Der letzte Kilometer

Einmal wollte ich es mir noch geben, ein letztes Mal wollte ich in „normalen“ oder „klassischen“ oder „wie auch immer ich sie nennen soll“ -Laufschuhen laufen. Das letzte Mal, dass ich solche getragen habe, ist gute eineinhalb Jahre her. Exakt war es am 24.09.2017 zum Berlin-Marathon. Damals waren es die schon etwas weniger gedämpften Mizuno Wave Sayonara.

Für die heutige Abschiedstour habe ich aus meinem noch vollständig vorhandenen Fundus aber den extremsten Schuh dieser für mich vergangenen Ära ausgewählt, den absoluten Dämpfungsoverkill names Hoka One One oder wie auch immer das Ding noch genau heißt.

So zog ich als erstes Socken an um danach die Hokas über die entwöhnten Füße zu stülpen und loszutraben. Die Hokas waren damals schon krass, aber wie krass sie wirklich sind, erlebe ich heute ab dem ersten Laufschritt in diesen Dampfern. Wie auf schwabbeligen Gelkissen laufend, versuchen die Füße hilflos irgendwie den Untergrund zu erspüren und auf selbigen Halt zu finden, vergebenlich. Wer auch immer das Wort Dämpfung erfunden hat, hier erfährt es seine tiefste Wahrheit. Sie merken, sie merken nichts. Die kurze Vorstellung meine Füße könnten sich über den plötzlichen, unerwarteten Komfort freuen, verpufft auf den ersten 100 Metern. Nicht nur das völlig vom Untergrund entkoppelte Laufgefühl ist befremdlich, sondern auch der Platz in den Schuhen bzw. der nicht vorhandene Platz. Meine Zehen fühlen sich eingeengt und die Fußaußenkanten drücken gegen die Schuhflanken. Da ich mich an so ein Engegefühl zur „damaligen'“ Zeit nicht erinnern kann, steht wohl zu vermuten, dass meine Füße ihre inzwischen gar nicht mehr so neue Freiheit dazu genutzt haben, um sich breit zu machen 🙂

Immerhin rolle ich auf diesem finalen Lauf auch in den Hokas nicht mehr über die Ferse ab. Das ich das früher nicht getan habe, zeigt das Verschleißbild der Sohle nach ca. 500 km auf dem Hoka-Tacho deutlich.

Auf nur gut einem letzten Kilometer habe ich mir diesen „Abschiedsspaß“ gegönnt. Danach kam nur noch das folgende Fotoposing im Vergleich zu barfuß und den Pies Sucios.

Den einen Kilometer zurück zum Auto bin ich dann schon wieder barfuß gelaufen. Die Sandalen befanden sich da im Laufruck und die gefühlt tonnenschweren Hokas in der Hand. Die Klötze passen nicht mal so eben ins Heckabteil. Der Barfußkilometer fühlte sich dann wieder gut und richtig an und mein „normal-/klassisches“ Laufschuharsenal wird nun nur noch einen finalen Weg antreten: Den in den Altkleidercontainer.

Ich denke, ich habe im Grundsatz meinen Weg gefunden. Bei der Gelegenheit betone ich noch einmal ausdrücklich, dass ICH MEINEN Weg gefunden habe. Ich möchte mit diesem Post definitiv nicht den Eindruck vermitteln, dass ich jetzt die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und dieser Weg der alleinseelig machende Königsweg ist. Für mich hat es sich aber gelohnt mich auf diesen Weg zu machen, der bei weitem noch nicht zu Ende ist und auf dessen weiteren Verlauf ich mich sehr freue und sehr gespannt bin.

Bilderbuchtage

Läuferisch ist Ostern für mich schon wieder gelaufen. Mit dem Etappenlauf vom Karfreitag und den beiden Läufen am gestrigen Ostersonntag und dem heutigen Ostermontag kamen exakt 50 km zusammen. Dabei zeigten sich die ganzen Ostertage von ihrer allerbesten Seite, ein Frühlingstraum wie er im Buche steht. Da ich die beiden letzten Läufe vormittags gelaufen bin, durfte ich dazu auch noch eine fantastische Frische genießen.

