Ausnahmezustand

… an diesem Wochenende mal wieder im Hause Deko-Stührmann/Deichläufer. Der Frühling wollte präsentiert werden und da ließ sich das Wetter natürlich auch nicht lumpen 😀

Schau(d)erhaft kalt war es am Samstag und am Vormittag graupelte und schneite es vor sich hin. Zum Beginn unserer Ausstellung wurde es dann aber zum Glück trocken und so konnten Freunde, Familie und Kollegen trockenen Fußes unser Heim entern um sich doch einwenig frühlingsinspirieren zu lassen.

Ein paar Impressionen auch hier. Außen:

Und drinnen:

Sprüche:

Das Laufen steht an diesem Wochenende logischer Weise zurück. Am Sonntagmorgen gelang vor dem Frühstück aber immerhin ein überraschend zügiger Lauf über gute 10 km zu den Bornhorster Seen. Strahlend sonnig war es, aber auch a…kalt. Trotzdem sah ich am Kleinen Bornhorster See wie gerade eine junge Frau den Fluten entstieg, brrrrr.

Abgemeldet

Heute kurz einmal ein Thema abseits vom Laufen: Irgendwann hätten wir ungefähr zu dieser Zeit Silberhochzeit feiern können, meine Hautkrankheit am Kopf und ich. Grob vor einem Vierteljahrhundert merkte ich eine kleine Stelle am Hinterkopf und vermutete einen Pickel. Der ging aber nicht weg und nach und nach breitete sich die Stelle immer mehr aus. Der Hautarzt diagnostizierte eine chronische Haarwurzelentzündung (für die Mediziner unter Euch: eine Folliculitis decalvans), die sich nur schwer behandeln läßt. Diese Diagnose wurde 1996 auch noch einmal von der Dermatologie des Klinikums Oldenburg bestätigt, wo ich fortan in Behandlung war.

Allerdings war das mit der Behandlung so eine Sache, denn die Krankheit ist selten und die Erforschung von Medikamenten lohnt sich für die Pharmafirmen nicht. Die Menge der weißen Kortisoncreme, die ich über die Jahre bis zu dreimal täglich aufgetragen hatte, hätte wohl auch gereicht um mein Wohnzimmer damit zu streichen. In den Hochphasen der Entzündung schaffte sie es kaum Ruhe in die Kopfhaut zu bekommen, genauso wenig wie die schwersten Akne-Medikamente, die es auf dem Markt gibt. Wie ein Flächenbrand breitete sich die Krankheit aus, näßte, verkrustete und blutete. Immer unterbrochen von kürzeren ruhigeren Phasen. Zum Glück war sie aber selten schmerzhaft.

Je kürzer ich die Haare trug, umso gezielter konnte ich offensichtlich die Kortisonsalbe einsetzen, je erfolgreicher war die Behandlung und ich brauchte sie nicht mehr so oft auftragen. In den letzten Jahren konnte ich dann wechselweise auch eine andere Salbe verwenden. Schlußendliche reichte dann sogar diese andere Salbe (Elidel).

Seit über zwei Jahren -meiner geneigten Leserschaft dürfte es nicht entgangen sein- rasiere ich mir die Haare ganz ab. Anfänglich war ich sehr skeptisch, ob dies meiner Hautkrankheit bekommen würde, mache ich doch ein tägliche Naßrasur. Mit Argusaugen behielt ich sie deshalb im Blick und durfte zu meiner Überraschung erleben, wie sie Monat um Monat, Woche um Woche besser wurde. Den Einsatz von Elidel reduzierte ich auf einmal am Tag und wenn ich es mal vergessen hatte, war es auch nicht schlimm. Jetzt nehme ich sie, nach Absprache mit meiner Dermatologin, gar nicht mehr. Zwei Monate ist das her und es ist nach wie vor alles ruhig. Das ungefähr Handteller große Gebiet bleibt zwar sichtbar, aber das liegt ja auch in der Natur der Sache, weil die Vernarbungen bleiben, ebenso wie Stellen wo die Haare wegen der Krankheit ausgefallen sind. Es ist allerdings keine Entzündung mehr zu sehen. Unglaublich, nach 25 Jahren verschwindet diese Krankheit, ohne das sie jemals adäquat behandelt werden konnte, wie sie gekommen ist!

