Alles anders

„Alles anders in diesem Jahr“, einer der Kernsätze in diesem Jahr, den man eigentlich auch kaum mehr hören mag. Aber auch der Heiligabend verläuft tagsüber anders als in den Jahren zuvor. Heimo ist nicht im Norden und der gemeinsame traditionelle Weihnachtsbaumsuchlauf im Wäldchen bei Littel fällt aus. Kein Heimo, kein Lauf. Dafür war ich mit Jens dort und wir haben den geschmückten Baum bei einem Spaziergang gesucht und gefunden. Auch der Baum ist anders in diesem Jahr, sehr klein und bescheiden, irgendwie passend zu diesem Jahr, aber trotzdem oder gerade deshalb sehr schön.

Was bleibt und nicht anders ist als in all den Jahren, die ich diesen Blog betreibe, ist, dass ich Euch von Herzen

wünsche. Genießt die schöne Weihnachtszeit!

Weniger laufen, mehr essen

Heute morgen schickte sich bei meinem Blick auf die Waage das sechste Kilo an zu verschwinden. Sechs Kilo habe ich somit in den letzten Wochen und Monaten aufgrund meiner psychischen Belastung schon verloren. Dabei esse ich normal und auch mit Appetit. Selbst nahrhaftes Bier schafft es, im Gegensatz zu bei manch anderen, …

… nicht meinen Körper ausreichend Kalorien zuzuführen. Dabei trinke ich bestimmt schon vier, fünf Bier … in der Woche. Somit verdünnisiert sich mein einziges Speckröllchen auf Bauchnabelhöhe zusehens. Wie schön, ich sollte Corona dankbar sein. Mein Hausarzt rät mir deshalb ich solle weniger laufen und mehr essen. Der Traum eines jeden Couchpotato, er soll mir jetzt die Rettung bringen. Dabei bin ich gerade wieder in meinem normalen Laufrhythmus drin und toure so meine gut 50 km die Woche. Das werde ich mir auch nicht nehmen lassen.

Was mich also das Gewicht genau kostet, weiß ich nicht wirklich. Mein Ruhepuls (seine Sieben-Tage-Inzidenz liegt zwischen 35 und 41) spricht ja eigentlich nicht für einen hohen Streßlevel. Allerdings sprechen permanenter Druck auf Kopf und Ohren und ein gestörtes Schlafverhalten eine andere Sprache. Ich schlafe mit belastenden Gedanken ein, wenn ich wach werde, weil ich auf die Toilette muß, sind sie bei mir und beim Aufstehen sowieso gleich wieder. Ich habe irgendwann einmal irgendwo gelesen, dass das Gehirn den Energieverbrauch einer 25 Watt-Glühbirne hat. Zehrt also mein Hirn den Körper langsam aus? Keine Ahnung 😦

Ich sehe mich mit meiner Depression inzwischen, in Gesellschaft von vielen tausend anderen Betroffenen auch, als Kollateralschaden dieses ganzes Corona-Aktionismus unserer Politik. Von den ganzen Wirtschaftszweigen, die in die Grütze gefahren werden, und den daran hängenden Schicksalen ganz zu schweigen. Dafür sitzen heute wieder unsere Health-Angels (Mutti und die 16 Zwerge) zusammen um den Lockdown zu verlängern und uns mit weiteren idiotischen Maßnahmen (die Maskenpflicht fehlte bislang ja auch noch auf Parkplätzen und vor Geschäftseingängen, wo wir uns ja bislang in Massen infiziert haben) in den Wahnsinn zu treiben. Diese gütige Fürsorge unserer Landesväter und -mütter, die uns von ihnen mit besorgten Minen und mahnenden und warnenden Worten vorgetragen wird, macht mich so aggro, dass ich oder sie froh sein können, dass ich ihnen nicht persönlich begegne.

