Ich könnte wenn ich wollte

… in diesem Jahr sogar noch einen offiziellen Lauf bestreiten, will ich aber nicht. Anfang der Woche bekam ich eine E-Mail vom Orga-Team des Köhlbrandbrückenlaufs. Dieser darf am 03.10. unter Einhaltung des üblichen Corona-Blablablas stattfinden. In diesem Fall heißt das u. a. auch, dass in erheblich kleineren Startblöcken à 200 Läufer gestartet werden muß. Damit wäre auch meine gebuchte Startzeit aller Wahrscheinlichkeit nach hinfällig, geschweige denn von dem ganzen anderen Corona-Gedöns vor, während und nach dem Lauf. Nein danke, das macht in diesem Jahr einfach keinen Sinn, geschweige denn Spaß. Ebenso ausschlaggebendes Argument gegen eine Teilnahme ist aber meine mangelnde Fitness. So habe ich von dem Angebot der Veranstalter Gebrauch gemacht, den Startplatz eins zu eins auf das Jahr 2021 umzuschreiben. Neues Jahr neues Glück also.

Auf Sylt habe ich die Lauferei erst einmal wieder eingestellt. Zwar ist das abwechselnde Frieren und Schwitzen vorbei, der Appetit wieder da und im Groben und Ganzen fühle ich mich schon wunderbar, allerdings ist da noch mein Ruhepuls, der immer noch im Minimum doppelt so hoch liegt wie normal. Also mache ich einfach mal Urlaub wie 99.9 % aller anderen hier auch Urlaub machen: Schlafen, im Strandkorb sitzen, lesen, spazierengehen, essen. Wobei essen nur „zuhause“ stattfindet, Restaurants und Cafes machen auf der für September immer noch sehr vollen Insel unter Coronabedingungen keinen Spaß (Fort Knox zu betreten dürfte gegenüber den meisten Speieslokalitäten hier ein Spaziergang sein) und die Schlange heute morgen vorm einzigen Bäcker des Ortes war, ohne Übertreibung, über 50 Meter lang! 😯 Ich hätte sie fotografieren sollen! Da tun`s dann auch Aufbackbrötchen 😀

Das klingt jetzt irgendwie alles negativer als es ist. Das Wetter paßt, es windet teilweise ordentlich, die Brandung rauscht. Bei der Umrundung der Südspitze der Insel gedenke ich traditonell meiner beiden Onkel, die hier seebestattet wurden. Die Füße im Wasser, der Blick auf den blanken Hans gerichtet, schöner kann man sich dieser beiden Schlitzohren nicht erinnern 🙂 Wir gucken dem Treiben am Hafen zu, gucken hier, gucken da 😀

Und mal nebenbei für alle, die denken, ich kann nur Flachland. Da sach noch einer das is flach 😆 :

Apropos, wer die Südspitze Sylts laufend umrunden will, sollte dies nicht unbedingt bei Hochwasser tun. Ok, die Schuhe und Socken (so man sie denn benötigt 😉 ) kann man eben ausziehen, aber eine falsche Welle und die Funktionsfaser wäre mit ihrem Feuchtigkeitstransport nach außen doch geringfügig überfordert. Die beiden hatten aber noch einmal Glück 😉

Humor ist also wenn man trotzdem lacht, Prost!

Leichter Fehlstart

Montag letzter Woche hatte ich für meine Verhältnisse wohl etwas viel auf dem Programm. Es standen aufwendige Untersuchungen in der Pneumologie im Krankenhaus an, davor und danach noch arbeiten und nach Feierabend eine Stunde Psychotherapie. Da ich abends auch noch meinte laufen zu müssen, war ich danach fertig mit Jack und Büx. Zum Abendessen stand ich frierend in der Küche, war töter als tot und fiel nach dem Essen komatös ins Bett. An diesem Zustand sollte sich eine Woche lang nichts ändern.

