Friesoythe

Gestern verschlug es mich wieder einmal in das knapp 40 km von Oldenburg entfernte Friesoythe. In dieser Kleinstadt bin ich geboren und aufgewachsen und habe dort bis vor 20 Jahren gelebt. Hier ist auch mein früh verstorbener Vater beerdigt und es stand Grabpflege an. Nach deren Erledigung habe ich meine Mutter zu ihrer Freundin auf die alte Nachbarschaft gebracht und endlich einmal in die Tat umgesetzt, was ich schon lange einmal wollte: Mir laufend noch einmal die Gegend erschließen, wo ich als Kind und Jugendlicher rumgestromert bin.

Ich habe zu Friesoythe ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Zum einem habe ich die Kindheit auf dem Land (Wir haben knapp hinter dem Ortsschild gewohnt) in guter Erinnerung, zum anderen bin an dieser extrem katholischen Kleinstadt im Oldenburger Münsterland fast erstickt. Trotzdem bin ich meinen Eltern zur Liebe und auch mangels anderer Idee in der Stadt geblieben.

Direkter Nachbar zu der Freundin meiner Mutter ist der Betrieb, der meine Familie nach Friesoythe verschlagen hat. Hier hat meine Vater viele Jahre gearbeitet.

Auf der anderen Straßenseite stand das kleine Reihenhaus für die Meister des Betriebes, dort bin ich groß geworden.

Schornstein und Anbau gab es damals noch nicht. Rechts des Schornsteins lugt das Fenster meines späteren Zimmers.

Nach fünfhundert Metern befand ich mich auf dem ehemaligen Bahndamm der Bahnstrecke ins Saterland. Dieser wurde offensichtlich nach unserem Wegzug irgendwann einmal geteert und ich konnte aufs Barfußlaufen umsteigen. Vorbei an der ehemaligen Stammkneipe meines Vaters (die Wirtin war ein absolutes Original, so man denn ihren ausgesprochen derben Humor vertragen konnte), in der jetzt Flüchtlinge untergebracht sind, überquerte ich den alten Friesoyther Kanal. Unvorstellbar, dass auf diesem zum Rinnsal verkommenen Kanal früher einmal Schiffe getreidelt wurden. Wenig später bog ich auf einen Sandweg ab. Inzwischen steht Wald wo früher Moorflächen gewesen sind, wie sich doch so manches verändert. Hier befindet sich aber immer noch der Modellflugplatz, von dem auch Ultraleichtflugzeuge starten.

Weiter ging es zum Küstenkanal, wohin ich meinen alten Herrn oft zum Angeln begleitet hatte. Später habe ich mich dort auch viel mit meinem Schulfreund Christoph rumgetrieben. Zwei Kilometer lang ziehe ich die Sandalen wieder an, da der Sandweg mit Schottersteinen gespiekt ist. Dann bin ich wieder am Friesoyther Kanal, die parallel führende Straße ist inzwischen asphaltiert. Früher war sie gepflastert und ich kann mich noch gut an den Singsang der Autoreifen erinnern, wenn man Vater sie mit 100 km/h langgebrettert ist. Tempolimits waren zu der Zeit noch eine Seltenheit 😀 Zum Barfußlaufen kommt mir der Asphalt aber sehr entgegen.

Ich biege über die alte Zugbrücke ab, vorbei an dem Dachdeckerbetrieb, für den mein Vater am Samstag schwarzgearbeitet hatte. Von der Höhenfestigkeit meines alten Herrn habe ich so gar nichts abbekommen.

Ich komme am Bauernhof meines ersten Schulfreundes Uwe vorbei und nähere mich wieder meinem alten Zuhause und wieder der Zufall es so will, treffe ich die jetzigen Eigentümer unseres ehemaligen Reihenendhauses. Ruckzuck bin ich zu einer kleinen Besichtigung und ein Glas Wasser eingeladen. Ich staune über den nagelneuen Anbau und darüber, wie klein „unser“ Wohnzimmer und „unsere“ Küche doch sind. Irgendwie hatte ich das alles großzügiger in Erinnerung und ich schmunzel über die Dinge, die sich seitdem nicht verändert haben, die Türen, die Fliesen usw.

