Sieben Stunden Beton und keine zwei linke Füße

Letzte Woche Samstag waren Jens und ich nach Venlo in die Niederlande gefahren um im Großhandel für Jens Firma einzukaufen. Solche Tage haben es alleine wegen der Fahrerei in sich. Drei Stunden hin, drei Stunden zurück und dazwischen dann noch sieben Stunden Großhandel.

Sieben Stunden die Konzentration für den Einkauf zu wahren sind ja schon nicht ohne, aber sieben Stunden barfuß auf aalglatt gestrichenen Betonböden im Schlendermodus mit drei Schritten vor und zwei zurück waren auch für meine Kummer gewohnten Füße eine Herausforderung, erstrecht für die linke Ferse. Ich fürchtete für sie irgendetwas zwischen dem Rest geben und heilsamer Härte. Zum Glück tendierte sie zu letzterem, obwohl sich zum Ende mein Fahrgestell wie nach einem Marathon anfühlte, war meine Ferse am nächsten Tag sogar ruhiger als noch mehr beleidigt 😀

Das war auch sehr gut so, sind doch diese Tage meine Münchener Freunde Angela und Heimo im Lande. Da unser traditioneller Osterlauf dieses Jahr nur virtuell stattfinden konnte, freute ich mich wie Bolle mit den beiden am Sonntag endlich einmal wieder real laufen zu können und eine erste Runde zum und um den Kleinen Bornhorster See war auch schon ein schierer, wenn auch etwas schwülwarmer Genuß.

Am späten Mittwochnachmittag sind Heimo und ich zur Thülsfelder Talsperre gefahren um laufend zu erkunden, ob die Heide blüht. Da die 10 km Runde um die Talsperre zu großen Teilen nicht barfuß laufbar ist, habe ich meine Sandelen eingepackt. Wenn man allerdings in seinem Sandalensalat keine Ordnung hält und beim Einpacken auch nicht richtig hinschaut, darf sich der gemeine Deichläufer nicht wundern, wenn er zum Laufstart plötzlich mit zwei linken Sandalen dasteht 😆 Dafür hatte ich dann doch nicht die passenden Füße 😯 Was für ein Glück hatte ich aber, dass ich immer die Neopren-Schlappen als Notfallschuhe im Auto habe und man als Minimalläufer im Prinzip mit allem laufen kann, puh 😀

So konnte die Runde um die Talsperre starten. Nach dem es den ganzen Tag teilweise wie aus Eimern gegossen hatte, war es zum Lauf bis auf zwei kleinere Schauer trocken und wir genossen den Törn bei frischer Luft und teilweise imposantem Wolkenspiel. Allerdings blühten die großen Heideflächen im Bereich des alten Schafsstall nicht mehr 😦

Unsere Enttäuschung darüber wurde aber nach Überquerung der Brücke über einen Seitenarm der Talsperre gemildert, denn ab da blühte die Heide noch. Ein schönes Bild, wenn auch die Flächen dort nicht so groß sind.

Leider war der Lauf viel zu schnell zu Ende, es ist an der Thülsfelder Talsperre immer wieder schön. Die 8 €-Neoschlappen haben auch einen guten Job gemacht, wer braucht da schon teure Laufschuhe? 😆

Tolle Läufe waren es mit Angela und Heimo. Ich freue mich jetzt schon auf Weihnachten 🙂

Der Start

… in das lange Osterwochenende könnte grauer nicht sein. Der gestrige Utkieklauf versank in einem Einheitsgrau, aus dem es zum Schluß noch anfing zu regnen. Die Temperatur paßte sich mit 6 bis 7° der Tristesse an. Allerdings setzte die sehr gute Laune von Hermann einen Kontrapunkt, bei dem es trainingsmäßig gerade richtig gut läuft und der am Osterwochenende schon mal ein paar Übungsläufe vor Ort für die Harzquerung durchführen wird. Ich habe ihm schon gesagt, dass er sich zur Harzquerung ein paar warme Sachen mit ins Ziel nehmen soll, wenn er dort nach seiner Ankunft noch stundenlang auf mich warten muß 😎

Heute am frühen Nachmittag regnete es immer noch als Heimo und ich zu einem Lauf um die Thülsfelder Talsperre aufgebrochen sind.  Dadurch waren die „Trails“ um die Talsperre teilweise wunderbar aufgeweicht und schlamig, schon der Parkplatz war teilweise eine riesengroße Pfütze. Spaßgarantie! 🙂

Der letzte Lauf mit Heimo fand übrigens bei seinem Besuch zu Weihnachten statt, bei knapp doppelt so hoher Temperatur wie jetzt Ende März 🙂

Egal, heute hat es tierisch Spaß gemacht und durch ein paar von ingesamt 10 Kilometer, die wir im 5:40iger Schnitt gelaufen sind, konnte ich auch mal wieder aus meinem Harzquerungsvorbereitungs- und Fußschonungsgeschlönze ausberechen 😎

Die Landschaft rund um die Talsperre fasziniert mich immer wieder, auch wenn sie im Moment noch recht farblos daherkommt. Farbe brachten ein paar Rosenblätter auf der kleinen Seebrücke ins Spiel. Hier wurde wohl vor kurzem ein Brautpaar gefeiert. Das Schmunzeln darüber verging uns erst, als wir feststellten, dass die Rosenblätter künstlich waren, so eine Müllsauerei :-/

Ansonsten blieb uns aber das Schmunzeln erhalten. Heimo hatte etwas Sorge wegen seinem Knie, die heute zum Glück grundlos blieb, und ich war nach langer Zeit mal wieder an zwei Tagen in Folge unterwegs, was der Fuß zusammen mit dem etwas schwierigeren Untergrund und dem etwas höheren Tempo nahezu klaglos mitgemacht hat!