Noch kurz zum Ergebnis der Lungenuntersuchungen: Dem chronischen Reizhusten konnte man dabei leider nicht auf die Schliche kommen, der ist wohl refluxbedingt, was mir in den nächsten Wochen noch eine Magenspiegelung einbringt. Was allerdings festgestellt wurde ist, dass mein Sauerstoffsättigung im Blut nicht ganz optimal ist, anscheinend ist der Weg des Sauerstoffs aus den Lungenbläschen in die Blutbahn durch eine minimal zu dicke Gefäßwand leicht behindert. Laut Ärztin zwar eine Einschränkung auf sehr hohem Niveau, aber vielleicht doch eine Erklärung dafür, dass ich nicht der schnellsten einer bin. Aber egal. Die Lunge tuts im Wesentlichen, auch nicht schlecht 😉

Da ich den Montag letzter Woche nicht alleine für mein Abschlaffen verantwortlich machen mag, vermute ich, dass dieser stramme Tag mit einem beginnenden Infekt zusammengetroffen ist. Dass die vergangene Woche die letzte Woche vor unserem Urlaub gewesen ist, sei dabei nur am Rande erwähnt. Wenigstens habe ich diese Zielgerade noch irgendwie überstanden und Samstag ging es ab in den Urlaub. Wohin? Die langjährigen Deichläufer-Blogleser werden es schon ahnen: Nach Sylt.

Hier offenbahrte sich gleich die nächste Katastrophe, ich habe meine Digi-Cam vergessen, mein wichtigstes Blogger-Utensil liegt zuhause, während ich das entsprechende Akkuladegerät mitgenommen habe, unfassbar! Da mein Blog ohne Bilder aber nicht geht, schleppe ich jetzt halt jedes Mal das klotzige Smartphone mit, immerhin besser als nichts.

Ankunftstag:

Da ich kein Fieber hatte, habe ich mich auch schon zu zwei 10er-Läufen hinreißen lassen. Dafür wurde ich auf dem ersten Lauf mit Niedrigwasser belohnt. Das heißt flacher und fester Meeresboden zum Laufen 🙂

Zum Abend des selben Tages, blaue Stunde. Nahezu kitschig schön mit einem leicht diabolischen Touch 🙂

Der zweite Lauf führte über den kleinen Hafen unseres Urlaubsortes Hörnum, zuerst an die Ostseite der Insel und dann durch die Dünenlandschaft rüber auf die Westseite. Leider ist die Insel in diesem Jahr zur Nebensaison noch sehr voll, aber laufend erreicht man Strandabschnitte, die soweit weg vom Ort liegen, dass man dort fast komplett für sich alleine ist, herrlich!

So gehe ich mal davon aus, dass sich der leichte Fehlstart des Urlaubs noch vernünftig gerade biegen läßt. Die Chancen stehen gut, eineinhalb Wochen haben wir schließlich noch vor uns 😎

Ein Scheißthema

Ich kann Euch dieses Thema leider nicht ersparen, dafür ist es bei mir augenblicklich zu präsent. In diesem Beitrag hatte ich es auch schon kurz angedeutet. Wenn ich zur Zeit meine immergleichen Standardrunden drehe, werde ich jedes Mal damit konfroniert und muß sehen wie ich damit klar, bzw. dadurch komme. Es ist wirklich nicht einfach. Zu guter Letzt ist dieses Thema auch noch wirklich delikat, im wahrsten Sinne des Wortes. Mir muß beim Laufen aber auch wirklich immer der letzte Scheiß passieren 😦 Und zwar dieser hier 😆 :

Noch netter wird die Geschichte bei Regen:

Da können die Viecher noch so treudoof gucken, dass ist einfach kein Benehmen, is das nämlich nicht :-/

Da lob ich mir doch einen schönen grasbewachsenen Weg, der ist zwar auch nicht ganz ohne … Schafsgeschiss, aber das bisschen spielt keine große Rolle 😛 Kuhfladen waren allerdings keine zu befürchten, da die Hübschen auf der Weide waren 🙂

Aber trotz dieses Scheißthemas, es scheint langsam wieder aufwärts zu gehen 😎

Sieben Stunden Beton und keine zwei linke Füße

Letzte Woche Samstag waren Jens und ich nach Venlo in die Niederlande gefahren um im Großhandel für Jens Firma einzukaufen. Solche Tage haben es alleine wegen der Fahrerei in sich. Drei Stunden hin, drei Stunden zurück und dazwischen dann noch sieben Stunden Großhandel.