Rechts hinten haben wir gewohnt, das ganze rechte Fenster der Dachgaube gehörte zu meinem Kinderzimmer 😀

Hi

Nach dem Schnack und der Erfrischung lief ich weiter in die Stadt. Über die Soeste hinweg (die ist auch so schmal 😯 ), wo ich als Kind immer dem rauschenden Wasser zugeguckt habe, hin zu meiner alten Schule. Mehr als Realschule und anschließender Höhere Handelsschule ist es bei mir ja nicht geworden. Vorbei an der Sportstätte des Grauens (die Sporthalle, ich habe Schulsport ja gehaßt wie die Pest) lief weiter zu meiner ehemaligen Grundschule, die durch zahlreiche Anbauten kaum wiederzuerkennen ist. Es gab zwei Grundschulen in Friesoythe, die andere war nur für katholische Kinder. Zum Glück war die eh weiter weg.

Am Elternhaus meines Schulfreundes Christoph vorbei lief ich zu meiner Doppelhaushälfte, in die ich direkt aus meinem Elternhaus eingezogen bin. Nachdem mein Vater gestorben ist habe ich sie nach nur viereinhalb Jahren wieder verkauft um nach Oldenburg zu ziehen. Eine Nachbarin suchte damals ein Haus für ihre Eltern, die aus Düsseldorf zu ihr nach Friesoythe ziehen wollten. Es war die Zeit meines Coming Outs und heute weiß ich, dass sie mein Haus nicht gekauft hätten, wenn sie gewußt hätten, dass ich schwul bin. Dafür hängt heute links neben der Haustür so ein Marienhäuschen, mich gruselt es, wenn ich so etwas sehe.

Überhaupt war die fast ganze Straße froh (ich hatte ein recht alte Nachbarschaft), dass ich weggezogen bin, als bekannt wurde, dass ich schwul bin. Der Einladung zur Verabschiedung nach Oldenburg sind sie dann aber nahezu alle gefolgt und es war ein sehr schöner Abend. Vielleicht hat sich bei einigen von ihnen dadurch doch noch etwas geradegerückt.

Abschließend bin ich durch die Innenstadt zurück in die alte Nachbarschaft gelaufen.

Hier ist mir dann noch der vierzig Kilo schwere Jagdhund vom Schwiegersohn von Mutters Freundin auf den Fuß gestiegen 😆 Das macht er immer und bei jedem, sagte Arnold 😀

Nach 18 km beende ich den Erinnerungslauf mit gemischten Gefühlen. Bis auf einige wenige nette Nachbarn habe ich in dieser Stadt nichts zurückgelassen und bin froh, dass ich weg bin. An meine Kindheit habe ich aber nahezu durchweg gute Erinnerungen.

Immerhin sehr barfußfreundlich ist dieses gediegen gepflegte Städtchen und die Umgebung und ich war nur knapp drei Kilometer in Sandalen unterwegs.

Etwas ist neu!

Es besteht Hoffnung bei mir! Brachen bei mir bisher nach jeder Konferenz von Mutti Merkel und den 16 Landesfürsten und -fürstinnen Verzweifelung, Wut und Aggression aus, unter denen nicht zu letzt Ihr, meine werte Leserschaft, zu leiden hattet, war es heute morgen schallendes Gelächter, das sich bei mir Bahn brach.

Was die o. g. Garde da in stundenlangen Beratungen ausgebrütet hat, ist so harnebüchend, so kompliziert, so unübersichtlich und so regionalisiert, dass ich beim Durchlesen zum Ende schon nicht mehr wußte was oben gestanden hat. Wie man so einen Scheiß allen Ernstes unters Volk bringen will ist mir ein Rätsel. Ihr müst es Euch selber durchlesen, eine halbwegs schlüssige Zusammenfassung kann ich Euch hier leider nicht liefern. Wer da den Überblick behalten will, wer da Freigaben erteilen und das ganze überwachen und ggf. wieder zurücknehmen will und wie sich die Menschen vor Fehlverhalten schützen können, erschließt sich mir ebenso wenig. Die Damen und Herren sollten sich für diese Beschlüsse schämen. Wenn Mutti von einem „Konzept der Verlässlichkeit, ein Konzept des schrittweisen Vorgehens“ spricht, ist das ein Hohn, da sich noch immer alles an bestimmten Inzidenzen über einen bestimmten Zeitraum aufhängt, die unterschritten werden müssen und nicht wieder überschritten werden dürfen und somit überhaupt nichts fassbar ist.