Beim gestrigen Lauf zeigten die Pies Sucios ihre praktische Seite: Zack, von den Füßen, zack, selbige in den Kleinen Bornhorster See getaucht und danach, zack, wieder dran an den Füßen. Kein lästiges Abtrocknen und kein lästiges Socken über feuchte Füße ziehen 😎

Auch der Ostermontag stand unter Frühlingsgenußlaufmotto. Es grünt und blüht an jeder Ecke. Die Farben der Natur leuchten und strahlen mit dem blauen Himmel um die Wette. Die Bornhorster Wiesen fallen langsam wieder trocken und bald wird dort statt Wasser wieder sattes Grün zu sehen sein.

Ich kann gar nicht so viel laufen um mich an alledem sattzusehen. Aber die Woche über soll das Traumwetterchen ja noch anhalten bevor es dann auch hoffentlich mal wieder ausgiebig regnet, damit die Pracht sich auch weiter entfalten kann.

Furioses Finale

Etwas gedauert hat es mit der Schlußetappe unserer Winterlaufserie von Oldenburg in das niederländische Bourtange. Terminschwierigkeiten sorgten dafür, dass die finale Etappe dem Winter gen Frühling entrückte. So richtig böse war keiner von uns darum, waren die Wetterbedingungen der ersten vier Etappen teilweise doch mehr so semioptimal 😀

Wer die Wetterkapriolen und überhaupt den gesamten Streckenverlauf noch einmal nachlesen möchte, bitte sehr: Hier die Links zu Nummero Eins, Zwei, Drei und Vier 😀

Nun aber zum späten Ende dieses Etappenlaufwinters am heutigen Karfreitag. Tja, und was soll ich sagen: Ein Wetterchen vom Feinsten, knalliger Sonnenschein, muckelig warme Temperatur und sacht von hinten schiebender Ostwind entschädigten für so manchen abgesoffenen Kilometer in den vergangenen Wintermonaten.

Start nach dem obligatorischen Startgruppenfoto war, wie immer, das Ziel der vorherigen Etappe, in diesem Fall Neulehe im tiefsten Emsland. Mit dabei diesmal: Antje, Kerstin, Sylke, Axel, Ralf, Stephan und ich.

Der Landkreis Emsland ist einer der größten Landkreise der Republik, dass merken wir, gefühlt nimmt dieser Landkreis nämlich kein Ende. Doch wir arbeiten uns gnadenlos zur holländischen Grenze vor und überqueren dabei den Dortmund-Ems-Kanal, die Ems und die Emsland-Autobahn A 31.

So hat jeder noch so große Landkreis einmal ein Ende und wir erreichen nach ca. 20 km die niederländische Grenze. Kurz zuvor trennte sich unsere Gruppe. Knieprobleme zwangen Axel zum Gehen und Kerstin und Sylke begleiteten ihn, während wir Übrigen im berühmt, berüchtigten ruhigen Tempo weiterliefen. Kurz vor Burtange wechselten wir von der Straße noch auf einen schmalen Wanderweg und boten so den Wanderern auf direkten Weg noch vor uns in der  Festung Bourtange einzutreffen, die wir nach 24,4 km erreichten.

Nach dem Umziehen gab es zur Feier des Abschlußes des Winteretappenlaufs Stephans berühmten, sauleckeren Zirbenschnaps, der allerdings nach langem Lauf unter knalliger Sonne doch etwas zu Kopf stieg 😆 Danach enterten wir in der Festung das erst beste Café und füllten die leeren Engergiespeicher traditonell mit Kuchen auf 🙂

So gestärkt erkundeten wir noch die idyllische Festung und nach dem Schlußgruppenfoto mit Kanone …

… ging es dann wieder eine gute Stunde zurück in heimatliche Gefilde. Fazit: Die Schlußwinteretappe (gezwungener Maßen) in den Frühling zu verlegen war ein voller Erfolg. Ungewohnte 23° C waren schon fast zuviel des Guten, schließlich ist noch niemand von uns an diese Temperatur akklimatisiert. Aber bei Sonne lacht einfach das Herz und die Strecke war auch die reizvollste aller fünf Etappen. Die Festung Bourtange als Schlußziel war ein schöner Höhepunkt. Besser hätte es heute nicht laufen können, von Axels Knieproblem einmal abgesehen.

