Die stille Seite

Ich gebe zu, der Reiz von Sylt liegt für mich an der Westseite. Hier wo die Insel ihre fast 40 km lange Flanke der offenen See zuwendet, rauscht das Meer und tobt die Brandung, speziell wenn -wie gestern- eine steife Brise pfeift.

Aber Sylt hat auch eine ruhige, stille Seite, die Ostseite. Diese ist dem Wattenmeer zugewandt. Der stetige Westwind wird hier von der Insel abgefangen und hier zieht sich das Meer zweimal täglich im Wechsel der Gezeiten zurück und es läßt sich durch das Watt laufen. Auf dieser geschützten Seite liegt auch der Hafen von Hörnum.

Nach täglichen Läufen am Weststrand hat es mich heute einmal in diese Stille gezogen. Menschen sind hier nur wenige unterwegs. Auf der Wattenseite befindet sich die Kinderstube der Vogelwelt, deshalb kann man nicht überall uneingeschränkt laufen. Auch heißt es beim Trab durchs Watt ein Blick auf die Muscheln zu halten, sonst könnte das Barfußlaufen aufgrund der Scharfkantigkeit durchaus schmerzhafte Folgen haben.

Was an der Wattenseite auch fasziniert sind die ganz anderen Lichtverhältnisse, das Watt und die ruhige See spiegeln in der Sonne und auch der Himmel wirkt noch einmal höher als über der rauhen See. So hat auch die Stille durchaus ihre spektakulären Seiten.

Druckbetankung

10.09.19 00

Nicht was Ihr eventuell denkt, ich rede hier von Druckbetankung mit frischer, klarer Meeresluft. Die Lungen werden regelrecht geflutet mit dieser genialen Luft, die Bewegung ist der pure Genuß und abends bin ich von den vielen Stunden an Strand und Meer auf herrliche Weise todmüde.

Das Laufen am Strand und durch die auslaufenden Wellen ist ein Traum. Das Tempo ist dabei allerdings unterirdisch. Aber wen interessiert dabei das Tempo? Im Gegenteil, jede Sekunde langsamer ist eine Sekunde mehr Laufgenuß 😎  Und wer braucht hier schon Laufschuhe oder -sandalen? 😀

Beherrschung verloren

Endlich Urlaub! Bis in den September auf den Jahresurlaub zu warten, fiel dieses Jahr schon etwas schwer. Aber nun ist es soweit. Gestern ging es (mal wieder) nach Sylt.

Heute morgen eine erste Runde, die so genial war, dass ich in Sachen Laufzurückhaltung nahezu die Beherrschung verloren hatte. Um 10 Uhr war es schon herrlich warm, dazu Sonne satt und noch mehr Meer!

Gute 10 km, davon 7 barfuß, davon 5,4 km Strand und Meer. So ein genialer Lauf ließ sogar Vorfuß und Ferse restlos verstummen. Ein Traum!

Kleinvieh macht auch Mist

Heute habe ich den August läuferisch abgeschlossen. Trotz meiner bescheidenen Wiedereinstiegsläufe führe ich auch weiter tapfer meine Laufstatistik. Als ich in meiner Old-School-Excel-Tabelle für das Monatsergebnis auf Enter drückte, kniff ich die Augen zusammen und machte sie gleich wieder ganz groß auf: Immerhin gute 82 km habe ich mir in diesem Monat auf kurzen Strecken zusammengeeiert. Cool! 😎 Zugegeben: Ein einziger 10er war auch dabei und hat somit die Statistik mächtig gepusht, als ich von der Werkstatt nachhause gelaufen bin, weil mein alter Kleinwagen frisch inspiziert und getüvt wurde 😆

Die letzte Woche war dabei noch einmal richtig heiß und schweißtreibend. Deshalb gab es u. a. nackte Haut und kalte Duschen …

… schattenspendenden Wald am Woldsee …

… und kühlenes Eis zum offiziellen Abschluß der Utkiek-Sommersaison.

Der August geht somit durchaus versöhnlich zu Ende. Im kommenden September werde ich auch nichts forcieren. Endlich steht der Jahresurlaub auf dem Plan und dem Laufen werde ich den gewünschten Raum bieten, aber nicht die oberste Priorität. Somit schließe ich auch aus in den kommenden Wochen zu überziehen.

Kurios

Vor 14 Tagen stand mal wieder der Großhandel in Amsterdam auf dem Programm. Sieben Stunden sind wir durch die Hallen getourt und zur Schonung der Ferse wollte ich eigentlich Schuhe tragen. Eine der sieben Stunde habe ich das in ihnen auch ausgehalten, dann habe ich es doch vorgezogen barfuß zu gehen. Sechs Stunden Betonboden und die Ferse war anschließend ruhig. Hatte der Betonboden vielleicht so eine Art Blackroll-Effekt auf die Ferse ausgelöst? Ich weiß es nicht und ich verstehe es auch nicht. Aber am Montag ließ mich die Erkenntnis erstmals seit Ende Juni mal wieder barfuß traben. 4,3 km und die Ferse war ruhig, während der Vorfuß noch leicht vor sich hin zwackte.

