Ein wunderschöner Tag und ein vorläufiges Ende

„Was machen wir Montag?“ fragte Jens zu Beginn der Ostertage. „Etwas schönes“ antwortete ich und das ist uns auch gelungen. Wir haben das Künstlerdorf Worpswede angesteuert. Nordöstlich von Bremen gelegen ist es von Oldenburg ca. 80 km entfernt und ich war noch nie dort und Jens nur vor Jahrenden einmal.

Bei Bilderbuchwetter ging es durch flache Landschaften nach Worpswede, um erstaunt festzustellen, dass es dort sogar leicht hügelig ist. Ich lasse einfach ein paar Bilder sprechen, die allerdings das „hügelige“ nicht wiedergeben.

Worpswede-Impressionen

Etwas Kunst

Auf der Rückfahrt mied ich die Autobahnen und der Weg führte uns am U-Boot-Bunker Valentin vorbei. Jens hat diese gigantische Anlage noch nie gesehen, obwohl er genau auf der anderen Weserseite groß geworden ist. Deshalb machten wir nach dort einen Abstecher. Ich kannte die Anlage schon von einer Rennradtour und einem Lauf. Trotzdem ist dieses über 400 m lange und knapp 100 m breite Monstrüm mit seiner erschütternden Entstehungsgeschichte immer wieder beeindruckend und liegt dazu auch unverschämt schön.

Nach diesem Abstecher setzten wir mit der Fähre über die Weser, fuhren nach Oldenburg und gönnten uns in der Stadt zum Abschluß des Tages ein leckeres Essen.

VORLÄUFIGES ENDE

Am Gründonnerstag hatte ich nach einem vor Wochen stattgefundenen, frustierenden Gespräch mit meinem Arbeitgeber und einem weiteren Gespräch mit der Amtsärtzin auf ihr Geheiß hin einen Termin zur Begutachtung bei einem Psychiater. Diesem Termin habe ich über vier Wochen mit gemischten Gefühlen, Unsicherheit und zunehmender Unruhe und Anspannung entgegen gesehen. Diese Anspannung löste sich binnen Minuten als ich dem Psychiater gegenüber saß. Er war ein cooler Typ in meinem Alter, mit tätowierten Armen und spaciger Frisur. Er hat sofort meine Problematik erkannt, sprach von der Ernsthaftigkeit meiner Erkrankung und hat mich einfach nur verstanden wie kein anderer zuvor. Über die Geschehnisse der letzten 10 Jahre speziell in Bezug auf einen nicht ganz unwesentlichen Teil meines Lebens (ich denke meine Stammleser wissen welche ich meine) war er teilweise entsetzt, empört und fast außer sich. Lange Rede kurzer Sinn: Kern seines Gutachtens wird es sein, dass ich in den vorläufigen Ruhestand versetzt werde, erst einmal befristet für zwei Jahre, um überhaupt erst einmal wieder gesund werden zu können und um Zeit dafür zu haben mich neu zu orientieren.

Nach diesem gut einstündigen Gespräch fuhr ich zurück nach Oldenburg, verbrachte mit Jens seine Mittagspause, hatte danach ein tolles Telefonat mit einer lieben Freundin und danach noch ein Gespräch mit meinem Psychotherapeuten, das wir extra so terminiert hatten, um das Gespräch mit dem Psychiater aufarbeiten zu können. Zu guter Letzt rief dann auch noch die Klinik an, bei der ich für eine Aufnahme auf der Warteliste stand, um mir mitzuteilen, dass ich am 28.04. statt erst in ein paar Monaten aufgenommen werde.

Zuhause ankommen war ich fix und fertig. Ich glaube so fertig wie noch nie in meinem ganzen Leben. Erleichert, aber auch traurig und einfach nur zutiefst erschöpft, mit einem Kopf, der mit den Tagesereignissen total überfordert war. Es folgten ein unruhige Nacht, ein nach wie vor überfüllter Kopf und für eineinhalb Tage ein rebellierender Darm. Das ganze Konstrukt aus meiner Depression, des Nicht wissens wie es weitergeht, das Leben von Monat zu Monat, dieser immerwährende Ausnahmezustand, das alles brach über mir zusammen und erlaubte mir fast kein klares Denken und ich war zu fast nix fähig. So war ich auch überhaupt erst am Ostermontag imstande, diesen Ausflug mit Jens zu unternehmen und zu genießen.

Jetzt bin ich erstmal froh, dass ich in gut einer Woche in die Klinik kann. Bzw. bin ich noch froher wenn ich erst einmal da bin, damit dieses leichte Unbehagen, bezüglich dessen was mich dort erwartet, hoffentlich von mir abfallen kann. Immerhin weiß ich schon, dass die Klinik ein Schwimmbad hat und Sport sicher ein Teil der Therapie sein wird.