Unserer besonderer Dank gilt wieder einmal Ralf für die Idee, die Planung und die Umsetzung des dritten Winteretappenlaufs in Serie!

Ausnahmezustand

… an diesem Wochenende mal wieder im Hause Deko-Stührmann/Deichläufer. Der Frühling wollte präsentiert werden und da ließ sich das Wetter natürlich auch nicht lumpen 😀

Schau(d)erhaft kalt war es am Samstag und am Vormittag graupelte und schneite es vor sich hin. Zum Beginn unserer Ausstellung wurde es dann aber zum Glück trocken und so konnten Freunde, Familie und Kollegen trockenen Fußes unser Heim entern um sich doch einwenig frühlingsinspirieren zu lassen.

Ein paar Impressionen auch hier. Außen:

Und drinnen:

Sprüche:

Das Laufen steht an diesem Wochenende logischer Weise zurück. Am Sonntagmorgen gelang vor dem Frühstück aber immerhin ein überraschend zügiger Lauf über gute 10 km zu den Bornhorster Seen. Strahlend sonnig war es, aber auch a…kalt. Trotzdem sah ich am Kleinen Bornhorster See wie gerade eine junge Frau den Fluten entstieg, brrrrr.

Warten

… muß weiterhin das Erkunden weiterer Laufstrecken in Berlin. Obwohl ich eine ganze Woche in der Stadt war, reichte die Zeit nach dem schönen, sonntäglichen Bloggertreffen-Lauf in Zehlendorf mal wieder nicht für die schon langgeplanten, längeren Läufe durch die Grüngürtel der Stadt.

Somit ging es heute nur noch auf einen kurzen Lauf übers Tempelhofer Feld, quasi meine „Hunterunde“ in Berlin 🙂 Kalt ist es geworden, die klare Luft war aber fantastisch und in der Frische machte es Spaß die leider nur 7,3 km etwas zügiger anzugehen, immerhin mal eine 5:33.

 

Und beim nächsten Mal klappt es dann aber bestimmt mit dem Erlaufen der Wuhlheide und Co. 😀

Treffpunkt B

Anne lebt in Berlin, Karin und Rainer sind zu Besuch bei Anne und icke bin auch gerade in der Stadt. Diese Konstellation darf natürlich nicht ungenutzt bleiben und deshalb schäle ich mich auf einem Sonntag schon um 7:00 Uhr aus dem Bett um mich kurze Zeit später nach Zehlendort aufzumachen. In Annes Heimstatt treffe ich die Drei und kurze Zeit später machen uns auch schon auf. Anne befindet sich nach schwerer Erkältung noch auf dem Wege der Besserung und zeigt uns auf einem kurzen Spaziergang den etwas versteckten Einstieg in ihre Laufrunde und läßt Karin, Rainer und mich dann auf diese ziehen. Ab geht es zur Krummen Lanke und anschließend weiter zum Schlachtensee. Hier verabschiedet sich Karin und läuft noch etwas für sich.

Rainer und ich umkurven den Schlachtensee auf der sonnigen Seite als Rainer den Wunsch verspürt noch den nahen Wannsee anzusteuern. Klar, dass wir den dann auch noch mitgenommen haben.