Sieben Stunden die Konzentration für den Einkauf zu wahren sind ja schon nicht ohne, aber sieben Stunden barfuß auf aalglatt gestrichenen Betonböden im Schlendermodus mit drei Schritten vor und zwei zurück waren auch für meine Kummer gewohnten Füße eine Herausforderung, erstrecht für die linke Ferse. Ich fürchtete für sie irgendetwas zwischen dem Rest geben und heilsamer Härte. Zum Glück tendierte sie zu letzterem, obwohl sich zum Ende mein Fahrgestell wie nach einem Marathon anfühlte, war meine Ferse am nächsten Tag sogar ruhiger als noch mehr beleidigt 😀

Das war auch sehr gut so, sind doch diese Tage meine Münchener Freunde Angela und Heimo im Lande. Da unser traditioneller Osterlauf dieses Jahr nur virtuell stattfinden konnte, freute ich mich wie Bolle mit den beiden am Sonntag endlich einmal wieder real laufen zu können und eine erste Runde zum und um den Kleinen Bornhorster See war auch schon ein schierer, wenn auch etwas schwülwarmer Genuß.

Am späten Mittwochnachmittag sind Heimo und ich zur Thülsfelder Talsperre gefahren um laufend zu erkunden, ob die Heide blüht. Da die 10 km Runde um die Talsperre zu großen Teilen nicht barfuß laufbar ist, habe ich meine Sandelen eingepackt. Wenn man allerdings in seinem Sandalensalat keine Ordnung hält und beim Einpacken auch nicht richtig hinschaut, darf sich der gemeine Deichläufer nicht wundern, wenn er zum Laufstart plötzlich mit zwei linken Sandalen dasteht 😆 Dafür hatte ich dann doch nicht die passenden Füße 😯 Was für ein Glück hatte ich aber, dass ich immer die Neopren-Schlappen als Notfallschuhe im Auto habe und man als Minimalläufer im Prinzip mit allem laufen kann, puh 😀

So konnte die Runde um die Talsperre starten. Nach dem es den ganzen Tag teilweise wie aus Eimern gegossen hatte, war es zum Lauf bis auf zwei kleinere Schauer trocken und wir genossen den Törn bei frischer Luft und teilweise imposantem Wolkenspiel. Allerdings blühten die großen Heideflächen im Bereich des alten Schafsstall nicht mehr 😦

Unsere Enttäuschung darüber wurde aber nach Überquerung der Brücke über einen Seitenarm der Talsperre gemildert, denn ab da blühte die Heide noch. Ein schönes Bild, wenn auch die Flächen dort nicht so groß sind.

Leider war der Lauf viel zu schnell zu Ende, es ist an der Thülsfelder Talsperre immer wieder schön. Die 8 €-Neoschlappen haben auch einen guten Job gemacht, wer braucht da schon teure Laufschuhe? 😆

Tolle Läufe waren es mit Angela und Heimo. Ich freue mich jetzt schon auf Weihnachten 🙂

Nette Gespräche und die Härten des Barfußlaufens

„Das sieht ja ganz geschmeidig aus“ sagte ein anderer Läufer zu mir, als er zu mir aufschloß, als ich während meines einzigen Hitzelaufs in den letzten Wochen an der Hunte entlang trabte (wie oft ich das wohl schon gemacht habe 🙄 ).  Es folgte ein kurzes nettes Gespräch übers Barfußlaufen und dann zog er mit einem flotten, lässigen Laufstil weiter.

Die Möwe ist ein Seltenheit an der Hunte. Leider gelingt es mir mit dem neuen Editor nicht die Bilder zu beschriften, weiß da jemand Rat?

Gestern folgte bei meinem ersten Lauf nach Ende der großen Hitze ein Gespräch mit einer Fahrradfahrerin, der ich die Pforte neben einem Gatter aufhielt, weil wir nahezu zeitgleich dort ankamen. Sie ist mir schon oft begegnet, gegrüßt hatte sie nie. Aber nun weiß ich die halbe Krankengeschichte der 71-Jährigen 😀 Der Lauf blieb mit gut 7 Kilometer erst einmal im einstelligen Bereich, um es, mit Ausnahme des oben geschilderten Laufs, nach vierzehn Tagen Pause nicht gleich zu übertreiben.

Nahezu auf die gleich Länge kam ich auch heute und wieder ergab sich zum Ende des Laufs ein Gespräch mit einem Radfahrer, den ich auch schon häufig gesehen habe, es aber immer bei einem kurzen Nicken zum Gruß geblieben ist. Er bewunderte mein ganzjähriges Barfußlaufen und auch wieder nicht, weil er schon vor über 20 Jahren einen Barfußläufer gekannt hat, der seinerzeit ein Oldenburger Original gewesen sein soll. Nun, dass war noch lange bevor ich das Laufen für mich entdeckt hatte und der Name sagte mir auch nichts.