91302101

Irgendwie mag ich dem Frieden immer noch nicht so richtig trauen. Aber mit jedem Tag länger Ruhe an der Front freue ich mich ein kleines bisschen mehr, dass ich diesen ewigen Entzündungsherd los bin 🙂

Da seien die letzten beiden Läufe mal nur am Rande und der Vollständigkeit halber erwähnt. 10,2 und 5,8 Barfußkilometer, mit einer Pace mit endlich mal wieder einer 5 vor dem Komma, bei naßkaltem, windigem Wetter (Bilder von gestern abend).

links Bethlehem rechts

Nanu? Ist die etappenlaufende Truppe auf ihrem Weg in die Niederlande etwa vom selbigen abgekommen? Dazu mehr im weiteren Verlauf.

Etappe 4 am gestrigen Sonntag auf unserem Winterlauf ins niederländische Bourtange. Ich muß zugeben, angesichts der Wettervorhersage hatte ich schwer mit meinem Schicksal gehadert 🙂 Täglich änderten sich die Vorhersagen für diesen Sonntag. Mal 11°, mal 6°, mal Sturm bis Stärke 10, dann nur wieder ein laues Lüftchen. Die einzige Konstante in der Vorhersage war Regen, viel Regen. Schon wieder Regen und das nachdem wir doch schon auf der dritten Etappe regelrecht abgesoffen waren.

Aber wie das so ist mit der Gruppendynamik, ich wollte da nicht das Mädchen sein, das kneift. Außerdem hätte es mir in der Seele wehgetan, wenn ich nur wegen son bisschen Wetter eine Etappe verpaßt hätte. Und so stand ich mit fünf weiteren wackeren Gesellinnen und Gesellen, die da waren Antje, Antje, Sylke, Ralf und Stephan, am Start im emsländischen Nirgendwo. Tja, und was soll ich sagen? Dieser Wagemut, sich den Elementen zu stellen, wurde belohnt. Wirklich absolut pünktlich zum Start hörte es auf zu regnen und es blieb immerhin bis Kilometer 11 trocken. Sensationell!

Somit bildeten die zahlreichen Pfützen auf den Wegen vorerst das einzige Naß, garniert mit allerlei Gezweig, das der Sturm vom Vortag von den Bäumen geschüttelt hatte. Um die Sehne auf dem linken Spann zu schonen, lief ich ausnahmsweise nicht in den FiveFingers sondern in meinen Merrell Vapor Glove, dazu das erste Mal nach geschätzt 10 Monaten mit Laufsocken. Beides sollte noch reichlich Gelegenheit bekommen sich restlos vollzusaugen.

Eine ganze Zeit lang liefen wir am Auto-Testgelände entlang, wo die noch so arg geheimen automobilen Offenbarungen der Zukunft ihre Runden drehen. Selbst am Sonntag hört man sie fahren. Zu sehen ist hinter Wällen und Wäldern aber nichts. Auch zwei Brücken, die über das Testgelände führen sind blickdicht abgeschottet. Zuvor versperrte uns ein völlig sinnfrei auf einem Weg rumstehendes Tor den Durchmarsch und wir mußten uns durchs Unterholz schlagen um es zu umgehen.

Nach einer kurzen Teatime wurde es dann aber doch wieder so richtig naß und kurz darauf bogen wir zuerst in ein kleines Wäldchen ab und dann ins Moor. Hier jubilierten nur noch unsere Gore-Tex-Schuhträger über trockene Füße, während mein minimales Schuhwerk sich mit ungefähr soviel Wasser füllte wie die Titanic bei ihrem Untergang und auch die Kamera war einfach nicht mehr trocken zu halten. Richtig krass war ein über drei Kilometer langes Wegstück am Rande des Moores, das eigentlich komplett nur aus Torf bestand. Mit jedem Schritt sank man mächtig in den Untergrund ein und Füße und Waden wurden ordentlich sprapaziert.

Aber nachdem uns das Moor wohlbehalten wieder ausgespuckt hatte, war es auch schon nicht mehr weit zum Zielort Neulehe. Der Regen hatte wieder aufgehört und wir konnten auf den letzten der gut 23 km vor dem Klamottenwechsel noch etwas abtrocknen.

