Läuft sich weg oder auch nicht

Seit ca. zweieinhalb Jahren terrorisiere ich meine Leserschaft nun schon mit meiner Minimal- und Barfußlauferei. Ein Thema glänzte in dieser ganzen Zeit allerdings durch völlige Abwesenheit, nämlich das Thema Verletzung. Bis auf eine kurzzeitige Verhärtung im rechten Unterschenkel gab es da über die gesamte Zeit nichts zu vermelden. Die Umstellung verlief so reibungslos, dass es mir selber schon manchmal unheimlich wurde. Zeit also, sich dem Thema mal wieder zu widmen.

Seit einigen Wochen verspürte ich immer wieder mal einen mehr oder minder dezenten Schmerz aus dem Inneren des linken Fußes. Selten während des Laufens sondern in der Regel immer danach. Auch nie langanhaltend und auch nicht sonderlich stark. Außerdem ließ er sich durch ein wenig Fuß- und Zehengymnastik immer wieder gut wegarbeiten. Das mal ja und mal nein ließ mich auch von dem Gedanken an eine sich möglicherweise ankündigende Überlastungsfraktur absehen. Deshalb lief ich auch munter weiter, so manches Zimperlein verschwindet ja schließlich so wie es gekommen ist. Bis zu meinem Lauf am Montag, da wurde der Schmerz auf einmal beim Laufen deutlich und kurze Zeit sogar überdeutlich. Das es so nicht gut läuft wurde mir erst ungefähr zum Wendepunkt meiner 14 km-Strecke deutlich und so mußte ich den Lauf im  Notlaufprogramm noch irgendwie zu Ende bringen.

Tagsdrauf ging dann gar nichts mehr, ich konnte mit dem Fuß nicht mehr auftreten, Treppensteigen wurde zur Qual und jede Fehlbelastung ließ mich jubilieren. Also doch eine Fraktur? Dies vermutete auch der Orthopäde, den ich glücklicherweise kurzfristig kontaktieren konnte. Allerdings war ihm der Schmerz dafür noch nicht ausgeprägt genug und auch das Röntgenbild blieb ohne Befund und zeigte ein kerngesundes Fußskelett. Es besteht zwar noch ein minimales Risiko eines auf dem Röntgenbild unsichtbaren Haarrisses, wovon der Orthopäde allerdings nicht ausgeht. Das würde sich aber zeigen, wenn sich die Beschwerden über die nächsten 14 Tage nicht bessern. So blieb eine konkrete Diagnose für die Schmerzen erst einmal aus.

Ich vermute mal, dass eine oder mehrere von den Sehnen, die die einzelnen Zehen ansteuern rebellisch geworden sind und die Ursache dafür könnte darin liegen, dass ich in diesem Jahr doch schon so einige Kilometer mehr auf dem Tacho habe als z. B. im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nachdem ich 2018 bis Ende Juni gute 860 km gelaufen bin, sind es in diesem Jahr schon gute 1200 km. Darüberhinaus bin ich in diesem ersten Halbjahr 2019 schon fast auf den Kilometer genau soviel Kilometer barfuß gelaufen wie im gesamten Jahr 2018. Es lief halt so gut und so bin ich seit geraumer Zeit auch gerne mal mehrere Tage hintereinander unterwegs und überhaupt soviel wie noch nie seit Beginn meiner Laufaufzeichnungen.

Vielleicht war das wohl doch etwas to much. Nun liegt erst einmal die Kraft in der Ruhe und es wird geschont, gekühlt und gemagerquarkt und dann hoffe ich mal, dass sich das ganze nicht so ewig hinzieht. Wie schön, dass gerade Hochsommer ist, da fällt mir das Pausieren vergleichsweise leicht.

Überhaupt lehrt mich diese Malesche auch mal wieder etwas Demut. Wenn ich gestern für die 200 m von der Haustür zur Apotheke und die selbe Strecke zurück eine halbe Ewigkeit brauchte, jeder Bordstein zur Hürde wurde und ich dabei gehörig ins Schwitzen geriet, dann hat mir das mal wieder deutlich gemacht welche Gnade mir zu Teil wird in der Regel so viel und so weit laufen zu können wie ich will.