Das waren drei nette Kontrastgespräche zu dem „Nich gut“- Radfahrer von vor zwei Wochen und überhaupt ungewöhnlich viel Gespräche für die drei Läufe 😀

Einen gewissen Anspruch hatten meine beiden kurzen Läufe aber auch, beinhalteten sie doch einen Abschnitt, auf dem seit mehreren Tagen die Schafe frei herumlaufen. Ihre Hinterlassenschaften glichen einem Minenfeld, das ich mit nonchalanter Eleganz und nahezu mit 100%igem Erfolg umtänzelte. Witzigerweise wurde ich bei dem Hindernislauf immer schneller, ohne die Trefferquote zu erhöhen 😆 Manch andere Läufer, Spaziergänger und Radfahrer nötige mein Barfußspießrutenlaufen allerdings das ein oder andere Schmunzeln oder den ein oder anderen Kommentar ab 😀

Dat Leben is aber auch wirklich voller Härten, insbesondere das eines Barfußläufers 😆

Ein weiterer Härtefall sind die Gitter unter den Pforten neben den Gattern, die verhindern sollen, dass die Schafe durch die Pforten entkommen. Auch sie sind wahrlich nicht barfußfreundlich, ein lockeres Durchlaufen ist da nicht, sondern immer ein vorsichtiges Drüberhangeln 😀

Zur augenblicklich letzten Härte des Barfußlaufens: Kaum ist es mir in den letzten Monaten ein paar Mal gelungen von der Haustür aus meine komplette Huntewiesenrunde barfuß zu laufen und dabei den Wegstrecken mit schlechtem Asphalt zu trotzen, wurden diese jetzt mit einer frischen und äußerst üppigen Rollsplitt-Schicht überzogen. Aus dem Maus mit Santa Klaus, da fällt das Barfußlaufen erst für einige Zeit wieder flach.

Aber ansonsten ist eigentlich alles tutti 😛

Drückeberger

Leicht angeschlagene Ferse links, leicht angeschlage Achillessehne rechts, leicht angeschlages Gemüt meets plötzliche große Hitze. Nein, ich habe bei diesen Temperaturen keine Lust zu laufen und ich habe auch keine Lust fürs Laufen meinen Tages-Rhythmus anzupassen. Auch (Renn-)Radeln ist bei dieser Hitze keine Alternative. Ich mache einfach gar nichts, von meinen Physio-Übungen einmal abgesehen. So entwickelt sich mein Laufjahr so allmählich wie das Jahr 2020 insgesamt, zum in die Tonne treten.

Aber im Gegensatz zum 2020 generell will ich das Laufjahr so ganz doch noch nicht abschreiben. Sooo wenig Kilometer sind in den ersten sieben Monaten trotz aller Umstände gar nicht zusammengekommen und mit dem nahen Herbst kommt ja erst meine liebste Jahreszeit. So drücke ich mich vor dem Sport, harre der Dinge die da kommen und genieße stattdessen laue Sommerabende auf der Terrasse …

  … und warte einfach das Ende der Hitze ab. Irgendwann muß es doch mal wieder schneien! 😆

Nich gut …

Vorgestern habe ich den August lauftechnisch noch einmal barfuß auf der Huntestrecke begrüßt. Zum Ende des unspektakulären und langsamen Laufes stand ich dann noch kurz da um etwas abzukühlen, als ein Radfahrer an mir vorbeifuhr. Als er mich ansprach verzichtete er auf einen Gruß, weil dann hätte die Zeit während des Vorbeiradelns für seine gewichtige Botschaft wohl nicht gereicht und beglückte mich mit der halb vernuschelten Mitteilung: „Nich gut, was Du da machst, hab ich mal einen Fersensporn von bekommen“, auf die mir in dem Moment nur ein „okay“ einfiel. Weg war er. Verständlich, dass er sich nicht auf ein Gespräch oder gar eine Diskussion eingelassen hatte, schließlich sprach seine Aussage für sich und damit erübrigte sich selbstverständlich auch jeglicher Dialog.