18 Kommentare zu “Ein wunderschöner Tag und ein vorläufiges Ende

  1. Lieber Volker
    Der ominöse Titel verhiess nichts Gutes – umso erleichterter bin ich jetzt, dass es ganz, ganz anders ist, nämlich GUTE NACHRICHTEN!
    Das freut mich sehr für dich!! Es freut mich, dass a) dein Termin bei deinem kultigen Psychiater gut gelaufen ist und b) dein Klinikaufenthalt so bald stattfinden wird. Wunderbar!!

    Bei dir überstürzen sich gerade die Ereignisse, kein Wunder, dass du erstmal durchatmen musst. Mir kommt es vor wie beim Zieleinlauf nach einem Marathon – da sinkt man auch erleichtert zu Boden. Und weint vielleicht ein paar Freudentränen. Oder umarmt andere glückselig.

    Ist klar, dass der Klinikaufenthalt dich etwas nervös macht, ich wäre es auch. Aber du wirst sehen, es wird dir sogar Spass machen. Und du wirst bestimmt einige neue Freundschaften schliessen. Das Schwimmbad ist das Tüpfelchen auf dem i. Der Triathlon kann kommen!

    Liebe Grüsse aus dem abendlichen Cape Town!

    • Liebe Catrina,

      manchmal können ominöse Titel täuschen 🙂 Ich bin wirklich froh, dass sich jetzt endlich einige Dinge zum Guten entwickeln. Der Marathonvergleich ist gar nicht so abwegig, aber nicht einmal nach meiner strapazösen Harzquerung war ich auch nur annähernd so fertig wie letzten Donnerstag. Ein erschöpfter Körper ist doch noch etwas anderes als ein erschöpfter Geist.

      Ich hoffe sehr das der Klinikaufenthalt gut wird und ich viel für mich dabei herausholen kann. Ob es allerdings der Einstieg in die Triathlonwelt sein wird, sei einmal dahingestellt 😎

      Liebe Grüße aus dem ebenfalls abendlichen Oldenburg
      Volker

  2. Lieber Volker,
    wunderschöne Bilder zum wunderschönen Tag und zum Glück konnte ich mir den zweiten Teil schon vorher denken, sonst hätte dieser Teil des Titels mich doch erschreckt 🙂
    Das Wetter war wirklich der Hammer, hier bei uns auch. Es ist einfach toll draußen zu sein und der Natur beim Lebensbeginn zuzusehen. Ich möchte gar nicht mehr weg von draußen 😀
    Ich freue mich total für dich, dass du gleich zwei gute Nachrichten an einem Tag bekommen hast und auch wenn ich etwas nachvollziehen kann, dass dich der nahende Klinikaufenthalt nervös macht, so bin ich mir doch sicher, dass er dir gut tun wird und dass du ganz beruhigt sein kannst.
    Und dann hoffe ich auch sehr, bald von dir vom Schwimmen zu lesen und natürlich von allen anderen Aktivitäten auch 🙂
    Fühl dich gedrückt
    Liebe Grüße
    Helge

    • Liebe Helge,

      wie schön Dich zu lesen, ich habe Dich schon sehr vermisst 🙂

      Wenn ich erst Atmosphäre und Menschen in der Klinik kennengelernt habe, werde ich hoffentlich ganz beruhigt sein können und hoffe die Zeit dort intensiv für mich nutzen zu können. Wären nur nicht gerade in der Klinik noch diese unsäglichen Corona-Maßnahmen, die man im Alltag endlich losgeworden ist.

      Über das Schwimmbad freue ich mich wirklich und wer weiß, vielleicht gibt es ja sogar einen Sporttherapeuten, der mich noch etwas anleiten kann.

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

  3. Lieber Volker,

    wirklich tolle Neuigkeiten, ich freue mich sehr mit dir! 🙂

    Nach so langer Zeit des gefuehlten Stillstands kommt jetzt der Stein richtig ins Rollen. Das kann auch erstmal ueberfordern, klar. Aber ich glaube ganz fest daran, dass sich alles jetzt langsam aber sicher in die fuer dich richtige Richtung bewegt!

    Ich bin auch klinikerfahren und der Aufenthalt hat mich in einer schwierigen Phase meines Lebens entscheidend weitergebracht. Nicht nur die Therapien, sondern ganz entscheidend auch der Austausch untereinander und der Abstand von der Situation, in der man drinsteckt. So hat man einen geschuetzten Raum fuer sich und kann gestaerkt die richtigen Weichen fuer die Zukunft stellen.