Anfänglich noch kühl lacht uns die ganze Zeit die Sonne und auf den Wegen sind schon massenhaft Spaziergänger, Walker und Läufer unterwegs. Zurück vom Wannsee geht es auf der jeweils anderen Seite von Schlachtensee und Krumme Lanke zur Anne. Rainer ist dann nach exakt 15 km zurück an Annes Haustür und ich nach 14,4 km. Eine krasse Abweichung zwischen Garmin und Suunto. Solche Nebensächlichkeiten sind aber beim anschließenden Frühstück, das Anne in der Zwischenzeit gezaubert hat, schnell vergessen. Nach 15 km muß man sich schließlich ausgiebig stärken und viel zu erzählen gibt es natürlich auch, wenn sich Berlin, Trier und Oldenburg sich am erstgenannten Ort treffen 😎

Das war ein cooles Treffen und das genialste ist, dass wir uns die Tage noch wiedersehen. Ich freue mich darauf!

 

Slipers

Achtung, dat Ding is lang!

Venlo 2019, mein erster Verstoß gegen meine Absicht dieses Jahr keine Wettläufe absolivieren zu wollen. Aber die Utkiek-Truppe lag mir schon so lange in den Ohren, dass der Venloop ein Muss ist, dass ich mich zu einer Anmeldung hatte überreden lassen 🙂 Und ein Halbmarathon geht schließlich immer, wenn bei mir auch nicht oft. Die letzten halbwegs ernsthaft gelaufenen waren im Oktober 2014 der Kaiserlauf im schönen Salzkammergut und der JVA-Marathon. Danach kam nur noch der Ahrathon, der allerdings beabsichtigeter Weise eher in Weinseligkeit versank 🙂

Nun also Venlo. Das niederländische 100.000 Einwohner-Städtchen an der Maas macht einen riesigen Aufriss um den Halbmarathon, den 10er, den 5er und die Bambini-Läufe am Sonntag und die Wanderungen von 7,5 bis 40 km am Samstag. Alle Disziplinen zusammengerechnet sollen 24.000 Teilnehmer dabeigewesen sein, gigantisch.

Gigantisch auch der Trubel in der Stadt. Es herrschte Volksfeststimmung und die Stadt quoll über vor Menschen. Aber was soziophobe Menschen zum Therapeuten treibt und mir am Samstag, als wir Marion und Sylke zum Ende ihrer 30 km-Wanderung ins Ziel geklatscht hatten, teilweise fürchterlich auf den S…, Verzeihung auf die Nerven ging, sollte ich am Sonntag noch genießen.

Zurück zum Halbmarathon: Meine heimliche Hoffnung als bescheidenes Ziel mal wenigstens unter 2 Stunden zu bleiben habe ich gleich wieder begraben, nachdem 2019 für mich mental sehr schwierig gestartet war und ich mich deshalb nicht noch mit irgendeiner Art von Tempotraining belasten wollte. So war mir von vornherein klar, dass bei diesem Halbmarathon tempomäßig kein Blumentopf zu gewinnen war. Deshalb habe ich mir gedacht, dass ich dann doch etwas experimentieren könnte, mit den Pies Sucios und auch barfuß. Angepeilt hatte ich dabei nicht mehr als eine Zielzeit 2:15 Stunden.

Der Halbmarathon startete erst um 14:00 Uhr, da blieb vorher noch viel Zeit in der Stadt noch Tee und Kaffee zu trinken. Jens, der mich zu meiner großen Freude begleitet hat, und ich setzten uns vom Rest der Truppe ab, setzten uns vor ein Café und ließen uns an dem sehr frischen Vormittag von der Sonne bescheinen. Um 12:00 startete der 10 km-Lauf und es dauerte eine gute Viertelstunde bis kurz nach dem Start das gesamte Teilnehmerfeld auf Sichtweite zum Café an uns vorbeigelaufen war, wie gesagt gigantisch. Auf dem Weg zum meinem eigenen Start verweilten Jens und ich noch etwas an der Strecke, verpaßten allerdings Freya, sahen dafür aber einen Barfußläufer.

Orga-mäßig haben die Venloer ihr Mega-Event voll im Griff. Im Vorfeld ist alles super gelaufen und am Lauftag klappte von der Taschenabgabe bis zur Startaufstellung alles wie am Schnürchen. Als um 14:00 der Start erfolgte, dauerte es sage und schreibe eine Viertelstunde bis ich die Startlinie überqueren konnte, gigantisch!

