Wie im Süden

Die letzten neun Tage waren wunderbar. Am Freitag letzter Woche begann mein Urlaub, Jens mußte noch bis Samstag warten, und gleich an diesem Samstag startete der Urlaub mit einem Highligt. Catrina und Kai waren im Norden Deutschlands und statteten auch Oldenburg einen Besuch ab. Kai ist in und um Oldenburg aufgewachsen und pflegt hier noch Freundschaften. Das die Beiden trotz strammen Besuchsprogramms noch Zeit für einen gemeinsamen Lauf gefunden hatten, rechne ich ihnen hoch an und so standen sie am Vormittag bei mir vor Tür um eine Runde zu drehen. Catrina wollte gerne den Kleinen Bornhorster See sehen, wo ich ja fleißig das Kraulen übe, und ich wollte ihnen doch gerne die Bornhorster Wiesen und die Hunte zeigen. Beides zusammen führte zu einer 17 km langen Strecke.

Es war ein toller Lauf, wir hatten uns viel zu erzählen und es wirkte -wie eigentlich immer bei solchen Treffen- als würden wir uns schon länger kennen. Die Hunte hatte sogar eine spezielle Überraschung für uns parat, die Kai mit scharfem Auge gesehen hatte. Ein Seehund oder eine Kegelrobbe war in ihr unterwegs, obwohl weder der eine noch die andere dort etwas zu suchen hat. Leider zeigte sie sich nur kurz und es ließ sich nicht genau klären, welche Spezies da genau unterwegs war. Das Wetter war perfekt, wechselnd wolkig, mäßig warm und kaum Wind. Durch den Besuch aus der Schweiz fühlte ich mich aber wie im Süden 😎 Danke Catrina und Kai, dass Ihr da. Es war mir eine riesen Freude.

Tagsdrauf ging es für Jens und mich in den Urlaub. Eigentlich hätten wir einen Ferienhaus-Urlaub in Dänemark machen wollen. Da man ein Ferienhaus aber lange im Voraus buchen muss und wir nicht wussten, ob uns Corona in die Parade fährt, haben wir davon Abstand genommen. Sehr schade, weil die Dänen fünf Tage vorher in ihrem Land zur Normalität zurückgekehrt sind und wir dort hätten einen Urlaub verbringen können in einer Art und Weise wie man es einmal normales Leben nannte, ohne Tests, Maskenmumpitz und den all anderen Irrsinn.

Egal, das war halt nicht zu ahnen und so sind wir stattdessen in mein Domizil nach Berlin gefahren, wo wir in den eigenen vier Wänden leben konnten wie wir wollten. Immerhin war uns das Wetter gewogen, es erwarteten uns sonnige und warme Tage wie im Süden bis fast zum Schluß. Leider streikte in meiner Wohnung zu Anfang das Wlan, so dass ich das schöne Erlebnis mit Catrina und Kai nicht sofort posten konnte. Auf der anderen Seite war es auch ein Wink des Schicksals und deshalb machte ich aus der Not eine Tugend und einmal für acht Tage Pause mit dem Blog und auch mit dem Bloglesen (Ich hoffe Ihr seht mir das nach, also das Nichtlesen bei Euch meine ich 🙂 )

Da Jens nicht so der große Berlin-Freund ist, hatte ich ihm Ausflüge ins Umland versprochen und gleich am Tag nach unserer Ankunft ging es los mit dem Park Sans Souci. Bei Kaiser… pardon Königswetter vermittelte der Park, speziell im Bereich der Orangerie mit ihren vielen Palmen, nahezu mediterranes Flair, getoppt natürlich noch vom Schloß Sans Souci selber.

Am nächsten Tag standen Köpenick und Müggelsee auf dem Programm.

Uuuund der nächste Park, Park Bavelsberg mit gleichnamigen Schloß. Das Wetter: Der Hammer.

Am Freitag dann verließ uns das Wetterglück, zwar immer noch warm, wurde es gewittrig und der Besuch des Sowjetschichen Ehrenmals im Treptower Park wurde zur nassen und auch schnellen Angelegenheit. Aber immerhin stand mir nicht das Wasser in den Schuhen 😛

Abends war es denn wieder trocken und herrliche Wärme bis tief in die Nacht ließ uns doch einmal das Zentrum aufsuchen um das Festival auf Lights auf uns wirken zu lassen. Viel bunt, aber auch sehr schön. Nur die vielen Menschen war man nach den trüben Pandemiezeiten so gar nich mehr gewöhnt 🙂

Am letzten Tag erwischte uns auch auf dem Tempelhofer Feld ein kräftiger Schauer, aber wir fanden zum Glück Unterstand im Urban-Gardening-Bereich.

