Exot

Donnerstag, Freitag und der heutige Samstag waren drei traumhaft schöne, sonnige und milde Vorfrühlingstage. Leider ging sich zeitlich bei mir aber nur der Utkiek-Lauf aus. Da war dann nichts mehr mit Sonne, auch wenn während der Anfahrt und zum Start der schöne Untergang selbiger anzeigte, dass auch hier bald wieder Schluß sein wird mit den Dunkelläufen.

Nach meinem erfolgreichen Testlauf vom Vortag in den Pies Sucios-Sandalen beschloß ich kurzerhand diese erneut anzuziehen. Damit war ich wieder mal der Exot in der diesmal recht großen Laufgruppe. Während die Fivefingers inzwischen keine besondere Beachtung mehr finden, war das mit den Sandalen ganz anders und einige waren ganz gespannt, wie ich mit Dingern unterwegs sein werde.

Bei den Utkiek-Läufen hänge ich ja häufiger etwas durch und glänze meistens nicht mit dem größten Elan und mit Frische. So war ich auch nicht sonderlich amused darüber, dass Ralf und Uli an der Spitze zu Anfang ein verhältnismäßig flottes Tempo anlegten, hatte ich mich doch innerlich schon auf das allgemein sehr niedrige Tempo eingestellt. Aber kaum waren die ersten Anstiege der Oldenburg Hills erklommen, war alle Müdigkeit verflogen und es lief richtig locker und flockig und das Rauf und Runter in den ehemaligen Müllbergen machte mal wieder so richtig Laune. Ob es auch an den Sandalen lag? Keine Ahnung. Aber die Pies Sucios bewährten sich erneut allerbest und machten mir auf dem schottrig-steinigen Untergrund sogar mehr Spaß als die Fivefingers.

Zum Ende der üblichen Stunde, die diesmal ungefähr einen Kilometer mehr gebracht hat als gewohnt, war es dann schon reichlich frisch geworden. Aber mein Füße waren gewohnt warm und ich vermute mal, dass sich über die nächsten Wochen und Monate auch die Blicke auf die Laufsandalen legen werden. Der Exot werde ich in dieser Hinsicht aber wohl trotzdem bleiben.

 

Werbeanzeigen

Erlegen

… bin ich den Verlockungen der Werbung. Erst kürzlich schrieb ich hier über die Chala Evos, die ich im Internet erworben hatte. Und wie das so ist, wenn man sich im WWW etwas „ergoogelt“ hat, tauchen dann auf anderen Websites immer wieder Werbeeinblendungen dieser oder ähnlicher Produkte auf. Genauso in diesem Fall. Egal ob ich auf`s Wetter schaute oder in meinen E-Mail-Account, überall war da auf einmal die Amazon-Werbung für diese „Pies Sucios Simna Ultra Sandals“. Während die Chalas einen satten Hunni gekostet haben, lockten die Pies Sucios auch noch mit einem unschlagbaren Preis von 40 €. Da war es um mich geschehen, genauso wie meine Hand automatisch zu Schokolade greifen würde, wenn diese vor mir steht, klickte sie in diesem Fall ruckzuck die Bestellung zusammen. Ich war absolut machtlos! 😯

Zwei Tage später war es dann da, dieses federleichte Päckungen mit den spanischen Sandalen. Hineingeschlüpft und eingestellt stellte sich sofort ein Wow-Effekt ein. Nochmals leichter als die Chalas sitzen die Pies Sucios perfekt und nahezu unmerklich am Fuß. Ich stand etwas gerader und passender auf der Sohle als bei den Chalas und während man die Chalas irgendwie immer etwas spürt, merkt man von den Pies Sucios fast gar nichts, nicht einmal die Plastikschnalle auf dem Fußrücken, was ich zu Anfang befürchtet hatte, und auch nicht das Band zwischen den Zehen. Erstaunlich, dass zwei so minimale Sandalen so sehr unterschiedlich in der Wahrnehmung sein können.