Und damit bin ich nun endlich beim „Rennen“ selber. Zu meiner großen Überraschung konnte ich ab der Startlinie frei laufen und der erste Kilometer durch die Innenstadt verlief mit einer 5 vor dem Doppelpunkt schon ebenso überraschend flott. Ich lief die ersten Kilometer noch mit meinem Wegwerf-Shirt, da es mir anfänglich einfach noch zu frisch war. Nach Kilometer 4 erst legte ich es am Wegesrand ab, die Venloer mögen mir die späte Entsorgung nachsehen. Für mich lief es easy und ich war flotter unterwegs als ich mir vorgenommen hatte. Nur vier der 21 km hatten eine 6 vorne stehen und als ich bei einem abgepiepsten Kilometer etwas von 5:37 laß, entfuhr mir ein überraschtes „Fuck“, was meinen Nebenmann veranlaßte mich zu fragen, ob alles in Ordnung sei 😆

Was Venlo wirklich einzigartig macht ist die Stimmung an der Strecke. Immer wieder sind ganze Straßenzüge geschmückt, überall wird Musik gespielt, live und aus großen Anlagen, und es sind unglaublich viele Menschen an nahezu der gesamten Strecke, die dort Party machen und anfeuern.

Meine grobe Planung war es die ersten 11 Kilometer in den Pies Sucios und die letzten 10 km barfuß zu laufen. Weil es aber so gut lief, verschob ich das Ausziehen der Sandalen immer weiter nach hinten, zumal auch die Qualität einiger Straßendecken für mein Barfußauge etwas zu wünschen übrig ließ. Aber alleine schon mit den Sandalen war ich der Hingucker. Immer wieder schrien Zuschauer auf, wenn sie mich sahen und ich hörte immer wieder der läuft in „Slipers“. Immer wieder wurde auch mein Name gerufen. Auch aus dem Läuferfeld gab es Interesse von „Guck mal, der läuft in Badelatschen“ über „Haben die denn noch etwas Dämpfung“ bis hin zu Respektbekunden war alles dabei.

Viereinhalb Kilometer vor dem Ziel hatte ich die Sandalen dann in den Hosenbund gesteckt und bin barfuß weitergelaufen. Leider folgte kurz darauf noch einmal richtig schlechter Asphalt, aber ich konnte trotzdem mit Ach und Krach mein Tempo halten. Ein Läufer mit ein paar Pfunden zuviel auf den Rippen, der es auf der ganzen Strecke offensichtlich nicht verknusen konnte, wenn ich ihn in den Sandalen überholte und dann immer wieder anzog, ließ mich barfuß entgültig ziehen und kundete mir sogar Respekt. Für die Zuschauer war ich nun noch mehr der Hingucker, wobei ich die Bemerkungen auf niederländisch leider nicht verstanden hatte 🙂 Auf dem letzten Kilometer ging es zurück in die Fußgängerzone. Ab hier glich die Strecke einem Hexenkessel. Noch nie habe ich soviel dröhnende Musik erlebt und noch nie ein so frenetisches Publikum gesehen. Auf den angenehm zu laufenden Pflastersteinen konnte ich noch einmal richtig aufdrehen und war nur noch am überholen. Eine Läuferin sagte zu ihrer Partnerin völlig entgeistert „Der überholt uns barfuß“ und auch die Zuschauer wurden immer wieder auf meine baren Füße aufmerksam und ständig wurde mir etwas zu- oder mein Name gerufen. Ich kann nur sagen, wer in Sandalen oder barfuß läuft, ist in Venlo so eine richtige Rampensau und sticht jeden Läufer in Verkleidung locker aus 😆

Aber nun, episch langes Geschreibsel, kurzes Ergebnis: Nach 2:04:17 Stunden lief ich über die Ziellinie und konnte überraschend unter 6er-Schnitt bleiben. Das absolut Genialste aber war, dass es in den Sandalen und barfuß einfach rund lief und ich die ganze Strecke entspannt und ohne Ansprengung laufen konnte. So konnte ich mir treu bleiben, mir macht es eben am meisten Spaß wenn ich mich nicht quälen muß und in meiner Komfortzone bleiben kann 😛 Und Spaß hat mir dieser Halbmarathon gemacht, defintiv!