Nun stand ich da, fühlte mich mit meiner frevelhaften Tat ertappt, schließlich könnte hinter meinen momentanen Fersenproblemen ja auch tatsächlich ein Fersensporn stecken, wer weiß? Obwohl ich stark vermute, dass es auch schon (lauf)beschuhte Menschen mit Fersensporn gegeben haben soll, werde ich mich dieser unmissverständlichen Äußerung natürlich umgehend beugen und mir unverzüglich wieder Hokas, Pegasuses oder sonstige Laufsofas* an die Füße bappen um diesen Barfuß-Sündenfall nach drei Jahren wieder zu beenden! 😀

So kam es dann auch. Tags darauf schnürte ich zwar doch noch keine Kuschelpuschen* aber immerhin Sandalen an die Füße. Um ganz bewußt die Barfußchallenge zu beenden und nicht doch noch auf weitere Rekorde in dieser Hinsicht zu schielen und mich damit evtl. zu stressen, bin ich im Wald am Woldsee gelaufen. Die Strecke ist nahezu 100%ig nicht barfußgeeignet. Der Wald ist nicht groß, es bedarf schon einer Doppelrunde um 10 km zu laufen, aber er bot doch einwenig Schatten, denn die Sonne schien trotz teils dunkler Wolken kräftig, obwohl die Temperatur nur bei um die 19° lag. Aber eben diese Frische wollte ich noch einmal mitnehmen, bevor auch bei uns im Norden die Hitze Fuß fassen soll.

Erstaunlicher Weise durfte ich nach fünf Wochen unten ohne gleich wieder feststellen, dass meine Ferse auf das Laufen mit Sandalen empfindlicher reagiert als gänzlich barfuß, nicht dramatisch, aber doch spürbar. Für mich ist das unerklärlich, aber deshalb habe ich beschlossen nun doch nicht diesem weisen Radfahrer zu folgen, sondern weiterhin, wo immer es geht, auf jegliches Schuhwerk zu verzichten 🙂

*in Bezug auf meine etwas saloppen obigen Äußerungen zu Laufsofas und Co möchte ich noch einmal ausdrücklich daraufhinweisen, dass das für MICH gilt und ich damit keinerlei Wertung über Läufer abgeben möchte, die mit solchen Schuhen gut zurechtkommen!

 

Zwei in einem

Ein kurzer Lauf heute noch im gleißenden Sonnenlicht um die 170 km rund zu machen, dann stand er, der Doppelrekord im Monat Juli: Noch nie bin ich einen kompletten Monat ausschließlich barfuß gelaufen und dadurch sind auch so viele Barfußkilometer wie noch nie in einem Monat zusammen gekommen.

Aber vor dem Doppelrekord stand im wahrsten Sinne des Wortes der Schweiß (obwohl es den heutigen Lauf dazu gar nicht mehr gebraucht hätte, aber 170 klingt halt irgendwie schöner als 163 😆 ). Der bis dato für mich herrlich durchwachsene Sommer begann gerade heute mit einer Pause um für zwei Tage dem Hochsommer Platz zu machen. Schon in der Frühe bruzelte die Sonne vom blitzeblanken Himmel und ließ mich auf der geplanten kurzen Strecke nach kurzer Zeit garen. Zum Glück hatte sich der Asphalt aufgrund der frühen Zeit noch nicht aufgeheizt und es blieb für die Füße erträglich. Warmer Asphalt, er muß noch nicht einmal heiß sein, ist für meine Fußsohlen anstrengender und sie werden dadurch schneller empfindlicher als wenn der Untergrund kühl bis kalt ist.

Mir wurde auf gerade einmal gut sieben Kilometern sogar so warm, dass ich mir auf den letzten eineinhalb Kilometern den Shirtless-Proll erlaubte. Es aber auch noch nichts los auf der Strecke 😛

Tja, und damit war die Sache rund, einen Monat mit guten 170 km ohne alles an den Füßen! Der neue Allzeitrekord in Sachen Barfußkilometern fiel aber gar nicht so deutlich aus. Ein Blick in meine Statistik zeigte mir, dass ich im November letzten Jahres schon einmal knapp 160 km barfuß gelaufen bin, nur kamen da nochmal um die 70 km in Sandalen hinzu.