Da war ich natürlich auf den ersten Lauf sehr gespannt. Der Eindruck blieb. Ein Hauch von nichts umgibt die Füße. Die Bänder und Riemen umschmeicheln den Fuß lediglich wie ein leichter Sommerschal, irre. Trotzdem lief ich sie im ersten Versuch nur gute fünf Kilometer, den Rest der höhenmeterlosen 😆 knappen 12 km legte ich barfuß zurück. Wobei ich die ultraleichten Sandalen einfach in den Hosenbund steckte, wo sie fast ebenso wenig zu merken waren wie am Fuß.

Da wollte ich es heute noch einmal wissen, wie sich die Sandale in etwas anspruchsvollerem Terrain bewehrt und bin mal alleine über die Utkiek-Hills mit ihren steinigen, schottrigen oder grasbewachsenen Wegen gelaufen. 8,4 km, auf deren sechse ungefähr 110 Höhenmeter zusammenkamen. Und was soll ich sagen? Ich bin begeistert, die Pies Sucios liegen federleicht und trotzdem stabil am Fuß. Der Halt ist hervorragend, obwohl der Fersenriemen im Gegensatz zu den Chalas nicht aus Gummiband besteht. Der Grip der Sohle überzeigt auch auf dem abwärts gelaufenen, feuchtgrasigen Rodelhang. Die Sohle dämpft Steine und Schotter gut weg und im Gegensatz zu den Fivefingers können sich auch keine Steine zwischen den Zehen durchbohren.  Erstaunlicher Weise stößt man sich die Zehen auch nicht an irgendwelchen Steinen. Cool, wirklich sehr cool.

Knapp 14 km in zwei Läufen sind sicherlich keine annähernd ausreichende Strecke für eine aussagekräftige Bewertung, aber der erste Eindruck ist überwältigend und wenn ich den Pies Sucios fürs erste überhaupt etwas anhängen kann, dann ist es das etwas platschende, an Flipflops erinnernde Laufgeräusch auf Asphalt.

Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie sich meine Eindrücke weiterentwickeln, vorallem wenn ich jetzt sukzessive die Streckenumfänge ausbaue.

links Bethlehem rechts

Nanu? Ist die etappenlaufende Truppe auf ihrem Weg in die Niederlande etwa vom selbigen abgekommen? Dazu mehr im weiteren Verlauf.

Etappe 4 am gestrigen Sonntag auf unserem Winterlauf ins niederländische Bourtange. Ich muß zugeben, angesichts der Wettervorhersage hatte ich schwer mit meinem Schicksal gehadert 🙂 Täglich änderten sich die Vorhersagen für diesen Sonntag. Mal 11°, mal 6°, mal Sturm bis Stärke 10, dann nur wieder ein laues Lüftchen. Die einzige Konstante in der Vorhersage war Regen, viel Regen. Schon wieder Regen und das nachdem wir doch schon auf der dritten Etappe regelrecht abgesoffen waren.

Aber wie das so ist mit der Gruppendynamik, ich wollte da nicht das Mädchen sein, das kneift. Außerdem hätte es mir in der Seele wehgetan, wenn ich nur wegen son bisschen Wetter eine Etappe verpaßt hätte. Und so stand ich mit fünf weiteren wackeren Gesellinnen und Gesellen, die da waren Antje, Antje, Sylke, Ralf und Stephan, am Start im emsländischen Nirgendwo. Tja, und was soll ich sagen? Dieser Wagemut, sich den Elementen zu stellen, wurde belohnt. Wirklich absolut pünktlich zum Start hörte es auf zu regnen und es blieb immerhin bis Kilometer 11 trocken. Sensationell!

