Läuft sich weg oder auch nicht

Seit ca. zweieinhalb Jahren terrorisiere ich meine Leserschaft nun schon mit meiner Minimal- und Barfußlauferei. Ein Thema glänzte in dieser ganzen Zeit allerdings durch völlige Abwesenheit, nämlich das Thema Verletzung. Bis auf eine kurzzeitige Verhärtung im rechten Unterschenkel gab es da über die gesamte Zeit nichts zu vermelden. Die Umstellung verlief so reibungslos, dass es mir selber schon manchmal unheimlich wurde. Zeit also, sich dem Thema mal wieder zu widmen.

Seit einigen Wochen verspürte ich immer wieder mal einen mehr oder minder dezenten Schmerz aus dem Inneren des linken Fußes. Selten während des Laufens sondern in der Regel immer danach. Auch nie langanhaltend und auch nicht sonderlich stark. Außerdem ließ er sich durch ein wenig Fuß- und Zehengymnastik immer wieder gut wegarbeiten. Das mal ja und mal nein ließ mich auch von dem Gedanken an eine sich möglicherweise ankündigende Überlastungsfraktur absehen. Deshalb lief ich auch munter weiter, so manches Zimperlein verschwindet ja schließlich so wie es gekommen ist. Bis zu meinem Lauf am Montag, da wurde der Schmerz auf einmal beim Laufen deutlich und kurze Zeit sogar überdeutlich. Das es so nicht gut läuft wurde mir erst ungefähr zum Wendepunkt meiner 14 km-Strecke deutlich und so mußte ich den Lauf im  Notlaufprogramm noch irgendwie zu Ende bringen.

Tagsdrauf ging dann gar nichts mehr, ich konnte mit dem Fuß nicht mehr auftreten, Treppensteigen wurde zur Qual und jede Fehlbelastung ließ mich jubilieren. Also doch eine Fraktur? Dies vermutete auch der Orthopäde, den ich glücklicherweise kurzfristig kontaktieren konnte. Allerdings war ihm der Schmerz dafür noch nicht ausgeprägt genug und auch das Röntgenbild blieb ohne Befund und zeigte ein kerngesundes Fußskelett. Es besteht zwar noch ein minimales Risiko eines auf dem Röntgenbild unsichtbaren Haarrisses, wovon der Orthopäde allerdings nicht ausgeht. Das würde sich aber zeigen, wenn sich die Beschwerden über die nächsten 14 Tage nicht bessern. So blieb eine konkrete Diagnose für die Schmerzen erst einmal aus.

Ich vermute mal, dass eine oder mehrere von den Sehnen, die die einzelnen Zehen ansteuern rebellisch geworden sind und die Ursache dafür könnte darin liegen, dass ich in diesem Jahr doch schon so einige Kilometer mehr auf dem Tacho habe als z. B. im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nachdem ich 2018 bis Ende Juni gute 860 km gelaufen bin, sind es in diesem Jahr schon gute 1200 km. Darüberhinaus bin ich in diesem ersten Halbjahr 2019 schon fast auf den Kilometer genau soviel Kilometer barfuß gelaufen wie im gesamten Jahr 2018. Es lief halt so gut und so bin ich seit geraumer Zeit auch gerne mal mehrere Tage hintereinander unterwegs und überhaupt soviel wie noch nie seit Beginn meiner Laufaufzeichnungen.

Vielleicht war das wohl doch etwas to much. Nun liegt erst einmal die Kraft in der Ruhe und es wird geschont, gekühlt und gemagerquarkt und dann hoffe ich mal, dass sich das ganze nicht so ewig hinzieht. Wie schön, dass gerade Hochsommer ist, da fällt mir das Pausieren vergleichsweise leicht.

Überhaupt lehrt mich diese Malesche auch mal wieder etwas Demut. Wenn ich gestern für die 200 m von der Haustür zur Apotheke und die selbe Strecke zurück eine halbe Ewigkeit brauchte, jeder Bordstein zur Hürde wurde und ich dabei gehörig ins Schwitzen geriet, dann hat mir das mal wieder deutlich gemacht welche Gnade mir zu Teil wird in der Regel so viel und so weit laufen zu können wie ich will.