Ich ließ mir von einem Herrn im schwarzen Anzug und mit Fliege die Finishermedaille umhängen und nachdem wir uns alle wieder versammelt hatten, blieb noch ein Teil unserer Truppe bis die allerletzten Läufer ins Ziel kamen. Ganz großes Kino: Bei immer noch viel Publikum und mit Polizeimotorrädern mit Blaulicht und Sirene als Eskorte liefen die letzten beiden Läufer ins Ziel. Gigantisch!

Fazit: Es ist wirklich gigantisch was diese vergleichsweise kleine Stadt da für ein Läuferevent auf die Beine stellt, sowohl das Organisatorische auf der einen Seite als auch die Beteiligung der Bevölkerung auf der anderen Seite. Die vielen Menschen auf und neben der Strecke und den ganzen Trubel muß man dabei allerdings mögen. Aber warum nicht mal? Meine Ruhe habe ich ab sofort wieder an der Hunte.

Was ich aber wirklich nicht gedacht hätte ist, dass das Laufen in den Sandalen und barfuß (immer noch) so viel Aufmerksamkeit erregt. Auch das muß man mögen 😀

Glückwunsch auch an die gesamte Oldenburger Gang, die alle gut ins Ziel gekommen sind, ob wandern oder laufend. Es war mir ein Fest! 🙂

Kitzelig

Mein (Lauf-)Leben ist wirklich reich an Anekdoten geworden seitdem ich viel barfuß unterwegs bin. Die neuste Anekdote heute: Ich trabe an der Hunte entlang und von hinten überholt mich im Schneckentempo ein Fahrradfahrer und ich ahnte schon, dass es zu einer Ansprache kommt. Ein etwas skurriler Typ mit Seehundschnäuzer, witziger Mütze auf einem viel zu kleinen Fahrrad sprach mich an, ob ich denn überhaupt noch kitzelig unter den Füßen bin, schließlich müßte ich doch eine ganz dicke Hornhaut haben 😀

Ich konnte ihn aufklären, dass die Füße durch die Barfußlauferei nichts von ihrer Empfindsamkeit einbüßen. Wenn auch ich schon lange nicht mehr an den Füßen gekitzelt worden bin, vermute ich doch das sich auch daran nichts geändert hat 😆 Auch in Bezug auf die weit verbreitete Meinung, dass sich vermehrt Hornhaut bildet, konnte ich ihm erzählen, dass sich diese durchs Barfußgehen und -laufen reduziert, dafür aber die Haut der Sohle erheblich widerstandsfähiger wird.

Der gute Mann bedankte sich für die Informationen, wünschte mir noch einen schönen Tag und radelte langsam von dannen. Ich schmunzelte noch eine Zeit lang über diese ungewöhnliche Frage. Witzig, auf was die Leute alles kommen, aber über solche Anekdoten freue ich mich und Freundlichkeit kommt sowieso immer an 🙂

 

Mit Besuch auf Besuch

Heimo weilt im hohen Norden und viel zu lange ist es schon her, dass wir unsere letzte gemeinsame Runde drehen konnten. Da konnte ich seiner Anfrage auf einen gemeinsamen dreistündigen Lauf im Rahmen seiner Hamburg-Marathon-Vorbereitung natürlich nicht widerstehen. Zumal Heimo noch den Zusatz „ohne Tempo“ angefügt hat und ohne Tempo kann ich einfach gut 😆

Von mir kam daraufhin der Vorschlag von Oldenburg zu meiner weltbesten Schwiegermama nach Berne zu laufen und da Heimo One-Way-Strecken liebt, war er sofort einverstanden. So trabten wir gestern mittag los um pünktlich zur Tea-Time bei Adele einzutrudeln.