10.02.19 36

Als wir dann in die Autos gesprungen waren um ins nahe Papenburg zum obligatorischen Torteessen zu fahren, fing es dann erneut an zu schütten. Kurz vor Erreichen des symphatischen Cafés mit dem schönen Namen Stövchen zeigte das Navi an: links Bethlehem rechts. Zu unserer Beruhigung durften wir aber feststellen, dass wir immer noch in Papenburg waren und das Navi auch keine Links-Rechts-Schwäche hatte. Lediglich die Straße hieß Bethlehem und da einige Straßen in Papenburg mittig von einem Kanal geteilt werden, gibt es zum Straßennamen die Zusatzbezeichnung links oder rechts. So galt es nach links auf die rechte Seite der Straße Bethlehem abzubiegen. Ist doch ganz einfach oder? 😆

Auf jeden Fall waren Torten und Kuchen extrem lecker und ich mußte erkennen, dass ich mit meinen zwei Stücken inzwischen nicht mehr alleine bin. Meinen Vorsprung mit drei Stücken wieder herzustellen ist mir allerdings nicht gelungen 😯 😀

Im Café wurde über den Termin für die Schlußetappe beratschlagt. Am avisierten ersten Sonntag im März können leider viele von uns nicht und somit wird der letzte Teil unseres Winteretappenlauf erst mitten im Frühling am Karfreitag stattfinden. Ob dann vielleicht mal die Sonne scheint?

 

 

Kindliche Ungeduld

Nachwuchs im Minimalschuhstall des Hauses Deichläufer! Auch wenn sich aus der ganzen Schuhschar inzwischen die FiveFingers als absolule Favoriten herauskristallisiert haben, wird es Zeit die nächste Evolutionsstufe zwischen FiveFingers und Barfuß zu zünden. Zwischen Wenig und Nichts paßt noch Sehr wenig und das sind in diesem speziellen Fall Lauf-Sandalen.  Bislang fand ich es völlig abwegig in diesen minimalen Sandalen laufen zu können. Mit diesem Flipflop-Steg zwischen den Zehen verband mein geistiges Auge ein Kreissägenblatt, dass sich zwischen dem großen Zeh und seinem Nachbarn in den Fuß fräst. Ob aber so ein Fußmassaker stattfindet oder nicht, läßt sich nur durch Versuch herausfinden.

Die passende Schlappe für diesen Versuch zu finden gestaltete sich dabei als gar nicht so einfach. Die recht bekannten Lunas in Deutschland bzw. Europa in meiner Größe zu finden, ist mir leider nicht gelungen. Drum fiel meine Wahl auf die in Deutschland in Handarbeit hergestellten Chalas. Das Laufmodell hört dabei auf den sperrigen Namen Chala Evo 4.O XRD. Dieser Name könnte auch für einen SUV eines Premium-Automobilherstellers stehen und der Preis von knapp 100 € hat auch Ähnlichkeit damit 😯 Viel Geld für eine Sohle mit ein paar Strapseln dran, …

29.01.19 00

… aber wir Läufer sind ja dafür bekannt, dass bei Goodies für unseren Sport der rationale Verstand gerne mal aussetzt 😆 Und schließlich sind sie ja auch Handarbeit 🙂

Und verwandelt sich der Steg nun in eine Kreissäge? Nein, tut er nicht. Wobei der Steg auch nur ein Bändsel ist. Heute bin ich gut 10 km mit den Dingern gelaufen und gestern schon einmal 5,5 km bei Nässe (siehe unten). Am linken Fuß lief alles zu 100 % problemlos, am rechten machte sich besagtes Bändsel aber schon bemerkbar und zum Ende der heutigen 10 km war die Haut ganz leicht angekratzt. Da muß ich in Bezug auf lockeren aber auch festen Sitz noch etwas experimentieren. Ansonsten laufen sich die Dinger sehr unauffällig. Näher an barfuß ist dann wirklich nur noch barfuß.

Der Schutz der Fußsohle ist mit den Laufsandalen aber sehr effektiv. Der Vorteil der Laufsandalen wird für mich in erster Linie sein, dass ich sie bei einem Barfußlauf problemlos mitführen und bei Bedarf ruckzuck anziehen kann.