Somit bildeten die zahlreichen Pfützen auf den Wegen vorerst das einzige Naß, garniert mit allerlei Gezweig, das der Sturm vom Vortag von den Bäumen geschüttelt hatte. Um die Sehne auf dem linken Spann zu schonen, lief ich ausnahmsweise nicht in den FiveFingers sondern in meinen Merrell Vapor Glove, dazu das erste Mal nach geschätzt 10 Monaten mit Laufsocken. Beides sollte noch reichlich Gelegenheit bekommen sich restlos vollzusaugen.

Eine ganze Zeit lang liefen wir am Auto-Testgelände entlang, wo die noch so arg geheimen automobilen Offenbarungen der Zukunft ihre Runden drehen. Selbst am Sonntag hört man sie fahren. Zu sehen ist hinter Wällen und Wäldern aber nichts. Auch zwei Brücken, die über das Testgelände führen sind blickdicht abgeschottet. Zuvor versperrte uns ein völlig sinnfrei auf einem Weg rumstehendes Tor den Durchmarsch und wir mußten uns durchs Unterholz schlagen um es zu umgehen.

Nach einer kurzen Teatime wurde es dann aber doch wieder so richtig naß und kurz darauf bogen wir zuerst in ein kleines Wäldchen ab und dann ins Moor. Hier jubilierten nur noch unsere Gore-Tex-Schuhträger über trockene Füße, während mein minimales Schuhwerk sich mit ungefähr soviel Wasser füllte wie die Titanic bei ihrem Untergang und auch die Kamera war einfach nicht mehr trocken zu halten. Richtig krass war ein über drei Kilometer langes Wegstück am Rande des Moores, das eigentlich komplett nur aus Torf bestand. Mit jedem Schritt sank man mächtig in den Untergrund ein und Füße und Waden wurden ordentlich sprapaziert.

Aber nachdem uns das Moor wohlbehalten wieder ausgespuckt hatte, war es auch schon nicht mehr weit zum Zielort Neulehe. Der Regen hatte wieder aufgehört und wir konnten auf den letzten der gut 23 km vor dem Klamottenwechsel noch etwas abtrocknen.

10.02.19 36

Als wir dann in die Autos gesprungen waren um ins nahe Papenburg zum obligatorischen Torteessen zu fahren, fing es dann erneut an zu schütten. Kurz vor Erreichen des symphatischen Cafés mit dem schönen Namen Stövchen zeigte das Navi an: links Bethlehem rechts. Zu unserer Beruhigung durften wir aber feststellen, dass wir immer noch in Papenburg waren und das Navi auch keine Links-Rechts-Schwäche hatte. Lediglich die Straße hieß Bethlehem und da einige Straßen in Papenburg mittig von einem Kanal geteilt werden, gibt es zum Straßennamen die Zusatzbezeichnung links oder rechts. So galt es nach links auf die rechte Seite der Straße Bethlehem abzubiegen. Ist doch ganz einfach oder? 😆

Auf jeden Fall waren Torten und Kuchen extrem lecker und ich mußte erkennen, dass ich mit meinen zwei Stücken inzwischen nicht mehr alleine bin. Meinen Vorsprung mit drei Stücken wieder herzustellen ist mir allerdings nicht gelungen 😯 😀

Im Café wurde über den Termin für die Schlußetappe beratschlagt. Am avisierten ersten Sonntag im März können leider viele von uns nicht und somit wird der letzte Teil unseres Winteretappenlauf erst mitten im Frühling am Karfreitag stattfinden. Ob dann vielleicht mal die Sonne scheint?

 

 

Musik, zwo, drei, vier

Hui, fünf Tage nicht gelaufen! Schuld war wieder einmal Berlin. Der Aufenthalt von Freitag bis Montag hätte zwar das ein oder andere Zeitfenster zum Laufen gegeben, aber das absolut gruselig, graue und schneeregnersiche Wetter hatte mein Lust auf Laufen in der Stadt getötet. Ich konnt`s mir leisten, war doch der Januar mein bislang kilometerstärkster Januar überhaupt. Gute 207 km kamen zusammen. Da darf man schonmal ein Päuschen einlegen.