Gestern kondoliert der Landrat vom Kreis Vechta via Zeitung den Angehörigen eines im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorbenen 92-jährigen, während ein gleichaltriger Nichtinfizierter oder Abertausende zum Teil erheblich jüngere, an Krebs, Schlaganfall, Herzinfarkt oder sonst etwas versterbende Menschen ohne die salbungsvollen Worte der Politikprominenz den Löffel abgeben dürfen. In welch verlogene Doppelmoral verkommt unser Land durch diese Coronahysterie? Wenn Menschen durch Krankenhauskeime sterben (deren Resistenzen durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung immer größer werden) oder durch den Einsatz von Glyphosat oder sonstigen Chemiedreck (deren Verlängerung der Erlaubnis zum Einsatz unsere Politiker freimütig abnicken) an Krebs verrecken, interessiert das unsere Politikgutmenschen einen Scheißdreck. Um den Klimawandel, kann man sich in dieser „größten Krise nach dem Krieg“ natürlich auch erstmal nicht weiter richtig kümmern. Gegen dessen Folgen für unser aller Leben ist Corona ein absolutes Nichts, nicht einmal ein Fliegenschiß an der Wand!

Da kann ich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen könnte (was meinem Gewicht wiederum noch abträglicher wäre) und schon gar nicht so viel rennen, wie ich müßte um diese Wut und Verzweifelung aus mir herauszubekommen. Und das Volk befürwortet den ganzen Mist, geifert teilweise sogar nach noch schärferen Maßnahmen und kauft Klopapier bis zum Abwinken, bei soviel zum Himmel schreiender Dummheit kann man wirklich nur noch den Verstand verlieren.

Nach diesem Winter werden wir unser Land nicht wiedererkennen. Zwar werden von den 83 Millionen Menschen in unserem Land dann noch immer 83 Millionen übrig sein, diese sind dann aber zutiefst gespalten. Ganz abgesehen von den zu befürchtenden verheerden Auswirkungen auf Gastronomie, Hotelerie, Veranstaltungswesen, Einzelhandel, Schulen, Kultur und vielen Bereichen, nicht zuletzt unserer Staatsfinanzen, mehr. Aber Hauptsache das Gesundheitswesen (dessen (personellen) Zustand übrigens auch die Politik zu verantworten hat) und auch das allerletzte Menschenleben sind schlank durch diese Krise gekommen. Ihr mögt jetzt diesen Blog von dem durchgeknallten Deichläufer von Eurer Linkliste löschen, aber das mußte jetzt einmal raus.

Zur Versöhnung gibt es allerdings noch ein paar Impressionen von meinem gestrigen Lauf, der war nämlich wunderschön 🙂

Es kommt darauf an

Bevor ich zu meinem eigentlichen Thema komme, eines kurz vorweg: Ich durfte mich bei einem meiner Läufe in dieser Woche doch tatsächlich als Schafschubser betätigen. Erstmals während meiner jahrelangen Rennerei an der Hunte sah ich ein Schaf ganz für sich alleine auf dem Rücken liegen. Von dem vorherigen Deichschäfer wußte ich, dass Schafe es in der Regel nicht schaffen sich aus dieser Position selber wieder aufzurichten und im schlimmsten Fall daran verenden können. Somit gab ich mittels eines beherzten Schubser den Anstoß, dass sich das Tier wieder auf die Beine stellen und im eiligen Lauf zurück zu seiner inzwischen schon um einiges entfernten Herde traben konnte. Offensichtlich hätte es die Rolle zurück auf die Beine wirklich nicht ohne Hilfe geschafft.

Aber nun zum dem Thema, dem ich mich heute widmen möchte und das mal wenig mit Laufen zu tun hat. Catrina hatte Anfang der Woche u. a. Laufsocken zum Thema und als Antwort auf meinen Kommentar bei ihr, drängte sich Catrina folgende Fragestellung auf:

„Ich weiss gar nicht, wie ist es eigentlich im nicht-laufenden Leben? Im Sommer denke ich, dass du barfuss oder in Sandalen unterwegs bist, aber wie ist es wohl im Winter? Ich werde dich dies bei deinem nächsten Post mal fragen – wenn ich deine Bilder sehe, wird es mir schon wieder in den Sinn kommen“

Nun komme ich Deiner Frage einfach zuvor und mache sie zum Aufhänger für diesen Post, liebe Catrina 😎

Tja, wie ist denn nun das Leben eines Barfüßers im Winter? Ganz ehrlich, so ganz genau kann ich das noch gar nicht beantworten, weil die letzten beiden Winter hier im Norden ja gar keine richtigen Winter mit viel Frost und Eis und Schnee gewesen sind und ich jetzt gerade erst in meinen dritten kompletten Barfuß-Winter gehe.