Soviel Positives wurde zum Schluß dann auch noch ganz zaghaft von der Sonne beschienen 🙂

Im Wald und auf der Heide

Zu einer für einen Sonntag unchristlichen Zeit war ich heute aufgestanden. Jens machte mit seinen Kollegen einen Ausflug mit anschließenden Spargelessen, zu dem ich ihn nach Oberlethe gefahren hatte. Und wenn ich schon mal im Auto saß, konnte ich die Gelegenheit auch gleich nutzen mal wieder wo anders als auf meinen ewigen Hausstrecken zu laufen. Okay, der absolute Exot ist es auch nicht gerade geworden. An die Thülsfelder Talsperre hat es mich in der Vergangenheit schon das ein oder andere mal verschlagen. Aber diese landschaftliche Kleinod ist immer wieder eine Laufreise wert.

Das „Problem“ ist nur, dass man die Talsperre mit nur 10 km umrundet hat. Nachdem ich mein Auto am südlichen Ende der Talsperre geparkt hatte, war ich deshalb erstmal durch den Wald Richtung Dwergte gelaufen. Über schmale Waldwege und -pfade, zum Teil gespickt mit moorigen Stellen, lief ich in das kleine Dorf Dwergte, dessen Ferienhaussiedlung bei unseren niederländischen Nachbarn ausgesprochen beliebt ist.

Die Region im Oldenburger Münsterland wurde 1972 von einem verheerenden Orkan getroffen und die Wälder regelrecht niedergemäht. Gedenktafeln mitten im Wald erinnern daran. An den Orkan selber kann ich mich kaum noch erinnern, war ich doch gerade erst vier Jahre alt, aber die Verwüstungen im Wald waren noch viele Jahre massiv sichtbar. Die Bilder habe ich noch gut vor Augen. Heute sieht man von alledem nichts mehr. Das Laufen im Wald und auf dem Waldboden war sehr angenehm, nur stehenbleiben durfte ich nicht allzu lange. Im leicht feuchten und schwülen Klima im Wald frassen mich die Mücken und Fliegen fast auf.

Nach gut 10 km war dann die Thülsfelder Talsperre wieder erreicht. Die Landschaft öffnete sich etwas mehr und die Insektenplage lies etwas nach. Dafür nahm die Touristenplage zu. Offensichtlich bedingt durch das lange Wochenende in Nordrhein-Westfalen waren die Wege rund um die Talsperre gut bevölkert. Etwas zuviel für meinen Geschmack, aber da wo ich an der Talsperre am liebsten bin, im etwas unwegsameren Heidegebiet, wurde es wieder ruhiger.

Bevor es allerdings in die Heide ging, führt ein Deich mitten durch den Wald. Der Nadelwald duftete herrlich harzig, ein Geruch wie ihn echte Bienenwachskerzen ausströmen. Die Heidelandschaft widerum roch würzig nach Heide und Blaubeersträuchern. Ein olfaktorisches Fest ❗

Die Kargheit der Heidelandschaft, die selbst jetzt im Juni teilweise noch nicht richtig durchgegrünt ist, die sandigen Böden, die Kiefern und die vielfach wurzelübersäten Wege, all das liebe ich über alle Maßen und ich frage mich immer wieder warum ich eigentlich so selten dort bin. Aber vielleicht bewahrt mir gerade das den Reiz des Besonderen.

Der Lauf ging zu Ende, nach 20,6 km war ich wieder am Auto. Sinnigerweise liegt der Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Biergarten eines Hotels. Da durfte ein alkoholfreies Weizen nach so vielen wunderbaren Sinneseindrücken auch noch den Gaumen erfreuen 😀

07.06.15 25

Ein Winterlauf vom Feinsten

An einem Sonntagmorgen um 8:30 Uhr aufstehen, das mache ich nicht freiwilllig. Da muß schon etwas besonderes sein. Gehandicapt durch meine Erkältung fiel in diesem Jahr eine ganz besondere Weihnachtstradition ins Wasser: Meine Läufe mit Heimo. Aber da es dieses Jahr gut mit mir meint, soll es wohl so sein, dass just in eben diesem Jahr Heimo mit seiner Familie noch bis ins neue Jahr im Oldenburger Land bleibt. Da paßte es auch gut ins Bild, dass sich der Morgen mit strahlenden Sonnenschein präsentierte. Die -5 ° habe ich dabei schlicht und ergreifend ignoriert 😉

Für heute hatte ich mir das Go zum Laufen gegeben und konnte mich so mit Heimo für den Vormittag verabreden. Fix noch das Auto freigekratzt, nach Wardenburg gedüst, dort Heimo aufgegabelt und weiter an die Thülsfelder Talsperre gefahren. Dort angekommen hatte sich das Thermometer schon auf irgendwas zwischen -3° und -2° aufgerappelt und dank Windstille erwartete uns purer Laufgenuss in dieser wunderbaren Naturlandschaft.

Auf dem Wasser befand sich großteils schon eine dünne Eisschicht. Verrückt wie schnell das immer geht, nach nur zwei frostigen Nächten. Die Landschaft mit teils ausgedehnten Heideflächen, Kiefern und sandigen Böden erinnert stark an die Lüneburger Heide und wirkt mit ihrem kargen Charme gerade an einem sonnigen Wintertag faszinierend schön. So verging die knapp 10 km lange Runde auch viel zu schnell. Aber nach neun Tagen Laufabstinenz wollte ich es auch nicht gleich übertreiben. Außerdem lockte der Mittagstisch bei der Frau Mama, sonst hätte mich Heimo glatt noch zu einer zweiten Runde überreden können.

Da wir auch morgen nochmal zusammen laufen, konnten wir es getrost bei dieser einen genialen Runde belassen 🙂