Der Tripp nach Berlin diente dieses Mal unter anderem dazu, eine Waschmaschine in mein Domizil zu verfrachten, die ich hier in Oldenburg günstig erstanden hatte. Während ich mit der Bahn anreiste, chauffierte ein aus Berlin stammender Kollege von mir besagte Maschine mit dem Auto nach Neukölln und schleppte sich dankenswerter Weise gleich mit in den ersten Stock. Wenig später war ich nur noch wenig amused, ist das funkelniegelnagelneue Stück doch gleich kaputt. Beim Schleudern veranstaltet sich ein derartiges, polterndes Spektakel, dass ich fürchte sie würde das altgewürdige, 115 Jahre alte Haus abreißen wollen. Nein, dieser Krach ging wirklich nicht als Musik durch.

Musik macht hingegen momentan eine Sehne im linken Fuß. Ob mir diese Musik allerdings besser gefällt als das Waschmaschinengepolter, sei aber mal dahingestellt. Ein altes, längst vergessen geglaubtes Leiden ist wieder aufgetreten. Zu fest geschnürte Laufschuhe hatten mir schon vor Jahren Probleme mit der Sehne auf dem linken Fußspann beschert. Erst nachdem ich alle meine Laufschuhe auf die Parallel-Schnürung, die zu festes Schnüren verhindert, umgestellt hatte, bekam ich das Problem in den Griff und lief fortan diesbezüglich beschwerdefrei. Die Sehne blieb aber immer empfindlich.

Nun haben meine geliebten Fivefingers aber so ein Schnellschnürsystem. Einmal gezogen *zack* fest. Noch etwas Schlupf an der Ferse, noch einmal nachgezogen, vorbei damit.  Bei meinen Lauf durch die Oldenburger Grünanlagen vom vorletzten Sonntag spürte ich dann plötzlich wieder den guten alten bekannten Schmerz vom linken Fußrücken. Zuviel Druck durch die Schnürung auf den Spann. Seit dem macht die Sehne wieder Musik 😦

Drum muß ich versuchen, diesen Schnellspanner dahingehend zu entschärfen, dass er nicht die gesamte Schnürung zu straff zieht. Sollte das nicht klappen, kann ich das System nur durch einen herkömmlichen Schnürsenkel ersetzen, den ich dann wieder in bewährter Parallelschnürung einfädeln kann.

Beim Barfußlaufen  habe ich solche Probleme natürlich nicht. Trotzdem schlüpfte ich heute nach nur einem Kilometer in die V-Runs, die ich im Beutel dabei hatte. Naßkaltes Ekelwetter verdarb mir etwas die Laune und den Barfußlaufgenuß. Nach acht Kilometern wanderten die V-Runs dann aber doch wieder zurück in den Beutel, da war es mir warm, und die bis dahin weitestgehend ruhige Sehne wurde belohnt und von jeglichem Druck befreit.

Merke: Auch einem Barfußläufer kann der Schuh drücken. Aber da kann ich ja etwas dran ändern. Musik gefällt mir nämlich auf andere Weise besser. Da braucht weder eine Waschmaschine einen auf AC DC, noch die Sehne einen auf singende Säge machen :-/

Kindliche Ungeduld

Nachwuchs im Minimalschuhstall des Hauses Deichläufer! Auch wenn sich aus der ganzen Schuhschar inzwischen die FiveFingers als absolule Favoriten herauskristallisiert haben, wird es Zeit die nächste Evolutionsstufe zwischen FiveFingers und Barfuß zu zünden. Zwischen Wenig und Nichts paßt noch Sehr wenig und das sind in diesem speziellen Fall Lauf-Sandalen.  Bislang fand ich es völlig abwegig in diesen minimalen Sandalen laufen zu können. Mit diesem Flipflop-Steg zwischen den Zehen verband mein geistiges Auge ein Kreissägenblatt, dass sich zwischen dem großen Zeh und seinem Nachbarn in den Fuß fräst. Ob aber so ein Fußmassaker stattfindet oder nicht, läßt sich nur durch Versuch herausfinden.