 

Verschlimmbessert

Lauftechnisch waren meine acht Tage in Berlin mau. Zuerst der gerissene Riemen an meinen Pies Sucios nach nur vier Kilometern im Grunewald, dann brachte mir der erste Lauf in den als Ersatz gekauften Chala-Sandalen doch eine Scheuerstelle, verursacht durch den Fersenriemen, so dass sich weitere Läufe bis zu meiner Abreise erübrigten.

Zum Glück bietet Berlin ja genügend Alternativen zum Laufen, so lockte z. B.  die große Hitze an den Müggelsee, wo die Straßenbahn mitten durch den Wald fährt um einen bei der Haltestelle „Licht- und Luftbad“ fast direkt am Strand auszuspucken 😀

Zurück in Oldenburg konnte ich Mittwochabend meine Laufrunde drehen. Nach dem Gewitter ist vor dem Lauf und so lief ich einem abziehenden Gewitter quasi direkt hinterher. Bezüglich reißender Pies Sucios- und scheuernde Chala Evo Light-Riemen lief ich meine Standardrunde (beleidigt) erneut barfuß 🙂 Dabei durfte ich feststellen, dass einige der vielen Schadstellen großflächig ausgebessert wurden. Allerdings wurde dafür wirklich der allerletzte und wahrscheinlich billigste Asphalt ever verwendet. Grob und rau überzieht dieser Asphalt die vormals kaputten Stellen. Eine Verschlimmbesserung sondergleichen. Trotzdem waren die Füße überraschend gut drauf. Ich lief sogar noch an den Straßenarbeitern vorbei und einer rief mir zu, ob mir die Schuhe geklaut wurden. Ich blieb daraufhin stehen und fragte, ob sie nicht etwas barfußfreundlicheren Asphalt hätten verwenden können. Da mußten die drei Arbeiter lachen und boten mir an, über den just von ihnen aufgebrachten Asphaltflicken zu laufen und mir so eine schwarze Schuhsohle anzuschaffen. Witzig, die Jungs! 😀

Während des Laufs kam dann noch die Sonne wieder raus und ich durfte bei drückender Schwüle meinen ersten enorm schweißtreibenden Lauf diesen Jahres erleben.

Zum heutigen Utkiek-Lauf hatte ich dann wieder die Pies Sucios Stones an den Füßen. Hunte und Utkiek sagten zu mir: Willkommen zuhause. Die Pies Sucios sagten zu meinen Füßen: Willkommen zuhause. Die Sandalen sind neben barfuß einfach das geilste. Ich glaube ich werde mir wohl einen ganzen Karton Ersatzriemen bestellen müssen 😀

Heute ging es rund

Das erste Mal komplett barfuß auf meiner absoluten Standardhausrunde mit 14 km Länge! Warum das so lange gedauert hat, wo ich doch schon längere Barfußstrecken absolviert habe? Nun ja, so einige Passagen auf dieser Strecke sind nicht gerade die barfußfreundlichsten und vernünftige Alternativen dazu gibt es aber leider keine.

Dazu eine Bilderstrecke mit entsprechenden Erläuterungen:

Das Tempo lag im Durchschnitt bei 6:27. Wobei es sich grundsätzlich etwas schneller angenehmer barfuß laufen läßt. Das ist dann aber ein Spagat zwischen Tempo und dem Risiko dabei auf irgendwelche unsichtbare Steinchen zu treten.

Die grundsätzliche Frage angesichts der Bilder warum denn nun überhaupt barfuß? Der Anteil der wirklich schlechten Wegstrecke an den 14 km beträgt zusammengerechnet ungefähr zwei bis zweieinhalb Kilometer. Der große Rest hingegen läßt sich gut bis sehr gut barfußlaufen und Barfußlaufen ist nunmal einfach geil!

