut auch, dass ich Teile der Strecke im Bereich des Barneführer Holzes und die letzten 20 km kannte. Garminchen ließ sich immerhin dazu hinreißen mir mitzuteilen, dass ich mit meiner via SP zusammengesuchten Strecke, die ganze Zeit auf Kurs gewesen bin.

Die Strecke hätte auch mehr Aufmerksamkeit verdient als die häufigen Blicke aufs SP. Sie war über viele Kilometer einfach klasse. Aber was sieht im frischen Frühlingsgrün auch nicht klasse aus 😉

03.05.14 4 Blütenteppich

03.05.14 5 HusumKurz wähnte ich mich sogar an der nordfriesischen Küste 🙂

03.05.14 Weg 1

03.05.14 7 Weg 2

03.05.14 8 PfadDen Abzweig auf diesen Trampelpfad hatte ich erst verpaßt und stand plötzlich auf dem Acker, gut dass ich dort irgendwann schon mal gelaufen war

Der Pfad mit der Hunte auf der linken und dem Barneführer Holz auf der rechten Seite ist ein Traum:

03.05.14 9 Pfad 2

03.05.14 10 Hunte

03.05.14 11 Hunte

03.05.14 13 Hunte

Nach gut 20 km war der Weg den eigentlich kein Weg mehr, sondern die Krone des Huntedeiches. Zwei Stacheldrahtzäune bei der Unterquerung der A 29 galt es auch noch zu übersteigen. Aber das Laufen auf dem Deich bin ich ja gewohnt. Ungewohnt nur, dass gut die gleiche Strecke nochmal zu laufen war. So war hohe Aufmerksamkeit gefragt um nicht in irgendwelche Wühlmauslöcher zu treten und nicht auf Schafköddeln auszurutschen.

03.05.14 14 Deich

Langsam wurde mir die weitere Strecke wieder vertraut, Karfreitag war ich sie noch mit Heimo gelaufen. Zwischendurch rechnete der Kopf wieviel Kilometer es schon waren und wieviele es noch sind. „Nicht denken, laufen“ rief ich mich dann  zur Ordnung, was erstaunlich gut funktioniert hat.

Ich lief nach Oldenburg hinein, querte die altehrwürdige Cäcilienbrücke, die noch hoffen darf. Sanierung oder Abriss und Neubau ist noch nicht entschieden. Ein Blick auf den Stadthafen, dann ging es über den Agrarhafen wieder hinaus auf altbekannte Wege entlang der nun schiffbaren Hunte.

03.05.14 Cäcilie

03.05.14 15 Hafen

Eine Verschnaufpause wurde mir noch vergönnt, bis ich noch zwei Kilometer gegen den kalten Wind anlaufen durfte  😉

03.05.14 16 Schranken

Warum ich allerdings die Strecke so wählte, dass ich drei Kilometer vor Ende noch die 100 Stufen der Treppe zur Huntebrücke hochmußte, weiß ich auch nicht. Natürlich trainierte eine hübsche Frau  gerade zu dem Zeitpunkt Treppenintervalle, während ich gehend die Treppe hinaufschlich.

Aber dann war ich wieder zuhause. Lange war ich unterwegs, viele kleine, teilsunfreiwillige (SmartphonesuchdieStrecke)-Pausen hatte ich gemacht. Gelaufen war ich über die gesamte Strecke im 6:40iger Schnitt, ohne die Pausen mitzurechnen natürlich. Dafür bin ich aber auch nie gegangen 🙂

Trotzdem reden meine Beine im Augenblick kein Wort mehr mit mir, sie brummeln und grummeln mit sich selbst beschäftigt vor sich hin 😀

Einen langgehegten Wunsch habe ich mir heute erfüllt, einmal einfach nur für mich einen Marathon zu laufen. Das es exakt 42,240 km waren ist allerdings Zufall. Das hatte ich nicht bewußt so geplant.

Gut in mein Training hat dieser Lauf gepaßt. Nun kann ich es in den kommenden sogar wieder etwas kürzer angehen lassen.

Ein langer Lauf, ein ungewohnt langer Bericht, ich hoffe er war trotzdem einigermaßen interessant.