Ein schlechtes Omen

Diesem Post hätte ich aber auch noch andere Titel geben können. „Regen sichtbar machen“ z. B. oder „Der der gegen den Wind läuft“ oder „Sturzfluten“, warum es aber zu diesem Titel gekommen ist, erkläre ich noch im Folgenden.

Gestern bin ich in meinem Urlaub heldenhaft schon um 6:30 Uhr aufgestanden um noch einmal einen finalen, langen Lauf vor dem Marathon zu machen. Dabei wollte ich endlich erstmals das Rantum-Becken umrunden, mit Anlauf von Hörnum sollten so 34 km zusammenkommen.

Einen Pott Tee und einen Vla später ging ich dann pünktlich zum Ende eines kräftigen Regengusses auf Strecke. Die Trockenheit wärte ungefähr neun Kilometer lang. Was mich allerdings dann an Regen überschüttete, suchte selbst für meinen Geschmack nach seines Gleichen. In dichten Vorhängen peitschten Böen der Stärke 9 den Regen über die Insel. Ich behaupte ja in Sachen Wetter nicht wirklich von Zucker zu sein, aber die sich gerade bietende Gelegenheit in einer Rasthütte unterzuschlüpfen mochte ich mir dann doch nicht entgehen lassen.

Ein paar Minuten später endete der Weltuntergang und es ging weiter. Meinen bis dahin etwas flauen Magen hatte ich darüber inzwischen ganz vergessen. Am Rantum-Becken angekommen, warf ich noch einmal einen prüfenden Blick gen Himmel, weil ich auf dem ausgesetzten Deich nicht noch einmal in so eine stürmische Sturzflut geraten wollte. Es sah gut aus. Dafür pfiff der Wind hier wirklich ordentlich …

… und plötzlich vermisste ich meine Sonnenbrille. Sch…., ich hänge an dem Ding und vermutete, dass der Wind sie mir auf dem Deich des Rantum-Beckens vom Kopf gerissen hat. In der vagen Hoffnung sie wiederzufinden, trabte ich die bislang auf ihm zurückgelegten 1,5 km mit suchenden Blicken wieder zurück. Leider tauchte sie nicht wieder auf. Wieder am Anfang des Deiches angekommen, fand ich die Brille dann allerdings in der Kapuze meiner Jacke. Oh mann, beim Regenguss hatte ich mir die Kapuze übergetan und in der Hütte wieder runtergeschlagen, wohl schon seit da ruhte die Sonnenbrille in meinem Nacken. Da konnte ich das Schild, vor dem ich gerade stand, nur wörtlich nehmen 😀

Die Rantum-Beckenumrundung hatte ich dann auch gleich gecancelt. 37 km wären mir dann doch, auch zeitlich, zuviel des Guten geworden. Alternativ lief ich durch den Rantumer Hafen und an den Rantumer Weststrand. Seit der Wende auf dem Deich hatte ich allerdings den Wind nun von vorne.

Kurz vor Puan Klent verfinstere sich der Himmel erneut und nochmals öffnete der Himmel seine Schleusen, gepaart mit eiskaltem, heftigem Sturmböen. Und wieder meinte das Schicksal es gut mir, in Form einer …. Telefonzelle! 😆 Das es so etwas noch gibt und dann auch noch genau da, wo ich sie gebrauchen konnte, cool 😎

Dem dritten Guss entging ich dann allerdings nicht und ich war froh, dass ich meine Sonnenbrille wiedergefunden hatte, sie diente mir als Schutzschild vor den wie Hagel einschlagenden Regentropfen. Der Wind drückte mein Tempo über die letzten Kilometer schon fast auf 7er-Schnitt.

Allmählich näherte ich mich wieder Hörnum und die Uhr sich den 30 km. Ich bog noch ab auf die „Serpentine“ über die Düne zum Weststrand und kurvte noch durch die dünenbedingt hügelige Kersig-Siedling mit ihren schmucken Reetdachhäuschen.

Dann, obwohl nur noch 400 m vor zuhause und der Vollendung von 32 km, ließ mich Unwetter Nr. 4 nochmals Unterschlupf suchen.

11.09. 22

Regen sichtbar gemacht

Auch dieses überstanden, trabte ich unter Jens staunenden Augen an unserem Domizil vorbei, weil noch 150 m fehlten 😀 und der außergewöhnliche Lauf war zu Ende.

