Sunset-Run

Nach den zwei stürmisch eisigen Tagen folgten auf Sylt zwei zwar immer noch kalte, aber wenig windige und daher traumhaft schöne Tage. Zeit, um am zweiten dieser schönen Tage endlich zu laufen. Zwar kam ich erst zum frühen Abend dazu, aber gerade das war der absolute Knaller: Ein Sunset-Run bei mäßigem Nordwind in kristallklarer Luft. Der Start erfolgte in die in mildes Abendlicht getauchten Dünenlandschaften um dann rechtzeitig zum Sonnenuntergang das Meer zu erreichen und am Strand entlang zu laufen.

Nach dem geschenkten Syltlauf waren die Beine taufrisch und lauffreudig. Das sich einstellende Tempo im Zusammenspiel mit dem Nordwind und der Kühle sorgten für einen geschmeidigen Lauf ohne ins Schwitzen zu geraten. Ein Lauf wie ein Traum, entspannend und beseelend und wenn auch nicht einmal halb so lang, so doch eine satte Entschädigung für den entgangenen Lauf am Sonntag.

Und wo ich gerade beim Schwärmen bin: Am Abend vorher trafen Jens und ich auf Elke und Chris, die sich am Sonntag im Rahmen einer Staffel in den eisigen Sturm gestürzt hatten. In einem guten Restaurant verbrachten wir einen schönen Abend, bei dem nicht nur das Wetter und der Syltlauf für Gesprächsstoff sorgten.

19.03.18 01

Danke für den tollen Abend

Dagegen

Um 7:30 Uhr bin ich aufgestanden und habe mit einem Blick aus dem Fenster und einem Blick ins Internet über die Wetterlage auf Sylt informiert und mich auf Grund der eisigen Sturmlage schlußendlich gegen den Lauf von Hörnum nach List entschieden. Stattdessen habe ich mich wieder ins Bett verkrümelt und meinen Schlaf auf 12 Stunden ausgedehnt und danach ein gemütliches Frühstück genossen 😀

Gegen Mittag haben wir dann die Lage im Ort gepeilt. Der Hörnumer Hafen ist komplett vereist …

… und der Wind hat im Osten es Ortes für enorme Sandverwehungen gesorgt und eine Straße sogar komplett unpassierbar gemacht …

… da hilft auch ein SUV nix 😆 :

Noch ein paar weitere Impressionen:

Auch wenn es da wo die Sonne hinscheint und kein Wind weht durchaus schon schön ist …

18-03-18-18.jpg

… bin ich mit meiner Entscheidung den Syltlauf unter den stürmisch-forstigen Bedingungen sausen gelassen zu haben zufrieden. Ich werde in den kommenden Tagen einfach ein paar Runden für mich drehen und fertig. Allerdings bin ich schon sehr gespannt, wie es Elke mit ihrer Staffel ergangen ist.

Auf jeden Fall lassen wir es uns diese Woche gut gehen. Es soll zwar kalt bleiben, aber der Wind deutlich weniger werden und die Sonne reichlich scheinen. Und für das leibliche Wohl ist auch gesorgt 😆 :

18.03.18 01

Geschenk von unseren Nachbarn, die einen Kiosk betreiben 😀

Man muß halt auch mal Nein sagen können und wenn es in diesem Fall eben mal beim Laufen ist 🙂

Schneesturm, Sandsturm

Syltlauf 2018, morgen geht er über die Bühne. Ob mit mir werde ich spontan entscheiden. Augenblicklich gibt es aber für mich eine klare Tendenz zum Nein. Weil das was wir heute auf der Anfahrt nach Sylt und bei einem ersten Rundgang durch Hörnum erlebt haben, dass war schon extrem. Zwischen Heide und Husum tobte auf 40 km Schneesturm vom Feinsten und sorgte durch Schneeverwehungen für widrigste Straßenverhältnisse und brachte den Verkehr teilweise zum erliegen. Auf dem folgenden Video ist der wirkliche Schneeflug leider nur ansatzweise zu erkennen und es war auch nur der Anfang.

Hinter Husum war der Schneesturmspuk zwar vorbei, aber auf Sylt ersetzt Sand den Schnee, der Sturm treibt unglaubliche Sandmengen nach Hörnum hinein. Eine strandnahe Straße ist wegen der Sandverwehungen nicht mehr befahrbar. Das hat selbst meine Mutter, die von hier stammt, so noch nicht gesehen.

Der Oststurm ist eiskalt und läßt die Gesichtsmuskeln gefrieren und ich wünsche mir eine Ski-Maske. Der Sand peitscht ins Gesicht und knirscht zwischen den Zähnen und eine halbe Stunde Beine vertreten reichen völlig um im vollen Winterornat ins Frösteln zu geraten. Die – 2° fühlen sich durch den eisigen Oststurm unendlich kälter an.

