1., 1., 1. und 3., 3., 3.

Der 1. Advent, der 1. Frost dieses Herbst/Winters, der 1. Barfußlauf mit einer Länge von über 23 Kilometern. Dieser heutige Sonntag hatte wahrlich ein paar Besonderheiten aufzuweisen. Spät in diesem Herbst lag heute morgen der erste Raureif auf Haus- und Autodächern und auch im Garten glitzerte es, wie man es sich für einen 1. Advent nur wünschen kann. Die Rosenblüten in unserem Garten haben den ersten Frost aber noch gut überstanden 🙂

Zur Mittagsstunde um Eins machte ich mich auf zu Schwiegermuttern nach Berne, um pünktlich zur Teatime da zu sein. Es war perfektes Laufwetter, das ich mir einfach nicht entgehen lassen und ausgiebig auskosten mochte. Klare Luft, Anfangs noch Sonne, so gut wie kein Wind und eine Temperatur von um die 3° C. Zum Start lief ich erst ein kurzes Stück in die entgegengesetzte Richtung gen Innenstadt, weil ich dieses Mal endlich einmal etwas vernünftig Strecke machen wollte 😎

Deshalb rollte ich die Huntestrecke von ihrem Anfang am Klärwerk an auf. Auf den Weg dorthin kam mir auf der anderen Straßenseite ein flotter Läufer entgegen, der mich mit Daumen hoch grüßte. Ich denke er bezog sich dabei auf mein Barfußlaufen 🙂 An der Hunte angekommen, herrschte reger Ausflugsverkehr, dem ich erst nach insgesamt gut neun Kilometern entkommen konnte, als ich auf die Offroad-Strecke abbog. Bis hierher schien, nur von einem schwachen Schauer unterbrochen, noch vielfach die Sonne. Dann zog es sich zu und schon gegen 15 Uhr hatte ich den Eindruck es würde bereits dämmern.

Knapp 10 km ging es über die grasbewachsenen Wege und zum Ende dieses Teilstücks hin wurden die Füße langsam etwas kalt. Speziell wenn das feuchte Gras so hochstand, dass es über die Fußrücken streifen konnte, kühlten die Füße doch etwas aus. Wie herrlich war es da, dass ich die letzten knapp fünf Kilometer wieder über trockenen Asphalt laufen konnte. Der Asphalt fühlte sich an, als würde er über eine Fußbodenheizung verfügen und so kam ich nach 23,6 km mit wohlig warmen Füßen bei meiner Schwiegermutter an.

23,6 km in knapp 3 Stunden bei 3 Grad, dass war ein wahrlich bislang außergewöhnlicher Barfuß-Lauf, der viel Spaß gemacht hat und ein genialer Abschluß für den November war. Morgen mache ich nämlich Pause 🙂

Mit fremden Federn

… schmückte sich der November in seinen ersten Tagen und machte voll einen auf goldener Oktober. Zwar waren die Temperaturen durchaus frisch, aber dafür lachte die Sonne von einem blankgeputzen Himmel. Das mußte ich am Wochenende natürlich laufend auskosten, wenn es auch aus Zeitmangel nur kurze Läufe waren.

Samstag:

Sonntag:

Am heutigen Tag war dann aber Schluß mit auf dicke Hose machen beim November. Während Oliver zwar gestern noch einmal frühlingshaftes Wetter (das wohl auch heute noch angehalten hat) in Dödeldorf genießen durfte und dabei ein paar Kilometer gesiebte Luft geatmet hatte, keimte bei meinem Lauf schon fast der Wunsch auf, die Luft durch so ein Schlabberlätzchen vor der Nase etwas vorzuwärmen. Naja, so schlimm war es dann doch bei weitem nicht, aber die Temperatur beim Lauf verfehlte knapp die 6° und dazu war es nebelig feucht mit leichtem, etwas unterkühltem Ostwind. Da durfte der Laufkleiderschrank schon mal wieder zeigen, was er so zu bieten hat und u. a. Handschuhe und Mütze waren mir hochwillkommen.