Ich bin noch die Erklärung für den Titel schuldig: Die gestrigen 32 km mit ca. 15 km stürmischen Gegenwind bis zur Stärke 9 auf einer auch nicht ganz topfebenen Insel liefen super und problemlos.

Was ist daran nun ein schlechtes Omen? Nun, in der Regel wird im Vorfeld gerne auf eine schwierige Vorbereitung verwiesen um die Erwartungshaltung zu dämpfen und dann im Marathon zu glänzen. Wenn es jetzt aber beim letzten langen Brummer nichts meckern gibt, dann kann das doch für den Marathon nichts gutes bedeuten, oder? So habe ich aber auch schon einmal meine Entschuldigung 😛

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Alle Wetter

Ich gebe zu, ich bin nicht willenstark genug. Ich schaffe es nicht die Sendepause durchzuhalten 🙂  Aber das sehr wechselhafte Wetter auf Sylt gibt Zeitfenster frei, die ich dann doch mal eben mit einem Blogbeitrag füllen kann 😛

Am Anreisetag verabschiedete sich mein heimatliches Laufrevier mit traumhafter Morgenstimmung, so dass wir schon nach fünf Kilometern den ersten Zwischenstop einlegen mußten. Der weitere Reiseverlauf konnte aber auch schon als erster Urlaubstag durchgehen.

Auf Sylt angekommen empfing uns in den ersten Tagen das schönste Spätsommerwetter. Allerdings setzte das Antibiotikum zu einer späten Rache an, im Rekordtempo (sprich in nicht einmal einer Stunde) hatte ich einen Sonnenbrand auf dem Schädel. Dass das Zeugs zu einer hohen Sonnenbrandempfindlichkeit führt, hatte mir mein Hausarzt vor zweieinhalb Wochen zwar gesagt, aber über eine so lange Zeit hatte ich das schlicht und ergreifend vergessen 😦 Schön war der Sonnenbrand wahrlich nicht.

So gesehen wurde das Wetter in den Tagen darauf für mich doch etwas verträglicher, was mir auch lauftechnisch sehr entgegenkam 🙂 Bei zwei meiner bis dato drei Läufe hat es geschüttet wie aus Eimern.

Aber zwischen den Regen(schauern) ist es bekanntlich trocken und der Urlaubsgenuß kommt wirklich nicht zu kurz.

Und wenn die Wetterpropheten recht behalten, bekommen wir Mittwoch noch einen ausgewachsenen Sturm mit Windstärken bis 11.

Dabei war es heute schon nicht wenig windig, was zu atemberaubender Brandung führte.

Morgen gönne ich mir dann noch einen schönen langen Lauf fürs gute Marathongewissen und dann guck ich mal, was Insel und Wetter denn die Tage noch so zu bieten haben 🙂

33,333 km Rückenwind

10 Tage liegt sie nun schon zurück, meine Premiere beim Syltlauf 2017. Höchste Zeit für eine nähere Betrachtung, schließlich war dieser Lauf der Grund für gleich eine ganze Woche Urlaub auf der Insel.

Der sonntägliche Start um 10:00 Uhr verhieß noch ein angenehmes Ausschlafen nach der Anreise vom Vortag. Allerdings verhieß der Wetterbericht nichts gutes für diesen Lauf und er sollte recht behalten. Schon zum Aufstehen und Frühstück in der Ferienwohnung regnete es wie aus Eimern, es blies ausgesprochen kräftiger Wind und die Temperatur sorgte mit 4° gerade mal dafür, dass es eben regnete und nicht schneite.

Die bescheidenen 2,5 km zum Start beim Fünf-Städte-Heim in Hörnum-Nord ließ ich mich von Jens chauffieren. Ansonsten hätte ich keine Chance gehabt, meinen Rucksack mit den Wechselklamotten trocken zum Start zu bringen, damit dieser von dort zum Zielort List gekarrt werden konnte. Da ich mir am Anreisetag die Pastaparty mit Startnummernausgabe in Westerland gespart hatte, enterte ich das Fünf-Städte-Heim um an meine Startnummer zu kommen und Schutz vor den Regenfluten zu finden. Diese Idee hatten allerdings allen anderen logischerweise auch und so wurde meine „Vorliebe“ für Menschenmassen und engen Körperkontakt auf eine harte Probe gestellt. Da war ich froh als sich die Startzeit näherte und ich mich mit der ganzen Meute aus dem Gebäude spülen lassen konnte.