Klare, frische Luft und ein knatschblauer Himmel begleiteten uns auf der Strecke südlich der Hunte. Der reichliche Sonnenschein und ein kaum merklicher Rückenwind ließen es auf dem gesamten Törn aber wärmer erscheinen als es wirklich war. Wir hatten uns viel zu erzählen, schönes und weniger schönes, und Kilometer um Kilometer zogen dahin.

Zwischendurch lief ich auf zuerst flauschig sandigen, im weiteren Verlauf etwas pieksig, schottrigen Feldwegen für gut fünf Kilometer barfuß. Wir machten einen kurzen Abstecher zur über 800 Jahre alten St. Dionysius Kirche in Holle, die als eines der wenigen Bauwerke am Rande der Wesermarsch auf einer Warft steht. Wir bauten noch einen Umweg über Dreisielen ein und beendeten den Lauf direkt vor der großen Berner Kirche.

Gute 26 km hatten wir zurückgelegt und dabei die Drei-Stunden-Vorgabe mit 2:45 Stunden nicht ganz eingehalten, aber das darf man alles nicht so verbissen sehen. Dafür war der Lauf einfach nur schön und sehr kurzweilig. Der nächste gemeinsame Trip wird sich wohl erst wieder im August ergeben. Ich freue mich schon sehr darauf.

Ich bin nicht allein

Gestern war mal ein ausgesprochen netter Frühlingstag, sonnig und mild. Bei so einem feinen Wetterchen sieht man nach dem langen, dunklen Winter auch mal wieder Nachbarn. So kam es am Nachmittag zu einem kleinen Schnack mit Nachbarn auf der Straße. Und während wir da so redeten, hielt plötzlich ein Fahrradfahrer mit seiner kleinen Tochter im Kinderanhänger neben uns und sprach mich an : „Du bist doch Volker Dank, ich kenne Dich von Deinem Blog“ Hach, ich bin berühmt, die Leute kennen mich aus dem Internet, faszinierend, ich fühlte mich gebauchpinselt. „Interessant auch, dass Du barfuß läufst“ fuhr er fort und erst da fiel mir auf, dass auch er barfuß war. Und nicht nur das, er läuft auch barfuß und ist sogar im Herbst den Oldenburg Marathon barfuß mitgelaufen. Das nötigte mir großen Respekt ab, nicht nur aufgrund der Distanz als solchen, sondern auch weil der Oldenburg Marathon kein reiner Straßenmarathon ist und sogar geschotterte Passagen enthält.

Johannes, so stellte er sich mir inzwischen vor, läuft seit 2012 barfuß und ist dann irgendwann dazu übergegangen auch im Alltag auf Schuhe zu verzichten. Das wirklich Kuriose allerdings ist, dass Johannes gerade mal ca. 300 m Luftlinie von mir entfernt wohnt. Im letzten Herbst hatte ich  dort mal aus dem Auto heraus einen Barfüsser mit Kinderwagen gesehen, dass wird er wohl gewesen sein. Auch Johannes meinte, mich schon gesehen zu haben. Aber zu einer konkreten Begegnung ist es zuvor noch nie gekommen.

Wir plauderten noch eine kurze Weile bevor Johannes seinen Weg fortsetzte. Abends dann bin ich meiner Neugierde erlegen und habe im Internet mal auf der Ergebnisliste des Oldenburg Marathon gestöbert, soviel Johannes werden dort wohl nicht gestartet sein und es war auch nur einer. Jetzt weiß ich auch noch, dass Johannes den Marathon nicht nur barfuß sondern auch noch richtig schnell, nämlich in 3:37 Stunden gelaufen ist. Krass.

Wäre cool, wenn wir uns noch wieder über den Weg laufen würden. Von Johannes kann ich sicher noch etwas lernen.

Das ich nicht der einzige (teilweise) Barfußläufer und -geher bin, war mir schon klar, aber so direkt auf der Nachbarschaft hätte ich doch keinen Gleichgesinnten vermutet.

Johannes, für den Fall, dass Du dies hier liest, kannst Du auch gerne mal einen Kommentar dalassen, wenn du magst.