Zugegeben mein schallendes Gelächter bleibt mir gleich wieder im Halse stecken, angesichts der Tatsache, dass unser aller Zusammenleben weiterhin eingeschränkt bleibt, die Öffnung von Sportstätten überhaupt nicht erkennbar geregelt ist und für weite Teile des Handels, der Gastronomie, der Kultur und und und weiterhin überhaupt nichts gewonnen ist.

Ich bin gespannt wie lange das noch gut geht bis das Pulverfaß in unserem Land explodiert.

Ich komme nicht umhin

… ich muß mich hier noch einmal zu Corona bzw. zur Coronapolitik äußern. Auch wenn jetzt einige wohl die Augen verdrehen. Ich nehme gerade die neuesten Beschlüsse von Mutti und den 16 Dumpfbacken zur Kenntnis.

Nun wird der Lockdown also bis zum 07.03. verlängert, genädigerweise dürfen die Friseure schon zum 01.03. öffnen und den Ländern bleibt es überlassen was sie mit Kitas und Grundschulen veranstalten.

Das es beim 07.03. nicht bleiben wird, ist aber jetzt schon sonnenklar, werden doch Lockerungen für den Einzelhandel und Museen und Galerien plötzlich von einer stabilen DEUTSCHLANDWEITEN Inzidenz von unter 35 abhängig gemacht. Das ist bis zu dem Termin doch vollkommen illusorisch. Geschweige denn, dass von Gastronomie und Hotelerie überhaupt nicht die Rede ist. Ganz nebenbei dürfen wir uns weiterhin nur mit einer Person außerhalb des eigenen Haushaltes treffen. Sport? Wer braucht denn so etwas? Weiterführende Schulen, überhaupt Jugendliche? Wen interessieren die denn?

Was sich dieses Politikerpack erdreistet ist absolut unfassbar, es gehört meiner Meinung nach inzwischen komplett vor Gericht gezehrt. Sie hat ein eklatantes Versagen beim Schutz von Altenheimen und Pflegeeinrichtungen und ein noch haarsträubenderes Versagen bei der Impferei zu verantworten, wobei unsere Kanzlerin natürlich überhaupt keine Fehler erkennen kann.

Kleine Lockdown-Historie gefällig?

Vor einem Jahr hieß es, der erste Lockdown könne nur beendet werden, wenn sich die Zahl der Infektionen nicht schneller als alle 10 Tage verdoppeln, kurz danach galten 14 Tage. In der Versenkung verschwunden. Dann kam der R-Wert von unter 1. In der Versenkung verschwunden. Dann kam der POLITISCH festgelegte Inzidenz-Wert von 50, der auch noch dem aktuell bis zum 14.02. dauernden Lockdown zu Grunde liegt. Jetzt heißt es plötzlich 35. Ach ja, alles natürlich nur wenn uns die Mutaten aus England und Südafrika nicht in die Parade fahren. Das alles unter dem Gesichtspunkt, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Dabei nur einmal nebenbei bemerkt, die Zahl der Covid-Intensivpatienten ist seit Anfang Januar um mehr als ein Drittel zurückgegangen, der Rückgang begann übrigens schon, bevor die Infektionszahlen zu sinken begannen.

Wenn diese Mutanten nicht das absolute Grauen bringen sollten und sich der Indiz irgendwann tatsächlich einmal bei 35 einpendeln sollte, werden wir wahrscheinlich die nächsten Mutanten aus Ostfriesland, dem Odenwald, aus Wanne-Eickel oder dem Kongo haben. Sollten die auch nicht eintreten, muß der Indiz halt bei -10 liegen.

WIR WERDEN VERARSCHT WO WIR DANEBEN STEHEN!