Am Abend dann noch ein Treffen in meiner Stammkneipe mit befreundeten Stammgästen unseres Stammrestaurants in Oldenburg, die am selben Tag in Berlin angekommen waren. Am Sonntag ging es zurück nach Oldenburg.

Damit war die erste unserer drei Urlaubswochen vorbei. Wenn auch Berlin und sein Umland Dänemark nicht ersetzen können, den Süden konnten sie ersetzen und wir hatten eine wirklich gute Zeit.

(Sorry für die Länge des Posts und die Bilderflut, ich konnte nicht anders 😙)

Du stellst Dich gar nicht so dumm an

… Mit diesem Lob adelte mich heute morgen Torben, nachdem ich mit ihm das erste Mal im Freibad gewesen bin. Im Freibad, das sich gerade mal ca. einen Kilometer von meinem Zuhause entfernt befindet und in dem ich den 20 Jahren, die ich jetzt in Oldenburg lebe, noch nie gewesen bin.

Weil ihm das Wetter zum Laufen zu schlecht war, schrieb mir Torben gestern sehr bestimmend, dass wir heute schwimmen gehen. Da bin ich noch vom Kleinen Bornhorster See ausgegangen, Torben wollte aber ins Schwimmbad und ich ahnte Schlimmes. Dort sollte ich dann nämlich mal kraulen und nach ein paar Zügen sagte er mir, dass er nicht genau erkennen könne, was für ein Schwimmstil das sein solle 😳 Beim Brustschwimmen sah das zwar schon besser aus, aber er sagte, dass ich ja kraulen lernen wollte.

Torben stellt sich als guter Schwimmlehrer heraus und er nahm mir ruckzuck, das Unbehagen davor mit dem Kopf unterzutauchen. Mit Gesicht unter Wasser und angehaltenem Atem lernte ich von ihm dann die ersten richtigen Kraulzüge und es funktionerte nach einigen Korrekturen wirklich gut. Auch das Ausatmen unter Wasser bekomme ich schon hin. Was noch fehlt ist die schwierigste Disziplin, das Einatmen im richtigen Moment. Das haben wir heute nur ganz kurz angerissen.

Nichtsdestotrotz bin ich nach der heutigen Dreiviertelstunde richtig happy, dass die ersten Schwimmzüge unter professioneller Anleitung so gut geklappt haben. Auch wenn mir mein Gepaddel im Kleinen Bornhorster See in Sachen Kraulen nichts gebracht hat, so habe ich über die letzten Wochen dort immer etwas ein Gefühl fürs Wasser entwickelt. Wenigstens das kam mir heute zugute. Bedauert habe ich gegenüber Torben nur, dass wir jetzt erst so spät erste Mal ins Freibad gegangen sind. Offiziell endet die Freibadsaison nämlich schon am 12.09., wenn sich nicht noch schöneres Wetter einstellt, dann könnte sie noch verlängert werden. Aber besser spät als nie und vielleicht kann ich das Ganze ja auch noch im Hallenbad fortsetzen. Nach heute habe ich nämlich die Ahnung, dass mir das wirklich Spaß machen könnte 🙂 Schließlich äußtere Torben schon die Sorge „Nicht das Du noch besser wirst als ich“. Hahahaha, wenn ich sehe wie irre schnell und elegant er durchs Wasser pflügt, braucht er in diesem Leben sicher keine Angst davor haben 🙂 Ich muß es ja wirklich überhaupt erstmal lernen.

Ansonsten hielten sich meine sportlichen Aktivitäten diese Woche in Grenzen. Einmal war ich noch um die 23 km mit dem Fahrrad unterwegs und bin einmal zum Kleinen Bornhorster See geradelt und habe dort etwas „gepaddelt“. Gestern bin ich nach eineinhalb Wochen eine kurze Runde laufen gewesen. Das war auch schön. Die Lichtstimmung war bezaubernd und die 8,6 Barfußkilometer ein Genuß.

Das Schönste: Nach dem gestrigen Lauf und dem heutigen Schwimmen ist die bleiernde Depression, die die ganze Woche auf mir lag, abgefallen. Wahnsinn, Sport macht einfach glücklich ❗

Mach dich mal locker

Wer diesen Titel auf meinen vorherigen Post bezieht liegt falsch. Zu dem Thema locker zu bleiben wird mir zu Eurem und zu meinem Leidwesen und auch zum Leidwesen meiner Gesundheit wohl weiterhin nicht gelingen.