Vom Grundsatz her würde ich sagen, dass Barfußgehen, so lange es nicht Stein und Bein friert, weniger von der absoluten Temperatur als von der Witterung abhängt. So kann man z. B. bei trockenem und kaltem Wetter, gepaart mit etwas Sonnenschein (den der Untergrund auch im Winter immer noch leicht aufnimmt) noch ganz gut barfuß unterwegs sein, während bei gleicher oder sogar etwas höherer Temperatur feuchtes oder nasses bzw. nasskaltes Wetter dem Barfußsein schnell seine Grenzen aufzeigt. Bei den beiden vergangenen Wintern hat es dann aber eigentlich schon gereicht, die Füße vom direkten Kontakt mit dem Untergrund zu entkoppeln, sprich ich habe dann lediglich meine dünnen Laufsandalen getragen. So ließ es sich z. B. im letzten Jahr mit diesen Sandalen auch stundenlang auf Weihnachtsmärkten aushalten, Doris kann das bestätigen 😀

Ansonsten macht bekanntlich die Dosis das Gift und als grobe Faustregel sage ich mal, dass ich dann Sandalen oder auch Schuhe brauche, wenn ich auch Handschuhe brauche. Also wenn ich im Winter länger draußen bin und mich auch nicht viel oder nur langsam bewege. Hingegen braucht es auch bei Frost keine Schuhe, wenn ich z. B. die Mülltonne an die Straße bringe, bei Einkaufen vom Auto zum Supermarkt-Eingang gehe usw. Unser ehemaliger Controller hatte morgens einmal fast die Fassung verloren als ich über den Parkplatz zum Hintereingang vom Bürogebäude barfuß durch frisch gefallenen, trockenen Schnee gegangen bin (was übrigens herrlich gewesen ist) 😀 Und auch Scheibenfreikratzen geht noch barfuß, solange die Temperaturen nicht extrem kalt sind, also ich dabei auch keine Handschuhe trage:

Genauso wie längere Spaziergänge z. B. im März 2018 auf Sylt, sofern man etwas in Bewegung bleibt, und da war es wirklich schattig 🙂 :

Es geht also recht viel barfuß, zumindestens in klimagewandelten, norddeutschen Durchschnittswintern, und wenn alle Stricke reißen, wie z. B. bei einem ekelig-naßkalten Schneematsch-Lauf im Dezember 2017 …

… habe ich auch noch ein ganzes Arsenal an Barfußschuhen fürs Laufen und für den Alltag. Die habe ich mir alle einmal zugelegt, weil ich ursprünglich nie die Absicht hatte, zum kompletten Barfüßer zu mutieren.

Nun bin ich es fast vollständig geworden und genieße es seither in vollen Zügen mit gesunden, kräftigen und nahezu immer wohlig warmen Füßen. Darüber schreibe ich übrigens gelegentlich auch in einem eigenen Blog, der auch in meiner Linkliste am rechten Rand auftaucht.

Und sonst so?

Seit Ende September läuft es bei mir wieder mit dem Laufen. Das ich darüber sehr glücklich bin, kann sich wohl jeder denken. Das gibt mir aber einmal die Gelegenheit kurz über meine Befindlichkeit im Allgemeinen zu schreiben. Meine ja etwas angeschlagene Psyche erlebte und erlebt eine wilde Achterbahnfahrt, ist doch das Thema, das mich triggert, präsenter denn je. Die meisten Politiker und die meisten Medien schüren nach wie vor Angst und Hysterie und von der Maskenpflicht werden wir wohl auf absehbare Zeit nicht wegkommen. Im Gegenteil, sie verbreitet sich schneller als das Virus selbst und hat jetzt auch noch das Bürogebäude, in dem ich arbeite, befallen. Mein Psychotherapeut müht sich redlich und ich habe mir jüngst eine neue Strategie überlegt: Ich gebe nach all den Monaten meine innere Verweigerungshaltung gegen die Maske auf, weil ich mir nur selbst damit schade und trage sie seit neuestem ganz brav (naja, so halbwegs wenigstens 😛 ). Motto Nr. 1 dazu: Lächle, Du kannst sie nicht alle töten, Motto Nr. 2: Der Klügere gibt nach, Motto Nr. 3: Alles kommt zu dem, der warten kann. Irgendwann wird es ja ein Leben nach der Maske geben, auch wenn wir darauf vielleicht bis zum Alterstod von Herrn Söder warten müssen 😆 Drückt mir die Daumen, dass diese Strategie erfolgreich sein wird. Es würde mir und meiner Umwelt sehr helfen! 🙂