Nur mal ein paar wahllos aufgelistete Einzelheiten, ohne ansatzweise Anspruch auf Vollständigkeit:

41 % der Bremer Einzelhändler fürchten die Pleite, wenn der Lockdown über den Februar hinaus geht.

90 % der Corona-Toten in Schleswig-Holstein und 86 % in Hessen sterben in Alten- und Pflegeheimen. Das Durchschnittsalter der Coronatoten liegt mit 84 Jahren über der allgemeinen Lebenserwartung in Deutschland. Die die nicht sterben, vereinsamen, wegen Besuchsverboten, weil man es monatelang versäumt hat Besucher und Mitarbeiter dieser Einrichtungen mittels Schnelltests zu testen.

Unsere Politik handelt mit der Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken sogar gehen die Expertise ihres ach so hochgelobten Robert-Koch-Instituts. Ebenso tat sie dies schon bei der Schließung der Gastronomie vor knapp 4, in Worten VIER, Monaten.

Die Entwicklung eines Impfstoffs wurde mit aberwitzigen Milliardensummen gefördert. Die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung einer Covid-Erkrankung droht an mangelndem Geld zu scheitern oder verzögert sich dadurch zumindestens.

Und immer noch befürwortet angeblich eine große Mehrheit die Fortsetzung des Lockdowns. Ich möchte mal wissen wen die fragen. Den von der Pleite bedrohten Einzelhändler? Die Gastronomen, die ebenso vor dem Aus stehen? Alle Menschen, die quasi mit einem Berufsverbot belegt sind, wie Künstler, Kosmetiker, Beschäftigte der Veranstaltungs- und Messebranche usw. usw.? Millionen mit verminderten Einkommen kurzarbeitende Menschen? Überforderte Familien in prekären Wohnsituationen? Vereinsamende Menschen? Soziologen, Psychologen, Ökonomen, die alle als Experten nicht gehört werden?

Es ist etwas faul im Staate und stinkt gewaltig zum Himmel. Jeder Anflug von Hoffnung wird durch unsere Politiker zu Nichte gemacht. Sie redet davon uns Perspektiven zu geben und tut genau das Gegenteil. Mit jeder Verlängerung des Lockdowns verspielt und enttäuscht sie mehr Vertrauen. Wie lange soll dieser Irrsinn noch gehen? Wann platzt den Menschen der Kragen damit sie den Politikern endlich an den selbigen gehen?

Selbst unser renommierter ehemaliger Präsident des Verfassungsgerichts Papier beklagt, dass er sich nie hätte vorstellen können, wie weit unsere Grundrechte ohne Einschaltung der Parlamente eingeschränkt werden können. Ein Konstrukt wie es seit einem Jahr unser Leben bestimmt, ein Gremium aus Kanzlerin und Ministerpräsidenten, ist im Grundgesetz explizit nicht vorgesehen.

Die Justiz hat kaum Handlungsmöglichkeiten, weil sich die Verordnungen (von Gesetzen reden wir gar nicht erst) schneller ändern, als Richter und Rechtsanwälte handeln können.

Ich bin verzweifelt, wie eine Politikergarde, die nicht mal in der Lage ist die simpelsten Dinge, wie einen Nutri-Score für Lebensmittel durchzusetzen, und Millionen für Beraterverträge und eine angebliche Autobahnmaut in den Sand setzen, die sehenden Auges über Jahre unser Gesundheitssystem an die Wand fährt, unser Land in die Grütze reitet und dabei mit unglaublicher Arroganz meint uns mit einem minimalen Expertengremium richtig durch diese Pandemie zu führen. Ich bin verzweifelt, weil die Politik nicht ansatzweise bereit ist einen Plan B oder C zu verfolgen.

Ich bin verzweifelt, dass es kein Aufbegehren in der Bevölkerung gibt, dass anerkannte Experten mit anderer Meinung im höchsten Maße diskreditiert werden, dass Poltik und Medien seit einem Jahr unwidersprochen Angst und Schrecken verbreiten, dass sich niemand traut diese Politik anzuprangern, weil man immer noch sofort als Corona-Leugner und Covidiot abgestempelt wird.

