Kleinvieh macht auch Mist

Heute habe ich den August läuferisch abgeschlossen. Trotz meiner bescheidenen Wiedereinstiegsläufe führe ich auch weiter tapfer meine Laufstatistik. Als ich in meiner Old-School-Excel-Tabelle für das Monatsergebnis auf Enter drückte, kniff ich die Augen zusammen und machte sie gleich wieder ganz groß auf: Immerhin gute 82 km habe ich mir in diesem Monat auf kurzen Strecken zusammengeeiert. Cool! 😎 Zugegeben: Ein einziger 10er war auch dabei und hat somit die Statistik mächtig gepusht, als ich von der Werkstatt nachhause gelaufen bin, weil mein alter Kleinwagen frisch inspiziert und getüvt wurde 😆

Die letzte Woche war dabei noch einmal richtig heiß und schweißtreibend. Deshalb gab es u. a. nackte Haut und kalte Duschen …

… schattenspendenden Wald am Woldsee …

… und kühlenes Eis zum offiziellen Abschluß der Utkiek-Sommersaison.

Der August geht somit durchaus versöhnlich zu Ende. Im kommenden September werde ich auch nichts forcieren. Endlich steht der Jahresurlaub auf dem Plan und dem Laufen werde ich den gewünschten Raum bieten, aber nicht die oberste Priorität. Somit schließe ich auch aus in den kommenden Wochen zu überziehen.

Kurios

Vor 14 Tagen stand mal wieder der Großhandel in Amsterdam auf dem Programm. Sieben Stunden sind wir durch die Hallen getourt und zur Schonung der Ferse wollte ich eigentlich Schuhe tragen. Eine der sieben Stunde habe ich das in ihnen auch ausgehalten, dann habe ich es doch vorgezogen barfuß zu gehen. Sechs Stunden Betonboden und die Ferse war anschließend ruhig. Hatte der Betonboden vielleicht so eine Art Blackroll-Effekt auf die Ferse ausgelöst? Ich weiß es nicht und ich verstehe es auch nicht. Aber am Montag ließ mich die Erkenntnis erstmals seit Ende Juni mal wieder barfuß traben. 4,3 km und die Ferse war ruhig, während der Vorfuß noch leicht vor sich hin zwackte.

19.08.19 01

Dientag das gleiche Ergebnis auf 5,1 km. Donnerstag auf dem Utkiek 7 km in den Trail-Pies Sucios mit ruhigen Vorfuß und dafür wieder zickender Ferse. Am Freitag 6,1 Barfuß-Kilometer auf dem Weg vom Blankenburger See nach Iprump und zurück mit wieder ruhiger Ferse und leicht murrendem Vorfuß.

Fazit dieser Woche: Die Ferse steht offensichtlich auf Härte und ist scheinbar über das Schlimmste hinweg. Der Vorfuß hingegen ist beim Laufen noch nicht komplett unauffällig, zeigt aber bislang nach den Läufen keinerlei Nachwehen. Vier Läufe brachten immerhin schon über 20 km. Und noch eine Erkenntnis: Wer kürzer läuft hat mehr Zeit zum Relaxen 😀

Ein zartes Pflänzchen?

Hin- und hergerissen war ich heute Abend. Sollte ich es wagen? Mal ein kurzes Stück zu laufen? Im Alltag verhält sich der Fuß weiterhin nahezu komplett ruhig und auch den Bahnsteigsprint vom vergangenen Donnerstag hat er nicht nachhaltig übelgenommen. Ebenso wenig wie die sieben Stunden, die ich am Samstag auf baren Füßen auf dem CSD in Berlin unterwegs war.

Ich habe mich für einen Versuch entschieden und war aufgeregt und nervös, wie ein kleines Kind vor dem ersten Schultag. Seichter Regen und knappe 20° erleicherten mir noch die Enscheidung. Wahnsinn, wieviel Spannung sich in mir breitgemacht hat, dabei ist das Laufen mir doch das Vertrauteste von der Welt und es war ja auch wahrlich nicht mein erster Aussetzer. Aber gerade dieses Vertrauen in das Vertraute ist halt augenblicklich erschüttert.

Das erste Antraben mit klopfendem Herzen, ein kurzer Stich, dann schmerzfrei! Genauso wie die ersten paar Hundert Meter. Ich versuche den Fuß so locker wie möglich zu lassen. Hypersensibles Hineinhorchen in ihn, ein leicht dumpfes Gefühl, kein Schmerz. Es beginnt richtig zu regnen, Freudentränen? Nach einem Kilometer kurz Innehalten an der Hunte, dann umdrehen und zurück. Nach eineinhalb Kilometern irgendwie Unruhe im Fuß. Und Jucken! Ist Jucken nicht ein Zeichen für Heilung? Nach zwei Kilometern beende ich den Lauf, die Sonne kommt raus und ein großer, kräftiger Regenbogen steht am Himmel, ich bin klitschnaß. Eine schon fast kitschige Hollywood-Happy-End-Szenerie, aber egal, wenn das kein gutes Zeichen ist? Der Fuß?: Ruhig. Auf der Rückfahrt macht sich ein leichtes Zirpen auf dem Fußrücken bemerkbar, wie ich es kenne, wenn ich Schuhe zu fest schnüre, aber kein Schmerz!

Was für ein lange Analyse eines zwei Kilometer kurzen Laufs, an den sich eine Mischung aus Freude, verhaltenem Optimismus und Skepsis anschließt. Aber auch was für ein Gefühl diese paar Minuten gelaufen zu sein, trotz des Horchens und Bangens, Wahnsinn ❗

Bleibt der Fuß ruhig, werde ich am Wochenende noch einmal die gleiche Strecke probieren mit einem kleinen Fünkchen Hoffnung, dass da wieder ein zartes Laufpflänzchen wächst.

