Unter realen Bedingungen

Heute ging es schon auf den finalen langen Vorbereitungslauf für Berlin. Einmal noch sollte die 30iger Marke gerissen werden. Freuen durfte ich mich dabei über die Begleitung von Angela und Heimo, die auf dem Rückweg vom Nordsee-Urlaub einen Zwischenaufenthalt in oldenburgischen Gefilden machen.

Allerdings befinden die Beiden sich in der Vorbereitung auf einen Halbmarathon, der eine Woche nach dem Berlin-Marathon stattfindet, und wollten deshalb nicht einen ganz so strammen Lauf absolvieren. Deshalb drehte ich erstmal eine Runde alleine durch Bornhorst und sammelte dabei gut 6 km ein, um dann nachhause zurückzukehren, wo Angela und Heimo inzwischen eingetroffen waren. Weiter ging es denn gemeinsam nach Wardenburg zu Angelas Elternhaus. Dabei beschied mir Heimo, dass es sein Knie nach gut überstandener Meniskus-OP nicht so gut verträgt, allzu häufig stehenzubleiben und wieder anzulaufen. Deshalb verlief der Ritt nach Wardenburg ganz deichläuferuntypisch ohne große Unterbrechungen zum Fotografieren, Trinken, Essen und Rumtrödeln. Allerbeste Marathonbedingungen also, die von feinstem Spätsommerwetter ergänzt wurden. Allerdings litt darunter die bei meinen Läufen sonst übliche Fotografierwut 😛

Ein Bild von den Bornhorster Wiesen auf meinen Solo-Kilometern, ein Bild vor geschlossenen Bahnschranken, zwei im nicht durchlaufbarem Wuhling einer Veranstaltung des Rudervereins, Schlußbild, fertig! 😀

Das Tempo lag etwas höher, als ich es mir auf den letzten langen Läufen zusammengegondelt habe, und brach erst ab Kilometer 26, 27 etwas ein, wo wir in praller Mittagssonne auf schottriger Strecke alle einen leichten Tiefpunkt hatten. Auf den letzten zwei Kilometern nahm Angela dann „Stallgeruch“ auf und zog Heimo und mir langsam aber stetig davon, während wir stoisch weiter vor uns hin trotteten.

Schlußendlich kamen wir aber alle hochanständig ins Ziel. Angela und Heimo nach 25 und ich nach 31 km. Die Beiden sollten also in drei Wochen mit einem Halbmarathon, wenn auch etwas höhenmeterlastig, wahrlich keine Probleme haben. Bei mir wird sich zeigen, ob ich mir genügend Grundausdauer zusammengeschlönzt habe. Die kommenden zwei Wochen werde ich laufend nur noch ein wenig  rumdaddeln und dann schaun wir mal 🙂

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Sammelleidenschaft

Hatte ich meiner geneigten Leserschaft je schon einmal erzählt, dass ich einer Sammelleidenschaft fröne? Nicht? Dann wird es höchste Zeit! Ich sammel nämlich Steine 🙂 Keine besonders schöne, wertvolle oder geologisch bedeutende, sondern eher so kleine, unscheinbare und spitze Steine.

Wie komme ich dabei an mein Sammelgut?  Ganz einfach: Einem Schaufelbagger gleich schüppe ich mir diese Steine beim Laufen in die Laufschuhe. Auf langen Läufen abseits befestigter Wege kann da schon mal eine beachtliche Menge zusammen kommen, gelegentlich auch noch durch kleine Hölzchen und sonstiges Gedöns ergänzt.

Nun muß ich zugeben, dass ich diese Sammelwut eher als Leiden als als Leidenschaft empfinde. Zwar sucht sich manches Steinchen ein unauffälliges Plätzchen und stört nicht weiter, andere aber nerven, drücken, scheuern. Ein Zwangshalt zum Entfernen des Schüttguts ist dann die Folge.

Da ich auf der kommenden Harzquerung im Laufe des Laufes einen gewissen Grad an Erschöpfung erwarte, möchte ich mir dort solches Ungemach ersparen. Deshalb habe ich mir in den unendlichen Weiten des WWW ein paar Laufgamaschen ausgesucht und schicken lassen.

Und bevor ich nun endgültig im Extremtapern versumpfe, mußte ich die Teile heute noch schnell ausprobieren.

Kurz zum Lauf selber: Bei kaltem, aber trockenen Aprilwetter lief es ganz wunderbar. Die Beine waren locker und es war kaum ein Knrischen im Gebälk zu vernehmen.