Die passende Schlappe für diesen Versuch zu finden gestaltete sich dabei als gar nicht so einfach. Die recht bekannten Lunas in Deutschland bzw. Europa in meiner Größe zu finden, ist mir leider nicht gelungen. Drum fiel meine Wahl auf die in Deutschland in Handarbeit hergestellten Chalas. Das Laufmodell hört dabei auf den sperrigen Namen Chala Evo 4.O XRD. Dieser Name könnte auch für einen SUV eines Premium-Automobilherstellers stehen und der Preis von knapp 100 € hat auch Ähnlichkeit damit 😯 Viel Geld für eine Sohle mit ein paar Strapseln dran, …

29.01.19 00

… aber wir Läufer sind ja dafür bekannt, dass bei Goodies für unseren Sport der rationale Verstand gerne mal aussetzt 😆 Und schließlich sind sie ja auch Handarbeit 🙂

Und verwandelt sich der Steg nun in eine Kreissäge? Nein, tut er nicht. Wobei der Steg auch nur ein Bändsel ist. Heute bin ich gut 10 km mit den Dingern gelaufen und gestern schon einmal 5,5 km bei Nässe (siehe unten). Am linken Fuß lief alles zu 100 % problemlos, am rechten machte sich besagtes Bändsel aber schon bemerkbar und zum Ende der heutigen 10 km war die Haut ganz leicht angekratzt. Da muß ich in Bezug auf lockeren aber auch festen Sitz noch etwas experimentieren. Ansonsten laufen sich die Dinger sehr unauffällig. Näher an barfuß ist dann wirklich nur noch barfuß.

Der Schutz der Fußsohle ist mit den Laufsandalen aber sehr effektiv. Der Vorteil der Laufsandalen wird für mich in erster Linie sein, dass ich sie bei einem Barfußlauf problemlos mitführen und bei Bedarf ruckzuck anziehen kann.

Apropos Anziehen: Gestern kamen die Chalas an und ich war so heiß darauf die gleich einmal auszuprobieren, dass ich in kindlicher Ungeduld schnell noch nach Feierabend eine Runde mit ihnen gelaufen bin. Dabei hatte ich stumpfdumm ignoriert, dass just zum Laufstart ein Schneeregen-/Schneeschauer aufzog. Einhergehend mit ekelig kaltem Nordwind sank die Temperatur rasend schnell gen Null und die kurzen Tight zusammen mit barfuß in Sandalen wurden dann doch eine arg erfrischende Herausforderung. Aber so konnten die Chalas gleich unter Beweis stellen, dass sie auch dem nassen Fuß als solchem und auch auf rutschigen Untergrund sehr guten Halt bieten.

Aber nicht nur der Kälte wegen waren die ersten 5,5 km in den neuen Laufsandalen genug. Nässe, barfuß und noch nie getragene Sandalen hätten auf längerer Strecke sicher die Haut geschreddert. So aber war alles gut gegangen und nur die Beine zeigten, dass man nicht nur von Sonnenbrand knallrote Haut bekommen kann 😆

Den Rücken zugedreht

Freitag hatten wir Schnee! 😀 Aber nur ein paar Stunden lang 😦 Da blieb nicht einmal die Zeit eine lange Hose anzuziehen um das zu genießen 😆

Am heutigen Sonntag umgab mich dann schon wieder das ewig währende, typisch norddeutsche Schmuddelgrau. Da gelüstete es mich wenigstens beim Laufen nach etwas Abwechselung. Meine klassischen Laufreviere à la Bornhorster Seen, Bornhorster Wiesen oder auch das Gellener Moor liegen alle nach Osten raus. Weil wenn ich diesen meinen Laufgebieten den Rücken zu drehe, liegt lediglich die Stadt vor mir. Zum Laufen nicht sonderlich reizvoll. Aber trotzdem drehte ich heute meinem Laufrevier den Rücken zu und steuerte genau die Stadt an. Dabei hatte ich mir ein Park- bzw. Grünanlagenhopping vorgenommen um doch halbwegs in der Natur unterwegs zu sein. Auf gings.