Eine schwere Aufgabe für mich, aber daran arbeite ich:

Das das Laufen wieder läuft hat natürlich einen großen Einfluß auf mein psychisches und auch auf mein körperliches Wohlbefinden und ich zelebriere laufend den Herbst, meine liebste Jahreszeit. So freue ich mich an morgendlichen Nebelschwaden und tauglänzenden Wiesen in meinem Laufrevier.

Ich genieße den herbstlichen Sonnenschein, während mir der Deich im Rücken den kalten Nordost-Wind vom Leibe hält 🙂

Ich freue mich über das noch satte Grün und über das was da auf und neben den Wegen noch so alles grünt und blüht.

Der Gedanke wieder unbeschwert laufen zu können und überhaupt zumindestens körperlich gesund zu sein, zusammen mit dem Natur erleben, dass läßt mich schon dankbar sein. Trotzdem muß ich noch ein Zeitlang mit meiner Krise in dieser Krise leben. Immerhin geht es mir inzwischen erheblich besser als zum Tiefpunkt Mitte Juni. Zwar wird sich die Achterbahnfahrt noch weiter fortsetzen, aber immerhin komme ich auch schon ohne Medikamente aus und so hoffe ich für mich, dass ein Ende meiner Krise und für uns alle, daß ein Ende der großen Krise möglichst bald in Sicht kommt.

Motivation

Sylt ist Geschichte. Trotz corona- und gesundheitlich bedingter Einschränkungen war es sehr schön. Leider war ich eigentlich fast die ganzen 14 Tage dort etwas kränklich, so dass sich das Laufen auf lediglich zwei Läufe gleich zu Beginn beschränkte.

Zwar geht es mir inzwischen wieder gut und auch der Ruhepuls, der in den letzten Wochen teils exorbitant hoch gewesen ist, zeigt jetzt schon gelegentlich wieder Werte in den 40iger an, aber die Motivation war irgendwie restlos im Keller.

Montag fuhr ich dann weiter um noch einige Tage in Berlin zu verbringen und auch hier genoß ich die wunderbaren Spätsommertage lieber relaxend als laufend. Bis mich am Dienstag eine E-Mail erreichte. Forbi, ein im Norden Berlins lebender Blogbekannter über meinen Barfuß-Blog fragte an, wann ich das nächste Mal in Berlin bin. Er würde gerne geocachend eine Runde über das Tempelhofer Feld drehen. Tja, nun bin ich ja schon da und ruckzuck sind wir gestern gemeinsam losgetrabt um die von Forbi anvisierten Geocaching-Punkte zu suchen.

Ich hatte bis dato von Geocaching keinerlei Ahnung und bin einfach mal mitgetrabt. Das man dazu sogar auf Bäume klettern muß um an das Objekt der Begierde zu kommen, war mir erstrecht nicht bekannt und ich war fassungslos als Forbi auf eine Filmdose in einem Baum in fünf bis sechs Meter Höhe wies.

Wir rumpelten einen Müllcontainer heran, damit Forbi an den ersten tragfähigen Ast gelangen konnte und dann wieselte er wie ein Eichhörnchen den Baum hinauf, gelangte an die Filmdose und war wenige Momente später wieder zurück.