Resümee: Ich kann jetzt also auch meine Standrunde barfuß drehen. Aber jedes Mal werde ich das nicht tun. Zum einem weil die Füße nicht jeden Tag gleich gut drauf sind und zum anderen, weil ich auch immer wieder mal laufen möchte ohne dem Untergrund allzu viel Aufmerksamkeit schenken zu müssen. Dann kommen die Pies Sucios oder die FiveFingers an die Füße, fertig! 😀

Da lacht des Deichläufers Herz

08.06.19 11Stürmischer Wind braust übers Land und zerzauselt das Gebäum, …

… graue Wolken ziehen, schützen vor grellem Sonnenlicht und deckeln die Temperatur auf 16°. Herrlich! Etwas Action in der Atmosphäre und allerbeste Lauftemperatur, da geht mir einfach das Herz auf und beschert mir zu allem Überfluß auch noch Ruhe auf meiner Laufstrecke.

Nicht nur mir, auch die DLRG am Kleinen Bornhorster See braucht nur auf sich selber aufzupassen. Der einzige der sich ins Wasser traut bin ich und tiefer als bis zum Hosenrand gehe ich nicht rein.

Ich laufe gemächlich vor mich hin und genieße einfach nur. Tolle Luft, frische Brise, grandioses Wolkenbild.

Wo soviel Licht ist, gibt es aber auch Schatten:

Aber davon ließ ich mir den Lauf nicht vermiesen. Die Bedingungen und der Lauf selber waren einfach zu perfekt 😎

08.06.19 20

Frische und mäßig warme Luft, stürmischer Wind, atmen können, nicht zerfließen müssen, dass ist beim Laufen halt einfach genau meins 😀

Alles kommt zu dem, der warten kann

Dieser Spruch hat schon in so mancher Lebenslage seine Wahrheit bewiesen und paßt durchaus auch mal im Kleinen. Der unterkühlte Mai war lauftechnisch trotz gelegentlich zickender Fußsohlen ein ausgesprocher guter Monat für mich gewesen. Die frischen Temperaturen taten da ihr übriges, zum Laufen waren sie einfach ideal. Der Juni hingegen startete wettertechnisch mit Pauken und Trompeten und wartete mit in diesem Jahr bis dato noch unbekannter Hitze auf.

Da dachte ich mir, dass ich mit der Akklimatisierung ja nicht gleich mit den allerersten heißen Tagen beginnen müßte und verbrachte die ersten beiden Junitage damit, mich auf meinen Mai-Lorbeeren auszuruhen. Etwas Gartenarbeit und Lümmeln auf der Terrasse können aber auch sowas von schön sein 😆 Zusätzlich leicht fiel mir die Entscheidigung für das süße läuferische Nichtstun durch die Wetterprognosen, die mit Wochenanfang ein Ende der Hitze vorhersagten.

Zwar startete der Montag extrem schwülwarm, aber bis zum Feierabend hatte sich die Wärme verpusemuckelt, die Sonne verbarg sich hinter Wolken und die Temperatur lag satte 12° unter der vom Sonntag. Na, da ließ es sich doch wieder laufen. Zwar schaute ich wegen eventueller Gewitter zwischendurch mal auf`s Wetterradar, aber die Gewitter in der Nähe schwächten sich zu Schauern ab. Die zweite Hälfte des Laufs tröpfelte es etwas unmotiviert vor sich hin. Aber auf dem letzten Kilometer öffneten sich die Himmelsschleusen und bescherten mir -ohne Blitz und Donner- eine schon lange nicht mehr erlebte, spaßige Dusche der Extraklasse, die mich noch zu ein paar Extrametern verleitete.

Die Hitzetage stoisch auf der Terrasse abzuwarten und dafür mit einem feinen Läufchen bei verträglicher Temperatur inklusive Regendusche belohnt zu werden, da lacht doch des Deichläufers Herz 😀 Alles kommt zu dem, der warten kann, klappt zwar nicht immer, aber diesmal hat es genau gepaßt 🙂

Einfache Regel

Seit einiger Zeit schon laufe ich insgesamt etwas häufiger als noch vor ein oder einhalb Jahren. Dieses Mehr an Läufen erkaufe ich mir allerdings dadurch, dass ich immer mal wieder kürzere Läufe einstreue. Um aber die kürzeren Läufe vor mir selber rechtfertigen zu können, habe ich mir eine einfache Regel aufgestellt: Alle Läufe im einstelligen Kilometerbereich laufe ich etwas schneller. Die zweistelligen Läufe darf ich dafür in meinem gewohnten Einheitstrott dahintraben 🙂 Einheitstrott heißt dann eine 6 vor dem Doppelpunkt und etwas schneller eine 5 und ganz selten auch einmal eine 4. Nix wildes also, aber zumindestens verpflichte ich mich so zumindestens mal zu einem Hauch von Tempotraining.