Das Problem scheint eher, dass diese Umstände und auch die Umstände meiner Depression zu einer gesamten körperlichen Verspanntheit führen. Seit Monaten kasper ich schon mit Schmerzen an den Achillesfersen rum, mal mehr mal weniger. Am Montag noch lief ich erst so locker los, dass ich die Runde wieder verlängerte, auf das Schwimmen verzichtete und deshalb meinen Rucksack umsonst mitgeschleppt hatte. 17 km bei wieder einmal einem grandiosen Wolkenschauspiel kamen zusammen.

Ab ca. 11 km wurde es aber doch wieder hölzern und ich hätte mir gewünscht, doch lieber schwimmen gegangen zu sein. Das hatte ich am nächsten Tag nachgeholt, die Anreise erfolgte aber mit dem Fahrrad, weil speziell die rechte Achillesferse extrem maulig war. Dafür entschädigten frische 17 ° mit einem leeren Strand und See.

Meine Fußsohlen haben offensichtlich eine neue Evolutionsstufe erreicht und ich kann jetzt auch auf wesentlich raueren Asphalt barfuß unterwegs sein als bisher. Allerdings scheine ich diese Streckenabschnitte trotzdem noch mit einer gewissen Verkrampftheit zu nehmen, was sich zu der oben geschilderten Verspannung hinzugesellt. Das alles wo ich in den letzten Wochen doch wirklich grottenlangsam unterwegs bin.

Ein Lauf mit Torben und etwas Regen:

Darum werde ich meinen Fokus erstmal massiv darauf legen, meinen Körper beim Laufen zu entspannen. Gestern nutzte ich dazu sogar Formeln vom Autogenen Training. Darüberhinaus übe ich mich mal wieder ausführlich im Dehnen und gönne meine Achillesfersen nach dem Laufen ordentliche Eiskühlung.

Das mir die Probleme schon so lange das Laufen vermiesen und den Spaß daran mindern kann ich eigentlich gerade jetzt so gar nicht gebrauchen. Aber vielleicht klappt es ja, mich einfach mal locker zu machen und dieses auch etwas mehr auf den Alltag zu übertragen. Ich brauche ja offensichtlich noch einen langen Atem.

Greenland

Versaut hat man mir einen Teil meiner liebsten und kuscheligsten Barfußstrecke. Der Einstiegssandweg für meine Strandfeelingstrecke im Gellener Moor wurde mit Steinen „verbessert“, wie gemein 😦

Dabei wollte ich doch meinen Füßen mal wieder so richtig etwas Gutes tun. Naja, jetzt ist es erstmal so wie es ist und es wird schon ne ganze Zeit dauern, bis die Steine wieder untergebuttert worden sind. Da bin ich halt auf die umliegenden Asphaltstraßen ausgewichen und durfte feststellen, dass diese auf vielen Kilometern einen wirklich geschmeidig glatten Asphalt aufzuweisen haben. Wenn dieser Asphalt auch keinen weichen Sand ersetzen kann, so bot er doch das Maximum an Barfußkomfort, was auf der Straße möglich ist und entschädigte weitestgehend für die entgangene Sandkur.

Absolut top waren auch die Ausblicke auf das Geestland. Üppig grün lag es da, überstrahlt von einem malerischen Wolkenhimmel. Ich traf kaum auf Menschen und alles wirkte so friedlich. Ein Top-Lauf über 11 km.

Greenland:

Zwei Tage später ging sich auch endlich mal wieder ein Lauf mit Torben aus.

Der erste Lauf im August sollte eigentlich nur eine ca. 11 km langer Feierabendlauf zum Kleinen Bornhorster See sein, aber es lief so gut, das Wetter war so toll und die Stimmung so schön, dass es schlußendlich 18 km wurden.

Mit der Schwimmerei komme ich im Moment nicht so recht voran, was daran liegt, dass es am See jetzt immer recht voll ist. Macht aber auch nichts, Laufen ist ja auch irgendwie ganz schön 😉 😆

Ohne Dich

Die im vorherigen Post erwähnten 15 Tage Laufpause sollten genug sein. Drum ging ich am Montag wieder laufen um der längsten freiwilligen Laufpause ever ein Ende zu setzen. Ausgeruht waren dabei in erster Linie die Fußsohlen und schnurten klaglos über den üblen Asphalt rund um den Großen Bornhorster See, den sie sonst nur mit Sandalen zu überlaufen bereit sind. Ansonsten aber verflog die Hoffnung auf einen geschmeidigen Wiedereinstieg. Trotz angenehm niedriger Temperatur wollte kein Fluss aufkommen, auch nicht nach dem Bad im Kleinen Bornhorster See. Aber immerhin konnte ich 11 Barfuß-Kilometer in meine bis dato klägliche Juli-Statistik eintragen.