Die baren Füße vertrugen die Kühle allerdings klaglos über gute 20 km 😎 Der November kann also auch November, ob er auch Dezember kann? 🙄 Wegen meiner einer muß er das nicht unbedingt ausprobieren 😛

Rundmachen

Gelegentlich habe ich schon durchblicken lassen, dass der Herbst so richtig meine Jahreszeit ist, klimatisch und läuferisch. In diesem Oktober konnte ich, nach den nicht so prickelnden Monaten August und September, wieder so richtig loslaufen und trotz recht wechselhaftem Wetter war der Oktober für mich deshalb ein richtig goldener.

Am heutigen letzten Tag des Monats wollte ich eigentlich nicht mehr laufen gehen, war ich doch schon die letzten vier Tage hintereinander gelaufen. Aber ein Blick in meine Laufstatistik zeigte mir, dass ich da heute noch eine Sache rund machen könnte. Also machte ich mich heute vormittag doch noch einmal auf. Vorsichtshalber nahm ich für die geplante Strecke meine Laufsandalen im Rucksack mit, wußte ich doch nicht genau, was und in welchen Mengen die herbstlichen Bäume so alles auf die Bürgersteige haben purzeln lassen. Gebraucht habe ich sie nicht. Gut so, ging es heute doch noch um dieses „Rundmachen“ 🙂

Ein Stück Stadt, ein Stück Huntestrecke, ein Stück Bornhorst und zurück in meinen Ortteil Ohmstede waren heute der Kurs und zum Ende des Laufs läutete mir sogar die Ohmsteder Kirche. Naja, eigentlich war es ja das Geläut zum Reformationstags-Gottesdienst, aber irgendwie war es doch schön sich einzubilden, dass die Kirche für mich läutete, …

… weil ich mit diesem Lauf diese eine Sache rundgemacht habe 😀

Und was ist da denn nun noch rund geworden, am letzten Oktobertag? 200 Barfußkilometer in einem Monat sind da noch rund geworden. Genauer gesagt sogar ziemlich unrunde 204,1 Barfußmonatskilometer, soviel wie noch nie ❗ 😀 Es hat lediglich zwei Läufe gegeben, bei denen Sandalen im Spiel waren und diese erhöhten das Monatsergebnis schlußendlich sogar auf knapp 226 Kilometer.

Ganz schön viel nach fersenschmerz und infektbedingten, kilometermäßig mauen Vormonaten. Da regierte wohl gleich wieder etwas die männliche Unvernunft. Aber wo kein Schmerz mehr ist, kann auch gelaufen werden und Schmerzen sind da keine mehr, unglaublich nach der langen Zeit. Aber morgen und übermorgen wird jetzt regeneriert 🙂 Das habe ich mir auch verdient 😎

Kleine Unannehmlichkeiten

… lassen sich auch beim Laufen nicht immer ganz vermeiden. So ist z. B. bei meinem 28-km-Lauf vermutlich im Gellener Moor ein kleiner, mieser Mitreisender aufgesprungen. Im Bereich der Kniekehle hatte ich ihn erst zwei Tage später entdeckt und ich hoffe mal, er hat keinen weiteren Schaden angerichtet hat.

Die Smartphone-Kamera kann schon gewaltig vergrößern

Diesem unangenehmen Schleimtier mit seiner interessanten Streckenwahl konnte ich allerdings ausweichen:

In erster Linie unangenehm für die Natur ist, dass diese Mistdinger jetzt wirklich überall herumliegen und das Tempotaschentuch als bislang häufigstes Müllstück schon nahezu abgelöst haben.

Die nächste kleine Unannehmlichkeit habe ich mir wieder mal selber eingebrockt. An einem Regentag habe ich schusseligerweise meine Regenjacke nicht eingepackt, bzw. ich hatte überhaupt keine Laufjacke eingepackt und bin deshalb mit meiner Alltagssweetshirtjacke gelaufen. Bei Nässe und kaltem Wind wirklich suboptimal :-/ Der Lauf war aber trotzdem wunderbar 🙂

Die vorerst letzte Unanehmlichkeit war, dass ich mir erstmalig eine kleine Scherbe eingetreten hatte. Wo? Natürlich im össeligen Berlin, auf dem Weg zum Tempelhofer Feld 😛 Das Ding war so klein, dass ich es in der Fußsohle beim ersten Hinschauen gar nicht gleich gesehen habe, störte aber so sehr, dass ich es doch orten und dann herauspröckeln mußte, dabei habe ich sogar geblutet wie Sau, also so ein oder zwei Tropfen vielleicht 😆 Erstaunlich, aber die Scherbe war wirklich die erste ihrer Art in einer meiner Fußsohlen in den knapp vier Jahren, in denen ich barfuß laufe und meinen Alltag bestreite. Eine vertretbare Quote denke ich mal.