Ich bin verzweifelt, weil ich schon ein Jahr lang massiv in meinem Leben eingeschränkt bin und einfach kein Ende absehbar ist.

Erinnerung

Gestern vor drei Jahren verstarb Hanno, selbstbewußt und selbstbestimmt im Kreise seiner engsten Freunde, zu denen ich gehören durfte.

https://deichlaeufer.wordpress.com/2017/07/22/hanno/

Drei Jahre, in denen ich so oft an ihn gedacht habe, so oft gerne mit ihm gesprochen, ihn etwas gefragt oder erzählt hätte und mir immer wieder vergegenwärtigen mußte, dass dies nicht mehr möglich ist. Zurückgeworfen auf die Jahre davor, die ich nicht missen möchte, insbesondere auf die letzten Lebensmonate, in der wir viel Zeit intensiv miteinander verbracht haben, nicht nur aber auch um alles vorzubereiten für die Gestaltung seines Abschiedes und die ersten Wochen danach.

Wie wichtig wäre mir gerade in dieser unsäglichen Zeit sein scharfer, analytischer Verstand. Wie oft würde ich gerade jetzt wissen wollen, was Hanno jetzt denken und sagen würde und muß manchmal sogar, seine Worte ahnend, schmunzeln.

Der Koffer in Berlin hat seinen festen Platz in der Wohnung, die seine war und nun schon über drei Jahre meine sein darf und in der ich mich jedesmal unendlich wohl fühle. Einige seiner Freunde in Berlin sind inzwischen zu meinen Freunden geworden.

Hanno hat mir vor und nach seinem Tod soviel gegeben, dass ich immer nur wieder sagen kann:

Danke, Hanno!

Was wollt ihr denn noch? Akzeptanz!

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Das ist das Motto des diesjährigen CSD Nordwest in Oldenburg. In einer Zeit, in der scheinbar alles erreicht wurde, erstarkt weltweit der Populismus und in Deutschland sitzt die AfD im Bundestag. Viele freiheitliche Errungenschaften sind auf einmal wieder in Gefahr und so dürfen wir uns nicht ausruhen und müssen weiter einstehen und Flagge zeigen für Akzeptanz und Gleichberechtigung in der Gesellschaft. Das gilt nicht nur in Bezug auf Homosexualität, aber dieses Thema liegt mir nun einmal besonders am Herzen.

Und nicht nur mir wie die Rekordbeteilung von über 16.000 Menschen am diesjährigen CSD zeigt. Mit 35 Gruppen und Wagen war die Demonstration so groß wie noch nie. So beteiligten sich u. a. die Oldenburger Schulen, die Kirchen und sogar die Christlich Demokratische Partei daran. Erstmalig war auch mein Arbeitgeber dabei. Das zeigt, dass die gesellschaftliche Bandbreite der Akezeptanz immer größer wird, dies gilt es zu bewahren, zu fördern und auszubauen.

Ich werde gar nicht weiter viele Worte verlieren sondern im Folgenden einige beeindruckende Impressionen von der Demonstration, die ein Zehntel der Oldenburger Bevölkerung auf die Beine gebracht hat, zeigen.

 

Was es u. a. zu sagen gilt:

 

Das Organisationsteam hat in diesem Jahr wieder Unglaubliches auf die Beine gestellt. Ihnen gebührt der Dank, dass die Demonstration und das große, vielfältige Programm drumherum zu einem alljährlich immer größeren Erfolg wird.

 

Dieser CSD war ein beeindruckendes  Zeugnis für eine offene Gesellschaft und gegen rückwärtsgewandte und rechtsgesinnte Strömungen. Mögen wir immer die Oberhand behalten!

Hanno

Ich nehme Abschied von einem der allerwichtigsten Menschen in meinem Leben

           Prof. Dr. Hanno Wupper

Nijmegen

Lieber Hanno,

Du warst ein Mensch, der immer bemüht war diese Welt zu einer besseren zu machen und wurdest nicht müde die Menschen zum Selbst- und zum Querdenken aufzufordern. Deine Kraft, Deine Ausdrucksstärke, Deine Klarheit, Dein absolut vielschichtiges Wissen, nicht zuletzt in preußischer Geschichte, das Du in einzigartiger Weise zu vermitteln wusstest, werden mir auf ewig in bester, wertvollster Erinnerung bleiben.