Ich stand nur bauklotzestaunend unter dem Baum, wie Forbi da barfuß durch den Baum wuselte, hab ich doch schon Höhenangst, wenn ich nur auf einen Stuhl steige 😀

Darum war ich auch nicht unfroh, als er wohlbehalten wieder unten angekommen war 😀

Das nächste Geocaching-Versteck befand sich erfreulicher Weise auf nur 1,80 m Höhe. Kaum waren von Forbi die entsprechenden Notizen gemacht, wurden wir von einem Läufer angesprochen, der sehr an unsere Barfußlauferei interessiert war. Bestimmt 10 min unterhielten wir uns mit ihm und in der Zeit lief noch ein anderer Läufer in Barfußlaufsandalen an uns vorbei.

Nach Ende des Gesprächs umkurvten wir noch das Tempelhofer Feld in der inzwischen recht weit vorgeschrittenen Dämmerung.

Auf dem Rückweg durchquerten wir einen schon recht dunklen Park, Forbi leuchtete mit seinem Smartphone und fischte fast nebenbei noch ein drittes Geocaching-Ziel ab.

Dann war es das, nach 7,5 km auf meiner Garmin und 8,4 km nach Forbis Aufzeichnungen beendeten wir den Lauf. Für mich war die Anfrage von Forbi eine gute Motivation wieder loszulaufen und Länge und Pausen paßten sehr gut für einen ersten Neustart.

Da waren zur Feier des Laufs und der erreichten drei von vier Geocoaching-Zielen Pizza und Bier mehr als redlich verdient 😀

Das war ein coole Sache und ich freue mich sehr Forbi persönlich kennengelernt zu haben.

Ich könnte wenn ich wollte

… in diesem Jahr sogar noch einen offiziellen Lauf bestreiten, will ich aber nicht. Anfang der Woche bekam ich eine E-Mail vom Orga-Team des Köhlbrandbrückenlaufs. Dieser darf am 03.10. unter Einhaltung des üblichen Corona-Blablablas stattfinden. In diesem Fall heißt das u. a. auch, dass in erheblich kleineren Startblöcken à 200 Läufer gestartet werden muß. Damit wäre auch meine gebuchte Startzeit aller Wahrscheinlichkeit nach hinfällig, geschweige denn von dem ganzen anderen Corona-Gedöns vor, während und nach dem Lauf. Nein danke, das macht in diesem Jahr einfach keinen Sinn, geschweige denn Spaß. Ebenso ausschlaggebendes Argument gegen eine Teilnahme ist aber meine mangelnde Fitness. So habe ich von dem Angebot der Veranstalter Gebrauch gemacht, den Startplatz eins zu eins auf das Jahr 2021 umzuschreiben. Neues Jahr neues Glück also.

Auf Sylt habe ich die Lauferei erst einmal wieder eingestellt. Zwar ist das abwechselnde Frieren und Schwitzen vorbei, der Appetit wieder da und im Groben und Ganzen fühle ich mich schon wunderbar, allerdings ist da noch mein Ruhepuls, der immer noch im Minimum doppelt so hoch liegt wie normal. Also mache ich einfach mal Urlaub wie 99.9 % aller anderen hier auch Urlaub machen: Schlafen, im Strandkorb sitzen, lesen, spazierengehen, essen. Wobei essen nur „zuhause“ stattfindet, Restaurants und Cafes machen auf der für September immer noch sehr vollen Insel unter Coronabedingungen keinen Spaß (Fort Knox zu betreten dürfte gegenüber den meisten Speieslokalitäten hier ein Spaziergang sein) und die Schlange heute morgen vorm einzigen Bäcker des Ortes war, ohne Übertreibung, über 50 Meter lang! 😯 Ich hätte sie fotografieren sollen! Da tun`s dann auch Aufbackbrötchen 😀

Das klingt jetzt irgendwie alles negativer als es ist. Das Wetter paßt, es windet teilweise ordentlich, die Brandung rauscht. Bei der Umrundung der Südspitze der Insel gedenke ich traditonell meiner beiden Onkel, die hier seebestattet wurden. Die Füße im Wasser, der Blick auf den blanken Hans gerichtet, schöner kann man sich dieser beiden Schlitzohren nicht erinnern 🙂 Wir gucken dem Treiben am Hafen zu, gucken hier, gucken da 😀

Und mal nebenbei für alle, die denken, ich kann nur Flachland. Da sach noch einer das is flach 😆 :

Apropos, wer die Südspitze Sylts laufend umrunden will, sollte dies nicht unbedingt bei Hochwasser tun. Ok, die Schuhe und Socken (so man sie denn benötigt 😉 ) kann man eben ausziehen, aber eine falsche Welle und die Funktionsfaser wäre mit ihrem Feuchtigkeitstransport nach außen doch geringfügig überfordert. Die beiden hatten aber noch einmal Glück 😉

Humor ist also wenn man trotzdem lacht, Prost!