Am Mittwoch überlegte ich zum Ende meines Home-Office-Tages Jens zu einer Nordic-Walking-Runde zu animieren, während ich meine Laufrunde drehe. Es sollte anders kommen. Als Jens an diesem Tag einige Zeit nach mir aufstand und ich die ersten Worte mit ihm sprach, stimmte etwas mit ihm nicht. Ein Anruf in meiner Hausarztpraxis mit Schilderung der Symptome führte zu dem Kommentar „Kommen sie nicht, wählen sie gleich den Notruf 112“ und wenige Zeit später stand ein Rettungswagen auf unserer Auffahrt. Die dreiköpfige Besatzung kümmerte sich in unserer Küche um Jens und nach ca. einer halben Stunde rollte der Rettungswagen mit ihm vom Hof. Ins 30 km entfernte Westerstede wurde er gebracht, da sich die zuständige Oldenburger Klinik abgemeldet hatte. Erst am Nachmittag hörte ich erstmals etwas von ihm, da ging es ihm zum Glück schon wieder besser, er solle aber mindestens fünf Tage im Krankenhaus bleiben. Ich fuhr zur Klinik und brachte ihm eine Tasche mit allem Nötigen. Besuchen konnte ich ihn bei der Gelegenheit nicht, Corona läßt grüßen. Abends versuchte ich mich mit einem Lauf abzulenken, was leidlich funktionierte, ein Durchschnittspuls von 160 bei einer Pace von 6:35 sprach da Bände.

Am nächsten Tag dann kam mittags die Entwarnung, nachdem man Jens in der Klinik einmal komplett auf links gedreht hatte, bestätigte sich die anfängliche Befürchtung nicht und er durfte sogar schon wieder nachhause. Was für ein Schreck mit guten Ausgang. Die Gedanken, die einem in dieser Zeit durch den Kopf gehen, sind unbeschreiblich. Nach über 20 gemeinsamen Jahren mit all ihren Höhen und Tiefen, kann ich folgenden Liedtext nahezu voll und ganz unterschreiben:

Ob es an dieser Erleichterung lag, weiß ich nicht, aber der heutige Lauf war endlich mal wieder einfach nur schön. Sehr langsam, aber auch sehr entspannt lief ich erneut die Strecke vom Montag, erneut überliefen die Fußsohlen den schraddeligen Asphalt und erneut ging ich im Kleinen Bornhorster See ins Wasser und ließ mich nicht einmal von einer Gruppe Kinder entmutigen, die von ihrem Trainer ins Wasser gescheucht wurden und wie die Fische schwimmen konnten, kraulend und rückenschwimmend.

Ende gut, alles gut, in zweierlei Hinsicht. Wobei natürlich das erste so immens viel wichtiger ist. Gesundheit ist alles, ohne Gesundheit ist alles nichts. Das wurde mir, wurde uns mal wieder deutlich vor Augen geführt und über den glimpflichen Ausgang sind wir sehr glücklich und dankbar.

Wo meine Sonne scheint

Vor meinem heutigen Lauf war ich doch tatsächlich etwas aufgeregt, wollte ich doch mal wieder etwas länger laufen. Anfang März hatte ich bisher das einzige Mal in diesem Jahr die 20 km-Marke gerissen und das mit 20,1 km auch nur so mit Ach und Krach. Ausgemessen hatte ich meine heutige Strecke nicht, nur grob im Kopf wo es langgehen sollte. Einfach loslaufen und mal gucken was es wird. Das Wetter dazu war Bombe. 22 – 24 Grad, etwas Wind und ab und zu mal ein paar Wölkchen. Aufgeregt war ich in erster Linie deshalb, weil ich nicht wußte, ob mein momentanes Gemüt das richtige für dieses Unterfangen ist, ob mein zur Zeit „schwindelerregendes“ Tempo auf längerer Strecke nicht noch weiter in den Keller gehen würde, ob ich überhaupt durchhalten würde und und und 😯

Da kam kurz vor meinem Start noch der Kommentar von Oliver auf meinen letzten Post rein, in dem er schrieb:

„Du machst Dir zuviel Kopf um Dinge die nicht funktionieren, statt wohlwollend das zu sehen was gut klappt. Du läufst, Du schwimmst, Du hast Deinen Humor nicht verloren“ und weiter „Bleib dran, selbst wenn es eine 8er Pace oder mehr ist, Hauptsache draussen sein und bewegen“

Diese Zeilen waren genau der richtige Arschtritt für mich um das Ding ruhig, locker und geschmeidig anzugehen. Und das funktionierte erstaunlich gut! 🙂 Tausend Dank, Oliver!