Der Lauf in Berlin bei feinstem Wetter war aber die Wucht.

Auffälliges Schuhwerk und auffälliges Nichtschuhwerk, dit is Berlin! 😆 :

Allen Unannehmlichkeiten ist allerdings gleich, dass sie a) nicht sonderlich häufig sind und b) die Lauffreude glückerlicherweise nicht sonderlich hemmen. Also packen mers weiterhin 😎

Der Längste

Ich hatte heute Zeit und ich hatte heute Bock, das Wetter war wunderbar, heiter, fast windstill ❗ und um die 11, 12 ° warm. Da habe ich mich heute zum späten Vormittag aufgemacht zu einem etwas längeren Lauf und nach ewigen Zeiten schreibe ich hier einfach mal wieder einen Post über einen nahezu stinknormalen Longjog.

Auf ging es ein kurzes Stück durch Oldenburg, dann meine klassische Huntestrecke entlang bis zu meiner Lieblingsbank, dort rechts ab über den schönen grasbewachsenen Weg und weiter Richtung Gellen.

Die ersten gut 12 km waren geschmeidige Barfußstrecke, dann folgten allerdings schlechter Asphalt, noch schlechterer Betonweg, Eicheln übersäter Naturweg und Schotter. Für dieses Gerumpel kamen noch langer Zeit mal wieder die Luna Venados zum Einsatz.

Im Gellener Moor erwartete mich, bis auf zwei junge Mädels mit ihren Hunden, Einsamkeit pur. Vorher warf ich noch ein Blick auf eine imposante Dekoration zu einem männlichen 25. Geburtstag. Ich möchte nicht wissen, wer diese Flaschen mit diesem entsetzlichen Gesöff alle geleert hat, ich hoffe nicht der junge Mann alleine 🙂

Zum Gellener Moor gibt es einen größeren Bildercontainer, ich liebe dieses Fleckchen Erde. Allerdings habe ich noch nie gesehen, dass die Moorteiche großteils mit hohem Gras zugewachsen waren. Und ob der imposante Pfotenabdruck wohl der von einem Wolf war? 😯

Nach dem Moor lief ich Richtung Großer und Kleiner Bornhorster See. Im Kleinen Bornhorster See mußte ich mich natürlich wieder etwas erfrischen. Ich fand das Wasser auch noch recht angenehm und ich hatte sogar ein Handtuch dabei … Ach nein, ich beließ es doch lieber beim Fußabkühlen 🙂

Nach dem Fußbad folgte nur noch die Schlußetappe über die A 29, vorbei am Mini-Wäldchen und über den Damm der alten Braker Bahn.

Zu guter Letzt gurkte ich noch etwas durch die Siedlung und machte damit die 28 km voll. Damit war dieser Lauf tatsächlich der längste Lauf in diesem gesamten Jahr. Lediglich im Januar war ich mit etwas über 26 km ähnlich weit gelaufen. Das Verhältnis barfuß zur Sandale betrug heute 16,2 zu 11,8 km und die Pace lag bei 6:34. Das war aber nur die Geschwindigkeit in Bewegung, insgesamt habe ich mir für den Lauf nämlich exakt vier Stunden Zeit gelassen. Zum Laufen, Bilder machen, genießen und im Wasser rumdaddeln. Schließlich wollte ich reisen und nicht rasen, schon gar nicht, wenn man diese Strecken so gar nicht mehr gewöhnt ist 😎

Und sonst so?