Zum Glück verlor der Meermann Ekke Nekkepenn nicht allzu viele Worte und ließ den Startschuß pünktlich um 10:00 Uhr fallen. Wie immer bei „Wettkämpfen“reihte ich mich ganz hinten ein und ließ es ruhig angehen. Die Laufrichtung erst einmal eingeschlagen kam der kräftige Wind von schräg hinten, was den Regen dann gar nicht mehr so schlimm erscheinen ließ und nach vielleicht drei Kilometern waren dann auch endlich meine Finger warm.

Bis kurz vor Westerland verlief die Laufstrecke auf dem Radweg neben der einzigen Landstraße zwischen Hörnum und Westerland. Da war ich schon etwas enttäuscht, gibt es doch einen herrlich zu laufenden ehemaligen Gleisweg der früheren Inselbahn, wo man durch die tolle Dünenlandschaft abseits des Autoverkehrs laufen kann.

Kurz vor Westerland bogen wir dann aber ab Richtung Strandpromenade. Von hier ab war die Strecke klasse und wurde immer besser. Nach Westerland, Wenningstedt und Kampen kam das Highlight der ganzen Strecke, die unglaublich schöne und faszinierende Dünenland, die bis an den Zielort List heranreicht. Der Regen, der graue Himmel, der stürmische Wind und das Bestreben, dann doch einigermaßen gut durchzulaufen, sorgten aber für eine ausgesprochen magere Bilderausbeute.

Für mich lief es vom Startweg gut, ich fühlte mich gut, lief locker und hatte immer mal wieder zwischendurch nette Unterhaltungen mit den Mitläufern. Der kräftige Rückenwind machte das Laufen mühelos und den kalten Regen vergessen, nur umdrehen durfte man sich nicht 🙂 Ich pflügte auch einfach durch sämtliche Pfützen, die die meisten anderen Läufer immer noch zu umlaufen versuchten, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, dass noch irgendjemand trockene Füße hatte.

Auch weit über Kilometer 20 hinaus fühlte ich mich noch wie auf den ersten Metern und mit Dankbarkeit konnte ich feststellen, dass eine gewisse Anspannung, wie ich diesen Lauf wuppen würde, da ich in der Zeit vor dem Lauf mental nicht so gut drauf war, verschwunden war.

Die letzten sechs, sieben Kilometer war ich so richtig im Flow und lief ein gutes, nicht zu schnelles Tempo  (schlußendlich war es ein 6:08er Schnitt) und konnte wie beim Skislalom ständig andere Läufer überholen. Das war ein gutes Gefühl, wenn auch die Überholmanöver aufgrund der beschränkten Wegbreite manchmal nicht ganz einfach waren. Diese Kilometer liefen auch nicht ganz topfeben, was mich aber in keinster Weise kratzte und einen klitzekleinen Durchhänger bei Kilometer 30 konnte ich auch schnell wieder aus Kopf und Beinen schütteln und lief gute drei Kilometer später nahezu relaxt ins Ziel ein.

Besser hätte es nicht laufen können. Daran hatte der kräftige Rückenwind zwar sicher einen gehörigien Anteil, aber man wird ja auch mal genießen dürfen, gelle? Ich fischte mir meinen Rucksack aus dem Gepäckbus und in einer Turnhalle konnte ich mich dann aus den klitschnassen Klamotten schälen, es war nicht eine einzige trockene Faser mehr am Leib.

Glücklicher Weise hatte ich auch mein Handy dabei, weil das Ziel überraschender Weise nicht mitten im Ort List lag, sondern am Ortsanfang auf einem Sportgelände. So konnte ich Jens und Muttern mit dem Auto zu mir dirigieren, die auch schon verzweifelt den Zieleinlauf gesucht hatten. Die Möglichkeit mich zum Duschen und Schwimmen per Bus in die Sylter Welle nach Westerland karren zu lassen, ließ ich dankend aus und versank, zurück in der Ferienwohnung, stattdessen lieber in der dortigen Badewanne.

In Startwuhling und auf der Strecke durfte ich auch noch auf bekannte Gesichter treffen. Die Freundinnen von Elke, mit denen ich schon die Ehre hatte einen weinseligen Halbmarathon zu laufen, waren als Staffel angetreten. Leider hatte ich sie im Ziel nicht mehr gesehen. Auf der Laufstrecke kurz vor List kam mir dann Margitta entgegen. In dickes, wetterfestes „Zivil“ verpackt, hätte sie gar nicht erkannt, wenn sie nicht nach mir gerufen hätte.  Als ich die Überraschung realisiert hatte, war ich aber auch schon weit an ihr vorbei.