    Alles Liebe aus meinem in deinen Norden,
    Luisa

    • Danke schön, liebe Luisa!

      Ich bin wirklich froh, dass es jetzt eine Richtung gibt, die sicher die richtige ist, und ich auch weiß, worauf ich mich in der näheren Zukunft einstellen kann

      Wir scheinen wirklich die ein oder andere Gemeinsamkeit zu haben. Ich war vor 17 Jahren schon einmal in einer psychosomatischen Kur und habe es damals genauso empfunden wie Du, neben den Therapien waren Austausch untereinander und das Raussein aus dem belastenden Alltag sehr wichtig und guttuend. Ich hoffe, dass es diesmal wieder ähnlich sein wird. Schwierig für mich dürfte nur etwas sein, dass der Klinikalltag noch sehr von dem unsäglichen Corona-Maßnahmen bestimmt wird. Aber ich will versuchen, dass nicht so sehr an mich ranzulassen.

      Ganz liebe Grüße zurück von meinem in Deinen Norden 🙂
      Volker

  4. Lieber Volker, ich bin ehrlich gesagt richtig erleichtert das alles zu lesen. Endlich mal eine Richtung, endlich mal Perspektiven, endlich mal Bewegung (ausserhalb der Lauferei).
    Jetzt erstmal durchatmen und dann in Ruhe alles auf dich zukommen lassen, jeder wäre vor so einem Klinikaufenthalt nervös, biste erstmal da, löst sich alles auf.
    Der Psychiater gefällt mir jedenfalls, da hast du einen guten Typen zugespielt bekommen.
    Liebe Grüße und vergiss das Laufen nicht die nächste Wochen 😉

    • Lieber Oliver, ich wußte, dass Du so reagierst und Du hast absolut recht. Die Weichen sind erstmal gestellt und es wird sich bei mir wieder alles gerade rücken können. Das alles wird zwar noch etwas dauern, aber das ist auch klar, nach der langen Zeit, die es mir jetzt schon nicht geht. Jetzt erstmal in der Klinik ankommen und das ganze Drumherum mit der Versetzung in den Ruhestand abwarten.

      Das Laufen habe ich bis zur Klinikaufnahme erst einmal wieder komplett eingestellt. Die Ferse gibt einfach keine Ruhe und ich gucke einfach mal welche Sport- und Bewegungsmöglichkeiten sich dort bieten. So werde ich z. B. mein Fahrrad mitnehmen, was von der Klinik auch empfohlen wird.

      Liebe Grüße
      Volker

      P.S.: Der Psychiater hätte Dir nicht nur optisch gefallen. Ein toller Mensch der klaren Worte

  5. Lieber Volker,
    wunderschöne Bilder aus einer sehr interessanten Gegend! Der Tag war ja ein richtiger Kurzurlaub – den hast du dir aber auch verdient.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es einfach mal eine Zeit braucht, bis diese ganzen neuen Entwicklungen und Informationen richtig angekommen und gesackt sind. Lass dir Zeit, du hast genug davon. Und dass die Klinik nun doch früher einen Platz für dich hat, ist super. Klar sind die ganzen C-Maßnahmen auf den ersten Blick nicht erfreulich, aber lass das alles einfach mal auf dich zukommen. 🙂
    Lass dich drücken! 😀

    • Liebe Doris,
      es war wirklich nett und der Tag für uns beide eine Wohltat.

      Genau, jetzt habe ich genug Zeit. Der Klinikaufenthalt wird mir sicher den perfekten Rahmen für die gedankliche Aufarbeitung geben und danach kann ich losgelöst von Unsicherheiten und Etappendenken schauen wie es weitergeht. Und an den C-Sch… versuche ich erstmal nicht zu denken 😉

      Danke für den Drücker und liebe Grüße
      Volker

  6. Lieber Volker,

    erst einmal zu eurem Ostermontagsausflug: tolle Entscheidung, toller Ausflug und mit tollen Bildern zurückgekommen! Schön, dass ihr euch das gegönnt habt und der Himmel dazu gestrahlt hat, freute sich für euch! 🙂 – Hab von Worpswede schön viel gehört und gelesen, wäre wohl auch mal einen Ausflug wert. Von daher auch schön, dass ihr dort so einen schönen, gemeinsamen Tag hattet, den ihr lecker abrunden konntet!!!