19.08.19 01

Dientag das gleiche Ergebnis auf 5,1 km. Donnerstag auf dem Utkiek 7 km in den Trail-Pies Sucios mit ruhigen Vorfuß und dafür wieder zickender Ferse. Am Freitag 6,1 Barfuß-Kilometer auf dem Weg vom Blankenburger See nach Iprump und zurück mit wieder ruhiger Ferse und leicht murrendem Vorfuß.

Fazit dieser Woche: Die Ferse steht offensichtlich auf Härte und ist scheinbar über das Schlimmste hinweg. Der Vorfuß hingegen ist beim Laufen noch nicht komplett unauffällig, zeigt aber bislang nach den Läufen keinerlei Nachwehen. Vier Läufe brachten immerhin schon über 20 km. Und noch eine Erkenntnis: Wer kürzer läuft hat mehr Zeit zum Relaxen 😀

Entwarnung

Eine Fraktur könne er definitiv ausschließen verkündete heute der Orthopäde nach erneuter Röntgenuntersuchung meines linken Fußes. Soweit die gute und erleichternde Nachricht! 😀

Gute 14 lauffreie Tage sind schon vorbei. Die Schmerzen sind auch schon erheblich weniger geworden, aber noch nicht weg. So zirbelt es immer noch bei unbedachten oder zu forschen Bewegungen (z. B. fand es mein Fuß gar nicht witzig als ich letzte Woche gedankenlos mit ihm einen Türkeil unter eine Tür drückte, barfuß natürlich). Auf der anderen Seite kann ich aber wieder normal gehen und auch Treppensteigen ist wieder möglich, genauso wie unangestrengtes Fahrradfahren.

Der Doc ultraschallte den Fuß auch noch einmal gründlich und stellte dabei an zwei Zehengelenken kleine Wasseransammlungen fest, die Folge einer Überreiztheit sein könnten. Weitere Probleme konnte er nicht erkennen, was ihn mit Blick auf meine brandneuen aborigen Sandals – Tòtem (heute frisch eingetroffen, mehr dazu demnächst in einem anderen Post) zu der Mutmaßung hinreißen ließ, dass eventuell mein Schuhwerk ursächlich sein könnte. Dabei konnte er ja froh sein, dass ich überhaupt etwas an den Füßen hatte 😆 Ich sollte doch einmal die Überlegung anstellen wieder festes Schuhwerk mit Einlagen zu tragen, wobei er auf den Sinn und Zweck einer solchen Maßnahme, speziell der von Einlagen, nicht einging und ich in der Situation einfach nicht auf die Idee kam nachzufragen. Weiterhin sprach er aber, könnte ich „auch so“ nichts kaputtmachen. Ahhhhhhhh jetzt ja, naaaaa dann …… Ärzte! 👿 Dreimal kann meine geneigte Leserschaft raten, welche Schlußfolgerungen ich aus dieser mehr als widersprüchlichen Aussage ziehen werde.

Meine eigene Vermutung geht eh dahin, dass ich in diesem Jahr wohl speziell die Barfußlauferei etwas zu stark forciert habe. Auf schlechten Untergründen kam vielleicht auch eine zur Vermeidung von schmerzhaften Kontakten mit Steinchen und ähnlichem nicht ganz lockere, vielleicht sogar verspannte Fuß-/Laufhaltung dazu. Im Zusammenspiel mag das etwas zu viel Streß für den Fuß gewesen sein.

Sobald ich wieder loslege, werde ich die reinen Barfußetappen wohl erst einmal wieder etwas reduzieren und mich auf gute Untergründe konzentrieren, mal schauen. Aber ein, vielleicht sogar eher zwei Wochen werde ich mit dem Wiedereinstieg noch warten. Erst muß das letzte Fünkchen Schmerz aus dem Fuß verschwunden sein und ein paar Tage Karrenz würde ich auch noch gerne obendrauf packen. Ich hoffe, dass ich bezüglich letzterem auch die Disziplin aufbringen werde.

 

Läuft sich weg oder auch nicht

Seit ca. zweieinhalb Jahren terrorisiere ich meine Leserschaft nun schon mit meiner Minimal- und Barfußlauferei. Ein Thema glänzte in dieser ganzen Zeit allerdings durch völlige Abwesenheit, nämlich das Thema Verletzung. Bis auf eine kurzzeitige Verhärtung im rechten Unterschenkel gab es da über die gesamte Zeit nichts zu vermelden. Die Umstellung verlief so reibungslos, dass es mir selber schon manchmal unheimlich wurde. Zeit also, sich dem Thema mal wieder zu widmen.