 

On the road again

19.01.18 09

Ich erkläre meine Laufpause für beendet. Der Schlitz am Hals sieht super aus und ist auch nicht mehr zu spüren, da traue ich mich ein paar Tage früher zu laufen als es der Operateur gesagt hat, zu mal auf dem Begleitzettel des Krankenhauses eh eine kürzere Zeit stand.

Egal wie lang oder kurz so eine Laufpause auch immer ist, der erste Lauf danach ist etwas besonderes. Wie ein kleiner Junge freute ich mich darauf wieder auf die Piste zu gehen. Da freute sich das Wetter gleich mit, bei 4° blinzelte die Sonne immer wieder durch die Wolken und nachdem uns hier im Norden der Orkan Friederike verschont hatte, hielt sich der Wind auch heute in Grenzen.

Wie nicht ander zu erwarten zeigten sich die ausgeruhten Beine sehr lauffreudig und das Tempo lag etwas höher als gewohnt. Ich ließ die Beine laufen. Nach den nicht enden wollenden Regenfällen steht überall das Wasser, nicht nur in den Bornhorster Wiesen. Ich blieb mit den V-Runs an den Füßen auf befestigten Wegen. Offroad und nasse Füße hatte ich in den letzten Monaten oft genug und kann ich mir sicher auch noch wieder oft genug holen.

Dafür gönnte ich mir zum Schluß noch die ersten 2,7 Barfußkilometer dieses Jahres.

Ein herrlicher Lauf! Und auch wenn ich kein Country-Fan bin, setzte sich nach dem Lauf doch dieser Ohrwurm bei mir fest. Darf er, irgendwie paßt er gerade ganz gut zum heutigen Tag und zu meiner guten Laune 😀

Langsam wirds eng

… in meinem Laufschuhregal. Aber wenn mein Umstieg auf Minimal/Barfuß weiterhin so planmäßig vonstattengeht, kann ich in einem guten Jahr alle „normalen“ Laufschuhe erst einmal einmotten. Dann ist wieder Platz 😎 Heute beglückte mich aber erst einmal der freundliche Paketfahrer mit dem nächsten Zuwachs meiner Minimalriege. Um auch bei schlechtem Wetter einigermaßen vernünftig  über Feldwege und Trampelpfade zu kommen (von Trails will ich in meinem Standardlaufrevier nicht wirklich sprechen) braucht es noch was Minimales mit etwas mehr Grip. Und da ist heute als erstes der Vibram Five Fingers V-Trail eingetrudelt.

Gerade passend um nach einwöchiger Pause eine erste Runde mit ihnen zu drehen. Zuvor hatte mich eine, wenn auch nur recht leichte, Erkältung Abstand vom Laufen nehmen lassen.

In diesen Tagen hatte ich lediglich zwei Spaziergänge gemacht. Der erste ging um den Kleinen Bornhorster See, den ich wegen seiner „Hundedichte“ nicht gerne umlaufe. Spazierend stört die nicht und ich genoß Herbstimpressionen, muckelige Temperaturen und erblickte viele weitere umgefallene Bäume.

Ich erblickte aber auch einen Läufer an einer Stelle, wo ich gar nicht wußte, dass es da einen Weg gibt. Kam gleich auf den Merkzettel 🙂

Sonntag folgte eine verlängerte Runde mit Muttern und GöGa zum Wahllokal. Das Wetter war Bombe, aber zum Laufen wäre mir die plötzliche Wärme eh zu viel des Guten gewesen. Dafür nahm auch hier das unfreiwillige Sturmschaden-Sightseeing kein Ende.

Sturmschäden waren dafür bei meinem heutigen Lauf nahezu nicht zu sehen. Dabei wollte ich den alten Bahndamm schon meiden, allerdings bot er auch die Chance auf wenigstens etwas Trailfeeling und er war tatsächlich frei laufbar. Auch die wunderschönen Alleen auf dem Weg zum Kleinen Bornhorster See zeigten sich zu meiner großen Freude fast unversehrt. Und die unbekannte Strecke vom Merkzettel hatte ich auch gleich unter die V-Trails genommen. Es waren zwar nur 800 m Neuland, aber immerhin kann ich damit zukünftig meine Standardrunden noch etwas mehr variieren.

Erstaunlich trocken waren dabei schon die Wege, Matsch Fehlanzeige. Das hätte ich nach den wenigen Tagen ohne Regen nicht gedacht. In meinem Kommentar bei Christian bin ich da noch von anderen Voraussetzungen ausgegangen.

10,6 km waren ein optimaler Wiedereinstieg. Die Beine waren wunderbar frisch, offensichtlich hat ihnen eine Woche Pause auch gut getan, und es kam sogar so etwas wie Tempo auf.

Die V-Trails laufen sich im direkten Vergleich zu ihren V-Run-Brüdern sehr kommodig. Alleine das Trail-Profil reicht für einen Hauch von Dämpfung und der gut, ähnlich „normalen“ Laufschuhen, gepolsterte Schaft verhindert hier die einzige Scheuerstelle, die mir der puristische V-Run an der rechten Ferse zugefügt hatte. Insgesamt hat der V-Trail noch mehr Handschuh-Feeling als der V-Run.

Das beim V-Trail mehr Material verbaut wurde, erkennt man im direkten Vergleich, da sieht er irgendwie fast eine Nummer größer aus als der V-Run. Und das Profil macht sehr deutlich, wo der V-Trail-Frosch die Locken trägt. Aber dafür hat er ja schließlich auch Einzug gehalten in mein überquellendes Laufschuhregal 🙂