Seit Ende September läuft es bei mir wieder mit dem Laufen. Das ich darüber sehr glücklich bin, kann sich wohl jeder denken. Das gibt mir aber einmal die Gelegenheit kurz über meine Befindlichkeit im Allgemeinen zu schreiben. Meine ja etwas angeschlagene Psyche erlebte und erlebt eine wilde Achterbahnfahrt, ist doch das Thema, das mich triggert, präsenter denn je. Die meisten Politiker und die meisten Medien schüren nach wie vor Angst und Hysterie und von der Maskenpflicht werden wir wohl auf absehbare Zeit nicht wegkommen. Im Gegenteil, sie verbreitet sich schneller als das Virus selbst und hat jetzt auch noch das Bürogebäude, in dem ich arbeite, befallen. Mein Psychotherapeut müht sich redlich und ich habe mir jüngst eine neue Strategie überlegt: Ich gebe nach all den Monaten meine innere Verweigerungshaltung gegen die Maske auf, weil ich mir nur selbst damit schade und trage sie seit neuestem ganz brav (naja, so halbwegs wenigstens 😛 ). Motto Nr. 1 dazu: Lächle, Du kannst sie nicht alle töten, Motto Nr. 2: Der Klügere gibt nach, Motto Nr. 3: Alles kommt zu dem, der warten kann. Irgendwann wird es ja ein Leben nach der Maske geben, auch wenn wir darauf vielleicht bis zum Alterstod von Herrn Söder warten müssen 😆 Drückt mir die Daumen, dass diese Strategie erfolgreich sein wird. Es würde mir und meiner Umwelt sehr helfen! 🙂

Eine schwere Aufgabe für mich, aber daran arbeite ich:

Das das Laufen wieder läuft hat natürlich einen großen Einfluß auf mein psychisches und auch auf mein körperliches Wohlbefinden und ich zelebriere laufend den Herbst, meine liebste Jahreszeit. So freue ich mich an morgendlichen Nebelschwaden und tauglänzenden Wiesen in meinem Laufrevier.

Ich genieße den herbstlichen Sonnenschein, während mir der Deich im Rücken den kalten Nordost-Wind vom Leibe hält 🙂

Ich freue mich über das noch satte Grün und über das was da auf und neben den Wegen noch so alles grünt und blüht.

Der Gedanke wieder unbeschwert laufen zu können und überhaupt zumindestens körperlich gesund zu sein, zusammen mit dem Natur erleben, dass läßt mich schon dankbar sein. Trotzdem muß ich noch ein Zeitlang mit meiner Krise in dieser Krise leben. Immerhin geht es mir inzwischen erheblich besser als zum Tiefpunkt Mitte Juni. Zwar wird sich die Achterbahnfahrt noch weiter fortsetzen, aber immerhin komme ich auch schon ohne Medikamente aus und so hoffe ich für mich, dass ein Ende meiner Krise und für uns alle, daß ein Ende der großen Krise möglichst bald in Sicht kommt.

Lückenschluß

Mitte Mai bin ich das letzte Mal zu meiner Schwiegermutter nach Berne getrabt. Mein Vorhaben, erstmals die komplette Strecke von etwas über 20 km barfuß zu laufen, wurde damals allerdings gleich zu Anfang durch einen mit gröbstem Asphalt neu asphaltierten Streckenabschnitt torpediert. Einen Kilometer und im weiteren Verlauf des Laufs später noch einmal 200 m mußte ich deshalb von meiner Barfußbilanz abziehen.

Fünf Monate später habe ich heute einen neuen Versuch gestartet. Dazu habe ich oben genannten Streckenabschnitt umlaufen, was zu einer geringfügig kürzeren Stecke geführt hat. Ansonsten war die Strecke dieselbe wie im Mai. Dabei hatte ich Riesenglück mit dem Wetter. Auf dem Regenradar waren so viele Schauer zu sehen, dass ich kurzzeitig überlegt hatte, gar nicht erst loszulaufen. Erwischt hat mich dann allerdings kein einziger. Bis auf ein paar vereinzelte Tropfen blieb es komplett trocken. Das nutzten auch die Landwirte zur Maisernte aus. Während ein Mähdrescher seine Arbeit machte, lauerten einige Jäger darauf, dass ihnen das ihres Verstecks beraubte Wild direkt vor die Flinte lief. Jäger sind mir immer nicht geheuer und ich machte mich schnell aus dem Staub.

Wieder ging es ca. sieben Kilometer über einen grasbewachsen Feldweg. Dieses Mal war er allerdings schön feucht und weich und nicht ausgedorrt und knüppelhart wie im Mai. Teilweise stand zwar das Gras etwas hoch und es nervten einige Disteln (die nicht immer so gut sichtbar waren wie auf den Bildern), aber das war es auch schon an Ungemach auf diesem sehr geschmeidigen Lauf.