Seit einigen Wochen verspürte ich immer wieder mal einen mehr oder minder dezenten Schmerz aus dem Inneren des linken Fußes. Selten während des Laufens sondern in der Regel immer danach. Auch nie langanhaltend und auch nicht sonderlich stark. Außerdem ließ er sich durch ein wenig Fuß- und Zehengymnastik immer wieder gut wegarbeiten. Das mal ja und mal nein ließ mich auch von dem Gedanken an eine sich möglicherweise ankündigende Überlastungsfraktur absehen. Deshalb lief ich auch munter weiter, so manches Zimperlein verschwindet ja schließlich so wie es gekommen ist. Bis zu meinem Lauf am Montag, da wurde der Schmerz auf einmal beim Laufen deutlich und kurze Zeit sogar überdeutlich. Das es so nicht gut läuft wurde mir erst ungefähr zum Wendepunkt meiner 14 km-Strecke deutlich und so mußte ich den Lauf im  Notlaufprogramm noch irgendwie zu Ende bringen.

Tagsdrauf ging dann gar nichts mehr, ich konnte mit dem Fuß nicht mehr auftreten, Treppensteigen wurde zur Qual und jede Fehlbelastung ließ mich jubilieren. Also doch eine Fraktur? Dies vermutete auch der Orthopäde, den ich glücklicherweise kurzfristig kontaktieren konnte. Allerdings war ihm der Schmerz dafür noch nicht ausgeprägt genug und auch das Röntgenbild blieb ohne Befund und zeigte ein kerngesundes Fußskelett. Es besteht zwar noch ein minimales Risiko eines auf dem Röntgenbild unsichtbaren Haarrisses, wovon der Orthopäde allerdings nicht ausgeht. Das würde sich aber zeigen, wenn sich die Beschwerden über die nächsten 14 Tage nicht bessern. So blieb eine konkrete Diagnose für die Schmerzen erst einmal aus.

Ich vermute mal, dass eine oder mehrere von den Sehnen, die die einzelnen Zehen ansteuern rebellisch geworden sind und die Ursache dafür könnte darin liegen, dass ich in diesem Jahr doch schon so einige Kilometer mehr auf dem Tacho habe als z. B. im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nachdem ich 2018 bis Ende Juni gute 860 km gelaufen bin, sind es in diesem Jahr schon gute 1200 km. Darüberhinaus bin ich in diesem ersten Halbjahr 2019 schon fast auf den Kilometer genau soviel Kilometer barfuß gelaufen wie im gesamten Jahr 2018. Es lief halt so gut und so bin ich seit geraumer Zeit auch gerne mal mehrere Tage hintereinander unterwegs und überhaupt soviel wie noch nie seit Beginn meiner Laufaufzeichnungen.

Vielleicht war das wohl doch etwas to much. Nun liegt erst einmal die Kraft in der Ruhe und es wird geschont, gekühlt und gemagerquarkt und dann hoffe ich mal, dass sich das ganze nicht so ewig hinzieht. Wie schön, dass gerade Hochsommer ist, da fällt mir das Pausieren vergleichsweise leicht.

Überhaupt lehrt mich diese Malesche auch mal wieder etwas Demut. Wenn ich gestern für die 200 m von der Haustür zur Apotheke und die selbe Strecke zurück eine halbe Ewigkeit brauchte, jeder Bordstein zur Hürde wurde und ich dabei gehörig ins Schwitzen geriet, dann hat mir das mal wieder deutlich gemacht welche Gnade mir zu Teil wird in der Regel so viel und so weit laufen zu können wie ich will.

 

Verschlimmbessert

Lauftechnisch waren meine acht Tage in Berlin mau. Zuerst der gerissene Riemen an meinen Pies Sucios nach nur vier Kilometern im Grunewald, dann brachte mir der erste Lauf in den als Ersatz gekauften Chala-Sandalen doch eine Scheuerstelle, verursacht durch den Fersenriemen, so dass sich weitere Läufe bis zu meiner Abreise erübrigten.