Los ging es ohne Sandalen zu erst noch etwas durch den Ortsteil Donnerschwee, hin zum Klärwerk, ab dem die Strecke an der Hunte startet. Dieser folgte ich sechs Kilometer, dann ging es ein kurzes Stück offroad. Wobei ich auf einigen hundert Metern die Wahl hatte zwischen zugewuchertem Weg oder Deichkrone mit kurios plattgedrücktem Gras. Ich entschied mich für erstes. Auf dem platten Gras ließ es sich nur wie Storch im Salat laufen.

Begleitet wurde ich auch mal wieder von einem Ohrwurm, dessen vier Titelworte ich ständig vor mich hin summte oder pfiff, blöderweise kannte ich nämlich nicht mehr vom Text. Darüberhinaus war ich lange Zeit damit beschäftigt darüber nachzudenken von wem dieses Machwerk stammte. Lange war ich mit Nana Mousmouri zufrieden, bis mir fast schon zum Ende des Laufs in den Sinn kam, dass es von Caterina Valente ist. Hach, die mochte ich immer gerne. Außerdem passte der Titel so gut zum Tag 🙂

Nach 11, 12 Kilomtern folgte ein erstes kurzes Päuschen im Schatten des Deichscharts.

Im Deichschart gab es eine Tür, auf der sich ein paar wenige kuriose Aufkleber befanden 🙂

Es folge noch ein kurzer Plausch mit einem jungen Radler-Pärchen, wobei es natürlich ums Barfußlaufen ging 😎 Kurze Zeit später der erste Hinweis auf meinen geplanten Zwischenstopp und zwei Kilometer weiter noch einer:

Dort gönnte ich mir einen chilligen Aufenthalt mit einem Stück Kirschstreuselkuchen (der göttliche Stachelbeer-Baiser-Kuchen war schon ausverkauft 😦 ) und einer kalten Zitronenbuttermilch. Ahhhhhhhhhhhhhh 😀

Außerdem kaufte ich noch eine Flasche Bananensaft für unterwegs. Eine gute Entscheidung, meine Halbliterpulle Mineralwasser neigte sich nämlich schon dem Ende zu. Ich hatte noch ein nettes Gespräch mit einer Wanderin, die feststellte, dass sie als Wanderin eine Exotin ist. Naja, das weite, platte Land mit seinen langen geraden Strecken lädt halt mehr zum Radeln ein (wobei wir beide über die E-Biker lästerten) und immerhin war ich als Läufer genauso ein Exot 🙂

Gut gestärkt und im Schatten erholt trabte ich weiter Richtung Kleiner Bornhorster See. Ein kurzes Bad mußte einfach noch sein. Wobei ich auf Schwimmeinlagen verzichtete, es war einfach zu voll. Außerdem muß laufen auch einfach mal reichen 😛

Zugeben, das Anlaufen nach dem Bad fiel mehr dann schon etwas schwerer, aber eigentlich klappte es mit dem lockeren Trab noch ganz gut und es war nun auch nur noch vier Kilometer. Als diese vorbei waren hatte ich 28 km auf dem Garmin-Tacho, von denen ich 22 km barfuß gelaufen bin.

Olivers Kommentar-Zeilen noch vor dem geistigen Auge nahm ich die Durchschnittspace mit 7:02 schmunzeln zur Kenntnis. Immerhin war es mein längster Lauf seit dem Berlin-Marathon im September 2018! Mit der Pause am Melkhus und dem Bad im Kleinen Bornhorster war ich fette fünf Stunden unterwegs. Bei meiner Ma habe ich dann noch gegen Viertel vor Acht ein halbes Blech Erdbeerkuchen verdrückt, die wohl späteste Tea-Time ever. Und mit eine der gierigsten 😀 Sch…egal, es war ein super Nachmittag/früher Abend und hat einfach nur gut getan 🙂