Apropos Anziehen: Gestern kamen die Chalas an und ich war so heiß darauf die gleich einmal auszuprobieren, dass ich in kindlicher Ungeduld schnell noch nach Feierabend eine Runde mit ihnen gelaufen bin. Dabei hatte ich stumpfdumm ignoriert, dass just zum Laufstart ein Schneeregen-/Schneeschauer aufzog. Einhergehend mit ekelig kaltem Nordwind sank die Temperatur rasend schnell gen Null und die kurzen Tight zusammen mit barfuß in Sandalen wurden dann doch eine arg erfrischende Herausforderung. Aber so konnten die Chalas gleich unter Beweis stellen, dass sie auch dem nassen Fuß als solchem und auch auf rutschigen Untergrund sehr guten Halt bieten.

Aber nicht nur der Kälte wegen waren die ersten 5,5 km in den neuen Laufsandalen genug. Nässe, barfuß und noch nie getragene Sandalen hätten auf längerer Strecke sicher die Haut geschreddert. So aber war alles gut gegangen und nur die Beine zeigten, dass man nicht nur von Sonnenbrand knallrote Haut bekommen kann 😆

Muskelkater

Eineinhalb freie Feiertags-Wochen nahezu ohne Sonne, nur trüb und grau. Das muß erst einmal aushalten können 🙂 Die läuferische Bewegung halte ich im Augenblick auch etwas gedeckelt, einem hartnäckigen Husten zur Liebe. Was also anfangen mit der vielen freien Zeit?

Da kam mir in den Sinn, dass ich doch im März diesen Jahres auf Sylt aus einer Laune ein Puzzle vom Hörnumer Leuchtturm gekauft hatte. Gepuzzelt habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr. So habe ich gestern mal spontan die Puzzleteile auf dem Fußboden ausgebreitet und bin seitdem mit Begeisterung dabei, das Bild zusammenzufrickeln. Ich konnte ja nicht ahnen, dass das Rumgerutsche auf dem Boden für einen alten Mann in den Fünfzigern offensichtlich eine erhebliche Anstrengung bedeutet, die sich heute in Form eines ausgewachsenen Muskelkaters in beiden A….backen, pardon im Allerwertesten ausdrückt 😆

Aber egal, frei nach dem Motto: Der Schmerz geht, der Stolz Spaß bleibt, puzzle ich fleißig weiter, bis das Meisterwerk vollendet ist 😎

Sonderkonjunktur

Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit erlebt mein Blog eine kleine Sonderkonjunktur. Jedes Jahr zur festlichen Zeit kämpfen die Menschen offensichtlich mit den guten Tagen und besinnen sich dann googelnder Weise des Goethe zugeschreibenen Zitats „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen“ und landen auf einem Blogbeitrag von mir vom 01.01.2012. Somit ist dieser Blogbeitrag tatsächlich der mit den meisten Klicks ever und wird es wohl auch bleiben, weil wie gesagt: Alle Jahre wieder … Witzig 😀

Damit für mich die Reihe von guten Tagen leichter zu ertragen ist, bin ich am Heiligabend noch eine ausführliche Runde gelaufen. Und zwar ohne Begleitung, mit einer Beleidigung und einem netten Gespräch. Ohne Begleitung, weil mein traditioneller Weihnachtslaufpartner Heimo erkältungsbedingt absagen mußte. Mit einer Beleidung, weil mich eine entgegenkommende Fahrradfahrerin aufgrund meiner Barfußigkeit als bescheuert bezeichnete. Ich rief ihr daraufhin Frohe Weihnachten hinterher, allerdings ergänzt um eine unflätige Bemerkungen. Es hat mich schon geärgert mich beleidigen lassen zu müssen, aber im weiteren Laufverlauf tat mir die Frau fast schon wieder leid. Wie armselig muß man sein, am Heiligabend Leute zu beleidigen, nur weil sie irgendwie anders sind.

Dafür war wenig später ein Gespräch mit einem Liegeradfahrer umso netter. So fand er z. B. meine Tattoos toll und mußte mir auch unbedingt seine zeigen, wozu er die Hosenbeine hochzog und auf der linken Wade u. a. ein „Links“ und auf der rechten Wade u. a. eine „Rechts“ zum Vorschein kam. Damit war die Welt dann für mich auch wieder in Ordnung und …

…. 17 nicht komplett barfüße Kilometer später war ich wieder zuhause und bereit fürs Fest 🙂

Heute holte ich mir den Appetit für das letzte dicke Weihnachtsessen bei einem Vormittagslauf. Zeitlich bedingt zwar nur knapp acht Kilometer, aber immerhin. Dabei begleitete mich auf dem kurzen Trip zum Großen Bornhorster See und zurück eine ruhige, nebelige Wetterlage .