Die Innenstadt läßt sich schon einmal recht gut über verkehrsarme und idyllische Strecken ansteuern, …

… dann folgen die Weser-Ems-Hallen und die EWE-Arena …

… und es geht weiter über den Hafen in die Innenstadt …

… um zu erst in den Schloßgarten einzutauchen …

… in dessen unmittelbarer Nähe der Eversten Holz folgt.

Weiter geht es, an meinem momentanen Bürostandort vorbei, zu den Dobbenwiesen und -teichen. In Oldenburgs teuerster Wohnlage befinden sich auch der ehemalige Oldenburger Landtag und das ehemalige Oldenburgische Staatsministerium.

Als nächstes folgte der Botanischen Garten, der entgegen den angeschlagenen Öffnungszeiten geschlossen hatte. So konnte ich ihn nicht durchqueren, was mir einen Umweg zum Vahlenhorst, dem nächsten kleinen Wäldchen, bescherte.

Vom Vahlenhorst ging es weiter zum Kleinen Bürgerbusch …

… und seinem großen Bruder mit dem Namen -Achtung, Überraschung- Großer Bürgerbusch. Hier kann sich der geneigte Läufer auch auf einer einen Kilometer langen Finnbahn vergnügen.

Kurz vor zu Hause umkurvte ich noch den Flötenteich mit dem direkt an seinem Ufer liegenden Freibad …

… bevor ich etwas weiter als finale Grünanlage den Grünzug hinter unserem Haus entlang lief.

Die Streckenlänge hatte ich im Vorfeld nicht geplant und heraus kommen 21,7 km in seeeeeehr ruhigem Tempo. Kuriosum am Rande: Bei einem Zwischenstopp bei 16,4 km hatte ich versehentlich den Lauf nicht gestoppt sondern gespeichert. Auf diesem Abschnitt hatte ich einen durchaus plausiblen Durchschnittspuls von 137. Auf den weiteren 5,3 km, die ich sogar noch etwas langsamer unterwegs war, hatte ich angeblich einen Durchschnittspuls von 162. Da hege ich meiner neuen Laufuhr gegenüber doch einen gewissen Zweifel was die Richtigkeit angeht.

Wie dem auch sei, die abwechselungsreiche Strecke hat zwar am Dauergrau nichts geändert, aber es war halt mal etwas anderes. Das kann ich durchaus noch einmal wiederholen, wenn es wieder etwas grüner ist.

27.01.19 38

 

  1. Schloßgarten
  2. Eversten Holz
  3. Dobbenwiesen und -teiche
  4. Botanischer Garten
  5. Vahlenhorst
  6. Kleiner Bürgerbusch
  7. Großer Bürgerbusch
  8. Flötenteich

First Crash

Mein Läuferleben ist in jüngster Vergangenheit nicht gerade arm an Neuerungen und Premieren. Umstellung auf Natural Running, 21 km barfuß, Marathon in FiveFingers, 2018 das erste Jahr ausschlußlich in Minimal/barfuß usw usf.