Zum Glück bietet Berlin ja genügend Alternativen zum Laufen, so lockte z. B.  die große Hitze an den Müggelsee, wo die Straßenbahn mitten durch den Wald fährt um einen bei der Haltestelle „Licht- und Luftbad“ fast direkt am Strand auszuspucken 😀

Zurück in Oldenburg konnte ich Mittwochabend meine Laufrunde drehen. Nach dem Gewitter ist vor dem Lauf und so lief ich einem abziehenden Gewitter quasi direkt hinterher. Bezüglich reißender Pies Sucios- und scheuernde Chala Evo Light-Riemen lief ich meine Standardrunde (beleidigt) erneut barfuß 🙂 Dabei durfte ich feststellen, dass einige der vielen Schadstellen großflächig ausgebessert wurden. Allerdings wurde dafür wirklich der allerletzte und wahrscheinlich billigste Asphalt ever verwendet. Grob und rau überzieht dieser Asphalt die vormals kaputten Stellen. Eine Verschlimmbesserung sondergleichen. Trotzdem waren die Füße überraschend gut drauf. Ich lief sogar noch an den Straßenarbeitern vorbei und einer rief mir zu, ob mir die Schuhe geklaut wurden. Ich blieb daraufhin stehen und fragte, ob sie nicht etwas barfußfreundlicheren Asphalt hätten verwenden können. Da mußten die drei Arbeiter lachen und boten mir an, über den just von ihnen aufgebrachten Asphaltflicken zu laufen und mir so eine schwarze Schuhsohle anzuschaffen. Witzig, die Jungs! 😀

Während des Laufs kam dann noch die Sonne wieder raus und ich durfte bei drückender Schwüle meinen ersten enorm schweißtreibenden Lauf diesen Jahres erleben.

Zum heutigen Utkiek-Lauf hatte ich dann wieder die Pies Sucios Stones an den Füßen. Hunte und Utkiek sagten zu mir: Willkommen zuhause. Die Pies Sucios sagten zu meinen Füßen: Willkommen zuhause. Die Sandalen sind neben barfuß einfach das geilste. Ich glaube ich werde mir wohl einen ganzen Karton Ersatzriemen bestellen müssen 😀

Rosinenbomber

Im Radio hörte ich heute, dass im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums der Luftbrücke am Nachmittag die Rosinenbomber von damals über das Tempelhofer Feld fliegen würden. Eine Landeerlaubnis zu diesem historischen Anlaß auf dem alten Flugfeld haben sie vom Berliner Senat aber leider nicht bekommen.

Da ich ja ganz in der Nähe des Tempelhofer Felds wohne, war es natürlich klar, dass ich mir den Überflug anschauen mußte. So durfte ich erleben, wie die 15 Maschinen über dem alten Flughafen-Areal hinwegschwebten. Sehr cool! Wie geil wäre das erst gewesen, wenn sie dort auch hätten landen dürfen, dass wäre ein Riesenspektakel geworden.

Aber neben dem schönen Anblick der alten Maschinen durfte ich auch erkennen, dass entgegen der Vorhersage der Himmel bewölkt und es nicht ansatzweise so warm wie vorhergesagt war. Perfektes Wetter also um meine am Tag zuvor noch bei großer Hitze erstandenen Ersatzlaufsandalen dem ersten Praxiseinsatz zu unterziehen.

Es sind wieder ein Paar Chalas geworden, diesmal die Evo light. Eigentlich wollte ich nicht gerade wieder Chalas haben, da ich mich mit meinem vor Monaten erworbenen Paar nicht anfreunden kann. Bei denen will die linke Sandale einfach nicht vernünftig sitzen und der Fersenriemen hält nicht an der Ferse. Aber in Berlin war nichts anderes an Laufsandale zu bekommen und die Evo light ist auch etwas leichter als meine Evo 4 XRD. Im Vergleich zu den Pies Sucios machen sämtliche Riemen einen wesentlich solideren Eindruck, weswegen sie allerdings auch nicht ganz so unauffällig am Fuß sitzen.

Nach meinem Barfußspaziergang zum Flugzeuge gucken bin ich also gleich wieder zum Tempelhofer Feld aufgebrochen, nun in Laufklamotten und den besagten neuen Chalas an den Füßen. Anfänglich wollte ich wieder die Krise kriegen, da am linken Fuß schon wieder der Fersenriemen zu rutschen begann, aber nach zweimaligen Nachstellen saß er dann doch so wie er sollte und die Chalas verhielten sich ab da insgesamt recht unauffällig. Wenn da nur das laute Badelatschenklatschen nicht wäre. Die Pies Sucios sind da doch ne Ecke leiser gewesen. Aber egal, ich habe wieder Schutz für die Fußsohlen, da müssen meine Ohren und die aller anderen in meiner Nähe halt mal mit durch.

Zwischendurch lief ich zur Schonung des Gehörs auf einem guten Asphaltstück aber doch mal 1,4 km barfuß. Die Chalas kamen bei ihrem ersten Ausritt auf 9,9 km, dass reichte fürs erste Eintragen, ohne das es zu irgendwelchen Scheuerblessuren gekommen ist.

200 m vor meiner Haustür habe ich dann auf den ersten erfolgreichen Auslauf mit meinem Verlegenheitskauf bei Charlotte vor ihrem Café Plume mit einer Zitronen-Ingwer-Limo mit mir selber angestoßen 😎