Besser barfuß als Hartz IV

Knapp fünf Wochen Blogpause, die längste seit Beginn meiner Schreiberei hier vor neun Jahren, sollen jetzt zu Ende gehen. Vorab möchte ich ein kurzes Statement zu meiner Befindlichkeit abgeben:

Es geht mir inzwischen um einiges besser, aber noch nicht wirklich wieder richtig gut. Dessen bin ich mir bewußt und ich stelle mich darauf ein, dass es auch noch einige Wochen bis Monate dauert bis das wieder der Fall sein wird. Ich nehme zur psychischen Stabilisierung ein Medikament und beginne morgen eine ambulante Therapie. Nach fünf Wochen Krankschreibung werde ich wohl aller Voraussicht nach kommenden Montag wieder arbeiten gehen. Dies erzähle ich, weil ich von meiner psychischen Erkrankung kein Tabuthema machen möchte. Aus einem Beinbruch, einer Blinddarmentzündung oder einer chronischen Bronchitis macht man ja schließlich auch kein Geheimnis. Zusätzlich wird in Kürze einem chronischen Husten auf den Grund gegangen und die Fersen-Geschichte ist ja auch noch immer da. Nach knapp drei Wochen Laufpause habe ich diese ohne jegliche Besserung abgebrochen. Ich laufe wieder und daneben physiotherapiere ich nicht nur meine Ferse, sondern den ganzen Bewegungsapparat. Mein Dank für gute Tipps geht an Lizzy und an meinen Physio. Zwar ist der Erfolg noch mässig, aber ich merke schon Verbesserungen. Läuferisch bewege ich mich jetzt schon wieder grob geschätzt auf Dreiviertel meines normalen Niveaus, was ich schon nicht schlecht finde. Allein zu meiner Person gibt es also noch ein paar Baustellen.

Bedingt durch die Ferse und den „Kopf“ macht das Laufen vielfach noch nicht uneingeschränkt Freude, aber das Wissen um den physischen und den psychischen Effekt treibt mich nach draußen. Da mir dabei das reine Barfußlaufen am besten bekommt, laufe ich bis auf wenige Ausnahmen ausnahmslos barfuß. Feststellen darf ich zur Zeit, dass ich nahezu nicht in der Lage bin halbwegs flott zu laufen. Mein Tempo dümpelt augenblicklich bei gerade mal 6:45 bis knapp unter sieben rum, dabei fühle ich mich so als würde ich mein sonst übliches Tempo laufen. An die 6:00 bis 6:15 heranzukommen bedeutet für mich ungewohnte Anstrengung zu der ich augenblicklich keine Lust habe, also laß ich es. Positiver Effekt: Ich kann zur Zeit fast alle Untergründe barfußlaufen, mit denen ich mich sonst schwer getan habe. Grober Asphalt und Rollsplitabschnitte haben ihren Schrecken verlorgen. Ist doch auch schon einmal was.

Als ich nach der Laufpause wieder angefangen bin, bin ich mit dem Fahrrad zur meiner Lieblings- und barfußfreundlichsten Huntestrecke geradelt und da ein paar wenige Kilometer rumgetrabt.

Ohne Fahrradanreise ging es des öfteren zur Huntebrücke und dort rauf und runter. Mal mit und …

… mal ohne Heukunstwerke.

Einmal misslang es mir zwischen zwei Gewittern durchzulaufen und während in Oldenburg etliche Straßen absoffen, verkrümelte ich mich hoch unter die Huntebrücke um überhaupt trocken bleiben zu können. Obwohl das Regenradar recht harmlos aussah, erwischte ich das schwerste Unwetter seit langem. Zum Glück hat der Spuk nicht sehr lange gedauert.