Nach exakt 20,1 km stand ich bei Schwiegermuttern vor dem Haus. Damit bin ich eigentlich nur 100 m mehr barfuß gelaufen als im Mai, aber eben halt das erste Mal die ganze Strecke und nur das zählt! 😎 Aufgrund dieser Heldentat war der Kuchen natürlich mehr als verdient 😛

Im Hintergrund meine allerbeste Schwiegermama!

Aufsatz über den Aufsatz

Oliver hatte vor einigen Wochen einmal ein kurzes Video veröffentlich, in dem man sich wunderbar seinen sauberen Laufstil anschauen konnte. Leider finde ich das auf seiner Seite gerade irgendwie nicht wieder, sonst hätte ich es gerne direkt verlinkt. Seinerzeit kam mir die Idee auch noch einmal via Video zu schauen, wie es denn mit meinem Laufen so aussieht und habe mich mal selber „gedreht“. Allerdings kam dann leider erst einmal eine Zeit, in der ich andere Sorgen und das Bloggen für ein paar Wochen eingestellt hatte. So fiel die Idee hintenrunter und sie kam mir erst jetzt wieder ins Gedächtnis.

„Früher“, also vor noch nicht einmal vier Jahren, bin ich ja noch ganz in „normalen“ Laufschuhen über die Ferse gerannt. Eine Umstellung auf minimales Laufen und des Laufstils kam mir noch nicht ernsthaft in den Sinn und die gut gedämpften Laufschuhe gaben einem ja auch keinerlei Rückmeldung über den Fußaufsatz.

So sah er damals noch aus, mein Laufstil:

Warum ich nach schon über einem Jahrzehnt Rennerei meinte an meinem Laufstil etwas ändern zu müssen, waren die immer wieder auftretenden Fersenprobleme, von denen ich vermutete, dass sie durch das über die Ferse abrollen ausgelöst wurden. Darüber hinaus gab mir meine Hüfte immer zu verstehen, wenn die Dämpfung meiner Treter runtergeritten und am Ende war. Angefixt durch das minimaliste Laufen von Oliver und Christian, wollte ich auch auf diesem Wege meinen Laufstil umstellen, das Barfußlaufen kam mir dabei anfänglich gar nicht in den Sinn.

Das Barfußlaufen war eigentlich nur als Umstiegshilfe auf den neuen Laufstil hin zum Vor- bzw. Mittelfuß gedacht, weil ein direkteres Gefühl für den Untergrund kann man nicht haben und barfuß auf Asphalt mit der Ferse abzurollen, schließt sich einfach von selbst aus. Lange Rede kurzer Sinn, welche Entwicklung das Ganze genommen hat, trete ich hier ja ausgesprochen reichlich breit. Das ich mich dabei nicht zum reinen Vorfußläufer entwickelt habe, sieht man an den kompletten Fußabdrücken, wenn ich mal mit nassen Füßen über trockenen Asphalt laufe.

Verschiedentlich habe ich gelesen, dass es beim Barfußlaufen auch genauso sein soll. Am besten hat mir einmal eine Formulierung gefallen, dass die Ferse sacht den Boden küsst, und so küssen meine Fersen nun bei jedem Lauf tausendfach den Boden, dass Papst Johannes Paul II nur neidisch werden könnte, so er denn noch leben würde 😆

Nun aber endlich zu dem, was ich hier eigentlich loswerden wollte, das narzisstische Bildmaterial eines inzwischen mehrheitlich barfuß laufenden Deichläufers 😛 Grundsätzlich scheint mein Laufstil auch halbwegs okay zu sein, von einem leichten Auf- und Abwärtspendeln vielleicht einmal abgesehen, und ich bin einigermaßen zufrieden.

