Die stille Seite

Ich gebe zu, der Reiz von Sylt liegt für mich an der Westseite. Hier wo die Insel ihre fast 40 km lange Flanke der offenen See zuwendet, rauscht das Meer und tobt die Brandung, speziell wenn -wie gestern- eine steife Brise pfeift.

Aber Sylt hat auch eine ruhige, stille Seite, die Ostseite. Diese ist dem Wattenmeer zugewandt. Der stetige Westwind wird hier von der Insel abgefangen und hier zieht sich das Meer zweimal täglich im Wechsel der Gezeiten zurück und es läßt sich durch das Watt laufen. Auf dieser geschützten Seite liegt auch der Hafen von Hörnum.

Nach täglichen Läufen am Weststrand hat es mich heute einmal in diese Stille gezogen. Menschen sind hier nur wenige unterwegs. Auf der Wattenseite befindet sich die Kinderstube der Vogelwelt, deshalb kann man nicht überall uneingeschränkt laufen. Auch heißt es beim Trab durchs Watt ein Blick auf die Muscheln zu halten, sonst könnte das Barfußlaufen aufgrund der Scharfkantigkeit durchaus schmerzhafte Folgen haben.

Was an der Wattenseite auch fasziniert sind die ganz anderen Lichtverhältnisse, das Watt und die ruhige See spiegeln in der Sonne und auch der Himmel wirkt noch einmal höher als über der rauhen See. So hat auch die Stille durchaus ihre spektakulären Seiten.

Aus Eins mach Zwei

Statt der 33,333 Syltlauf-Kilometer bin ich mit meinem Sunset-Run und meiner gestrigen dünstig-diesigen Runde in zwei Läufen ungefähr die gleiche Strecke auf der Insel gelaufen. So stimmt abschließend wenigstens die Bilanz 😛

Vorgenommen hatte ich mir gestern eigentlich einen schönen Barfuß-Strandlauf, aber entgegen der Gezeitenvorhersage stand die Nordsee recht hoch und zwang daher zum Ausweichen in den weichen Sand, was sehr kräftezerrend ist und die Achillessehnen jubeln läßt. Weil die Alternative in den Ausläufern der Wellen zu laufen, dann doch etwas kalt war, habe ich nach nur 3,7 km den Strand wieder verlassen, bin wieder in die V-Trails geschlüpft und auf der ehemaligen Bahnstrecke auf der Wattenmeerseite weitergelaufen. Schade, war es doch so schön einsam am Strand.

Das Wetter war grau und diesig und ab und zu nieselte es leicht. Das ergab ein ganz anderes Bild als beim Sunset-Lauf vor zweit Tagen:

Auf der alten Bahnstrecke lief ich zunächst noch nach Norden und drehte dann kurz vor Rantum um.

So durfte ich auch zweimal den Parkplatz der ach so angesagten Assi ….  ähhh, sorry Sansibar passieren. Wie bestellt brummte auch gerade so ein Luxus-SUV von dannen. Die Bretterbude in den Dünen haben wir uns in all den Jahren, die wir schon nach Sylt kommen, noch nie gegeben. Wir kommen auch ohne die Hoffnung darauf einen Promi zu erblicken durch unseren Urlaub 😆

Weiter ging es zurück nach Hörnum, vorbei am Hafen, und nach einem guten Halbmarathon war ich wieder an der Ferienwohnung.

Am Oststrand wurde übrigens der verwehte Sand der Sturmtage wieder verteilt, Sandkastenspiele für ganz große Jungs 😆

So, die Bilanz ist also gerettet! Dann kann es morgen auch wieder nachhause gehen 😎

Auf ans Werk!

Oder besser gesagt „Auf nach Neuwerk“. Genau das war der Laufplan für den heutigen Sonntag. Ralf, Stephan und meiner einer machten sich auf von Cuxhaven nach Neuwerk und wieder zurück zu laufen. Neuwerk ist eine kleine Insel, die vor der Mündung der Elbe in der Nordsee liegt. Sie ist bei Ebbe durch das UNESCO Weltnaturerbe Nationalpark Niedersächisches Wattenmeer  zu Fuß zu erreichen.