Mich freut es sehr, dass ich diese kleinen Rekorde in nicht gerade rosigen Zeiten feiern kann. Zumal meine maulige Ferse dieses Gelaufe zugelassen hat. Sie ist nämlich immer noch nicht ganz ruhig, aber sie läßt sich durch die Physio-Übungen gut bändigen. Genauso wie die rechte Achillessehne, die auch etwas in Unruhe geraten ist, was mich total wundert. Die Achillessehnen habe ich jahrelang nicht gespürt und die Laufleistung liegt ja auch eher am unteren Rand meiner normalen Monatsnorm. Aber egal, man ist halt nicht mehr der Jüngste und trotzdem geht da noch was, wenn in diesem Monat auch nur im Schleichtempo 🙂

Nun nehme ich mir erst einmal zwei Tage Hitzefrei, meine Füße haben es verdient 😀

31.07.20 07

Danach werden auch wieder die Sandalen ins Spiel kommen. Der Rekord wurde nämlich durch eine recht beschränkte Streckenauswahl erkauft und zwei Mal bin ich mit dem Auto zum Laufen gefahren, weil ich keinen Bock auf die ersten Kilometer mit schlechtem Untergrund hatte. Deshalb wird es wohl so schnell nicht zu einem Bruch dieses Rekordes kommen 🙂

Erinnerung

Gestern vor drei Jahren verstarb Hanno, selbstbewußt und selbstbestimmt im Kreise seiner engsten Freunde, zu denen ich gehören durfte.

https://deichlaeufer.wordpress.com/2017/07/22/hanno/

Drei Jahre, in denen ich so oft an ihn gedacht habe, so oft gerne mit ihm gesprochen, ihn etwas gefragt oder erzählt hätte und mir immer wieder vergegenwärtigen mußte, dass dies nicht mehr möglich ist. Zurückgeworfen auf die Jahre davor, die ich nicht missen möchte, insbesondere auf die letzten Lebensmonate, in der wir viel Zeit intensiv miteinander verbracht haben, nicht nur aber auch um alles vorzubereiten für die Gestaltung seines Abschiedes und die ersten Wochen danach.

Wie wichtig wäre mir gerade in dieser unsäglichen Zeit sein scharfer, analytischer Verstand. Wie oft würde ich gerade jetzt wissen wollen, was Hanno jetzt denken und sagen würde und muß manchmal sogar, seine Worte ahnend, schmunzeln.

Der Koffer in Berlin hat seinen festen Platz in der Wohnung, die seine war und nun schon über drei Jahre meine sein darf und in der ich mich jedesmal unendlich wohl fühle. Einige seiner Freunde in Berlin sind inzwischen zu meinen Freunden geworden.

Hanno hat mir vor und nach seinem Tod soviel gegeben, dass ich immer nur wieder sagen kann:

Danke, Hanno!

Besser barfuß als Hartz IV

Knapp fünf Wochen Blogpause, die längste seit Beginn meiner Schreiberei hier vor neun Jahren, sollen jetzt zu Ende gehen. Vorab möchte ich ein kurzes Statement zu meiner Befindlichkeit abgeben:

Es geht mir inzwischen um einiges besser, aber noch nicht wirklich wieder richtig gut. Dessen bin ich mir bewußt und ich stelle mich darauf ein, dass es auch noch einige Wochen bis Monate dauert bis das wieder der Fall sein wird. Ich nehme zur psychischen Stabilisierung ein Medikament und beginne morgen eine ambulante Therapie. Nach fünf Wochen Krankschreibung werde ich wohl aller Voraussicht nach kommenden Montag wieder arbeiten gehen. Dies erzähle ich, weil ich von meiner psychischen Erkrankung kein Tabuthema machen möchte. Aus einem Beinbruch, einer Blinddarmentzündung oder einer chronischen Bronchitis macht man ja schließlich auch kein Geheimnis. Zusätzlich wird in Kürze einem chronischen Husten auf den Grund gegangen und die Fersen-Geschichte ist ja auch noch immer da. Nach knapp drei Wochen Laufpause habe ich diese ohne jegliche Besserung abgebrochen. Ich laufe wieder und daneben physiotherapiere ich nicht nur meine Ferse, sondern den ganzen Bewegungsapparat. Mein Dank für gute Tipps geht an Lizzy und an meinen Physio. Zwar ist der Erfolg noch mässig, aber ich merke schon Verbesserungen. Läuferisch bewege ich mich jetzt schon wieder grob geschätzt auf Dreiviertel meines normalen Niveaus, was ich schon nicht schlecht finde. Allein zu meiner Person gibt es also noch ein paar Baustellen.