Und heute kann ich meiner ja gerade erst 14 Jahre alt gewordenen Läufervita eine weitere Premiere hinzufügen: Ich habe mich das erste Mal auf die Fresse gepackt. Einfach so, mitten aus dem Lauf, auf Asphalt. Ich merkte nur wie der rechte Fuß stockte und -rums- lag ich da. Schnell rappelte ich mich wieder hoch. Kurzer Systemcheck: rechter Handballen brennt, rechte Hüfte und rechter Ellenbogen auch. Um nicht auf die Knie zu krachen habe ich mich wohl irgendwie zur rechten Seite abgerollt. Tight, Jacke und die zum ersten Mal getragenen, gerade erst heute erworbenen Handschuhe, alles unbeschädigt. Einen Moment habe ich überlegt wieder nachhause zu traben, der kürzeste Weg wären nur knapp drei Kilometer, aber da nichts wirklich dramatich weh tat, habe ich meinen Lauf doch normal fortgesetzt.

Offensichtlich bin ich diesen Dunkellauf etwas zu meditativ angegangen. Der Asphalt war trocken und hatte lediglich eine leichte Wölbung, da sich dort ein Kanaldeckel befand. Diese Wölbung wird es wohl gewesen sein, an der ich hängengeblieben bin. Gut in diesem Fall auch, dass ich nicht der Schnellste bin, ich dürfte in dem Augenblick mit ziemlich exakt 10 km/h unterwegs gewesen sein. Ob der Sturz auch für den hohen Durchschnittspuls verantwortlich war? Mit 160 bpm lag er 20 bis 25 Schläge höher als üblich.

Egal, bis auf das kleine Missgeschick war es ein cooler Lauf in frostiger Dunkelheit …

24.01.19 03

… und die neuen Handschuhe hatten mit den – 5° C auch keine Probleme. Dabei war sie für 10 € ein echter Schnapper, die nicht nur Kälte abhalten sondern auch Stürze abmildern 😀

Ein Sturz in 14 Jahren ist ja eine recht gute Quote denke ich mal. Ich bin zwar vor Jahren auch schon einmal auf einer unter frischgefallenen Schnee versteckten gefroren Pfütze ausgerutscht, aber solche Heimtücke zähle ich mal nicht mit 🙂

Schmunzeln mußte ich bei der Gelegenheit auch über meine ablehnende Haltung auf einige Kommentare zu meinem letzten Post, ich solle doch noch Schlittschuhlaufen lernen. Ne ne, beim Schlittschuhlaufen ist mir das Sturzrisiko viel zu groß. Finde den Fehler 😆

Immer wieder neue Entdeckungen

Diesen Januar feiere ich mein 14-jähriges Laufjubiläum und durch meine Barfußlauferei mache ich zur Zeit noch wieder reichlich neue Entdeckungen. So durfte ich heute erfahren, dass etwas bleiche Januar-Sonne reicht um Asphalt schon geringfügig zu erwärmen. Diese Wärme übertrug sich ruckzuck auf die Füße, dabei rechnete ich mit ausgesprochener Frische, denn die um die 0 ° fühlten sich durch den eisigen Wind um einiges kälter an.

22.01.19 01

Die zweite Erkenntnis des Tages: Durch Schafe sehr kurzgehaltene Grasnarbe ist gefroren sehr hubbelig und nahezu so hart und pieksig wie Schotter. Drum zog ich den Asphalt vor, schließlich bin ich doch kein Fakir, bin ich nämlich nicht 😀


Mit dem Wind lief es sich sehr angenehm, aber mit dem Wind von vorne biss dieser doch in die zu dünn gehandschuhten Hände und in die Oberschenkel. Durch die Fußbodenheizung war es aber nicht zu kalt für Foto- und Videospielereien 😆

Slowmotion und Superslowmotion in einem Video. Warum das so hintereinander folgt weiß ich aber selber nicht 🙂

Man kann statt Barfuß- aber auch Schlittschuhlaufen. Ich bleibe aber lieber bei ersteren, habe ich doch auf letzteren noch nie gestanden 😀

Ein Hauch von Winter

Dicke, nasse Flocken während eines Schneeschauers läuteten am Donnerstag Abend auf unserer Utkiek-Runde einen Wetterwechsel ein. Wenn der Schnee auch keine Chance hatte liegenzubleiben, machte das Gestöber im Lichtkegel unserer Lauflampen kurzzeitig fast blind und setzte sich u. a. schaumartig in meine dezente Gesichtsbehaarung 🙂

Tagsdrauf war es dann trocken und kälter und etwas Merkwürdiges zeigte sich am Himmel. Google erklärte diese Merkwürdigkeit als Sonne. Ein cooles Ding, bringt es nach gefühlt unendlichem Dauergrau doch Licht und hinter schrägen Dachfenstern sogar Wärme. Faszinierend!