Du hast mir soviel gegeben und der, der ich heute bin, bin ich auch ein gutes Stück durch Dich. Der Dank dafür an Dich läßt sich nicht in Worte fassen. Ich kann Dir nur eines versprechen: Du behältst noch einen Koffer in Berlin!

Deine mentale Kraft und Dein Mut ließen Dich heute selbstbestimmt und in Würde gehen. Hanno, ich bin so tief traurig und zugleich unendlich dankbar.                             Du fehlst mir schon jetzt!

 

Ventil

Seit ca. 5 1/2 Jahren betreibe ich diesen Laufblog und er hat mir die wunderbare Möglichkeit gegeben, mich zum Thema Laufen mitzuteilen und auszutauschen. Ich möchte es nicht mehr missen!

Seit längeren geistert in meinem Kopf der Gedanke mich auch anderen Themen zu widmen. Deshalb habe ich mich spontan entschlossen, diesen Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzten.

Die Initialzündung kam mir dazu heute beim Frühstück und das Ergebnis ist nun hier zu finden.

Der erste Aufschlag ist keinem erfreulichen Thema gewidmet. Das soll aber defintiv nicht immer so sein. Obwohl der Blog wahrscheinlich insgesamt schon etwas ernsterer Natur sein wird. Und ob dieser Blog überhaupt ein Erfolg wird sei dahingestellt, da er sich nicht einem so griffigen und speziefischen Thema wie z. B. dem Laufen widmet sondern thematisch breit gestreut sein soll.

Ich möchte mir einfach ein Ventil dafür schaffen, Gedanken zu verschriftlichen, die mich umtreiben.

Deshalb nutze ich jetzt einfach ganz unverfroren die unglaublich große Bekanntheit meines Laufblogs um etwas Publicity für meinen neuen Blog DanksDenke zu machen :mrgreen:

Wer mag schaue also gerne mal rein.

 

Rausschmiss

Da ich zur Zeit mit etwas angezogener Handbremse laufe, tun sich auch mal wieder Zeitfenster für andere Themen auf.

Da drängt sich mir gerade ein E-Mail-Verkehr der letzten zwei Tage auf. Seit ca. 24 Jahren befinde ich mich in der Liste der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Seinerzeit hatte ich mal an einer Typisierungsaktion teilgenommen, als im Großraum Oldenburg zwei Mädchen an Blutkrebs erkrankt waren.

Der passende Spender war ich damals leider nicht, aber seitdem dümpel ich halt in dieser Datei vor mich hin und erhalte ab und zu mal mehr oder minder belanglose Post von der DKMS. Bis letzte Woche, da wurde mir ein längerer Fragebogen zugesandt, mit der Bitte durch das Ausfüllen an einer Matched-pair-Studie teilzunehmen.

Der Tenor war, dass meine Daten dem eines tatsächlichen Spenders recht ähnlich wären und man diesbezüglich eine Vergleichsstudie durchführen möchte.

Der Fragebogen glich einem gesundheitlichen Striptease, trotzdem entschied ich mich, der guten Sache wegen, an dieser Studie teilzunehmen. Schließlich glänzt man ja auch gerne mit Antworten, dass man nicht raucht und nicht trinkt und hält sich als Läufer ja sowieso für den Gesundheitsapostel schlechthin (von den Ernährungsgewohnheiten vielleicht mal abgesehen *hüstel*)

Allerdings hatten die Fragen natürlich auch viel mehr Tiefgang und so beantwortete ich auch, dass ich vor knapp 11 Jahren, eine Krankheit hatte, die einige Zeit später erkannt, durchaus ein böses Ende hätte nehmen können.