Bedingt durch die Ferse und den „Kopf“ macht das Laufen vielfach noch nicht uneingeschränkt Freude, aber das Wissen um den physischen und den psychischen Effekt treibt mich nach draußen. Da mir dabei das reine Barfußlaufen am besten bekommt, laufe ich bis auf wenige Ausnahmen ausnahmslos barfuß. Feststellen darf ich zur Zeit, dass ich nahezu nicht in der Lage bin halbwegs flott zu laufen. Mein Tempo dümpelt augenblicklich bei gerade mal 6:45 bis knapp unter sieben rum, dabei fühle ich mich so als würde ich mein sonst übliches Tempo laufen. An die 6:00 bis 6:15 heranzukommen bedeutet für mich ungewohnte Anstrengung zu der ich augenblicklich keine Lust habe, also laß ich es. Positiver Effekt: Ich kann zur Zeit fast alle Untergründe barfußlaufen, mit denen ich mich sonst schwer getan habe. Grober Asphalt und Rollsplitabschnitte haben ihren Schrecken verlorgen. Ist doch auch schon einmal was.

Als ich nach der Laufpause wieder angefangen bin, bin ich mit dem Fahrrad zur meiner Lieblings- und barfußfreundlichsten Huntestrecke geradelt und da ein paar wenige Kilometer rumgetrabt.

Ohne Fahrradanreise ging es des öfteren zur Huntebrücke und dort rauf und runter. Mal mit und …

… mal ohne Heukunstwerke.

Einmal misslang es mir zwischen zwei Gewittern durchzulaufen und während in Oldenburg etliche Straßen absoffen, verkrümelte ich mich hoch unter die Huntebrücke um überhaupt trocken bleiben zu können. Obwohl das Regenradar recht harmlos aussah, erwischte ich das schwerste Unwetter seit langem. Zum Glück hat der Spuk nicht sehr lange gedauert.

Ein weiteres Mal begleitete ich Jens zu einem beruflichen Termin nach Emden und während er arbeitete, durfte ich bei einem Läufchen feststellen welch schöne Seiten diese Stadt hat. Dieser Tripp endete anschließendmit einem maskenfreien und somit entspannten Einkaufen im niederländischen Winschoten.

Meine Krankschreibung ermöglichte mir auch acht Tage in Berlin zu verbringen, die ich sehr zur Entspannung nutzen konnte und bald wird ein frisch aufgearbeiteter, antiker Esstisch meine Wohnung zieren. Auch in Berlin setzte sich die Unempflindklichkeit meiner Fußsohlen fort und ich trabte erstmals kilometerlang direkt über die rauen Startbahnen des Tempelhofer Feldes, statt daneben auf dem Rasen zu laufen.

Wieder zuhause gelang es mir sogar einen Wettlauf gegen die „Opal“ zu gewinnen. Sie war aber auch so freundlich, mich schon mit einer sagenhaften Pace von 6:15 davonziehenzulassen. Zwei Tage später übermittelte ich dann einem Baseler Flußkreuzfahrtschiff Grüße in die Schweiz 🙂

Schließen möchte ich für heute mit einer kleinen Anekdote: Während ich vor drei Tagen an einer Ampelkreuzung auf Grün wartete, stand neben mir einer mit Fahrrad, Arm voll tättowiert und Kippe in der Hand. Da kam jemand mit einem Six-Pack Bier auf der Schulter vorbeigelaufen. Offensichtlich hatte er schon mehr Bier intus als auf der Schulter und rief so etwas wie: „Höhhh, barfuß hehehe“. Mit einem missbilligenden Blick in seine Richtung äußerte mein Fahrradnachbar „Besser barfuß als Hartz IV“. Als die Ampel grün wurde, verabschiedete er sich mit „Schönen Abend noch, Kumpel“ Ich bedankte mich mit einem Dito und staunte nicht schlecht, ehrlich gesagt hätte ich ihn selber auch in diesem Milieu verortet, so kann man sich offensichtlich täuschen.

So viel also erst einmal zur Lage im Deichläuferland. Ich freue mich wieder zurück zu sein!