    Vom 2. Teil hattest du mir ja schon erzählt … endlich der Durchbruch in eine Richtung, ohne immer nur „hingehalten zu werden“! Du bist an den richtigen Fachmann gekommen, der was von seinem Fach versteht … und in deinem Fall zum Glück auch was zu sagen hat und das entscheidende Gutachten schreiben wird! – Super auch, dass das mit der Kur so schnell klappt, auch wenn noch nicht alles so klar ist … blöde C-Maßnahmen etc.

    Neben den hoffentlich gelingenden Therapien, wünsche ich dir als I-Tüpfelchen auch einen guten Physio-Therapeuten. Wie schön wäre es, wenn die sportliche Betätigung die Therapien stützen könnte … im Schwimmbad und auch ‚drumherum‘!!!

    Wir klingeln mal wieder durch! 🙂

    Auf eine gute Vorbereitung und Einstimmung und
    mit lieben Grüßen Manfred

    • Lieber Manfred,

      wenn es denn endlich mal klappt und wir entspannt und mit Muse einen Besuch von Dir erleben dürfen, können wir Worpswede gerne noch einmal ansteuern.

      Ganz ehrlich, ich hoffe auch, dass ich in der Klinik auch noch auf einen guten Physiotherapeuten treffe. Das wäre wirklich das Sahnehäubchen! Abwarten… 🙂

      Danke Dir und liebe Grüße
      Volker

  7. Lieber Volker,
    hätte ich nicht schon etwas vorher gewusst, hätte mich die Überschrift auch nervös gemacht… Aber so läuft es doch nun in eine für dich -so hoffe ich- gute Richtung. Was für ein Glück, dass du bei genau diesem Psychiater gelandet bist! Endlich einmal jemand, der dich voll versteht und dir auch Unterstützung geben kann. Ich finde gut, dass ein großer Stresspunkt in deinem Leben nun erstmal stillgelegt ist und du dich voll und ganz auf deine Gesundheit konzentrieren kannst. Dass da nun der Klinikaufenthalt sogar noch früher starten kann, ist noch ein kleines Sahnehäubchen oben auf. Klar, ist das jetzt erstmal wieder eine kleines Fragezeichen, was da so laufen wird. Aber ich erinnere mich, dass du ja vom Arzt dort schonmal einen ganz guten Eindruck hattest. Lass es auf dich zukommen und dann schau mal, ob es dir zusagt.
    Nach dem ganzen Zirkus der letzten Monate und Jahre war es da wohl kein Wunder, dass das alles dir sehr zugesetzt hat. Ausnahmezustand über eine so lange Zeit hinweg, da dürfen Körper und Kopf dann auch mal Achterbahn fahren, das gibt sich wieder, hoffe ich für dich.
    Ich freue mich jedenfalls, dass da nun ein fetter Silberstreif am Horizont für dich funkelt!!!

    Euer schöner Ausflug nach Worspwede hat euch sicher gut getan! Das wäre auch ein Ort, der mich schon länger reizt, vor allem auch wegen der Künstler dort. Ein schöner Tag bei bestem Wetter, optischen und kulinarischen Genüssen. So etwas sollte man sich öfter gönnen!
    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      also wenn die sich nun anbahnende Richtung nicht stimmt, dann ist mir wirklich nicht mehr zu helfen. Dieser Psychiater war wirklich ein Geschenk des Himmels! Gib`s zu, Du hast noch einmal eine Kerze im Kölner Dom für mich entzündet 🙂

      Den jetzt sehr zeitigen Klinikaufenthalt begrüße ich wirklich. Im Moment bin ich auch sehr positiv gestimmt, aber das wechselt noch ein paar Mal bis kommenden Donnerstag. Da muß ich durch 🙂

      Ja, der „Zirkus“ der letzten Jahre hat seine Spuren hinterlassen und der quasi „Zusammenbruch“ über die Ostertage damit auch kein Wunder. Aber der Silberstreif am Horizont leuchtet und es kann nur noch heller werden.

      Noch jemand, der Worpswede gerne sehen würde. Dann auf in den Norden! Aber wartet bitte, bis ich wieder aus der Klinik zurück bin 😎

      Liebe Grüße
      Volker

  8. Lieber Volker,
    ich freue mich sehr für dich, dass du jetzt erst einmal Ruhe hast, um wieder gesund zu werden und ich wünsche dir alles Gute auf dem Weg dahin! Das Schwimmbad in der Klinik klingt toll – hoffentlich findest du jemand der dich gut anleiten kann mit Kraultechnik und dann kannst du da auch noch sportlich etwas lernen.
    Worpswede habe ich schon viel von gehört. Die Fotos bestätigen, dass ich es gerne mal sehen würde.
    Liebe Grüße!

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