Zu Fuß heißt in unserem Fall natürlich laufend und so begaben wir uns nach gut eineinhalbstündiger, automobiler Anreise hinein ins Watt, auf die knapp 9 km lange Strecke nach Neuwerk.

Bei 15° Luft – und 18° Wassertemperatur und bewölktem Himmel ging es los. Ralf ist schon öfters nach Neuwerk gelaufen und kennt den Weg, der aber durch die gesteckten Pricken auch so gut zu erkennen ist.

Ralf hatte die Startzeit so gewählt, dass das Wasser noch ablief. Das hatte den einen sehr wichtigen Vorteil, dass wir auf jedenfall auch genügend Zeit für den Rückweg hatten, bevor die Flut wieder einsetzte. Der andere, ebenfalls sehr wichtige Vorteil war, dass es einen Heidenspaß machte durch die Fluten zu laufen und zu stapfen 😀

Den Spaß genossen wir nicht alleine. Auf der ersten Hälfte der Strecke umgaben uns jede Menge Wattwanderer, Reiter und vor allem Kutschen. Auch ein Mädel auf einem Fatbike begegnete uns 🙂 Bei so vielerlei Aktivtäten tut ein frisch Gezaptes auf dem Meeresboden doch auch richtig gut. Wem es danach gelüstet, der kommt dabei tatsächlich nicht zu kurz. Wir hatten allerdings widerstanden 🙂

Unterwegs fotografierte ich nicht nur die Kutschen sondern wir wurden auch von den Kutschen herunter ständig fotografiert. Läufer im Wattenmeer, dass ist doch was fürs Urlaubsfotoalbum 🙂

Die zweite Hälfte der Strecke war dann nahezu menschenleer und es ließ sich die Stille und die unendliche Weite des Wattenmeeres so richtig genießen. Wer vor lauter Genuß die Zeit vergisst und von der Flut überrascht wird, kann sich auf einen von drei Notkörben retten. Entweder wartet er dann über die nächsten sechs Stunden die nächste Ebbe ab oder er zündet die dort verwahrten Leuchtraketen und läßt sich zum Schnapperpreis von 500 € retten 🙂 Wir hatten genügend Zeit und näherten uns Neuwerk ❗

 

Das winzige Eiland hat nicht wirklich viel zu bieten. Aber immerhin kann man sich hier wunderbar das Watt von den Füßen und aus den Schuhen waschen. Das Erklimmen des wuchtigen Leuchtturms hatten wir uns gespart und waren stattdessen zu einer halben Inselumrundung gestartet. Wer sich fragt, zu welchem Bundesland Neuwerk gehört, findet im folgenden Bilderblock die Antwort 🙂

In einiger Entfernung kann man die Ozeanriesen beobachten, die nach Hamburg oder von dort wieder zurück fahren. Wir hielten uns damit aber nicht lange auf und verließen nach nur einer guten halben Stunde Aufenthalt mit naßen Füßen und Schuhen wieder diese beschauliche kleine Insel und machten uns, im Wettlauf mit den von Neuwerk starteten Kutschen (den wir natürlich gewonnen haben 😀 ), auf den Rückweg nach Cuxhaven, bzw. genauer gesagt nach Cuxhaven-Sahlenburg.

Auf dem Rückweg hatten wir allerdings Gegenwind und so wurden auf den allerletzten Kilometern die Beine doch langsam müde. Der weiche Wattboden und auch der in den vielen Prielen und tieferen Pfützen erhöhte Beinhub fordeten allmählich ihren Tribut. So landeten wir nach knapp 21 km geschafft, aber mordsmäßig happy angesichts dieser irrsinnig schönen und spaßigen Tour wieder in Sahlenburg.

Und nach einem leckeren Essen und einem gepflegten Bierchen war die Welt eh wieder in Ordnung. Nach dem Essen ließ sich dann gut erkennen, dass die Nordsee von dem Weg nach Neuwerk schon wieder Besitz ergriffen hatte.

G..l war es und saumäßig Spaß hat es gemacht. Und wenn das nächste Mal ein freier Tag, die Gezeiten und das Wetter wieder zusammenpassen bin ich gerne wieder mit dabei 😀

12.06.16 39