Dieser Syltlauf war echt eine coole Nummer und mein bis dato längster Regenlauf. Und auch mein längster Lauf mit Rückenwind. Ich denke, dass wird sicher auch eine ganze Zeit ungetoppt bleiben 😀

Eine Blogpause ist ja keine Laufpause

… kommentierte Claudi auf meine Abmeldung in meine Sendepause. Recht hatte sie, denn in den letzten knapp drei Wochen bin ich viel gelaufen. Das Laufen hat natürlich gut getan, genau so wie die Auszeit vom Blog. Diese ist deshalb sogar etwas länger ausgefallen als geplant. Gekrönt war diese Auszeit von einem Aufenthalt auf meiner Lieblingsinsel und zweiten Heimat Sylt. Anlaß war die Teilnahme am Syltlauf, auf den ich aber noch gesondert zu schreiben komme.

Neben dem Lauf war die Woche auf der Insel einfach Labsal für die Seele.

24.03.17 01

„Hier ist das Meer, das wirkliche, das Atem gibt und Glauben an ein neues Leben. Das ICH sammelt sich wieder aus seiner Zerfahrenheit und ist bereit für die große Leidenschaft der Welt“

                                                                                                                        Hermann Kasack (1925)

Zwei Regentage und fünf Tage blankgeputzter Strahlehimmel, der den kalten Wind vergessen machte,  sind eine hervorragende Bilanz für eine Märzwoche auf Sylt.

Und bei solchen Anblicken geht mir einfach das Herz auf:

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Morgens wie abends…

… die Inselnatur gibt so unendlich viel.

Und der Syltlauf war einfach nur genial, dazu aber in den nächsten Tage Meer ähh mehr 🙂

Ansichtskarte von Sylt

Ansichtskarten sind ja mmer etwas schönes. Über die, die mich heute erreichte, freue ich mich aber ganz besonders. Ich hatte Losglück für den Syltlauf im März kommenden Jahres!

So wie man sich zu diesem Lauf nicht online sondern nur ganz klassisch, altmodisch auf dem Postwege anmelden kann, so charmant ist auch die Zusage. Per Ansichtskarte bin icn noch nie über eine Anmeldung zu einem Lauf informiert worden 🙂

Nun darf ich als einer von 1.000 Einzelläufern auf die 33,333 km lange Strecke gehen. Ein schöner Grund für einen Frühlingstripp auf „meine“ Insel. Die erste Laufveranstaltung für 2017 ist damit gesetzt 😀

Sylt-Nachlese

Wie schon direkt nach unserer Rückkehr angekündigt, möchte ich Euch heute nochmal etwas von Sylt vorschwärmen. Es war einfach zu schön 🙂

Schon die Anreise haben wir zelebriert. Seit ca. einem Jahr gibt es die Fährverbindung Cuxhaven – Brunsbüttel, die die Autostrecke für uns um ca. 140 km verkürzt und uns das stauträchtige Hamburg mit seinem Elbtunnel ersparte. So genossen wir eineinhalb Stunden Schifffahrt statt Autobahnstreß.

Allerdings wollte wieder alle Welt nach Sylt, so dass wir vor der Autoverladung in Niebüll zwei Stunden Wartezeit hatten. So what, 14 Tage Sommerurlaub warteten schließich auf uns.

14 Tage mit unglaublich schönem und warmem bis heißem Sommersonnenwetter. So ein reinrassiges Hochsommerwetter mitten im September hatten wir noch nie auf der Insel. Ein Traum, der kaum in Worte zu fassen ist! Deshalb lasse ich hier einfach nur ein paar Bilder sprechen:

Noch nie war ich so oft, so viel und so lange im Wasser wie dieses Mal.

Darüberhinaus ist die Natur einfach unglaublich schön und das erste Mal sahen wir vom Strand aus gleich mehrmals Schweinswale. Diese ungefähr delfingroßen Tiere sind allerdings relativ fotoscheu.

 

Unter den hohen Temperaturen hatte allerding mein Laufprogramm erheblich gelitten. Gepaart mit sehr wenig Wind und die, durch das Meer, hohe Luftfeuchtigkeit machte die Wärme das Laufen zu einer extrem schweißtreibenden Angelegenheit. Deshalb konnte ich mich zu gerade mal drei Laufeinheiten von bescheidener Länge aufraffen. Urlaub also auch vom Laufen. Mein Workout am Strand zu absolvieren  machte allerdings viel Spaß.

