Schlechte Laune

Ja, ich gebe es zu: Ich habe mal wieder Wetter! Regen, Regen, Regen, Sturm, Sturm, Sturm, nasskalt, nasskalt, nasskalt. Ich habe echt die Faxen dicke. Dieser Winter mag als zweitwärmster seit Beginn  der Wetteraufzeichnungen in die Annalen eingehen, mir trampelt er nur als ungemütlich, dunkel, grau, verregnet und nasskalt auf den Nerven rum. Das einzig positive was ich ihm abgewinnen mag, dass er so langsam die Trockenheit der letzten beiden Sommer kompensiert haben müßte.

Dazu kommt bei mir nach Ischias, Wade und Schnupfen jetzt Sehne auf dem rechten Fußrücken, die ich durch eigene Doofheit durch falsches Festschnallen der neuen Luna-Sandalen nach langer Zeit mal wieder rebellisch gemacht und ihr dann durch den langen Lauf vom letzten Sonntag den Rest gegeben habe.

So weide ich mich in meiner schlechten Laune und bin so genervt wie schon lange nicht mehr. Dabei schlage ich alles „Es kommen noch wieder schönere Tage“-Gerede in den Wind. Drum bitte ich auch von Beleidsbekundungen am Sofa Abstand zu nehmen! 😦

😛

Achtung!

Das Lesen dieses Artikels kann Depressionen schlimmsten Grades auslösen! Ab hier liest jeder auf eigene Gefahr weiter:

Schon gestern konnte ich ein gewisses Grummeln über meine derzeitge Laune nicht unterdrücken. Aber zumindestens bestand da die Hoffnung heute mein Gemüt bei einem Lauf mit angenehmen Temperaturen und viel Regen zu erhellen. Um es vorweg zu nehmen: DAS WAR WOHL NICHTS. Diese Wetterfuzzies haben von Wettervorsage ungefähr soviel Ahnung wie eine Kuh vom Fliegen. Es ist zum Mäuse melken, Kruzitürken noch einmal.

Den ganzen Tag sollte es ergiebig regnen, da waren sich alle Fernseh- und Onlinepropheten einig. Als ich gegen 9:30 Uhr auf das Regenradar schaute, erkannte ich schnell, dass spätestens Mittags der Spuk vor bei sein wird. Nun denn, ich bin ja flexibel und habe den für den Nachmittag geplanten Lauf vorgezogen auf den Vormittag. Also nur noch schnell einen Becher Zitronentee geschlürft, drei pappige Minischeiben Knäckebrot mit etwas Frischkäse gemümelt und los. Hinaus in den Regen bei 17° und fast keinen Wind.

Allerdings Regen konnte man das Getröpfel kaum nennen und sicher glaubt mir auch keiner, dass sich 17° mit nahezu 100%iger Feuchtesättigung der Luft wie 30° anfühlen können. Der fehlende Wind bekräftigte diesen Eindruck. So hatte ich eher das Gefühl im Amazonasgebiet unterwegs sein sein, lediglich das Fehlen des Regenwaldes und das statt Schlangen zu Hauf Nacktschnecken den Weg bevölkerten holte mich auf den Boden der Tatsache der Norddeutschen Tiefebene zurück. Meine Euphorie versumpfte in dieser stickigen Luft, in der ich ansatzweise meinen Atem sehen konnte.

25.07.14 01  Eigentlich gab es da nichts, wovor sich die Viecher unterstellen mußten

Der „Regen“ war nur noch an Kreisen in den Pfützen zu erkennen, zu spüren war er nicht. Der Himmel gab auch zu verstehen, dass von ihm nicht mehr viel Abkühlung zu erwarten war. Am Großen Bornhorster See kam mir ein Läufer, so Ende 40, mit nacktem Oberkörper entgegen, immerhin war der ansehnlich 😉

Auf meiner Huntestrecke begegnete mir kein Mensch, das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Dafür hatten die Schafe ganze Arbeit geleistet und den Asphalt kräftigst gedüngt, was zusammen mit der Nässe eine ausgesprochen schlüpfrige, schuheeinsauende Gemengelage ergab.

25.07.14 02

Währenddessen die dunkelste Wolke nicht am Himmel zu finden war, sondern direkt über mir schwebte, gefühlt mit kruden Gedanken. Die Wolke wurde zwar lichter, löste sich aber über den ganzen Lauf nicht auf. Immerhin widerstand ich der Versuchung diesem Elend an der Huntebrücke durch Abkürzung ein Ende zu machen. Darüber hätte ich mich im Nachhinein nur noch mehr geärgert.

So zog ich die 18 km wenigstens durch. Das Tempo war dabei so grottig wie meine Laune. Diese hellte sich nur kurz vor Schluß nochmal auf, als mir ein großer, junger Läufer entgegen kam. Schwarze Haare, Bart, braungebrannt, muskulöse Beine, ein Oberkörper so lang wie der Eiffelturm -der allerdings leider in einem leuchtend gelben Laufshirt verhüllt war- , schneller, lockerer Laufschritt. Ein Lichtstreif an diesem grauen Tag 🙂

Zuhause angekommen war ich allerdings auch ohne Regen mal wieder naß bis auf die Haut. Apropos Regen, das Regengebiet hatte sich übrigens gleich zu Beginn meines Laufes geteilt und ist nördlich und südlich von Oldenburg vorbeigezogen! Das ist schon Verschwörung, ist das! Boshaft ist sowas.

25.07.14 04Zum Start

25.07.14 05Zum Ende

So, hat jemand bis zum Schluß durchgehalten? Dem kann ich vielleicht noch ein halbes Reetdach anbieten. Stand da so rum, vor einer Baustelle … :mrgreen:

25.07.14 03