Im Begleitschreiben zu dem Fragenbogen wurde daraufhin gewiesen, dass es Rückfragen zum Fragebogen geben könnte und so war ich nur über die Schnelligkeit erstaunt, in der man via E-Mail zu dieser Krankheit noch einmal nachfragte. Dieser Nachfrage bin ich ebenso schnell nachgekommen und erhielt schon tags darauf  folgende Antwort:

dkms

Gegen die Entscheidung habe ich nichts einzuwenden, im Gegenteil, ein sorgsame Auswahl von Spendern ist für die betroffenen Patienten überlebenswichtig. Aber von der Matched-pair-Studie als solcher ist überhaupt nicht mehr die Rede und es keimt bei mir etwas der Verdacht auf, dass die Studie ein kleinwenig der Vorwand ist, um eine Dateibereinigung durchzuführen. Dieses habe ich der DKMS auch so mitgeteilt und angeregt, gewisse Gesundheitsparameter offen und ehrlich direkt bei den Mitgliedern abzufragen.

Ich finde die Arbeit der DKMS sehr wichtig und will das hier auch nicht als Generalkritik verstanden wissen, aber es ist, wie so vieles im Leben, in meinen Augen mal wieder eine Frage der Kommunikation.

Emotionen

Am Utkiek nichts neues, immer noch dunkel (der viertelstündige Tagesgewinn im Vergleich zur letzten Woche wurde durch den wolkenverhangenen Himmel wieder aufgezehrt) und wir waren nur zu zweit. Nichts berichtenswertes also.

Das ist ein willkommener Anlaß meine bislang recht stiefmütterliche Rubrik „Gedankenwelten – Themen abseits vom Laufen“ mal wieder zum Leben zu erwecken.

Christian griff vor ungefähr drei Wochen in einem Post das Thema Flüchtlinge auf. An diesem Punkt möchte ich heute anknüpfen.

Seit geraumer Zeit ist das Thema Flüchtlinge auch mein berufliches Thema. Konkreter gesagt das Thema Unterbringung. In meiner Heimatstadt ist es politischer Wille Flüchtlinge dezentral, sprich in Wohnungen und Häusern unterzubringen. Genau das ist mein Aufgabengebiet. Bis dato habe ich u. a. die gesamte vertragliche Abwicklungen entsprechender Anmietungen durchgeführt. Auf diesem Wege ist es gelungen Hunderten von Flüchtlingen eigenen Wohnraum zuweisen zu können.

Und das hat nur Vorteile:  Integration gelingt am besten, wenn sich die Flüchtlinge nicht an wenigen Punkten konzentrieren, die Flüchtlinge selber sind glücklich nach teilweise sehr langer Zeit einen eigenen Bereich mit Intimsphäre für sich zu haben und schlußendlich ist es sogar eine vergleichsweise „kostengünstige“ Unterbringung.

Allerdings ist diese Arbeit eine Sisyphusarbeit, an der ich mich (ja, ich muß das leider mal so sagen) nahezu totmalocht habe. Die Flüchtlingszahlen sind aber so dramatisch gestiegen, dass trotz all dieser Arbeit,  trotz all dieser Bemühungen eine dezentrale Untebringung aller nicht möglich ist und es leider absolut keine Alternative zu  Massenquartieren gibt.

Seit drei Wochen nun habe ich die Organisationseinheit gewechselt (freiwillig auf meine Bewerbung hin) und bin nun direkt für die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen zuständigt. Zu meinem Kollegen, den ich nun vestärke, und mir kommen tagtäglich Menschen und beantragen nach langer Flucht und teilweise monatelanger Unterbringung in Kasernen, Turnhallen und Zelten in einer Wohnung/in einem Haus untergebracht zu werden.

Wie schon erwähnt, ist der Bedarf leider erheblich größer als die Anzahl an zur Verfügung stehenden Wohnungen und Häusern. Und so gilt es jeden Tag Menschen teilweise wochen- und monatelang zu vertrösten, die sich Tag für Tag und Nacht für Nacht in Großunterkünften mit Hunderten von anderen Menschen arrangieren müssen.