Den Fußaufsatz auch noch einmal in Nahaufnahme:

Was sich leider nicht erfüllt hat, ist die Hoffnung, dass meine Fersenprobleme verschwinden. Wie erst jüngst wieder geschehen, macht die ein oder andere von ihnen doch immer mal wieder Probleme. Damit werde ich also wohl weiterhin leben müssen. Die Hüfte hat sich allerdings in den letzten knapp drei Jahren nicht einmal mehr gemeldet, so dass ich vermute, dass mein geänderter Bewegungsablauf, zu dem ja auch kürzere Schritte und ein Beinaufsatz unter und nicht mehr vor dem Körper gehören, doch insgesamt schonender ist. Seit der Umstellung haben sich auch meine Laufumfänge etwas erhöht und ich kann in dem Stil schneller laufen als früher, so ich denn wollte. Auch wenn es mir nach wie vor nicht gelingt komplett verletzungsfrei unterwegs zu sein, brauche ich auf der anderen Seite im Laufalltag weniger Regenerationszeit.

Es ist also auch ohne Schuhe bzw. dem sparsamsten Einsatz von Fußschutz nicht alles Gold was glänzt, aber ich bin mit meinem Umstieg trotzdem mehr als zufrieden und der Laufspaß hat insgesamt noch einmal zugenommen. Spreche ich deshalb eine Empfehlung für das „Natueral Running“ aus? Nein, dass werde ich nach wie vor nicht tun. Zu unterschiedlich sind die Läufer und jeder soll nach seiner Facon selig werden.

Deshalb einfach nur:

Keep on running!

Wenn das Normale zum Besonderen wird

Gedankengänge und Erlebnisse:

Samstag, 03.10., 16:00 Uhr: Nach der Teatime bei Muttern könnte ich eigentlich noch laufen gehen. Wie wäre es mit der 14 km-Standardrunde? Hmmmm, schon lange nicht mehr so weit gelaufen.

Samstag, 03.10., 17:00 Uhr, Vier Tassen Tee getrunken, zwei Stücke Pflaumenkuchen intus: Zieh das Radshirt an, dann kannst Du die Sandalen hinten in die Taschen stecken und nach Bedarf anziehen…. Nein, nimm den Laufrucksack, da passen Sandalen, das Smartphone und der leichte Windbreaker rein, dann bist Du auch für den angekündigten Regen gewappnet.

Samstag, 03.10., 17:15 Uhr: Ich starte und plane gleich meine Strecke um. Lauf durch Bornhorst, den Radweg entlang der Hauptstraße, dann sparst Du Dir die rollsplittversaute Strecke und somit die Sandalen. Gesagt, getan. Drei Kilometer später biege ich auf die schmale Strecke Richtung Großer Bornhorster See ab, mir folgen etliche Autos, ausrechnet hier, wo der Asphalt so schlecht ist und das Barfußlaufen volle Konzentration braucht. Ein Unfall auf der Landstraße führt zu diesem hohen Verkehrsaufkommen auf meiner Laufstrecke, da bin ich froh, dass ich nach ein paar Hundert Metern zwischen Haupt- und Umleitungsstrecke noch eine Alternative genau in der Mitte laufen kann.

Wenig später sprinte ich kurz über die Landstraße, da der parallele Radweg erneuert wird, um auf meinen Lieblingsweg durch die Bornhorster Wiesen abbiegen zu können. Es läuft, ich bin happy. Das Tempo sogar einen Hauch flotter als in all den letzten Wochen und Monaten und ich heimse noch eine anerkennende Bemerkung für mein Barfußlaufen ein.

Wenig später hält mir einer von zwei jungen Männer bei dem Parkplatz die Pforte neben dem Gatter auf. Auf meinen Dank kommt ein “ Das kostet aber einen“ (die beiden haben jeweils eine Bierdose in der Hand, sind aber super freundlich), ich erwidere, dass ich beim nächsten Mal etwas für die beiden dabei haben werden. Es läuft, ich freue mich über die Begegnungen und fühle mich großartig.

Weiter geht es entlang der Hunte, anschließend die Treppe hoch zur Huntebrücke und die Rampe runter. Unten angekommen biege ich statt nach links nach rechts ab, so umgehe ich erneut die Rollsplittstrecke und laufe erneut den Radweg entlang der Hauptstraße durch Bornhorst, biege ab nach Ohmstede, die Sandalen bleiben die ganze Zeit im Rucksack. Es läuft!

Ca. 19:00 Uhr, es beginnt zu regenen. Ich komme wieder zuhause an und kühle noch etwas vor der Haustür ab, da kommen meine Nachbarin und mein Nachbar mit Hund vorbei. Mein Nachbar ist vor kurzem angefangen zu laufen, er staunt immer noch über meine Barfußlauferei und es folgt ein nettes Lauf-Gespräch im Regen.