Ich mußte daher alle meine Disziplin zusammenraffen, um es bei den 10,2 km zu belassen und nicht doch noch einen langen Lauf davon zu machen. Aber die Lockerheit wollte ich erfolgreich nicht mehr aufs Spiel setzen.

Nun aber zu den Laufgamaschen, die ich auf diesem Lauf Probe getragen habe. Schicken lassen habe ich mir die Inov 8 Race Ultra Gaiter. Vor Ort ist sowas nicht zu erstehen, ein Markt scheint dafür in der norddeutschen Tiefebene nicht vorhanden zu sein :mrgreen:

Schon der Name „Race Ultra Gaiter“ macht doppelt so schnell wie ich eigentlich bin. Alles andere als schnell ging aber das erste Anlegen. Der Gummistrapsel, der unter der Sohle durchgeführt, mittels einer Schlaufe in einen Kunststoffhaken eingefädelt werden muß, sitzt so stramm, dass die Einfädelnummer zur Geduldsprobe wurde. Da Geduld aber nun nicht gerade meine Stärke ist, habe ich bei der Aktion wohl mehr geschwitzt als beim anschließenden Lauf. Übung macht da hoffentlich noch den Meister. Sofern sich Übung überhaupt einstellt, weil allzu oft werde ich die Teile nicht brauchen.

Haben Schlaufe und Haken aber erstmal zueinander gefunden, sitzt das ganze Werk ausgezeichnet und rührt sich während des ganzen Laufs nicht. Das Gummibändsel ist so dünn, dass es sich im Profil vor Angriffen vom Untergrund gut verstecken kann und so hoffentlich nicht zu schnell reißt.

Schnell merkte ich, dass ich den anderen Haken, der in die Schnürung greift, nicht ganz unten einhaken darf, dass zerrt zu sehr an der Schnürung und erhöht dadurch den Druck auf den Fußrücken. Und der Fußrücken ist bei mir noch sensibler als der ganze Rest vom Deichläufer 😀

Bis auf das Gefrickel mit Schlaufe und Haken sind die Laufgamaschen offensichtlich problemlos und unauffällig.

Also lieber einmal vor dem Lauf kurz die Nerven strapaziert als stundenlang während des Laufs. Da sammel ich lieber Kilometer als Steine 🙂

So, und nun muß ich unbedingt weiter tapern :mrgreen:

Taper taper du

Tapern bzw. Tapering ist ja offensichtlich offizielle Läufersprache. Ich finde das Wort zwar irgendwie total bescheuert, aber offensichtlich gehört es inzwischen einfach zum Denglisch, das mehr und mehr unseren Alltag durchdringt. Da ich ansonsten auch nicht sonderlich zimperlich in der Verwendung solcher Wörter bin, stelle ich mich jetzt halt auch mit dem Tapering mal nicht so an.

Tapering bedeutet laut Google-Übersetzer „spitz zulaufend“, ah jetzt ja … :-/ Das Onlinewörterbuch Leo gibt da schon eine sinnhaftere Erkläung: Reduzieren ❗ Das paßt doch um einiges besser und bedeutet in Läuferkreisen also weniger bis gar nichts mehr zu tun. Sprich, man kann, darf, muß  einfach mal stinkenfaul sein und darf das auch noch hochoffiziell als Bestandteil des Trainings verkaufen. Eigentlich genial! 😎 Funktioniert aber leider (oder Gott sei Dank?) nur wenige Tage in einer insgesamt recht laufintensiven Zeit. Und ganz ehrlich? Es blutet doch das echte Läuferherz in diesen zur Bewegungslosigkeit verdammten Tagen 😦

Zudem kratzt sich der Innereschweinehund verständnislos am Kopf, tut doch sein Herrchen plötzlich genau das, wozu er ihn sonst absolut nicht überzeugen kann.

Aber das Tuppern ähhhh Tapern bzw. Reduzieren macht ja durchaus Sinn und so werde ich dieses Wochenende nur noch ein bescheidenes, kürzeres Läufchen in diesen kalten April brennen und mich danach völliger Laufabstinenz hingeben. Das dürfte auch einer doofen, kleinen, gereizten Stelle am rechten Fuß ganz recht sein, die ich mir durch den doofen Lauf zugezogen habe.

Und dann hoffe ich, wenn ich Steve einmal zitieren darf, nächstes Wochenende heiß wie Frittenfett zu sein :mrgreen:

Aber „Spitz zulaufend“, das muß ich mir merken .Taper taper duuuuuuu …