Für morgen während des Laufs sind Temperaturen von -1° bis 0° und immer noch Sturmböen der Stärke 7 bis 8 aus Ost vorhergesagt. Unter diesen Bedingungen werden die guten 33 km zu einer wirklich harten Nummer, zumal gerade die allerletzten Kilometer genau gen Osten führen. Ich werde morgen früh entscheiden, ob ich da Bock drauf habe. Ausrüstungstechnisch stoße ich bei diesen eisigen Windbedingungen nämlich an meine Grenzen und in den letzten Wochen fühlte ich mich auch nicht gesundheitlich auch nicht wirklich auf der Höhe. Genügend Gründe die die Tendenz vorgeben, obwohl ich schon Lust hätte. Morgen vormittag bin ich schlauer, ich werde berichten.

33,333 km Rückenwind

10 Tage liegt sie nun schon zurück, meine Premiere beim Syltlauf 2017. Höchste Zeit für eine nähere Betrachtung, schließlich war dieser Lauf der Grund für gleich eine ganze Woche Urlaub auf der Insel.

Der sonntägliche Start um 10:00 Uhr verhieß noch ein angenehmes Ausschlafen nach der Anreise vom Vortag. Allerdings verhieß der Wetterbericht nichts gutes für diesen Lauf und er sollte recht behalten. Schon zum Aufstehen und Frühstück in der Ferienwohnung regnete es wie aus Eimern, es blies ausgesprochen kräftiger Wind und die Temperatur sorgte mit 4° gerade mal dafür, dass es eben regnete und nicht schneite.

Die bescheidenen 2,5 km zum Start beim Fünf-Städte-Heim in Hörnum-Nord ließ ich mich von Jens chauffieren. Ansonsten hätte ich keine Chance gehabt, meinen Rucksack mit den Wechselklamotten trocken zum Start zu bringen, damit dieser von dort zum Zielort List gekarrt werden konnte. Da ich mir am Anreisetag die Pastaparty mit Startnummernausgabe in Westerland gespart hatte, enterte ich das Fünf-Städte-Heim um an meine Startnummer zu kommen und Schutz vor den Regenfluten zu finden. Diese Idee hatten allerdings allen anderen logischerweise auch und so wurde meine „Vorliebe“ für Menschenmassen und engen Körperkontakt auf eine harte Probe gestellt. Da war ich froh als sich die Startzeit näherte und ich mich mit der ganzen Meute aus dem Gebäude spülen lassen konnte.

Zum Glück verlor der Meermann Ekke Nekkepenn nicht allzu viele Worte und ließ den Startschuß pünktlich um 10:00 Uhr fallen. Wie immer bei „Wettkämpfen“reihte ich mich ganz hinten ein und ließ es ruhig angehen. Die Laufrichtung erst einmal eingeschlagen kam der kräftige Wind von schräg hinten, was den Regen dann gar nicht mehr so schlimm erscheinen ließ und nach vielleicht drei Kilometern waren dann auch endlich meine Finger warm.

Bis kurz vor Westerland verlief die Laufstrecke auf dem Radweg neben der einzigen Landstraße zwischen Hörnum und Westerland. Da war ich schon etwas enttäuscht, gibt es doch einen herrlich zu laufenden ehemaligen Gleisweg der früheren Inselbahn, wo man durch die tolle Dünenlandschaft abseits des Autoverkehrs laufen kann.

Kurz vor Westerland bogen wir dann aber ab Richtung Strandpromenade. Von hier ab war die Strecke klasse und wurde immer besser. Nach Westerland, Wenningstedt und Kampen kam das Highlight der ganzen Strecke, die unglaublich schöne und faszinierende Dünenland, die bis an den Zielort List heranreicht. Der Regen, der graue Himmel, der stürmische Wind und das Bestreben, dann doch einigermaßen gut durchzulaufen, sorgten aber für eine ausgesprochen magere Bilderausbeute.

Für mich lief es vom Startweg gut, ich fühlte mich gut, lief locker und hatte immer mal wieder zwischendurch nette Unterhaltungen mit den Mitläufern. Der kräftige Rückenwind machte das Laufen mühelos und den kalten Regen vergessen, nur umdrehen durfte man sich nicht 🙂 Ich pflügte auch einfach durch sämtliche Pfützen, die die meisten anderen Läufer immer noch zu umlaufen versuchten, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, dass noch irgendjemand trockene Füße hatte.

Auch weit über Kilometer 20 hinaus fühlte ich mich noch wie auf den ersten Metern und mit Dankbarkeit konnte ich feststellen, dass eine gewisse Anspannung, wie ich diesen Lauf wuppen würde, da ich in der Zeit vor dem Lauf mental nicht so gut drauf war, verschwunden war.