Wettkampf

Bleibe ich der Begrifflichkeit „Kampf“ doch noch etwas treu. Nachdem ich in meinem letzten Beitrag „Kampf“ von meinem erschütternden Zustand berichtet hatte, der sich unter anderem in einem exorbitant niedrigen Lauftempo niederschlägt, hatte ich es gestern trotzdem gewagt mich einem „Wettkampf“ zu stellen. Da auf die Schnelle kein entsprechender Lauf zu finden war, habe ich es stattdessen mit einem läuferischen Sparringspartner allererster Güte aufgenommen, der da wäre:

Tadaaaaaaa

Auf die Plätze! Fertig! Los! :

Aber ich hatte keine Chance, die Granate ist mir einfach auf und davon gezogen 😦 :

Frustrierend, aber ich mußte ja auch noch den dicken Stein auf dem Bild umlaufen 😯

Nur gut, dass ich es mir gleich erspart hatte, es mit diesen Rennpferden aufzunehmen:

Den letzten Kilometer meiner gestrigen gut 14 km konnte ich nicht mehr unter 7er Schnitt laufen. Ging einfach nicht! Unmöglich! Der Asphalt klebte förmlich an den Fußsohlen. Es ist so bitter 😦

Gut, dass es wenigstens vom Vortag einen wirklich sensationellen Erfolg zu feiern gibt. Zu der Zeit wo Deutschland gegen England verlor, bin ich bei feinstem Regen zum Kleinen Bornhorster See gelaufen und dort das ERSTE MAL IN MEINEM LEBEN 100 M AM STÜCK GESCHWOMMEN! Ich bin so stolz! Und ich bin bestimmt sogar schneller geschwommen als ich gestern gelaufen bin 😆

Mit dem Wettkampflauf beendete ich dann auch den ersten Teil des Laufjahres 2021. Mein Ziel, dieses Jahr im Schnitt monatlich 200 km zu laufen, hinke ich mit 90 km hinterher und wird nicht mehr ernsthaft verfolgt. Davon abgesehen und unter Anbetracht der diesjährigen Umstände bin ich mit den gelaufenen Kilometern sehr zufrieden. Es sind bei mir also doch noch nicht Hopfen und Malz verloren 🙂

Kampf

Meine Depri hat mich zur Zeit wieder stärker im Griff und es ist dadurch wieder ein verstärkter Kampf den Alltag zu bestehen, während ich mich doch am liebsten an einen einsamen stillen Ort zurückziehen würde. Da ist es auch nicht gerade förderlich, dass sich das Laufen für mich zur Zeit auch nicht sonderlich leicht anfühlt. Zwar sind meine Beschwerden in den Achillesfersen nur noch hintergründig vorhanden, aber das Laufen fühlt sich zur Zeit einfach beschwerlich an und das Tempo ist sehr langsam.

Trotzdem ist es mir gelungen, diese Woche wieder einmal knapp die 50 km-Marke zu knacken und auch immer wieder etwas schwimmen zu gehen. Wie am Montag bei Dauerregenwetter, wo es am herrlich leer war und der See in der kühlen Luft vor sich hin dampfte.

Nach dem Dauerregen stand das Wasser teilweise noch tagelang auf den Wiesen, aber die Luft war für Mensch und Tier wieder etwas angenehmer. Auch wenn ich beim Laufen schwitzte wie die S.. 🙂

Zum Ausklang der Laufwoche widerstand ich dem Ruf ins Gotteshaus (ich liebe das Geläut der Ohmsteder Kirche, auch wenn es in dem Handy-Video etwas schepprig klingt) …

… und lief lieber in Gottes Natur, obwohl die aufgrund des schönes Wetters recht bevölkert war. Speziell am Kleinen Bornhorster See war schon am Vormittag viel Betrieb bei bester Badestimmung. Deshalb reichte auch ein kurzer Sprung in die Fluten, bevor ich mich wieder nach Hause trollte.

Dieser Lauf fühlte sich immerhin schon einmal wieder etwas besser an. Irgendwann muß es ja wieder aufwärtsgehen und wird es auch. Bis es soweit ist wird eben gekämpft 🙂

Was noch fehlt

In letzter Zeit kam bei meiner Lauferei meine Lieblingsstrecke etwas zu kurz. So war es gestern mal wieder Zeit das zu ändern. Weil ich etwas genervt war, hatte ich allerdings keine Meinung erst von der Haustür aus den Anlauf durch bevölkertes Terrain zu nehmen. Drum habe ich die Umweltsau raushängen lassen und bin mit dem Auto rausgefahren und war überrascht, dass mir der Parkplatz trotz des warmen Wetters ganz alleine gehörte. Das versprach eine recht leere Strecke, was mir nur recht sein sollte. Trotz nicht ganz so hoher Temperaturen wie am Vortag und einem Start erst gegen Halbsechs war der Asphalt noch ganz schön heiß, aber gerade eben noch barfuß laufbar. 11,5 km in einer grottenlangsamen Pace kamen zusammen.