Am heutigen Sonntag wollte ganz ganz viele Menschen dieses Himmelsphänomen bestaunen und bevölkerten meine Laufstrecken. Zuerst automobil und dann zu Fuß. Komplette Strecken per pedes zurückzulegen ist wohl nur uns Läufern gegeben 😀 Nur die Graugänse, die auf einer Wiese zwischen kleinem und großem Bornhorster See rasteten waren an der Zahl noch größer.

Auch der Parkplatz an meinem Huntelaufrevier war rappeldicke voll. Das Wetterchen war aber auch vom Feinsten, um die 0 ° und so gut wie kein Wind. Lediglich die Sonne war ob der vielen Aufmerksamkeit offensichtlich leicht verschreckt und versuchte sich hinter dünnen Wölkcken zu verstecken. Im Slalom umkurvte ich die Spaziergänger, wohlwissend, dass diese sich auf einem Rundkurs bewegen, den ich wenig später geradeauslaufend verließ. Fortan hatte ich nahezu meine Ruhe und lief auch noch ein kurzes Stück barfuß.

Nach knapp 17 km war ich wieder zuhause. Diese klare, kalte und ruhige Winterluft war ein Genuß und das beste ist, dass uns dieses Wetter sogar noch ein paar Tage erhalten bleiben soll. Das finde ich gut, so haben die Sonne und die Menschen wieder die Möglichkeit sich etwas aneinander zu gewöhnen und ich hoffentlich bald schon wieder nicht mehr ganz so viel Volk auf meinen Wegen 😀

Profillos

Nein nein, mit dem Titel möchte ich nicht ins Politische abgleiten 😛 Vielmehr geht es um meine erneute Erfahrung, dass schuhlos auch profillos laufen bedeutet. Die heutigen zwei Kilometer auf der regennassen und matschigen Krone des Huntedeichs kam ich mir vor als würde ich mit dem Auto gerade sommerbereift durch die Alpen fahren. Die Traktion ließ doch erheblich zu wünschen übrig 😆 Der Weg am Fuße des Deiches war da dann doch erheblich besser laufbar.

Nicht nur bei solchen Schlitterläufen fasziniert es mich immer wieder wie warm die Füße bleiben. 6°, die sich durch Wind und Regen noch kälter anfühlten, sind gar nicht zu merken, während ich über nasses Gras, durch Matsch und durch Pfützen laufe. Der restliche Körper hingegen ist logischerweise dankbar für Isolation gegen Temperatur, Wind und Regen.

In der Regel sind die Füße nach ca. zwei Kilometer auf Betriebstemperatur. Davor komme ich allerdings schon ab und zu schon mal in die Versuchung umzudrehen und mich ins Warme zu verziehen oder gar Schuhe anzuziehen 😆 Aber dann wäre ich ja wieder nur darum bedacht, der größten Nässe auszuweichen, damit die Füße in den Schuhen nach Möglichkeit trockenbleiben. Und eingesaut sind die Schuhe dann auch gleich wieder. Für die Füße hingegen braucht es zum Schluß nur eine Pfütze oder etwas nasse Wiese und schon ist alles wieder blitzeblank 🙂

Bei ähnlichen, lediglich noch etwas frischeren Wetterverhältnissen wie am Sonntag reichte mir heute allerdings die Hälfte der Strecke von Vorgestern, man muß auch mal bescheiden sein! 😀