Ich hatte am gestrigen Tag erstmals die Gelegenheit eine solche Unterkunft in einer großen Gewerbehalle zu besuchen. Dort leben Familien oder sich bis dato fremde Einzelpersonen in „Boxen“, in nur aus Pressspanplatten abgetrennten Verschlägen, deren Türen nur Vorhänge sind. Diese Boxen haben kein eigenes Licht, keine Steckdosen. Geht in der Halle das Licht aus, bleibt nur die Taschenlampe. Toiletten und Duschen befinden sich in Containern vor dieser Halle und sind mittlerweile glücklicher Weise über Spannplattenüberdachungen trockenen Fußes zu erreichen. Es sei denn, man hat nur noch Platz in dem zusätzlich aufgestellten Großzelt gefunden, die dürftigste aller Unterbringungsmöglichkeiten, dann führt der nächtliche Weg zur Toilette unter dem Sternenhimmel entlang oder durch den Regen oder durch den Schnee, je nach dem wie das Wetter gerade ist.

Die „Betten“ in den erwähnten Boxen bestehen aus Matratzen, die auf Paletten gelegt werden, weil es nicht mal mehr gelingt genügend Bettgestelle zu beschaffen. Inzwischen gehen sogar die Spinde aus. Und dies ist kein Unvermögen sondern schlicht und ergreifend erschöpften Kapazitäten geschuldet!

Wenn man das live sieht, dann kämpft man mit den Tränen. Das tut man um so mehr, wenn man erlebt, dass es einer einzigen engagierten Sozialarbeiterin gelingt unter über 240 Menschen ein friedliches Miteinander in Form einer Art Dorfgemeinschaft zu organisieren.

Das zu erleben, bestärkt mich in meinem Handeln. Jede Familie, jede Handvoll alleinreisender Männer oder Frauen, denen wir eigenen Wohnraum zuweisen können, sind ein Erfolg. Auch wenn wir oft genug die Schultern zucken müssen, in den Fällen wo wir diese Menschen aus den Notunterkünften und Aufnahmelagern herausnehmen können, erleben wir strahlende Gesichter, glänzende Augen und teilweise unglaubliche Dankbarkeit.

Da verliert die eigene Mühsal an Bedeutung, man fühlt sich bestärkt in dem was man tut und sammelt neue Kräfte.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit aber auch einmal darstellen, dass Flüchtlinge nichts anderes sind als ganz normale Menschen. Menschen mit Stärken und Schwächen. Menschen, die genauso dankbar und undankbar, genauso freundlich und unfreundlich, genauso anspruchsvoll und bescheiden, genauso liebswert und nervig sind, wie wir Deutschen, wie wir Europäer auch.

Es sind aber Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Terror geflohen sind. Die die Hoffnung auf ein Leben in Frieden in einer besseren Welt aus ihrer Heimat getrieben hat und nun vielfach in Notunterkünften gestrandet sind.

Die bereits erwähnte Sozialarbeiterin, die für ihr vertraglich befristetes Tun in meinen Augen das Bundesverdienstkreuz verdient hat,  deutete auf das Essen, das die Flüchtlinge bekommen (gutes, aber eben auch sehr deutsches Essen) und sagte: Da liegt das „Heimweh auf der Zunge“. Ein bezeichnender Satz. Niemand verläßt leichtfertig seine Heimat!

Wer nun glaubt, dass die Masse dieser Flüchtlinge, ihr Leben aufs Spiel setzend, um in nicht seetüchtigen Schlauchbooten, wohlwissend, dass sie nicht schwimmen können, oder in wochenlanger strapazöser Flucht zu Fuß mit Kind und Kegel Hunderte von Kilometern im Winter über den Balkon ziehend, nach Deutschland kommen, nur um Wohlstand und Reichtum einzukassieren, der irrt gewaltig!

Deutschland kann nicht die Probleme dieser Welt im eigenen Land lösen, aber einfach die Grenzen dichtmachen: Nein, das ist kein Alternative. Ich weiß wirklich nicht den Königsweg, aber laßt uns versuchen, den Menschen die hier sind menschlich zu begegnen. Die allergrößte Zahl von ihnen ist dankbar und hat es verdient.

 P.S.: Ich habe Bilder dieser Boxen in der Notunterkunft gemacht. Aber ich möchte diese nicht zeigen. Das Fernsehen ist schon zu voll von solchen Bildern,  die Worte müssen diesmal, bei diesem Thema als Ausdrucksmittel reichen.