Ein weiteres Mal begleitete ich Jens zu einem beruflichen Termin nach Emden und während er arbeitete, durfte ich bei einem Läufchen feststellen welch schöne Seiten diese Stadt hat. Dieser Tripp endete anschließendmit einem maskenfreien und somit entspannten Einkaufen im niederländischen Winschoten.

Meine Krankschreibung ermöglichte mir auch acht Tage in Berlin zu verbringen, die ich sehr zur Entspannung nutzen konnte und bald wird ein frisch aufgearbeiteter, antiker Esstisch meine Wohnung zieren. Auch in Berlin setzte sich die Unempflindklichkeit meiner Fußsohlen fort und ich trabte erstmals kilometerlang direkt über die rauen Startbahnen des Tempelhofer Feldes, statt daneben auf dem Rasen zu laufen.

Wieder zuhause gelang es mir sogar einen Wettlauf gegen die „Opal“ zu gewinnen. Sie war aber auch so freundlich, mich schon mit einer sagenhaften Pace von 6:15 davonziehenzulassen. Zwei Tage später übermittelte ich dann einem Baseler Flußkreuzfahrtschiff Grüße in die Schweiz 🙂

Schließen möchte ich für heute mit einer kleinen Anekdote: Während ich vor drei Tagen an einer Ampelkreuzung auf Grün wartete, stand neben mir einer mit Fahrrad, Arm voll tättowiert und Kippe in der Hand. Da kam jemand mit einem Six-Pack Bier auf der Schulter vorbeigelaufen. Offensichtlich hatte er schon mehr Bier intus als auf der Schulter und rief so etwas wie: „Höhhh, barfuß hehehe“. Mit einem missbilligenden Blick in seine Richtung äußerte mein Fahrradnachbar „Besser barfuß als Hartz IV“. Als die Ampel grün wurde, verabschiedete er sich mit „Schönen Abend noch, Kumpel“ Ich bedankte mich mit einem Dito und staunte nicht schlecht, ehrlich gesagt hätte ich ihn selber auch in diesem Milieu verortet, so kann man sich offensichtlich täuschen.

So viel also erst einmal zur Lage im Deichläuferland. Ich freue mich wieder zurück zu sein!

Notbremse

Dem ein oder anderen dürfte es vielleicht schon aufgefallen sein. Mir geht es zur Zeit nicht sonderlich gut und ich spüre, dass ich psychisch abgleite. Dabei beschäftigen mich mehrere Baustellen und ich bin inzwischen wohl auch ein ganz eigenes Opfer von Corona geworden. Dieser ganze Wahnsinn macht mich krank, wie aus dem Vorpost unschwer zu erkennen ist.

Dieser Vorpost ist auch ein Warnsignal für mich meinen Blog hier nicht zu versemmeln und statt Lauf- und Lebensfreude nur noch Frustration und Ohnmacht zum Ausdruck zu bringen.

Deshalb werde ich mich jetzt hier eine Zeit lang zurückziehen, bis ich mich wieder etwas gesammelt und stabilisiert habe, um Euch dann wieder auf gewohnte Weise mit Berichten und Bildern vom platten Land und baren Füßen auf den Keks gehen zu können 🙂

Haltet die Ohren steif und bleibt gesund.

Die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank

Es geht mal wieder um mein Lieblingsthema, die Maskenpflicht. In der heutigen Ausgabe der Oldenburger Nordwest-Zeitung wurde folgender Artikel veröffentlicht:

„Niedersachsen hält zusammen“ gestartet

In diesem Artikel heißt es u. a.: „Die Bevölkerung müsse sich darauf einstellen, noch rund ein Jahr lang Rücksicht zu nehmen sowie an Abstandsregeln und der Maskenpflicht festzuhalten, um andere zu schützen“ Geäußert von Ministerpräsident Weil. Mich macht dieser Irrsinn so aggro, dass ich mich zu einem Schreiben an unser liebes Bundesland habe hinreißen lassen:

Protest

Die sind doch wirklich nicht mehr ganz dicht 😦 Ich weiß einfach nicht wohin mit meiner Wut.

Ja, in einer Textzeile sind Fehler drin, so what.