Mit diesen beiden Läufen waren und sind die Weihnachtstage für mich gut zu ertragen. Ich hoffe, dass es Euch ähnlich geht und wenn nicht landet er eventuell über den Umweg Goethe auch auf meinem Blog 😆

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

Ich war wieder einmal für ein langes Wochenende in meiner Lieblingsstadt Berlin um mir erstmalig den weihnachtlichen Lichterglanz einer Metropole anzuschauen, wozu sich u. a. auch eine Fahrt mit dem Doppeldeckerlinienbus anbietet. Das hat schon Spaß gemacht, auch wenn Berlin-Mitte sonst nicht unbedingt so meins ist 🙂

Am Freitagnachmittag war ich auf dem Weihnachtsmarkt unter der Gedächtniskirche, wo es für diese Zeit erstaunlich beschaulich zuging. Statt Gedränge viel Platz zum Bummeln und Schauen. Und bei all der kulinarischen Angebotsvielfalt konnte ich doch bei einer Sache nicht wiederstehen, wenn auch „Knacker“ statt Kochwurst und Pinkel ein echter Kulturfrevel sind 🙂

Auch über das Lichterschauen hinaus war mein Programm dicht gefüllt. Nachbarn und Freunde besuchen, ins Nachtleben abtauchen, in der Schöneberger Apostel-Paulus-Kirche dem Weihnachtsoratorium lauschen und noch einiges mehr, da blieb das Laufen tatsächlich mal auf der Strecke.

Schweren Herzens bin ich gestern abend wieder aus Berlin abgereist und habe heute erst einmal das Laufen nachgeholt. Hinein in die Weiten der Bornhorster Huntewiesen, den Blick auf Unendlich stellen, den Graugänsen zusehen und zuhören, Ruhe genießen.

Welch ein Kontrastprogramm. Ich mag beides und möchte beides nicht missen. In Berlin lebe ich immer richtig auf und genieße es mich durch diese große Stadt treiben zu lassen, in der ich mich mehr und mehr zuhause fühle. Oldenburg hingegen ist die Konstante, mit der Rückhalt gebenden Partnerschaft und Familie, dem Job, dem problemlosen Laufen in der Natur und mit dem weiten, norddeutschen Umland, das ich so sehr liebe.

So gesehen wohnen zwei Seelen in meiner Brust und sie können dort auch in friedlicher Eintracht nachbarschaftlich neben einander leben, denn kann ich beides haben. Was für ein Glück und so bleibt der Titel auch das einzige, was mich mit Goethes Faust verbindet 🙂

500

Kurz vor Toresschluß des Jahres 2018 habe ich gestern für eben dieses Jahr 500 Barfußkilometer vollgemacht. Das entspricht einem guten Viertel meiner bisherigen Gesamtjahreslaufleistung. Ich denke das ist schon ein bisschen was.

Aber was habe ich eigentlich von dieser Barfußlauferei? Ganz ehrlich? So richtig weiß ich das gar nicht. Während ich bei der generellen Umstellung auf minimalistisches Schuhwerk/Barfußschuhe von der Richtigung meines Tuns absolut überzeugt bin, weiß ich nicht genau, welchen „Mehrwert“ es für mich hat, gänzlich barfuß durch die Gegend zu traben.

Deshalb versuche ich mich mal in einer + / – Aufzählung zu diesem Thema:

Pluspunkte sind:

  • Spaß
  • intensives Fußtraining
  • intensives Erleben des Untergrundes
  • intensives Erleben der Witterung und der Jahreszeit
  • die nahezu lautlose Fortbewegung
  • das automatische Laufen auf dem Vor- bzw. Mittelfuß
  • die Reaktionen der Mitmenschen

Negativpunkte sind:

  • keinen Spaß: man muß schon manchmal etwas masochistisch veranlagt sein, da manche Untergründe nicht gerade die Fußsohlenschmeichler sind
  • dadurch kommt es zu einer generellen Einschränkung bei der Streckenauswahl
  • man schraddelt sich auch schon mal einen Zeh auf
  • die Reaktionen der Mitmenschen