Im Alltag funktioniert das ganz gut. Gelegentlich kommt es sogar vor, dass ich auch einen zweistelligen Lauf im 5er-Bereich laufe, dann darf ich widerum dafür einen kurzen Lauf, quasi als Bonus, auch mal im 6-er Bereich laufen. Habe ich keine Lust auf zügig, muß ich halt einen geplanten kurzen Lauf auf Zweistellig verlängern. Da das bei mir leider häufiger vorkommt, schwänze ich das Tempo und „bestrafe“ mein Schwänzen also durch kilometermäßiges Nachsitzen 😆

Schlußendlich führt das Ganze dazu, dass ich immer noch nicht schneller laufe, sondern nur mehr Kilometer abreiße 😆  Irgendwie kann ich machen was ich will, in Sachen Tempotraining bleibe ich eine faule Sau. Diese einfache Regel behalte ich aber trotzdem bei, weil ab und zu halt doch mal ein einstelliger, etwas flotterer Lauf dabei herausspringt. So wie heute. 7,3 km-Barfußkilometer, allesamt im grünen (5er-) Bereich. Nein, falsch, einer hatte sogar eine 4 vorne, uiiiii 😀

Ich kann so ein Tier sein, wenn ich will. Aber ich will ja immer nicht, so bleibt das Tier halt eben nur die faule Sau! 🤣🤣🤣

Rückschläge

Meine Umstellung auf Minimal und auch barfuß ist über die letzten zweieinhalb Jahre insgesamt sehr erfolgreich und auch nahezu problemlos verlaufen. Bis zum heutigen Tag mag ich angesichts dieser Tatsachen dem Braten eigentlich immer noch nicht so trauen. Da dürfte es mir ja eigentlich ganz gelegen kommen, dass es in jüngster Zeit auch kleine Rückschläge gibt. Zum großen Glück handelt sich dabei nicht um Verletzungen, als solche gehen Überreizungen, wie ich sie z. b. vor 14 Tagen erlebt hatte. nun wirklich nicht durch. Vor zwei Wochen war nach 14 km aus mit Barfuß. Die Sohlen mochten einfach nicht mehr und darum zog ich die mitgeführten Sandalen an und weiter ging es.

Bei meinem Lauf zu Schwiegermuttern am vergangenen Sonntag hingegen, lief ich zu meiner eigenen Überraschung erheblich mehr Kilometer als geplant barfuß, obwohl die Sohlen teilweise mit altem Beton und mittelprächtigen Radweg fertig werden mußten. Nachem ich den gemeinsam mit Manfred gelaufenen „Berglauf“ komplett in FiveFingers gelaufen war, dachte ich mir, dass ich am Donnerstag mal wieder 15 Barfußkilometer an der Hunte traben könnte. In meiner Arroganz nahm ich erst gar keine Sandalen mit, was sich bitter rächen sollte. Schon nach fünf, sechs Kilometer meldeten die Fußsohlen die ersten Reizsignale, aber die habe ich einfach geflissentlich überhort und bin weitergelaufen. Nach gut 10km war dann Schluß mit Lustig, die Fußsohlen gingen in den Streik und ich deshalb in den Gehmodus. Zwischendurch trabte ich noch etwas über die gemähten Deichflächen, das ging, aber die letzten zwei Kilometer stand das Gras zu hoch und ich wanderte komplett zurück zum Start.