Und hüllenlos planken können nicht nur andere :mrgreen:

06-09-16-06

Erstmals besichtigten wir den Hörnumer Leuchtturm, in dem kurz nach seiner Erbauung sogar die erste Schule des Ortes unterbracht war. Heute kann man sich dort standesamtlich trauen lassen. Mancher mag sich die Frage stelle, welche dieser beiden Nutzungen schlimmer ist oder war :mrgreen:

Da meine Mutter aus unserem Urlaubsort Hörnum stammt, habe ich bei unseren Urlauben dort auch immer etwas Heimatgefühle. In dem roten Haus ist meine Mutter groß geworden und in dem weißen Haus hat bis kurz vor seinem Tod im letzten Jahr noch mein Onkel gewohnt. Leider alles nur gemietet, so dass der Traum vom Häuschen auf Sylt leider ein Traum bleiben muß.

Und so ließ sich unserer Abreise leider nicht verhindern, was offensichtlich selbst den Himmel bekümmerte. Das einzige Wolkengrau zeigte sich an unserem Abreisetag an dem wir auch wieder die Fähre benutzten. Weils so schön entspannend war und eine Schifffahrt so gut zu einem Urlaub am Meer paßt.

Syltrosen

Anne schrieb vor vier Wochen vom Duft der Kindheit, den sie auf einer Radtour wahrnahm. Der Geruch der Kartoffelernte war es, der bei ihr Kindheitserinnerungen auslöste.

In meinem Kommentar schrieb ich, dass ich mit meiner Kindheit keine bestimmten Gerüche verbinden würde. Die weise Anne entgegnete darauf, dass sich auch bei mir eine Erinnerung einstellen würde, wenn mir ein bestimmter Geruch in die Nase kommen würde. Wie recht sie hatte!

Schon in der Kindheit habe ich in den Ferien auf Sylt den Duft der Syltrosen, korrekt Rosa rugosa,  intensiv wahrgenommen. Auf der Insel wachsen diese Rosen (wie ich seit heute dank Wikipedia weiß, auch Kartoffelrose genannt) zuhauf.

syltrosenblueten

Ergänzt wurde der Duft durch den intensiv-aromatischen Geruch von Blaubeerpflanzen, die auf Sylt oft in direkter Nachbarschaft zur Syltrose vorkommen. Dieses würzige Duftpotpourri läßt mich jedesmal sofort wieder als Kind über die damals noch vorhandenen Holzstege durch die Dünen laufen. Herrlich!

Da diese Syltrosen zu meiner Schulzeit auch auf dem Schulhof in der tiefen Provinz des Oldenburger Münsterlandes wuchsen, ist deren Duft für mich sogar aus zweierlei Gründen eine Kindheitserinnerung. Auf dem Schulhof träumte ich dann oft von Sylt 🙂

So langsam kehrt auch jetzt wieder mein Geruchssinn zurück. Die Erkältung klingt ab. Es schnöffelt und hüstelt nur noch etwas vor sich hin 🙂

Von Flaute und „Bergen“

Auf Sylt habe ich natürlich auch noch ein paar Laufkilometer als Vorbereitung auf den Marathon gesammelt. Aber so sehr ich Sylt auch schätze, wenn man den Urlaub in Hörnum, also ganz im Süden verbringt, hat man für längere Läufe nur eine Richtung, nach Norden. Westen und Osten fallen ebenfalls aus, da die Insel zwischen Hörnum und Rantum stellenweise  nicht breiter als einen Kilometer ist.

Mein erster Lauf führte dann auch wieder auf dem alten Weg der ehemaligen Inselbahn. Einmal rauf bis zur ach so berühmten Sansibar (es gibt wohl weltweit keine Bretterbude, die mehr Geld verdient) und wieder runter. 17 km.

Den gleichen Weg schlug ich somit auch für den zweiten Lauf ein. Nur ging es diesmal an der Sansibar vorbei bis nach Rantum und dort noch ein Stück auf den Damm des Rantumbeckens. Dieses kann man auch umrunden, allerdings hätte das selbst den Kilometerrahmen dieses langen Laufs gesprengt. Außerdem finde ich das Rantumbecken abseits der Seeseite nicht so attraktiv.