Die letzten sechs, sieben Kilometer war ich so richtig im Flow und lief ein gutes, nicht zu schnelles Tempo  (schlußendlich war es ein 6:08er Schnitt) und konnte wie beim Skislalom ständig andere Läufer überholen. Das war ein gutes Gefühl, wenn auch die Überholmanöver aufgrund der beschränkten Wegbreite manchmal nicht ganz einfach waren. Diese Kilometer liefen auch nicht ganz topfeben, was mich aber in keinster Weise kratzte und einen klitzekleinen Durchhänger bei Kilometer 30 konnte ich auch schnell wieder aus Kopf und Beinen schütteln und lief gute drei Kilometer später nahezu relaxt ins Ziel ein.

Besser hätte es nicht laufen können. Daran hatte der kräftige Rückenwind zwar sicher einen gehörigien Anteil, aber man wird ja auch mal genießen dürfen, gelle? Ich fischte mir meinen Rucksack aus dem Gepäckbus und in einer Turnhalle konnte ich mich dann aus den klitschnassen Klamotten schälen, es war nicht eine einzige trockene Faser mehr am Leib.

Glücklicher Weise hatte ich auch mein Handy dabei, weil das Ziel überraschender Weise nicht mitten im Ort List lag, sondern am Ortsanfang auf einem Sportgelände. So konnte ich Jens und Muttern mit dem Auto zu mir dirigieren, die auch schon verzweifelt den Zieleinlauf gesucht hatten. Die Möglichkeit mich zum Duschen und Schwimmen per Bus in die Sylter Welle nach Westerland karren zu lassen, ließ ich dankend aus und versank, zurück in der Ferienwohnung, stattdessen lieber in der dortigen Badewanne.

In Startwuhling und auf der Strecke durfte ich auch noch auf bekannte Gesichter treffen. Die Freundinnen von Elke, mit denen ich schon die Ehre hatte einen weinseligen Halbmarathon zu laufen, waren als Staffel angetreten. Leider hatte ich sie im Ziel nicht mehr gesehen. Auf der Laufstrecke kurz vor List kam mir dann Margitta entgegen. In dickes, wetterfestes „Zivil“ verpackt, hätte sie gar nicht erkannt, wenn sie nicht nach mir gerufen hätte.  Als ich die Überraschung realisiert hatte, war ich aber auch schon weit an ihr vorbei.

Dieser Syltlauf war echt eine coole Nummer und mein bis dato längster Regenlauf. Und auch mein längster Lauf mit Rückenwind. Ich denke, dass wird sicher auch eine ganze Zeit ungetoppt bleiben 😀

Eine Blogpause ist ja keine Laufpause

… kommentierte Claudi auf meine Abmeldung in meine Sendepause. Recht hatte sie, denn in den letzten knapp drei Wochen bin ich viel gelaufen. Das Laufen hat natürlich gut getan, genau so wie die Auszeit vom Blog. Diese ist deshalb sogar etwas länger ausgefallen als geplant. Gekrönt war diese Auszeit von einem Aufenthalt auf meiner Lieblingsinsel und zweiten Heimat Sylt. Anlaß war die Teilnahme am Syltlauf, auf den ich aber noch gesondert zu schreiben komme.

Neben dem Lauf war die Woche auf der Insel einfach Labsal für die Seele.

24.03.17 01

„Hier ist das Meer, das wirkliche, das Atem gibt und Glauben an ein neues Leben. Das ICH sammelt sich wieder aus seiner Zerfahrenheit und ist bereit für die große Leidenschaft der Welt“

                                                                                                                        Hermann Kasack (1925)

Zwei Regentage und fünf Tage blankgeputzter Strahlehimmel, der den kalten Wind vergessen machte,  sind eine hervorragende Bilanz für eine Märzwoche auf Sylt.

Und bei solchen Anblicken geht mir einfach das Herz auf:

08

Morgens wie abends…

… die Inselnatur gibt so unendlich viel.

Und der Syltlauf war einfach nur genial, dazu aber in den nächsten Tage Meer ähh mehr 🙂

Ansichtskarte von Sylt

Ansichtskarten sind ja mmer etwas schönes. Über die, die mich heute erreichte, freue ich mich aber ganz besonders. Ich hatte Losglück für den Syltlauf im März kommenden Jahres!

So wie man sich zu diesem Lauf nicht online sondern nur ganz klassisch, altmodisch auf dem Postwege anmelden kann, so charmant ist auch die Zusage. Per Ansichtskarte bin icn noch nie über eine Anmeldung zu einem Lauf informiert worden 🙂

Nun darf ich als einer von 1.000 Einzelläufern auf die 33,333 km lange Strecke gehen. Ein schöner Grund für einen Frühlingstripp auf „meine“ Insel. Die erste Laufveranstaltung für 2017 ist damit gesetzt 😀