Warum die Fußsohlen mal so und mal so reagieren erschließt sich mir augenblicklich überhaupt nicht. Grundsätzlich ist das ja auch kein Beinbruch, aber richtig planbar wird meine Barfußlauferei dadurch nicht. Angesichts eines bis dato genialen Laufjahres 2019 ist das Wort „Rückschläge“ aber vielleicht doch etwas zu hoch gegriffen, vielleicht wäre der Begriff „Rückschritte“ doch passender. Der Ehrlichkeit halber möchte ich aber bei dieser Gelegenheit einfach mal erwähnen, dass bei meiner Barfußlauferei nicht alles nur Eitelsonnenschein ist. Das gilt allerdings nicht für die Minimallauferei oder das Natureal Running, wie auch immer man das Kind nennen mag, als solcher, die verläuft einfach nur genial, Braten hin oder her.

Bei meiner heutigen kleinen, knapp 12 km langen Laufrunde blieben die Pies Sucios komplett an den Füßen, von einem kurzen Fußbad im Kleinen Bornhorster See mal abgesehen, was mir einen prächtigen und bezüglich des Untergrundes nahezu gedankenlosen Lauf bescherte.

Am Barfußthema bleibe ich natürlich trotzdem dran. Mit Geduld und Spucke wird da schon noch mehr gehen, da lachen ja die Hühner! 😀

Variationen

Mein Run to the Schwiegermum ist ja inzwischen ein recht etablierte Geschichte. Etliche Male bin ich nun schon laufender Weise bei ihr aufgetaucht. Dabei habe ich reichlich Variationsmöglichkeiten. Länger, kürzer, dieseits oder jenseits der Hunte, langsamer, schneller, FiveFingers, Sandalen oder barfuß usw. usf. Eine weitere Variante habe ich heute hinzugefügt. Erstmals bin ich nicht zum Kaffeetrinken zu ihr gelaufen sondern zum Mittagessen. Krass, oder? 😆

Gestartet bin ich so ca. viertel vor Neun mit einem komischen Gefühl im Bauch. Bei einer Grillparty am Abend vorher ist mir irgendetwas nicht bekommen. Das hat mir schon den Grillabend etwas verleidet und auch die Nacht fühlte ich mich nicht sonderlich gut. Den Joghurt, den ich vor dem Start essen wollte, stellte ich wenigstens wieder in den Kühlschrank und beschränkte mich auf einen Pott Tee. Drum war ich auch skeptisch, ob der Lauf nach Berne überhaupt eine gute Idee wäre. Sicherheitshalber hatte ich deshalb den Haustürschlüssel eingesteckt um ggf. zu Beginn noch umdrehen zu können. Aber die Beschwerden verschwanden zum Glück nach einigen Kilometern. Wogegen Laufen doch nicht alles hilft 🙂

So beschränkte sich das einzige „Leid“ auf die plötzliche, ungewohnte Wärme und die leichte Schwüle in der Luft, die sich zum Nachmittag hin in Gewittern niederschlug. Ansonsten trabte ich im ruhigen Tempo dahin und konnte mir den Appetit für das anschließende Mittagessen holen. Ich war sogar noch vor Jens in Berne, der mit dem Auto ausgerechnet durch eine Lauf-Schwimm-Veranstaltung ausgebremst wurde, von der ich gar nichts wußte und unterwegs auch nichts gesehen hatte.

Durch einen kleinen Schlenker in Berne habe ich die 21 km (im Verhältnis 7,5 km Pies Sucios und 13,5 km barfuß) vollgemacht. Nach dem Essen wollte ich mich dann für fünf Minuten auf Schwiegermamas Sofa legen und bin dann erst nach eineinhalb Stunden wieder aus dem Tiefschlaf erwacht. Man kann aber auch nichts mehr ab 😆