Heute kam noch eine andere Disziplin dazu. Nachdem ich ja auch immer wieder wacker ins Wasser gehe um das Kraulen zu erlernen (immerhin 50 m am Stück schaffe ich schon, fragt aber bitte nicht, wie das aussieht 😆 ) fehlt eigentlich nur noch das Fahrradfahren. Mehr als samstägliches Brötchenholen passiert da bei mir in der Regel nicht. Da kam es mir gelegen, dass es eine Ersatzveranstaltung zum eigentlich heute stattfindenden CSD gegeben hat, nämlich eine Fahrraddemo.

Zugegeben, mit sportlicher Betätigung hatte die nichts zu tun, aber es ist ein schöner Aufhänger um auf diese kleine Veranstaltung überzuschwenken, bei der alleine die Tatsache, dass alle auf Rädern sitzen für die heutzutage notwendigen Abstände sorgte. Auf dem sonnengefluteten, knallig warmen Versammlungsgelände zwischen kleiner und großer EWE-Arena galt Maskenpflicht, so dass ich mich am Rande und im Schatten aufgehalten hatte, bis sich ein paar Hundert Radler in Bewegung setzten.

Zugegeben, die Fahrraddemo kann den eigentlichen CSD nicht ersetzen, aber Not macht erfinderisch und schön war die Veranstaltung trotzdem. Zumal ich noch zwei liebe Bekannte getroffen habe und mit diesen saß ich noch zweieinhalb Stunden zusammmen. In der Zwischenzeit war von der ganzen Veranstaltung schon weit und breit nichts mehr zu sehen.

Friesoythe

Gestern verschlug es mich wieder einmal in das knapp 40 km von Oldenburg entfernte Friesoythe. In dieser Kleinstadt bin ich geboren und aufgewachsen und habe dort bis vor 20 Jahren gelebt. Hier ist auch mein früh verstorbener Vater beerdigt und es stand Grabpflege an. Nach deren Erledigung habe ich meine Mutter zu ihrer Freundin auf die alte Nachbarschaft gebracht und endlich einmal in die Tat umgesetzt, was ich schon lange einmal wollte: Mir laufend noch einmal die Gegend erschließen, wo ich als Kind und Jugendlicher rumgestromert bin.

Ich habe zu Friesoythe ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Zum einem habe ich die Kindheit auf dem Land (Wir haben knapp hinter dem Ortsschild gewohnt) in guter Erinnerung, zum anderen bin an dieser extrem katholischen Kleinstadt im Oldenburger Münsterland fast erstickt. Trotzdem bin ich meinen Eltern zur Liebe und auch mangels anderer Idee in der Stadt geblieben.

Direkter Nachbar zu der Freundin meiner Mutter ist der Betrieb, der meine Familie nach Friesoythe verschlagen hat. Hier hat meine Vater viele Jahre gearbeitet.

Auf der anderen Straßenseite stand das kleine Reihenhaus für die Meister des Betriebes, dort bin ich groß geworden.

Schornstein und Anbau gab es damals noch nicht. Rechts des Schornsteins lugt das Fenster meines späteren Zimmers.

Nach fünfhundert Metern befand ich mich auf dem ehemaligen Bahndamm der Bahnstrecke ins Saterland. Dieser wurde offensichtlich nach unserem Wegzug irgendwann einmal geteert und ich konnte aufs Barfußlaufen umsteigen. Vorbei an der ehemaligen Stammkneipe meines Vaters (die Wirtin war ein absolutes Original, so man denn ihren ausgesprochen derben Humor vertragen konnte), in der jetzt Flüchtlinge untergebracht sind, überquerte ich den alten Friesoyther Kanal. Unvorstellbar, dass auf diesem zum Rinnsal verkommenen Kanal früher einmal Schiffe getreidelt wurden. Wenig später bog ich auf einen Sandweg ab. Inzwischen steht Wald wo früher Moorflächen gewesen sind, wie sich doch so manches verändert. Hier befindet sich aber immer noch der Modellflugplatz, von dem auch Ultraleichtflugzeuge starten.