Nicht attraktiv war nach meinem Geschmack auch das Wetter auf dieser Tour. Lediglich auf dem Deich des Rantumbeckens war es wegen eines durchziehenden Schauers etwas frisch und windig. Ansonsten herrschte auf meinem Lauf Flaute, sprich teilweise komplette Windstille. Und das auf Sylt, wo es eigentlich immer windig ist ❗ Obwohl es nicht allzu warm war, garte ich deshalb im eigenen Saft. Aus difusen Wolken tröpfelte es unmotiviert vor sich hin. Kühlung brachte das nicht. Und so hatte ich schon nach um die 23 km eigentlich nicht mehr die große Lust. Aber abkürzen ging auf der One-way-Strecke nicht, also trottete ich weiter. Dabei lief es den ganzen Lauf gar nicht schlecht und nach einem Schlenker zum Bäcker und ingesamt 32 km war ich mit der Brötchentüte in der Hand wieder an der FeWo und alles war gut 🙂

Der letzte Lauf zwei Tage später stand dann unter dem Motto Bergtraining. Sylt hat zwar keine Berge aber reichlich Dünen und diese erreichen teilweise stattliche Höhen. Und so geht es auch in Hörnum teilweise beachtlich bergauf und bergab. Die Ferienhäuser der Kersigsiedlung z. B. stehen auf sehr unterschiedlichen Höhen und auch die Dünen nördlich des Hafens sind so hoch, dass man von ihnen von weit oben auf die Nordsee herunterschauen kann.

Allerdings ist das gesamte Areal so klein, dass ich es zweimal durchlaufen habe und anschließend noch ein Stück gen den flacheren Norden gelaufen bin, um auf 12 km zu kommen.

Auf jeden Fall kann man in Hörnum erheblich mehr, einfacher und vorallem idyllischer Höhenmeter sammeln als in Oldenburg auf dem Utkiek 🙂

Sylt 2015 – Gefühlswelten

Sylt 2015

Spät war er in diesem Jahr, unser Urlaub. Ich will nicht sagen zu spät, aber die Tage in meiner zweiten Heimat Hörnum auf Sylt waren diesmal deshalb einfach zu wenig. Trotzdem oder gerade deswegen waren es traumhafte Tage. Das besonder Sylt-Erleben fängt ja schon immer mit der Anreise an. Spätestens sobald man mit dem Auto auf dem Syltshuttle gefahren ist, beginnt im Prinzip der Urlaub.

Von der Inselhauptstadt Westerland sind es dann noch knappe 20 km und Hörnum ist erreicht. Unser neues Gefährt hat seine Jungfernfahrt mit Bravour bestanden 🙂

24.09.15 01

Hörnum, vertraut seit Kindertagen. Meine Mutter stammt von hier, meine Großvater lebte hier, ebenso wie zwei Onkel und eine Tante. Nun lebt hier keiner mehr aus der Familie. Mein zuletzt verbliebender Onkel starb vor wenigen Wochen und so ist es diesmal ein besonderes Gefühl in diesem Ort zu sein, das mich anfangs etwas fremdeln ließ. Aber Hörnum ist Hörnum und Sylt ist Sylt. Abseits von neureichem Yuppiegedöns ist diese Insel das was sie immer war: Ein Traum, ein Naturparadies mit wunderbaren Stränden und endlosem Meer.

Das Wetter war zwar ausgesprochen durchwachsen, aber es gab auch so warme Phasen, dass unsere Kakaopralinen auf dem Couchtisch durch die Sonneneinstrahlung durch die Fenster etwas aus der Form geraten sind 😀

Kacke*sieht aus wie…*

Gelaufen bin ich natürlich auch, dreimal insgesamt mit 61 km (17, 32, 12). Den letzten beiden Läufen werde ich noch einen gesonderten Post widmen. Neben den Laufkilometern kamen noch viele (Strand-)Spaziergehkilometer hinzu, wobei wir auf unserem längsten Marsch am Strand dermaßen den A…. naß bekommen haben, aber egal, auch das gehört zu einem Urlaub an der Nordsee 🙂

Wie eingangs gesagt, die Tage vergingen viel zu schnell und gerne wären wir noch eine Woche geblieben. Aber zwei Wochen haben wir uns für nächste Mal fest vorgenommen, weil es lohnt sich:

Am letzten Tag galten unsere Gedanken noch mal meinem Onkel, der vor seinem Heimatort seebestattet worden ist. Bei einer Schifffahrt in die Nähe des Besetzungsgebietes erwiesen wir ihm die letzte Ehre.
25.09.15 11
Es gibt für mich keinen schöneren Ort! Zum Erholen, zum Entspannen und … zum Erinnern.
25.09.15 15