Überreizt

Ein Experiment habe ich heute versucht und zwar erstmalig einen reinen Barfußlauf über große Teile meiner Standardrunde und noch ein Stück weiter bis in die Stadt. Meine bisher gelaufenen Barfußkilometer sind ja gewissermaßen nur eine halbe Wahrheit, habe ich die doch nahezu immer auf recht barfußfreundlichen Untergründen abgerissen. Deshalb wollte ich es heute mal wissen und bin von der Haustür aus los Richtung Bornhorst. Nach einem Kilometer wird da der Asphalt richtig schlecht. Verwittert, zigfach ausgebessert mit Teerflicken an Teerflicken, dazwischen viele Löcher, Risse und sich lösender Split ist da ein Wegstück von ca. einem Kilometer wahrlich kein Barfußgenuß. Umso erstaunter war ich wie ich da heute problemlos drübergelaufen bin. An ein paar kleinen Stellen bin ich zwar etwas über den Bruch getänzelt, ansonsten lief es sich aber unerwartet gut. Auch auf den folgenden paar Hundert Metern, auf denen der Asphalt so grob und rau ist, dass ich auch über Waschbetonplatten hätte joggen können. Danach gab es zur Belohnung dann erst einmal einen guten Kilometer feinen Feldweg bevor es auf die üblichen, recht gut laufbaren Kilometer durch die Bornhorster Wiesen und entlang der Hunte ging. Hier gibt es nur noch einmal ein zweihundert Meter langes Stück in Waschbetonplattenasphaltqualität. Als ich dieses passiert hatte, merkte ich aber, dass sich die Fußsohlen schon etwas mehr gefordert als üblich anfühlten.

Vergessen durfte ich zwischendurch nicht einen WhatsApp-Gruß an die mir bekannten Laufer beim Freundschaftslauf vom Lauftreff Olewig in Trier zu senden, die leider nicht so einen freundlichen Himmel genießen durften 😦11.05.19 01 Danach trabte ich den Hunteweg weiter bis zu seinem Ende am Klärwerk. Ab dort folgt ein frischgepflasterter Fußweg, eigentlich sehr barfußfreundlich, aber meine Fußsohlen waren in der Zwischenzeit so sehr gereizt, dass es keinen Spaß mehr machte. Als das Gefühl auch kurze Zeit später auf einem gut asphaltierten Radweg, der lediglich mit etwas Grünzeug von den Bäumen garniert war, nicht besser wurde, hatte ich mich deshalb nach 14 km entschieden die Pies Sucios anzuziehen. Obwohl die Fußsohlen absolut unversehrt waren, mochten sie einfach nicht mehr barfuß laufen.

Mit Sandalen an den Füßen machten die letzten gut sechs Kilometer durch die Stadt dann aber wieder Spaß und nachdem ich u. a. an der Spielstätte der EWE-Baskets und dem Neubau der Jugendherberge vorbeigelaufen war…

… zog es mich erstmalig laufend durch die ehemalige Donnerschwee-Kaserne, die in den letzten Jahren zu einem Wohnquartier umgebaut worden ist. Im Prinzip ist das fast fertige Ariel ganz nett geworden, es wirkt nur alles etwas leblos. Origniell finde ich, dass auch ehemalige Fahrzeughallen zu Wohngebäuden umgebaut wurden. Was mich hingegen stört ist das Konzept, dass es in dem ganzen Bereich keine öffentlichen Parkplätze gibt. Zu jeder Wohnung gehören zwei Stellplätze, wer die selber braucht und Besuch bekommt hat eben Pech gehabt, oder eben der Besuch, oder eben die Anwohner der Straßen drumherum. Grundsätzlich habe ich ja gar nichts gegen die Beschränkung des Individualverkehr, aber so geht die Sachen an den Realitäten vorbei, vorallem wenn keine (Nahverkehrs-)Alternativen aufgezeigt werden. Mir soll es egal sein, ich wohne da nicht und als Läufer hat man dort seine Ruhe …

… bis ich zu den komplett neubebauten Flächen kam, dort herrschte ein Verkehr wie vor Gesche ihr Bett, wie man hier etwas anzüglich zu bemerken pflegt 😀 Wahrscheinlich weil dort alles rumjuckelt, was auf dem benachbarten Areal keinen Parkplatz findet 😆 Wie gesagt, mir soll es wurscht sein und drum komme ich zu …

… meinem Fazit für diesen Lauf: Das Experiment ist (noch) nicht komplett geglückt. Der Weg ein kompletter Barfußläufer zu werden ist noch ein langer. Mal schauen, ob ich den jemals wirklich zu Ende gehen bzw. laufen werde 🙂