Weiter ging es zum Küstenkanal, wohin ich meinen alten Herrn oft zum Angeln begleitet hatte. Später habe ich mich dort auch viel mit meinem Schulfreund Christoph rumgetrieben. Zwei Kilometer lang ziehe ich die Sandalen wieder an, da der Sandweg mit Schottersteinen gespiekt ist. Dann bin ich wieder am Friesoyther Kanal, die parallel führende Straße ist inzwischen asphaltiert. Früher war sie gepflastert und ich kann mich noch gut an den Singsang der Autoreifen erinnern, wenn man Vater sie mit 100 km/h langgebrettert ist. Tempolimits waren zu der Zeit noch eine Seltenheit 😀 Zum Barfußlaufen kommt mir der Asphalt aber sehr entgegen.

Ich biege über die alte Zugbrücke ab, vorbei an dem Dachdeckerbetrieb, für den mein Vater am Samstag schwarzgearbeitet hatte. Von der Höhenfestigkeit meines alten Herrn habe ich so gar nichts abbekommen.

Ich komme am Bauernhof meines ersten Schulfreundes Uwe vorbei und nähere mich wieder meinem alten Zuhause und wieder der Zufall es so will, treffe ich die jetzigen Eigentümer unseres ehemaligen Reihenendhauses. Ruckzuck bin ich zu einer kleinen Besichtigung und ein Glas Wasser eingeladen. Ich staune über den nagelneuen Anbau und darüber, wie klein „unser“ Wohnzimmer und „unsere“ Küche doch sind. Irgendwie hatte ich das alles großzügiger in Erinnerung und ich schmunzel über die Dinge, die sich seitdem nicht verändert haben, die Türen, die Fliesen usw.

Rechts hinten haben wir gewohnt, das ganze rechte Fenster der Dachgaube gehörte zu meinem Kinderzimmer 😀

Hi

Nach dem Schnack und der Erfrischung lief ich weiter in die Stadt. Über die Soeste hinweg (die ist auch so schmal 😯 ), wo ich als Kind immer dem rauschenden Wasser zugeguckt habe, hin zu meiner alten Schule. Mehr als Realschule und anschließender Höhere Handelsschule ist es bei mir ja nicht geworden. Vorbei an der Sportstätte des Grauens (die Sporthalle, ich habe Schulsport ja gehaßt wie die Pest) lief weiter zu meiner ehemaligen Grundschule, die durch zahlreiche Anbauten kaum wiederzuerkennen ist. Es gab zwei Grundschulen in Friesoythe, die andere war nur für katholische Kinder. Zum Glück war die eh weiter weg.

Am Elternhaus meines Schulfreundes Christoph vorbei lief ich zu meiner Doppelhaushälfte, in die ich direkt aus meinem Elternhaus eingezogen bin. Nachdem mein Vater gestorben ist habe ich sie nach nur viereinhalb Jahren wieder verkauft um nach Oldenburg zu ziehen. Eine Nachbarin suchte damals ein Haus für ihre Eltern, die aus Düsseldorf zu ihr nach Friesoythe ziehen wollten. Es war die Zeit meines Coming Outs und heute weiß ich, dass sie mein Haus nicht gekauft hätten, wenn sie gewußt hätten, dass ich schwul bin. Dafür hängt heute links neben der Haustür so ein Marienhäuschen, mich gruselt es, wenn ich so etwas sehe.

Überhaupt war die fast ganze Straße froh (ich hatte ein recht alte Nachbarschaft), dass ich weggezogen bin, als bekannt wurde, dass ich schwul bin. Der Einladung zur Verabschiedung nach Oldenburg sind sie dann aber nahezu alle gefolgt und es war ein sehr schöner Abend. Vielleicht hat sich bei einigen von ihnen dadurch doch noch etwas geradegerückt.

Abschließend bin ich durch die Innenstadt zurück in die alte Nachbarschaft gelaufen.

Hier ist mir dann noch der vierzig Kilo schwere Jagdhund vom Schwiegersohn von Mutters Freundin auf den Fuß gestiegen 😆 Das macht er immer und bei jedem, sagte Arnold 😀

Nach 18 km beende ich den Erinnerungslauf mit gemischten Gefühlen. Bis auf einige wenige nette Nachbarn habe ich in dieser Stadt nichts zurückgelassen und bin froh, dass ich weg bin. An meine Kindheit habe ich aber nahezu durchweg gute Erinnerungen.

Immerhin sehr barfußfreundlich ist dieses gediegen gepflegte Städtchen und die Umgebung und ich war nur knapp drei Kilometer in Sandalen unterwegs.