Ich bin 15,2 km gelaufen. Das letzte Mal, dass ich weiter gelaufen bin, war am 16.05. !!! Hammer! Eine Distanz, die für mich absolut normal war, wird 4 1/2 Monate später zu etwas ganz besonderen. Und es war sooooo mega und absolut geil!

Merke: Man sollte nichts für selbstverständlich erachten. Das was lange normal war, kann plötzlich etwas ganz Besonderes und ein absolutes Highlight sein. Natürlich hoffe ich, dass dieses Highlight und auch noch etwas mehr wieder Normalität wird, wenn das passiert werde ich mir dessen hoffentlich mit noch etwas mehr Dankbarkeit bewußt sein!

Motivation

Sylt ist Geschichte. Trotz corona- und gesundheitlich bedingter Einschränkungen war es sehr schön. Leider war ich eigentlich fast die ganzen 14 Tage dort etwas kränklich, so dass sich das Laufen auf lediglich zwei Läufe gleich zu Beginn beschränkte.

Zwar geht es mir inzwischen wieder gut und auch der Ruhepuls, der in den letzten Wochen teils exorbitant hoch gewesen ist, zeigt jetzt schon gelegentlich wieder Werte in den 40iger an, aber die Motivation war irgendwie restlos im Keller.

Montag fuhr ich dann weiter um noch einige Tage in Berlin zu verbringen und auch hier genoß ich die wunderbaren Spätsommertage lieber relaxend als laufend. Bis mich am Dienstag eine E-Mail erreichte. Forbi, ein im Norden Berlins lebender Blogbekannter über meinen Barfuß-Blog fragte an, wann ich das nächste Mal in Berlin bin. Er würde gerne geocachend eine Runde über das Tempelhofer Feld drehen. Tja, nun bin ich ja schon da und ruckzuck sind wir gestern gemeinsam losgetrabt um die von Forbi anvisierten Geocaching-Punkte zu suchen.

Ich hatte bis dato von Geocaching keinerlei Ahnung und bin einfach mal mitgetrabt. Das man dazu sogar auf Bäume klettern muß um an das Objekt der Begierde zu kommen, war mir erstrecht nicht bekannt und ich war fassungslos als Forbi auf eine Filmdose in einem Baum in fünf bis sechs Meter Höhe wies.

Wir rumpelten einen Müllcontainer heran, damit Forbi an den ersten tragfähigen Ast gelangen konnte und dann wieselte er wie ein Eichhörnchen den Baum hinauf, gelangte an die Filmdose und war wenige Momente später wieder zurück.

Ich stand nur bauklotzestaunend unter dem Baum, wie Forbi da barfuß durch den Baum wuselte, hab ich doch schon Höhenangst, wenn ich nur auf einen Stuhl steige 😀

Darum war ich auch nicht unfroh, als er wohlbehalten wieder unten angekommen war 😀

Das nächste Geocaching-Versteck befand sich erfreulicher Weise auf nur 1,80 m Höhe. Kaum waren von Forbi die entsprechenden Notizen gemacht, wurden wir von einem Läufer angesprochen, der sehr an unsere Barfußlauferei interessiert war. Bestimmt 10 min unterhielten wir uns mit ihm und in der Zeit lief noch ein anderer Läufer in Barfußlaufsandalen an uns vorbei.

Nach Ende des Gesprächs umkurvten wir noch das Tempelhofer Feld in der inzwischen recht weit vorgeschrittenen Dämmerung.

Auf dem Rückweg durchquerten wir einen schon recht dunklen Park, Forbi leuchtete mit seinem Smartphone und fischte fast nebenbei noch ein drittes Geocaching-Ziel ab.

Dann war es das, nach 7,5 km auf meiner Garmin und 8,4 km nach Forbis Aufzeichnungen beendeten wir den Lauf. Für mich war die Anfrage von Forbi eine gute Motivation wieder loszulaufen und Länge und Pausen paßten sehr gut für einen ersten Neustart.

Da waren zur Feier des Laufs und der erreichten drei von vier Geocoaching-Zielen Pizza und Bier mehr als redlich verdient 😀

Das war ein coole Sache und ich freue mich sehr Forbi persönlich kennengelernt zu haben.