Ich hatte Zeit und ich hatte Lust

04.05.19 21Deshalb sollte es heute ein etwas längerer Törn werden. Allerdings versprachen die Wetteraussichten nichts Gutes, auch hatte ich gelinde Zweifel bezüglich der Länge, die ich mir vorgenommen hatte. Kalt sollte es sein und immer wieder schauern und graupeln. Der Wetterkartencheck sah aber gar nicht mal schlecht aus. Das Regenradar versprach, dass der kräftige Nordwestwind von der Nordsee her nur noch einen Schauer bringen sollte. Danach war nichts mehr zu sehen. Es sollte sich bewahrheiten! Also auf ging`s, kurz vor Mittag bei gerade mal 8°. Die Luft aber war genial, zwar kalt aber glasklar.

Ich umkurvte zu erst den Großen Bornhorster See …

 … und danach den Kleinen Bornhorster See. Hier erwischte mich der auf dem Regenradar sichtbare Schauer, es war ein Graupelschauer und es wurde mit stürmischen Windböen eiskalt. Da war ich froh, dass ich die Handschuhe in den Rucksack gesteckt hatte, die nun erst einmal zum Einsatz kamen.

Dann ging es weiter Richtung Wahnbek, über die Autobahnbrück der A 29, die vor einigen Jahren einmal traurige Berühmtheit erlangt hatte. Bei dem Bilderbuchwetter, dem Himmel und der Landschaft mochte ich an diese düstere Tat allerdings nicht lange denken.

Schnell hatte ich das dann auch wieder vergessen, lief weiter über flauschige Sandwege und nervige Schotterpisten Richtung Gellener Moor und gönnte mir ein erstes kurzes Päuschen.

Weiter führte mich die Reise nach Fuchsberg, zu einem der Melkhüser, die es hier in der Region gibt. Nach 20 km konnte ich nicht widerstehen und lies mir ein Stück Rhabarber-Baiser-Kuchen und eine große Tasse Tee schmecken. Neben Wasser meine einzige Verpflegung auf diesem Lauf.

So gestärkt trabte ich weiter Richtung Butteldorf um von dort aus wieder Kurs Richtung Oldenburg zu nehmen. Damit wurde dann auch die Laufstrecke wieder so langsam alltäglich vertraut.

Bei dem kräfitgem Wind, der zum Glück mehr von der Seite als von vorne kam, lief ich den Weg entlang der Hunte unter der Huntebrücke durch bis zu seinem Ende beim Klärwerk, bog dann auf ruhige Nebenstrecken ab um so allmählich wieder dem trauten Heim zuzustreben. Nicht aber ohne vorher noch beim Bäcker die Brötchen für das morgige Sonntagsfrühstück gekauft zu haben, justemang bevor er zugemacht hatte. Schlußendlich mußte ich noch ein paar Schlaufen einbauen um die Strecke vollzukriegen, die ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Das hatte dann auch geklappt und nach 42,4 km beendete ich den Lauf und somit zum zweiten Mal in meinem Läuferleben einen Marathon ganz für mich alleine.

Bester Laune und mit noch nicht einmal gestreßten Beinen konnte ich diesen Lauf abschließen. Es hätte sogar noch weitergehen können, aber ich war ja nun schon lang genug unterwegs gewesen. Die Durchschnittspace von 6:27 ist nämlich nur die halbe Wahrheit, da ich jede Laufpause abgestoppt hatte. Wenn man nämlich zwischendurch Tee- und Kuchenpause macht, hier fotografiert, da fotografiert, Sandalen immer mal wieder an- und auszieht und zu guter Letzt auch noch beim Bäcker einkaufen geht, braucht man schon verdammt lange 😀

28,2 km war ich in den Pies Sucios und 14,2 km barfuß unterwegs. Ich will es nicht verhehlen, dass war eine absolut geile Sache heute 😎 Zumal ich in diesem Jahr erst einen einzigen Lauf von 30 km gemacht hatte. Bei so einem frischen Wetter wie heute, bei dem ich nicht ins Kochen gerate, kann ich offensichtlich laufen, laufen, laufen, genial!04.05.19 25