Zu den Reaktionen der Mitmenschen: In der überwiegenden Mehrheit sind die Reaktionen positiv, freundlich und interessiert. Wenn es paßt, lasse ich mich auch gerne auf Gespräche ein. Die negativen Reaktionen halten sich in Grenzen, bleiben aber ja meistens etwas intensiver im Bewußtein. Geistreiche Bemerkungen, wie erst gestern von einem Radfahrer „Sie laufen ja barfuß“ *Ach was*, bis hin zu intensiven Blicken auf die Füße mit anschließendem demonstrativen Weggucken sind je nach Tagesverfassung belustigend bis nervig.

Seit dem ich barfuß unterwegs bin, laufe ich häufiger kürzere Strecken. Dafür kommt es im Gegensatz zu „früher“ öfters vor, dass ich auch mal vier oder fünf Tage hintereinander weg laufe. Dadurch komme ich, gerade im letzten Vierteljahr, summa summarum auf mehr Kilometer als ich sonst gelaufen bin.

Heute war ich auch wieder barfuß unterwegs. Die gewählte Strecke fasste dabei die Vor- und Nachteile der Barfußrennerei wunderbar zusammen. Zuerst bin ich auf glattem Asphalt etwas eingelaufen um die Fußsohlen quasi etwas anzuwärmen, bevor es dann auf die knapp drei Kilometer lange Gerade direkt hinterm Deich ging. Diese Gerade besteht aus alten, verwitterten und ausgewaschenen Betonplatten. Die sind per se schon rau, was aber noch unangenehmer ist, ist dass man die losen Steinchen darauf meistens nicht erkennt und die können schonmal richtig Aua machen. Da sinkt das Tempo von ganz alleine auf GA1 😀

Die Stellen an den Deichdurchlässen sind asphaltiert, aber frag nicht nach Sonnenschein. Gegen so einen Schrott sind die Betonplatten noch flauschig wie Frottee-Handtücher 🙂

Aber die Belohung folgte unterm nächsten Deich, ein Weg wie Watte, wenn man in der Mitte auf dem Gras läuft 😀12.12.18 05

Danach folgten noch weitere drei Kilometer auf neuerem, glattem Asphalt. Guter Asphalt läßt sich wirklich prima laufen und setzt eigentlich keine Kilometergrenzen. Meistens sind die guten Asphaltwege nur einfach nicht so lang, wie man gerne laufen würde. Dieser heutige Lauf ist also einfach mal so ein Beispiel. In der Regel laufe ich aber auf geschmeidigeren Wegen 🙂

Quo vadis? Wohin läufst du deines Barfußweges, Deichläufer? Diese Frage zu beantworten ist mir mit meinem bisherigen Erfahrungsstand noch zu früh. Sie wird sich vielleicht in Zukunft damit beantworten, ob es mir gelingt meine liebste 14 km-Standardrunde von der Haustür weg routinemäßig mit Spaß und ohne großes Mimimi zu laufen. Noch sind mir da Teile der Wegebeschaffenheit zu schlecht. Sollte sich die Toleranz der Füße diesbezüglich noch erhöhen, könnte die Barfußlauferei wirklich Alltag werden. Wenn nicht, wird sie sicher trotzdem ein Teil meiner Lauferei bleiben. Wenn ich auch wirklich nicht sagen kann warum … 🙂

Himmlischer Suchscheinwerfer

03.12.18 01

Welch himmliche Macht war denn da heute am Werke? Oder waren es gar Außerirdische auf der Suche nach Intelligenz auf dieser Erde?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Da werden sich die fremden Mächte mit dem Fündigwerden aber schwer tun, wenn man betrachtet, was die Menschheit gerade welt- und umweltpolitisch so treibt.

Oder galt die Suche etwa einem doch ganz und gar harmlosen, unverdächtigen Deichläufer? „Beam me up, Scotty“ ❓  Zu fassen hat mich der Lichtstrahl auf jeden Fall nicht bekommen. Ich hoffe doch, dass das auch ganz gut so ist. Möchte ich doch trotz all der Probleme auf dieser Welt hier gerne noch etwas rumlaufen 🙂